Workshop: Modern Sampling – Teil 5

17. Juli 2011

Modern Sampling 5

Workshop: Modern Sampling

Folge 5

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Formate, Sample Organisation, Special Sounds

In dieser Folge Modern Sampling geht es ums Kleingedruckte. Dabei kann es sich um Dinge handeln, die uns bei der Musikproduktion unerwünschte Hürden in den Weg stellen. Problemlösungen sind also gefragt, und wir beginnen mit dem Phänomen Sample Format.

Damit ist nicht die Samplespezifikation wie Bitbreite oder Samplingfrequenz gemeint, sondern herstellereigenes Format. Und davon gibt es eine ganze Menge, was uns Musikern das Leben nicht gerade leichter macht. Soll etwa ein Sound aus Sampleplayer des Herstellers A in einen der Firma B geladen werden, dann muss die Importoption herhalten. Zunächst gibt es für diesen Bedarf ganz praktische Gründe, zum Beispiel weil Ihr bevorzugter Sampleplayer eine Art Zentrale darstellt und Sie den dank häufiger Benutzung aus dem Effeff beherrschen. Manche Sampleplayer bieten durchaus umfangreiche Importfunktionen, NI Kontakt etwa unterstützt gleich Dutzende Sample Formate. Schon das wirft zwei Fragen auf: Wieso gibt es derart viele Formate, und ist mit dem Import der Samples auch der komplette Sound geladen?

Die Antwort auf die zweite Frage zuerst: Nein, nur das Sample bzw. Multisample, der Sound dagegen benötigt in der Regel noch eine Menge Programm-Parameter mit Einstellungen für Hüllkurven, Filter etc. sowie meistens auch Controller Settings für Modulation Wheel, Pitch Bend, Aftertouch usw. Ebenfalls zu berücksichtigen sind spezielle Darreichungsformen wie Velocity Switches für das Dynamikverhalten oder Key Switches für Klangvarianten, Effekte und ähnliche Zugaben.

Jetzt zur ersten Frage nach all diesen Sampleformaten. Es gibt sie einfach, und das liegt an den Herstellern. Viele haben sich entschlossen, ihre Sampleplayer exklusiv zu gestalten. Das kann konzeptionelle Gründe haben, etwa weil sich damit bestimmte Vorhaben besser realisieren lassen, die im Pflichtenheft der Instrumenten-Spezifikationen zu finden sind. Würde sich der Hersteller einem universalen Format-Standard unterwerfen, dann ist das nur der kleinste gemeinsame Nenner und schränkt definitiv den Rahmen seiner Möglichkeiten bei der Instrumentenentwicklung ein. Im Umkehrschluss bedeutet das: Ein Sample-Import im Fremdformat ist ein angenehmer Zusatzdienst, der dem Musiker zu einer Zeitersparnis verhilft, das gewünschte Ziel, also den bestimmten Sound komplett ins Ziel-Instrument rüberzuholen, aber nur zum Teil erreichen lässt. Als Faustregel rechne ich bei solchen Importen mit einem Faktor von vielleicht 30%. Das klingt wenig, ist aber immerhin etwas und macht bei 1 Stunde Arbeit fast 20 Minuten Zeitgewinn aus, was der Kreativität beim Songwriting zugute kommen kann. Je einfacher ein Sound inklusive klangformender Gestaltung, desto „fertiger“ das Importergebnis. Manche Samples sind bereits „der fertige Sound“, dann passt das also. Haben Sie es dagegen mit einem komplexen Klang bzw. Preset zu tun, wo es jede Menge Velocity Switches oder Parametereinstellungen gibt, dann müssen Sie beim Zielinstrument um so mehr noch selber Hand anlegen. Im ungünstigsten Fall bringt der Import des Fremdformates so gut wie gar nichts, und es kann sogar zeitsparender sein, einfach alles von Grund auf neu zu erstellen und die Samples lediglich im Basisformat wie WAV oder AIFF einzuladen und anschließend den Sound komplett neu aufzubauen. Und zwar sowohl das Multisample als auch das zugehörige Preset.

Unterstützt Ihr Sampleplayer gewünschte Importformate nicht, dann greifen Sie einfach zu einer Konvertiersoftware.

Extreme Sample Converter

Extreme Sample Converter

Die Handhabung ist recht einfach gehalten: Das Ursprungsformat wird gewählt, die Samples von Computerfestplatte gezogen, die Konvertierung initiiert und anschließend im gewünschten Ordner auf der Festplatte gespeichert. So ein Programm bietet in der Regel noch Editiermöglichkeiten an. Das erlaubt es, vor dem Abspeichern im Zielformat noch Korrekturen vorzunehmen. Es kann sich dabei um Loop-Daten handeln oder auch das Verwandeln in andere Bit-Formate, Namensänderungen, Stereo/Mono-Handling etc. bis hin zu spezifischer Lautstärke von einzelnen Samples innerhalb eines Multisamples. Typische Software auf dem Markt sind der oben abgebildete Extreme Sample Translator, CDXtract und chickensys Translator. Die Websites der Hersteller sind am Ende dieser Workshop-Folge verlinkt. Sobald Sie mit einem dieser Programme vertraut sind, lassen sich routiniert selbst umfangreichere Sample Librarys im Schnellverfahren in Ihr Lieblingsformat verwandeln. Zwar bleibt es dabei, dass Sie anschließend noch mal ranmüssen und Presets erstellen oder zumindest den Feinschliff besorgen, aber generell arbeiten diese Konvertierprogramme erstaunlich gut. Das ist auch ein guter Griff, wenn Sie es mal mit etwas exotischen Formaten zu tun haben oder welchen aus der Frühzeit der Sampler-Geschichte. AWave etwa berücksichtigt eine lange Liste, darunter Sample Cell, Ensoniq EPS, Casio FZ1 und viele mehr.

Klangbeispiele
Forum
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    b.morgenstern  AHU

    schöne Serie.
    Von mir aus könnt das noch zwei drei Folgen weitergehen, vielleicht mit noch mehr „special tricks“ oder so.
    Gruß Björn

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