Workshop: Modern Sampling – Teil 4

29. Mai 2011

Sampling Teil 4

Workshop: Modern Sampling

Folge 4

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Sounddesign

In dieser Folge Modern Sampling widmen wir uns der Klangformung, denn Anlässe für diesen Arbeitsschritt gibt es gleich mehrere. Zunächst wurde bei und nach der Recordingsession das Klangmaterial so vor- und aufbereitet, dass verschiedene gestaltende Details erst im Sampleplayer nachgebildet werden sollen, um das ursprüngliche Klangereignis zu rekonstruieren. Die Gründe dafür sind in den Workshopfolgen Modern Sampling 2 und 3 dargelegt, klicken Sie also im Zweifel einfach noch mal schnell dorthin. Für unsere Vorhaben gibt es je nach Sampleplayer einen ordentlichen Schwung Parameter, die sowohl eine Deformierung der Samples von rudimentär bis drastisch erlauben, als auch ein Art Feinschliff, mit dem man sich den Eigenschaften und dem Verhalten des Originalinstrumentes nähern kann. Bei den aktuellen Sampleplayern haben wir es häufig mit Voraussetzungen zu tun, mit denen weit mehr anzufangen ist, als Samples nur 1:1 wiederzugeben. Für diese Zwecke werden geeignete Features bereitgestellt, und manche rücken gleich mit derart umfangreichen Optionslisten an, dass wir getrost von samplebasierten Synthesizern sprechen könnten. Genügend Anreize also, sich das Leistungsspektrum gründlich im Detail anzuschauen und auszutesten, damit für Sie ein gewisser Wortschatz an Werkzeugen dabei rausspringt. Diese können Sie dann nämlich je nach Fall und Verwendungszweck zielgerichtet einsetzen und müssen nicht lange nach Lösungsansätzen suchen.

Emulator X Screen

Emulator X Screen

Beginnen wollen wir mit der Pflichtübung, und das ist die Rekonstruktion des Originals. Wir erinnern uns: Gesampelt wurde der Kern der Sache, alle Details aber sollten ja erst im Sampleplayer nachgebaut werden. Geht es also um eine multigesampelte türkische Saz, dann stellen wir die ursprünglichen Eigenschaften des Instrumentes mit Hilfe der Parameter des Sampleplayers nun wieder her. Genauer gesagt: Wir rekonstruieren das. In diesem Fall handelt es sich vornehmlich um die Dynamik sowie das Lautstärke- und Obertonverhalten im zeitlichen Verlauf. Mit Dynamik ist die Tonansprache gemeint, die per Anschlagsstärke kontrollierbar ist, und Aufgabe ist es, das Saiteninstrument via Tastatur spielbar zu machen. Die beiden anderen Vorhaben werden mit Hüllkurven (Envelopes) realisiert, am besten in Verbindung mit einem Filter. Das brauchen wir, um den Obertongehalt kontrollieren zu können. Abschließend erfolgt der Feinschliff, im etwas flapsigen Jargon der Sounddesigner auch Polishing genannt. Das geschieht mit Effekten wie Hall, Chorus, Delay usw., die dem trockenen Klang zugemischt werden, sowie mit Spielhilfen (Controller), womit Artikulationsmerkmale des originalen Instrumentes nachgeahmt werden können.

HALion 3 Quick Controls: Das Verhalten der originalen Instrumente lässt sich mit Controllern simulieren.

HALion 3 Quick Controls: Das Verhalten der originalen Instrumente lässt sich mit Controllern simulieren.

Hier zeigt sich schnell, ob ich mich mit dem gesampelten Instrument befasst habe und dessen Eigenheiten halbwegs kenne. Nur so ist es in akzeptablem Zeitrahmen zu schaffen, die wesentlichen Charaktereigenschaften zielsicher auf das Sample zu übertragen. Sobald Sie an dieser Stelle kleinere Informationslücken haben, dann schauen Sie einfach im praktischen Internet nach und klicken sich durch die Links am Ende der Workshopfolgen.

Wenden wir uns nun zunächst dem Lautstärke- und Obertonverhalten zu. Die Saiten der Saz verklingen nach einigen Sekunden, und es dauert um so länger, je tiefer die Saiten gespielt werden. Das geloopte Sample jedoch ist ein nicht ausklingender Dauerton, folglich muss er im zeitlichen Verlauf eine Lautstärkeverringerung erhalten. Dafür wird ein Hüllkurvengenerator herangezogen, und den stellt der Sampleplayer bereit. Grundlagen darüber finden Sie hier: http://de.wikipedia.org/ADSR

Klangbeispiele
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Wie immer sehr verständlich das komplexe Thema rübergebracht. Danke!

  2. Profilbild
    bytechop  

    Klasse Artikel hier, schön zum schmöckern. Mir ist etwas negativ die umständliche Navigation auf Amazona aufgefallen. Eine kleine Liste der weiterführenden oder dazugehörenden Artikelwäre wirklich sehr Userfreundlich.

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