Workshop: Modern Sampling 2 – Sample Recording Sessions

12. Dezember 2010

Workshop: Modern Sampling 2

smal

Willkommen zur Folge 2 des neuen Workshops bei Amazona:

Sample Recording Session

Als Mitte der 80er Jahre die ersten Sampler in den Musikgeschäften angeboten wurden, mussten die Verkäufer skeptisch dreinschauenden Interessenten oft praktisch vorführen, wie Samples überhaupt gemacht werden. Man wollte diese neuartige Technologie verstehen, also stöpselten die Leute ein Mikrofon an den Sampler und drückten beherzt den Record Button. Meistens hat dann jemand ein Aaah reingesungen oder auch ein lustiges Wort gesprochen. Die Resultate konnten anschließend unmittelbar auf der Keyboardtastatur gespielt werden, wodurch im Nu der hörbare Beweis erbracht war: Jawohl, es funktioniert! Diese Testsounds waren nicht weiter verwertbar, aber mit dieser simplen Methode war das Prinzip Sampler verstanden.

Gehört zur Standardausrüstung beim Sampeln: Dynamisches Mikrofon

Gehört zur Standardausrüstung beim Sampeln: Dynamisches Mikrofon

Mit diesem erprobten Rezept wollen wir in dieser Folge Modern Sampling an die Sache rangehen und zuerst die Frage in den Raum stellen

Warum selber sampeln, es gibt doch schon so viel?

In der Tat, Sample Librarys gibt es zwar in Mengen, doch es handelt sich dabei um Konfektionsware. Man muss schon Glück haben, wenn der komplette Inhalt einer Sample Library für den eigenen Bedarf passt. Und wie schaut es mit klanglichen Änderungen aus? Grundlegendes Verstehen einer Technologie sorgt für lässig-sicheren Umgang damit. Dann Sie wissen einfach, was unter der Haube vor sich geht, welche Bedienfunktionen es gibt und wo die zu finden sind. Sobald Sie also selber Hand anlegen anstatt Fertigware abzuspielen, erwerben Sie diese Kenntnisse fast völlig automatisch. Als Folge davon sind Sie in der Lage, nicht nur eigene Klangideen zu verwirklichen, sondern eben auch vorhandene Sample Librarys für den Einsatz in Ihrer Musik gezielt zu optimieren. Eigene Samples? Ja logo! Denn obwohl es einen nahezu unüberschaubaren Markt mit Kaufware gibt, kann es durchaus sein, dass bestimmte Sounds entweder nicht, oder zumindest nicht so wie Sie es benötigen, zu haben sind. Und sei es der Eigencharakter von Omas altem und hübsch verstimmten Klavier, den Sie zu gerne in Ihren Musikproduktionen hätten. Oder Sie haben einen neuen Sampleplayer, wollen die Samples des alten importieren und bei der Gelegenheit mit den Features des neuen Players auf Vordermann bringen. Vielleicht hat auch ein Bekannter einen interessanten Analogsynth, auf dessen Sounds Sie scharf sind? Sie stehen auf Verfremdung von Stimmen und basteln sich selbstgemachte Vokalparts zusammen? Dann ist der Sampler Ihr neuer Freund, denn mit dem geht das super! Sie brauchen ein bestimmtes Akkordeon, jedoch nicht all die anderen, die ebenfalls in der 10 GB Sample Library enthalten sind? Leihen Sie sich doch stattdessen eins vom Musikverein und sampeln es schnell mal. Sie brauchen die Sounds Ihres Drummers für die Vorproduktion eines Albums? Sampeln Sie sein Drumkit!

Das alles und noch viel mehr ist Anlass genug, das Sampeln zu lernen. Es ist keine Geheimwissenschaft, sondern ein definierter Job mit festgelegten Arbeitsschritten. Die allerdings sollte man im Einzelnen kennen, denn eine Sample Recording Session will sinnvoll und vor allem zeitökonomisch strukturiert und organisiert sein. Also, los geht’s!

Klangkonzept

Beim Sampeln führen zwei Wege zum Ziel: Ein bestimmtes Instrument soll gesampelt werden, das schließt auch eventuelle Besonderheiten hinsichtlich Spieltechnik mit ein. Oder Vorgaben spielen keine Rolle, Improvisation ist angesagt, und erst nach der Sample Recording Session wird entschieden, was mit dem aufgenommenen Audiomaterial angestellt wird. Ich selber bevorzuge meist die erste Methode. Aufnahmeort kann zuhause sein, im Freien, in Fabrikhallen, der Proberaum vom Gemeindechor, das Profi-Tonstudio.

Recording Studio

Recording Studio

Wie so eine Session abläuft? Das wird weiter unten genau dargelegt, kurz reinhören können Sie aber gleich jetzt. Eine türkische Saz wird aufgenommen, und dafür wurde extra ein versierter Musiker engagiert.

Neben den reinen Instrumentensamples hören Sie auch den Dialog zwischen Producer und Musiker, Informationen zur Saz finden Sie in der Linkliste am Ende dieses Artikels.

Für unser erstes praktisches Beispiel ist das Absampeln akustischer Instrumente aber etwas zu komplex, deshalb nehmen wir lieber was anderes: Stellvertretend für analoge Vintage Synthesizer den miniKORG 700S. Sowas kann statt mit Mikrofon via Line In direkt in den Computer aufgenommen werden und zwar ganz bequem zuhause. Zuerst muss also das Instrument beschafft werden, dann werden die gewünschten Sounds erstellt, mit einem Recordingprogramm aufgenommen, anschließend in Multisamples verwandelt, mit klangformenden Parametern im Sampleplayer veredelt und schließlich inklusive einer Backup-Kopie dauerhaft gespeichert z.B. auf CD-R.

miniKORG700S: Vintage Synth aus den 70ern

miniKORG700S: Vintage Synth aus den 70ern

Der Ablaufplan der Arbeitsschritte sieht im Falle Korg Synthi also folgendermaßen aus:

– Instrument beschaffen
– Gewünschtes Klangmaterial definieren z.B. Bässe und Leadsynths
– Sounds erstellen und Reglerpositionen auf Patch Charts übertragen
– Aufnahme der Sounds in einem Rutsch inkl. Track Sheet erstellen
– Vollständige Prüfung der kompletten Sample Recording Session
– Backup der Originalaufnahme erstellen
– Samples schneiden und editieren
– Multisamples zusammenstellen
– Sounds mit Features des Sampleplayers veredeln
– Backup mit den fertigen Multisamples erstellen

Nun wissen wir also, welche Einzeljobs anstehen und in welcher Reihenfolge sie erledigt werden müssen. Schauen wir uns das im Detail an.

Instrument

Vielleicht haben Sie kürzlich alte Kitaro oder Vangelis Songs gehört, wo der miniKORG 700S eingesetzt wurde? Jedenfalls gefällt er Ihnen, und Sie möchten seine Sounds haben. Da Sie keine passende Sample Library kennen oder kein Budget dafür bereitstellen, entschließen Sie sich für die Do It Yourself Methode. Also sehen Sie sich zuerst nach einem Musikerkollegen um, der einen besitzt und leihen sich das Instrument aus. Wenn Sie keinen kennen, schauen Sie sich einfach in einem Musikerforum um und fragen dort. Oder es gibt ein Musikgeschäft, das sowas vermietet. Vor einer Weile habe ich für die zeitweise Überlassung eines Korg Sigma mal 50 Euro bezahlt, vielleicht passt so eine Lösung ja für Sie auch.

Klangbeispiele
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Ausgezeichneter Artikel. Danke! Ich freu‘ mich schon auf die nächste Folge.

  2. Profilbild
    t.walter  AHU

    Super Artikelreihe!! Da steht wirklich alles drin :-)

    Nachdem man das ein paar mal manuell gemacht hat um die Grundlagen zu erlernen, kann man auch den Samplerobot (Skylife) benutzen, der nimmt sehr viel manuelle Arbeit ab.

  3. Profilbild
    rio  

    Eure Artikel sind wirklich super.

    Nur eine Nebenbei-Frage und kein muss, aber kann dieser Artikel sowie der „Sampling 1“ Artikel auch in einem PDF-Dokument zum Download bereitgestellt werden?

    beste grüße,
    rio

  4. Profilbild
    Stue

    Erwartung erfüllt – Artikel ist euch sehr gut gelungen, freue mich schon auf die Fortsetzung der Serie. PDF-Download fände ich auch hilfreich.

    Grüße

    • Profilbild
      SpotlightKid  

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