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Workshop Modular Synthesizer: Xpander vs Doepfer A-106-6

Der Vergleich

Von Javier Zubizarretas ausgezeichnetem Alesis Andromeda versus Minimoog Bericht motiviert, wurden der Oberheim Xpander und das Doepfer A-106-6 Xpander Filter mit identischen Sequenzen zeitgleich aufgenommen.

Vergleich zum Original

Vergleich zum Original

Dabei ist der originale Xpander stets rechts, das Doepfer A-100 links zu hören. Als simpler Basisklang dient jeweils ein einziger Oszillator mit Sägezahn. Beginnen wir Betrachtung und Vergleich der Filterarten beider Kandidaten von „unten“, Stichwort Lowpass-Filter …

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A106-1PoleLowPass

Das Klangverhalten von A-100 und Oberheim Xpander ist sehr ähnlich. Beim A-100 ist dennoch MP3-Aliasing zu hören, was auf die stark unterschiedliche dynamische Struktur der Wellenform zurückzuführen ist (siehe Bild). Dann wäre es jedoch an der Zeit, auch die VCAs von Xpander und Doepfer zu vergleichen, was unseren Zeitrahmen eindeutig sprengen würde. Wie dem auch sei: Eine höhere MP3-Sample-Rate hätte diesem File gut getan und Aliasing minimiert …

Deutlich größere Dynamik (in diesem Beispiel) beim Doepfer A-100

Deutlich größere Dynamik (in diesem Beispiel) beim Doepfer A-100

A106-4PoleLowPass

Eine schräge, atonale Melodie in hoher Lage. Klanglich ist punkto Filter nicht viel Unterschied auszumachen. Die „langsame“ (Software-) Hüllkurve des Xpander ist jedoch gut zu hören. Es ist jenes leichte „Glide“, das ein keineswegs optimales Verhalten der Attack-Zeit beim Oberheim deutlich macht („schneller“ geht es nun mal nicht, Tatsache!). Hier packt das Doepfer A-100 System deutlicher klarer, perkussiver zu …

A106-1PoleHighPass

Bis zur Hälfte des Klangbeispiels ist die Filter Resonanz „0“. Hier ist zwischen A-100 und Xpander kein Unterschied auszumachen. Dann folgt eine Fortführung der Sequenz bei maximaler Resonanz, was beim Oberheim Xpander soviel wie „63“ (höchster Wert) bedeutet. Das bringt eine drastische Änderung des Klanges mit sich und erfordert an dieser Stelle einen kleinen Einschub …

Oberheim Xpander und das Phänomen „63“

Xpander bzw. Matrix-12 User werden wissen, worum es geht: Alle Funktionen der Instrumente sind gerastert, wobei in den meisten Fällen „63“ das Maximum darstellt. Nun ist es ein nicht zu leugnendes Phänomen, dass z.B. bei der Filterresonanz bis „60“ gar nicht sehr viel passiert. Dann jedoch steigen die Klangänderungen teils dramatisch an, wobei ganz speziell zwischen „62“ und „63“ ein echter Quantensprung stattfindet. Fast so, als würde man hier die Resonanz mittels eigenem Schalter erst hinzugeben. In diesem Punkt – bei dem speziellen, bauchigen „Klang“ der Resonanz – hat das Doepfer A-106-6 XP VCF etwas das Nachsehen, denn die Obertöne kommen beim original Oberheim einfach besser zur Geltung.

A106-2PoleLowPass-XpanderReso63 geht genau darauf ein:

Beim Xpander (rechter Kanal) wird nach einer Einleitungsphase der Resonanzwert „63“ aktiviert, was sofort zu dramatischen Klangveränderungen führt. Gegen

Ende des Samples fällt der Wert wieder unter „62“ und bringt klangliche Beruhigung mit sich …

A106-FilterModSequ-XpanderReso63 bringt den großen Resonanz-Sprung beim Xpander erst später:

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Allerdings wird der leicht quäkende Envelope-Verlauf des Oberheim wieder gut deutlich, während das Doepfer A-100 System absolut brillant, bestimmend und klar erscheint.

Schlank und fein: Das A-106-6 XP VCF

Schlank und fein: Das A-106-6 XP VCF

A106-1PoleHighPass_2 schließt hier an und widmet sich der farbenreichen Resonanz:

Ein langsamer LFO wird je beim A-100 und beim Xpander zur Modulation der Filterfrequenz hinzugeschaltet (daher das unterschiedliche Erklingen der Filtersweeps). Wie man hört, ist die Oberheim-Resonanz etwas farbenreicher (die Obertöne treten einzeln und klar hervor), während das A-106-6 etwas „härter“ klingt.

A106-2PoleBandPass macht die Unterschiede der Resonanz deutlicher:

Hier kann man die Obertöne am Xpander klar mithören, während das A-106-6 entschieden anders klingt.

A106-4PoleBandPass zeigt die Unterschiede auch klar.

Wobei es jedoch nicht leicht ist zu entscheiden, welcher Klang nun „besser“ ist. Beim Oberheim „passiert“ mehr im dynamischen Selbstresonanzbereich, während das A-100 Sample etwas mehr „Bass“ im Klang hat.

A106-2PoleNotch

Das Notch-Filter finde ich sehr gelungen. Es ist jener leicht „sämige“ Klang, der voll und etwas phaserartig erscheint. Klingt beim A-106-6 exzellent …

10_A106-6-Detail3.jpg

Zum Abschluß noch ein kleines Mix-File beider Testkandidaten. Hier begleitet das A-100 System (A-110 Standard-VCO mit XP VCF „Notch-Filter“) den solistisch eingesetzten Oberheim Xpander (String-Sound).

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Fazit

Das A-106-6 XP VCF „16-fold XPander Filter“ ist ein extremst vielseitiges und leistungsfähiges Filtermodul. Es ist unbestritten, dass das A-106-6 XP VCF in einigen Bereichen vom originalen Xpander-Klangverhalten abweicht (zumindest in diesem Testbericht). Die „bauchige“ und stark „farbenreiche“ Resonanz wird beispielsweise nicht ganz erreicht. Der Kernpunkt ist jedoch, dass die Grundfilterarten (Lowpass, Highpass, Notch) praktisch identisch zum Oberheim sind. Darüber hinaus erhält man mit dem A-106-6 natürlich auch alle weiteren Filtermodi, die den Xpander seit jeher so flexibel und klanggewaltig machten. Das XP VCF Modul ist (neben dem großen Bruder A-107 „Multitype Morphing Filter“) eines der vielseitigsten Filtermodule, das je für ein Modularsystem hergestellt wurde. So lassen sich mit dem XP VCF dank der 8 (!) gleichzeitig verfügbaren Filtermodi unglaublich flexible und variierende Klangszenarien schaffen, die über die Möglichkeiten „gewöhnlicher“ Multimode-Filter weit hinausgehen. Spezieller Dank gilt an dieser Stelle Dieter Doepfer, der Meilensteinen vergangener Synthesizer-Entwicklungen – wie dem Oberheim „Xpander-Filter“ – zu neuer Renaissance verhilft … und diese Konzepte sogar weiter entwickelt (wie z.B. beim A-107 „Multitype Morphing Filter“)!

Plus

  • 8 Filtertypen gleichzeitig (!) verfüg- und abgreifbar
  • einmalige Vielseitigkeit (15+1 Filterarten gesamt)
  • Verhältnis Preis/Leistung ausgezeichnet

Minus

  • Filterresonanz von anderer (weniger "farbenreicher") Qualität als beim Xpander (zumindest bei den hier verwendeten Instrumenten)

Preis

  • 150 Euro
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Klangbeispiele
Forum
    • Profilbild
      Farbfalter  

      Ich bin kein Profie, sollte meine Erklärung Fehler beinhalten, würde ich mich freuen wenn mich jemand korrigiert.
      Der Unterschied zwischen digitalen und analogen Hüllkurven, ist folgender: Analoge Hüllkurven Generatoren sind schneller und unterliegen keiner Auflösung/Abstufung.
      Stell dir vor du hast eine sehr einfache Hüllkurve, die nur über eine decay Regler verfügt. Die decay Zeit ist unterteilt in bspw 128 Schritte, die digitale Version kann nur eine der 128 Werte annehmen, während die analoge Version alle Werte zwischen 0-128 annehmen kann, die übergäng sind daher fließend.
      Hättest du mich vor einem Jahr gefragt, hätte ich gesagt, man höre keinen Unterschied. Aber mittlerweile besitze ich ein Modular System. Besonders in der Synthese von Perkussionsinstrumenten haben analoge hüllkurven die Nase vorne. Bsp. wird für eine Bassdrum im 909 style der pitch für eine Handvoll Millisekunden erhöht. Mit dem analogen A-140 von doepfer kein Problem(im schnellsten der drei Modi). Die komplette ADSR Kurve ist schnell genug um sie in die kurze Zeit eines Kick unterzubringen.
      IMO nur wichtig, wenn du Perkussionsinstrumente synthetisieren willst (oder super schnelle Filter zap‘s)

      • Profilbild
        sebber71

        An der Auflösung und der Schnelligkeit kann es nicht liegen, eine digitale Hüllkurve in einem 96 kHz System löst mit 96.000 Schritten pro Sekunde auf, nicht mit 128 über den ganzen Verlauf (128 Schritte, das hört sich jetzt sehr nach MIDI an, das ist aber eine ganz andere Geschichte). Und digitale Hüllkurven können, weil sie keiner physikalischen Beschränkung unterliegen (der Kondensator muss nicht erst geladen werden etc.), quasi „unendlich“ schnell sein. Daran kann es also nicht liegen. Mit der Erhöhung des Pitch für ein paar Sekunden, da kommen wir der Sache wohl schon näher, aber das ist die Erklärung, wieso die 909 so gut klingt, nicht die Erklärung, wieso analoge Hüllkurven besser sind.

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          Farbfalter  

          Gut erklärt, vielen Dank! Macht Sinn. Wie gesagt ich bin nur ein „Laie“. Die 128 war nur als Beispiel gedacht, natürlich sind die tatsächlichen Werte viel größer.
          Ich frage mich, weshalb ich immer wieder lese, dass die Analogen Hüllkurfen schneller sind. Handelt es sich dabei nur um ein Gerücht?

          • Profilbild
            sebber71

            Ja genau, das frage ich mich auch. Ich habe ein bisschen den Verdacht, dass es noch aus Zeiten kommt, in denen das wirklich so war. Also ungefähr zu der Zeit, als zu viele Schriftarten auf dem Windowsrechner noch den Arbeitspeicher verkleinert haben und Windows 95 zwar auf CD, aber ohne CD-Treiber ausgeliefert wurde :-) Vielleicht kann der Autor ja was dazu sagen?

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              drbach  

              Die digital erzeugten Steuerspannungen, also auch diejenigen der Hüllkürven müssen von digital nach analog gewandelt werden. Dazu dienen Digital-Analog-Wandler. Diese Teile waren zu Zeiten des Xpanders/M12 sehr teuer (sind sie heute noch, ist aber nicht mehr so extrem), deshalb sind in den damaligen Synthesizern meistens nur wenige (zuweilen mal ein einziger DA-Wandler) verbaut. Alle Steuerspannungen müssen sich somit einen DA-Wandler teilen, die Wandlung erfolgt gemultiplexed, dies setzt der Geschwindigkeit schon mal Grenzen. Die Spannungen werden im Anschluss an die Wandlung über eine S&H Stufe analog zwischengespeichert und zudem werden die Stufen geglättet. Diese Faktoren begrenzen allesamt die maximale Hüllkurvengeschwindigkeit.

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                sebber71

                Vielen Dank für die Antwort. Es geht also speziell um die Hüllkurven des Matrix. Irgendwie kam mir das damals, als ich nach gefragt hatte, so vor, als wären alle digitalen Hüllkurven gemeint gewesen. Denn das liest man ja auch manchesmal und da hätte ich gerne mehr darüber gewußt.

                • Profilbild
                  drbach  

                  prinzipiell leiden alle Polysynths aus dieser Zeit darunter, beim Matrix ist es halt aufgrund der Komplexität etwas ausgeprägter

                  • Profilbild
                    drbach  

                    nur dass bei aller Kritik meinerseits kein falsches Bild entsteht, ich bin ein absoluter Matrix 12 Liebhaber

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    Farbfalter  

    Vielen Dank für diesen unglaublich ausführlichen detaillierten Bericht! Habe ihn nochmals durchgelesen und gerade eine Bestellung aufgeben :)

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    Farbfalter  

    Vielen Dank für diesen großartigen Bericht. Nach erneutem durchlesen und weiterer Recherche habe ich mir gestern ein A-106-6 bestellt.

    • Profilbild
      Farbfalter  

      Mittlerweile konnte ich es ausgiebig testen. Bin äußerst zufrieden damit. Ich würde den Klangcharakter als relativ sauber, edel und weich beschreiben. Ich habe etliche Perkusions samples und Pads damit erstellt. Als Vergleich habe ich noch Ripples und das Morpheus Zplane Filter. Ich schätze die schnelle und einfache Bedienung der Doepfer Module. Morpheus ist großartig, aber bedarf im Vergleich viel mehr fein Justierung(aufgrund der enormen Möglichkeiten). Für bass drums, welche mittels Selbstoszillation erzeugt werden, ziehe ich Ripples dem A-106-6 vor. Ansonsten ist der A-106-6 perfekt geeignet für die Synthese von Perkussionsinstrumenten. Von holzig über metallisch bis unglaublich weich und soft ist damit alles möglich. Preis/Leistungsverhältnis ist absolut top. Da dieses Filter soviele verschiedene outputs hat, findet man immer einen freien passenden, um damit die cutoff Frequenz zu modulieren. Dank mehrerer cv inputs kann zusätzlich noch ein envelopes den Filter modulieren, das erleichtert unkomplizierte Filter FM. Ich auch eine 303 gepatcht, da dieses Filter einen 3pol LP besitzt, gezwitschert hat es nicht ganz so wild (auch nicht im 4pol LP), aber angenehm war der Klang durchaus.

  3. Profilbild
    drbach  

    Der Xpander hat 6 CEM3374 Dual VCO (sonst wäre es ja nur ein ein VCO/Stimme Synthesizer) und der Matrix 12 entsprechend 12 CEM3374 (und auch 12 CEM3372 Filter).

    Bei Tubeohm gibt es ein Eurorack DIY Module, welches ebenfalls die Xpander-Filtertopologie abbildet. Der Core wird hier allerdings über die „klassischen“ 13700-OTAs gebildet. Der Core im CEM3372 ist gänzlich anders, trotzdem ist der Klangcharakter des CEM3372 im OTA-Lager anzusiedeln. Ich werde demnächst ein Tubeohm-Module bauen, ich bin dann gespannt, wie es im Vergleich zum Xpander-Filter dasteht.

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