Workshop: Modern Sampling – Teil 3

Je nach Sample gibt es noch weitere Bearbeitungsoptionen. Überprüfen Sie die Stimmung des Samples, denn wenn C3 dran steht, dann sollte es das auch definitiv sein. Doch aufgepasst, C3 ist nicht gleich C3! Falls Sie eine reine Stimmung benötigen, sprechen wir hier von 264 Hz und bei einer temperierten von 261,63 Hz, sofern der Referenzton A = 440 Hz ist. Mit einem Stimmgerät lässt sich das optisch anzeigen, und im Audio-Editor korrigieren Sie entsprechend. Es gibt Stimmgeräte als Soft- und Hardware, ich selber bevorzuge Letzteres, und dafür gibt es Gründe: Es gibt sie als chromatische Stimmgeräte mit sehr großem Tonumfang, sie haben ein eingebautes Mikrofon und können ohne extra Verkabelung benutzt werden. Und manche erlauben sogar alternative Stimmungen und Temperierung, wie man es speziell bei Blasinstrumenten, Klavieren und Ethnic Instruments gut gebrauchen kann. Doch selbst einige Audio- und Sample-Editoren wie etwa Awave bieten das, gelegentlich gar mit Auto-Tuning-Funktion. Verlassen Sie sich dennoch immer auch auf Ihr Ohr! Das funktioniert besonders gut, wenn Sie das C3 eines glatten Synthesizertons (Sinus oder Sägezahn, dessen Obertöne mit Filter Cutoff etwas abgedämpft sind) wiedergeben und gleichzeitig das C3 Sample, das Sie gerade in Bearbeitung haben. Solange Sie Schwebungen zwischen diesen beiden Signalen hören, müssen Sie das Sample nachstimmen. Alternativ können Sie Samples auch im Sampleplayer tunen, schauen Sie aber sicherheitshalber zuerst nach, ob Ihr Sampleplayer dieses Parameter auch bietet. Ausnahmen können Instrumente mit sogenannten Naturtönen sein, ein Alphorn etwa. Sowas kann dazu führen, dass Sie mehrere Varianten mit jeweils unterschiedlicher Stimmung der Samples vornehmen werden und dann für jede Anwendung die richtige parat haben. Eine ähnliche Entscheidung steht an, wenn es um ungewöhnlichere Skalen oder Stimmungen geht, etwa Vierteltonabstände bei orientalischen Instrumenten wie die türkische Saz.

Wie Sie sicherlich bemerkt haben, wird ein Sample immer und immer wieder in die Hand genommen, bevor es endlich eingesetzt werden kann. Gewiss kommt es auch auf Ihren Bedarf an, wie weit Sie die Sample-Bearbeitung betreiben wollen, denn es kostet ja Zeit. Sollten Sie also bislang noch nie eigene Samples erstellt haben, dann empfehle ich Ihnen, sich zunächst auf die allerwichtigsten Dinge zu konzentrieren, damit die Samples wenigstens baldigst an den Start kommen und komplexe Bearbeitungsszenarien erst dann anzugehen, wenn Sie sich ein wenig Routine erarbeitet haben.

Sample Fade Out: One Shots werden am Signalende sauber ausgeblendet

Sample Fade Out: One Shots werden am Signalende sauber ausgeblendet

One-Shot Samples können nach all diesen Bearbeitungen sofort in Ihrer Musik eingesetzt werden. Weitere Varianten oder Korrekturen sind natürlich immer möglich, denn Sie können es rückwärts abspielen, kürzen, Effekte integrieren und dann das Resultat resampeln usw. Speichern Sie die Variante einfach unter einem neuen Namen ab.

Manymapper: Damit machen Sie aus vielen Einzelsamples ein komplettes Multisample

Manymapper: Damit machen Sie aus vielen Einzelsamples ein komplettes Multisample

Multisamples dagegen sind etwas aufwändiger zu erstellen, denn hier müssen Sie die Einzelsamples auf der Keyboard-Tastatur organisieren. Bei diesem Arbeitsschritt werden die Originalsamples entsprechend ihrer Tonhöhen z.B. C3 (oder MIDI Note 60) den richtigen Tasten zugeordnet. Dazu verwendet man praktischerweise eine Software, die das automatisch erledigt. Manche Sampleplayer können das auch und bieten dafür eine Import-Funktion an. Voraussetzung dazu ist lediglich ein korrekter Samplename, der dessen Root Key berücksichtigt. Per Knopfdruck ist das Multisample gemappt, und danach haben Sie Gelegenheit, das Resultat zu kontrollieren und gegebenenfalls den Bereich einzelner Key Zonen zu optimieren. Achten Sie bei Tests auf eine gewisse Konsistenz über die gesamte Keyboard-Tastatur hinweg, sowie auf die einzelnen Schnittstellen, wo von einem zum nächsten Sample gewechselt wird. Haben wir es mit den Samples C3, F#3, C4 zu tun, dann befinden sich die automatisch zugewiesenen Schnittstellen bei D#3 und A3. Es kann aber durchaus vorkommen, dass Sie dieses Standardschema aufgrund von unvorhergesehenen Nebeneffekten brechen müssen. Selbst geringe Transponierung eines obertonstarken oder sehr formantgeprägten Klanges kann bereits zu deutlichen Hervorhebungen oder Abschwächungen führen. So kann es wünschenswert sein, den Geltungsbereich einer Zone hier und dort noch um eine oder zwei Noten zu erweitern, weil es auf diese Weise einfach besser klingt als vorher. Manche Sampleplayer bieten zusätzlich Key Crossfade Funktionen an, womit Überblendungen benachbarter Samples kontrolliert und somit glattere Übergänge erzeugt werden können. Auch die Lautstärke der einzelnen Samples kann in diesem Arbeitsschritt überprüft und notfalls korrigiert werden.

Klangbeispiele
Forum
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    AMAZONA Archiv

    sehr schön und überhaupt nicht langatmig das Thema vermittelt. Eine extrem interessante Serie. Prima gemacht Klaus!

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      AMAZONA Archiv

      Danke für’s Feedback, Marko! Gut das zu wissen, denn hier soll der Einsteiger genauso wie der Erfahrene Spaß dran haben. Und das scheint ja zu klappen.

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    bytechop  

    Sehr interessanter Artikel. Ich suche noch ein Tool mit dem ich Loopinformationen in die WAV schreiben kann. Grundsätzlich macht das auch EndlessWav aber Battery lässt trotzdem keine automatisches slicen zu. Battery benötigt AcidLoop Informationen, jetzt möchte ich mir jedoch nicht Acid kaufen und suche nach einem Tool was das ganze eventuell sogar als batch erledigt. Vielleicht habt Ihr ja einen Tipp. Gruß&Sonne T

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    Despistado  

    Kann denn Manytone Manymapper auch für andere Formate als Wusikstation Dateien erstellen?
    Außerdem fehlt auf deren Seite ein Download-Button, obwohl es Freeware sein soll…

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      k.rausch  RED

      Manymapper speichert in den beiden Formaten ws-engine und Dashsnd ab. Es ist kein Freeware Programm, sondern befindet sich auf der Website des Herstellers Manytone Music in der Freezone. Zugang zum Download bekommen Kunden, die dort eines der VSTs gekauft haben, z.B. ManyOne. Das ws-engine Format lässt sich z.B. mit dem Extreme Sample Translator in andere Formate konvertieren, z.B. NI Kontakt, SF2, FXP Halion.

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        Despistado  

        Ach so, schade.
        Gibt’s denn auch ein Freeware-Programm mit dem man Multisamples auf einfache Weise am Computer erstellen kann?
        Sowas suche ich nämlich schon lange.
        Es gibt wohl welche für versch. Formate aber die ermöglichen es „nur“ die Samples automatisch auf nebeneinanderliegende Tasten zu mappen.

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          k.rausch  RED

          Bis heute kenne ich keine entsprechende Freeware. Als preiswerte Lösung hatte ich das daher in den Artikel als passable Option eingebaut, wenn man nicht z.B. Kontakt benutzen will, das ja ebenfalls automatisch mappen kann.

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            Despistado  

            Hm ja, preiswert ist es ja eigentlich schon (wenn ich’s auch etwas seltsam finde, dass ich dafür erst ein Plugin kaufen muss, das ich nicht will) aber die Frage die sich mir stellt ist, ob’s denn auch wirklich einwandfrei funktioniert, also so dass die Samples automatisch richtig verteilt werden (bei korrekt gesetztem Rootkey).

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              k.rausch  RED

              Ja, das tut es. Voraussetzung ist lediglich eine korrekte Samplebeschriftung. Wenn es z.B. Moogbass C3 usw. Wenn du ausschließlich am Manymapper Interesse hast: Einfach eine Mail an den Hersteller senden.

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    TobyB  RED

    Hallo Klaus,

    ich hab mal ein spezielles Problem, aus der Zeit wo ich noch mit Trackern musizierte, habe ich etliche Samples >400 , im wav Format 16 Bit 44.1khz, encodiere ich die nun nach dem Link auf die Apple Supportseite als AIF, bekomme ich zwar AIF Dateien allerdings sind die dann in einem Logic Projekt mit 44.1khz Auflösung etwa 2 Ticks zu lang bei One Shoots ist das kein Thema, aber bei Loops, rutsche ich dann aus dem Taktraster. Ich vermute das beim transkodieren von wav zu aif die Samplingrate auf 24 bit erhöht wird. Hast Du eine Idee?

    Gudde

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      k.rausch  RED

      Ich schaue mir in solchen Fällen die ID Card der Datei an, und zwar im Audio Editor (externe Software, nicht DAW). Daraus wird Sampling Rate und Frequenz ersichtlich. Stimmen die nicht mit einem bestimmten Projekt überein, dann wird das direkt im Editor konvertiert.

      • Profilbild
        TobyB  RED

        Hallo Klaus,

        Danke für den Tipp, ich hab das mal gemacht, sieht schon mal ganz gut aus. Das Dumme ist, das Apple das AIF Format für Apple Loops aufgebohrt hat und im Dateiheader Informationen, wie Pitch, Tempo, Takte und diverse Metadaten packt. Die fehlen, weil iTunes die plattmacht oder nicht befüllt. Also weiter im Handbuch gelesen, Apple Loop Utility sollte bei Logic 8 und 9 Usern sich im Ordner Dienstprogramme verstecken. Einmal laut geschrien, weil mindestens 10 x um den Kirchturm gekreist. Leider kennt dieses Tool keinen Batch Modus. Sondern möchte für jedes Sample die Metadaten von Hand erhalten, dafür nimmt es selbst exotische *.wav und andere Quelldateien an und liefert akkurate Apple Loops :-) Fragt sich nur, wann ich 482 Samples konvertiere.

        Auf ähnliche Weise Funktioniert das auch mit Recyle Dateien, beides ziemlich gut hier beschrieben. Für die wiederum gibt es einen Batchmodus.

        http://hel.....tasks=true

        Für Umsteiger von Windows absolut lesens und empfehlenswert.

        Gudde

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    TobyB  RED

    Ei Gudde ,

    Nachtrag zu Apple Loops Dienstprogramm, damit mein Postfach wieder leer wird.

    1. Das Apple Loop Dienstprogramm ist nicht mehr Bestandteil von Logic X.

    2. Es kann über das Apple Developer Programm und eine Apple ID kostenlos bezogen werden.

    3. https://developer.apple.com/ > Anmelden oder Registrieren

    4. Anschliessend ins DEV Center https://developer.apple.com/devcenter/mac/index.action

    5. View all downloads https://developer.apple.com/devcenter/mac/index.action

    6. Applications > download Applo Loop Utility SDK 3.0.1

    7. Spass haben. :-)

    Warum das dort abgelegt wurde, siehe Dokumentation des SDKs :-)

    ToB

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