Workshop: Modern Sampling – Teil 3

Und nun noch einige Extra-Tipps zu Sample Editing und Sustain-Loops:

– Zerschneiden Sie ein Sample in mehrere Einzelkomponenten und lassen mit den Copy/Insert/Merge Funktionen des Audio-Editors die Teile völlig unterschiedlicher Sounds zu einem ganz neuen verschmelzen. Beispiel: Anschlag eines Cembalo mit dem Anblasgeräusch einer Flöte mischen und dann an eine chorähnliche Wellenform dran heften.

– Aus einer längeren Musikphrase mehrere Momente herauskopieren, die Teile in eine neue Reihenfolge bringen und mit hohen Crossfade-Werten den Klang im zeitlichen Verlauf stark verwässern.

– Mit verschiedenen Sustain-Loop Optionen experimentieren. Je nach Loop-Editor stehen mehrere Loop Modes bereit: Forward, Backward, Forward and Backward (Alternate).

– Loop-Crossfade-Funktionen testen. Die Möglichkeiten reichen von der Beseitigung geringer „Loop Knackser“ bis zur Erzeugung ganz eigenartiger Frequenzvermischungen. Finden Sie die Regeln heraus und greifen bei den jeweiligen Samples zu den Lösungen, die Sie bereits als brauchbar identifiziert haben.

– Hinzufügen einer Release-Section. Manche Sampleplayer erlauben die Wiedergabe von geloopten Samples unabhängig von der Release Phase, diese wird dann gesondert berücksichtigt. Damit können Sie etwa das Rückholgeräusch der Saiten bei einem Cembalo simulieren, das Key Off Geräusch eines Pianos, die originale Ausklangphase eines Synthesizersounds abrufen.

– Pitch Change. Sie können ein Originalsample neu stimmen – von gering bis drastisch. Dadurch ergeben sich andere Transpositionseffekte, und Sie erhalten Klangvarianten. Wenn Sie Time Stretching benutzen und Samples in Originaltonhöhe zumischen, dann ist das gut für ungewöhnliche Soundstacks.

– Benutzen Sie die Round-Robin-Funktion Ihres Sampleplayers, sofern die bereitsteht. Kopieren Sie die Originalsamples mehrfach und ändern bei den Kopien kleine Details wie Tuning und Attack und erzeugen so ein lebendig klingendes Ergebnis.

– Probieren Sie das auch mit Velocity Switch aus und kontrollieren die einzelnen Samples einfach mittels Anschlagsdynamik.

– Berücksichtigen Sie Sample-Start-Modulation, wenn Ihr Sampleplayer das bietet. So können Sie das Anschlagsverhalten beleben und via Velocity kontrollieren.

– Sind Ihnen die Ideen ausgegangen? Rufen Sie einfach einen Musikerkollegen an, der sich mit Samplebearbeitung auskennt und bitten ihn um seine Tipps für die Samples, die Sie gerade in der Mangel haben. Andere Leute, andere Ideen!

– Schicken Sie tobende Kinder ins Kino, erzählfreudige Ehefrauen zu Freunden und vom Job ablenkende Kumpels aus dem Arbeitszimmer. Schalten Sie den Anrufbeantworter ein. Samplebearbeitung sollte am besten unter gewissen Laborbedingungen ablaufen, damit Ihre Konzentration auf höchstem Level bleibt, denn die brauchen Sie. Legen Sie nach 90 Minuten eine kleine Pause ein und atmen frische Luft, holen was zu trinken und arbeiten erst dann wieder weiter.

– Besorgen Sie sich qualitativ hochwertige Samples und trimmen sie mit LoFi Tools auf dumpfen 50er Jahre Sound. Die Resultate werden dann mit der Resample-Funktion neu erzeugt und abgespeichert.

– Sie haben eine tolle Idee für Samplebearbeitung, stecken aber gerade mitten in einer aktuellen Musikproduktion? Schreiben Sie sich die Idee einfach auf und probieren es später, aber kehren Sie schnellstens wieder zur Musikproduktion zurück.

– Falls Sie bei der Sample-Bearbeitung kleine Fehler in Samples finden (Nebengeräusche, Klicken usw.), dann benutzen Sie entweder Plug-ins, um diese Sounds zu „säubern“, oder geben das Material einem professionellen Tonstudio für Postproduktion, das solchen Service anbietet.

– Verwenden Sie zum Zerschneiden von Drum- und Percussionparts Programme wie ReCycle, und isolieren Sie sämtliche Einzelteile als neue Sounds. Wählen Sie die brauchbaren Ergebnisse aus und werfen den Rest in die virtuelle Mülltonne.

So, das war wieder mal ein hübsches Arbeitspensum für Sie. Doch der Lohn lässt nicht lange auf sich warten! Ausgerüstet mit diesem Know How wird es Ihnen leicht fallen, eigene Samples zu erstellen und existierende Librarys für Ihre Zwecke auf Vordermann zu bringen. Das bringt frischen Wind in die Songs und ergänzt Ihren Leistungskatalog, denn nicht jeder Keyboarder und Musikproduzent kann so was.

Noch ein kleiner Hinweis in eigener Sache: Bei dieser Workshop-Reihe bauen die einzelnen Folgen aufeinander auf. Falls Ihnen also an einer bestimmten Stelle der Zusammenhang nicht klar ist, dann schauen Sie bitte in einer der vorangegangenen Folgen nach, wahrscheinlich finden Sie das Gewünschte dort. Das gilt auch für das Website-Archiv, das Sie stets am Ende einer Workshop-Folge finden.

Und wie immer an dieser Stelle ein kleiner Ausblick auf die nächste Workshop-Folge: Es wird um Sounddesign gehen, denn Ihre neuen Samples können mit den Synthese-Features des Sampleplayers weiter veredelt werden. Wir schauen uns genau an, wie das geht. Dynamik, Controller, Filter, Envelopes, Effekte, Mix Mode heißen die Zauberworte – und damit geht dann richtig die Post ab!

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    sehr schön und überhaupt nicht langatmig das Thema vermittelt. Eine extrem interessante Serie. Prima gemacht Klaus!

    • Avatar
      AMAZONA Archiv

      Danke für’s Feedback, Marko! Gut das zu wissen, denn hier soll der Einsteiger genauso wie der Erfahrene Spaß dran haben. Und das scheint ja zu klappen.

  2. Profilbild
    bytechop  

    Sehr interessanter Artikel. Ich suche noch ein Tool mit dem ich Loopinformationen in die WAV schreiben kann. Grundsätzlich macht das auch EndlessWav aber Battery lässt trotzdem keine automatisches slicen zu. Battery benötigt AcidLoop Informationen, jetzt möchte ich mir jedoch nicht Acid kaufen und suche nach einem Tool was das ganze eventuell sogar als batch erledigt. Vielleicht habt Ihr ja einen Tipp. Gruß&Sonne T

  3. Profilbild
    Despistado  

    Kann denn Manytone Manymapper auch für andere Formate als Wusikstation Dateien erstellen?
    Außerdem fehlt auf deren Seite ein Download-Button, obwohl es Freeware sein soll…

    • Profilbild
      k.rausch  RED

      Manymapper speichert in den beiden Formaten ws-engine und Dashsnd ab. Es ist kein Freeware Programm, sondern befindet sich auf der Website des Herstellers Manytone Music in der Freezone. Zugang zum Download bekommen Kunden, die dort eines der VSTs gekauft haben, z.B. ManyOne. Das ws-engine Format lässt sich z.B. mit dem Extreme Sample Translator in andere Formate konvertieren, z.B. NI Kontakt, SF2, FXP Halion.

      • Profilbild
        Despistado  

        Ach so, schade.
        Gibt’s denn auch ein Freeware-Programm mit dem man Multisamples auf einfache Weise am Computer erstellen kann?
        Sowas suche ich nämlich schon lange.
        Es gibt wohl welche für versch. Formate aber die ermöglichen es „nur“ die Samples automatisch auf nebeneinanderliegende Tasten zu mappen.

        • Profilbild
          k.rausch  RED

          Bis heute kenne ich keine entsprechende Freeware. Als preiswerte Lösung hatte ich das daher in den Artikel als passable Option eingebaut, wenn man nicht z.B. Kontakt benutzen will, das ja ebenfalls automatisch mappen kann.

          • Profilbild
            Despistado  

            Hm ja, preiswert ist es ja eigentlich schon (wenn ich’s auch etwas seltsam finde, dass ich dafür erst ein Plugin kaufen muss, das ich nicht will) aber die Frage die sich mir stellt ist, ob’s denn auch wirklich einwandfrei funktioniert, also so dass die Samples automatisch richtig verteilt werden (bei korrekt gesetztem Rootkey).

            • Profilbild
              k.rausch  RED

              Ja, das tut es. Voraussetzung ist lediglich eine korrekte Samplebeschriftung. Wenn es z.B. Moogbass C3 usw. Wenn du ausschließlich am Manymapper Interesse hast: Einfach eine Mail an den Hersteller senden.

  4. Profilbild
    TobyB  RED

    Hallo Klaus,

    ich hab mal ein spezielles Problem, aus der Zeit wo ich noch mit Trackern musizierte, habe ich etliche Samples >400 , im wav Format 16 Bit 44.1khz, encodiere ich die nun nach dem Link auf die Apple Supportseite als AIF, bekomme ich zwar AIF Dateien allerdings sind die dann in einem Logic Projekt mit 44.1khz Auflösung etwa 2 Ticks zu lang bei One Shoots ist das kein Thema, aber bei Loops, rutsche ich dann aus dem Taktraster. Ich vermute das beim transkodieren von wav zu aif die Samplingrate auf 24 bit erhöht wird. Hast Du eine Idee?

    Gudde

    • Profilbild
      k.rausch  RED

      Ich schaue mir in solchen Fällen die ID Card der Datei an, und zwar im Audio Editor (externe Software, nicht DAW). Daraus wird Sampling Rate und Frequenz ersichtlich. Stimmen die nicht mit einem bestimmten Projekt überein, dann wird das direkt im Editor konvertiert.

      • Profilbild
        TobyB  RED

        Hallo Klaus,

        Danke für den Tipp, ich hab das mal gemacht, sieht schon mal ganz gut aus. Das Dumme ist, das Apple das AIF Format für Apple Loops aufgebohrt hat und im Dateiheader Informationen, wie Pitch, Tempo, Takte und diverse Metadaten packt. Die fehlen, weil iTunes die plattmacht oder nicht befüllt. Also weiter im Handbuch gelesen, Apple Loop Utility sollte bei Logic 8 und 9 Usern sich im Ordner Dienstprogramme verstecken. Einmal laut geschrien, weil mindestens 10 x um den Kirchturm gekreist. Leider kennt dieses Tool keinen Batch Modus. Sondern möchte für jedes Sample die Metadaten von Hand erhalten, dafür nimmt es selbst exotische *.wav und andere Quelldateien an und liefert akkurate Apple Loops :-) Fragt sich nur, wann ich 482 Samples konvertiere.

        Auf ähnliche Weise Funktioniert das auch mit Recyle Dateien, beides ziemlich gut hier beschrieben. Für die wiederum gibt es einen Batchmodus.

        http://hel.....tasks=true

        Für Umsteiger von Windows absolut lesens und empfehlenswert.

        Gudde

  5. Profilbild
    TobyB  RED

    Ei Gudde ,

    Nachtrag zu Apple Loops Dienstprogramm, damit mein Postfach wieder leer wird.

    1. Das Apple Loop Dienstprogramm ist nicht mehr Bestandteil von Logic X.

    2. Es kann über das Apple Developer Programm und eine Apple ID kostenlos bezogen werden.

    3. https://developer.apple.com/ > Anmelden oder Registrieren

    4. Anschliessend ins DEV Center https://developer.apple.com/devcenter/mac/index.action

    5. View all downloads https://developer.apple.com/devcenter/mac/index.action

    6. Applications > download Applo Loop Utility SDK 3.0.1

    7. Spass haben. :-)

    Warum das dort abgelegt wurde, siehe Dokumentation des SDKs :-)

    ToB

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.