Must-Plays, No-Gos und Gästewünsche: Tipps für Event-DJs
Musikwünsche sind für DJs teilweise Fluch und Segen zugleich. Während sie je nach Genre beim klassischen Clubauftritt eher eine untergeordnete Rolle spielen, gehören sie auf Hochzeiten, Geburtstagen oder Firmenfeiern fast immer dazu.
Gerade bei solchen Events treffen mehrere Generationen aufeinander und die Geschmäcker gehen teilweise stark auseinander. Ein paar Musikwünsche können aber auch dabei helfen, das Publikum besser zu verstehen und die unterschiedlichen Präferenzen einzuordnen.
Das bedeutet aber natürlich nicht, dass jeder Musikwunsch auch umgesetzt werden muss, weder sofort noch zu einem späteren Zeitpunkt. Bei klassischen Gästewünschen bleibt die Entscheidung im Einzelfall selbstverständlich bei euch als DJ. Schließlich sollte ein Song zur Veranstaltung und zum jeweiligen Moment passen.
Worum geht es? Der Workshop zeigt, wie Event-DJs Musikwünsche sinnvoll vorbereiten, einordnen und während einer Veranstaltung berücksichtigen.
- Vorbereitung: Must-Plays, No-Gos und wichtige Wünsche sollten bereits im Vorgespräch geklärt werden.
- Einordnung: Musikwünsche liefern wertvolles Feedback, müssen aber musikalisch zum richtigen Zeitpunkt passen.
- Entscheidung: Der Veranstalter gibt den Rahmen vor, innerhalb dessen der DJ den musikalischen Ablauf gestaltet.
- Flexibilität: Gute Event-DJs verbinden Wünsche mit der Stimmung auf der Tanzfläche, statt sie einfach nacheinander abzuspielen.
Inhaltsverzeichnis
- Musikwünsche und die Rolle des Event-DJs
- Musikwünsche bereits vor der Veranstaltung klären
- Must-Plays und No-Gos
- Playlists des Brautpaars sinnvoll nutzen
- Musikwünsche während der Party
- Der richtige Zeitpunkt ist wichtiger als die Reihenfolge
- Wer entscheidet: Gast, Brautpaar oder DJ?
- Was tun, wenn der gewünschte Song fehlt?
- Musikwünsche digital sammeln?
- Musikwünsche dokumentieren statt vergessen
- Nicht jeder Wunsch muss gespielt werden
Musikwünsche und die Rolle des Event-DJs
Abseits der regulären Musikwünsche von Gästen gibt es häufig auch Vorgaben vom Veranstalter, Geburtstagskind oder Hochzeitspaar, die eine ganz andere Bedeutung haben können als nur eine spontane Eingebung des Publikums.
Dabei lohnt es sich allerdings auch, die Rolle des DJs etwas genauer zu betrachten. Gerade bei Open-Format-Sets oder beispielsweise im Hip-Hop-Bereich kann der direkte Austausch mit dem Publikum intensiver sein als bei einem klar definierten elektronischen Club-Set.
Ein wesentlicher Unterschied liegt jedoch darin, wofür ihr gebucht werdet. Bei vielen Clubauftritten steht der DJ selbst mit seinem musikalischen Stil und seiner Kreativität im Vordergrund. Auf Hochzeiten, Geburtstagen oder Firmenfeiern seid ihr dagegen stärker als Dienstleister gefragt. Das bedeutet aber nicht, dass eure Erfahrung oder die eigene Handschrift im DJ-Set keine Rolle mehr spielen. Schließlich entscheidet auch hier eure Auswahl darüber, ob die Tanzfläche funktioniert und sich ein gelungener Abend entwickelt.
Der Fokus liegt jedoch stärker auf der Veranstaltung und den Personen, für die sie stattfindet. Entsprechend bekommen Musikwünsche und musikalische Vorgaben bei solchen Events eine andere Gewichtung. Somit geht es nicht darum, ob ihr Musikwünsche annehmt, sondern wie ihr als DJ mit diesen umgeht. Mit einer guten Vorbereitung lässt sich bereits vor der Veranstaltung ein großer Teil organisieren.
Musikwünsche bereits vor der Veranstaltung klären
Bei Event-DJ-Aufträgen gibt der Anlass meist eine klare Orientierung. Im Vorgespräch solltet ihr klären, worum es bei der Veranstaltung genau geht. Geburtstage und Hochzeiten sind selbsterklärend, aber es gibt mehr als einen Grund für eine Firmenfeier.
Daraus leitet sich schnell ab, wer die Schlüsselperson des Abends ist: Hochzeitspaar, Geburtstagskind, Firmengründer oder ein Mitarbeiter, der besonders gewürdigt wird. Gerade beim Hochzeitspaar und beim Geburtstagskind solltet ihr also sicherstellen, dass diese musikalisch bestens versorgt werden.
Bei Geburtstagen kann direkt abgestimmt werden, welche Songs nicht fehlen dürfen. In einem solchen Vorgespräch könnt ihr aber natürlich auch gegensteuern, wenn bestimmte Songs eventuell doch zu speziell für den Rahmen sind oder ihr der Überzeugung seid, dass ein bestimmter Track nicht wirklich zur Stimmung passt. Teilt eure Einschätzung und mögliche Bedenken ruhig mit und beugt so bösen Überraschungen vor.
Bei Hochzeitspaaren gilt im Groben das Gleiche. Hier kommen wahrscheinlich noch Songs für feste Programmpunkte hinzu. Dazu zählen beispielsweise der Eröffnungstanz, der Anschnitt der Torte oder Tracks, mit denen das Brautpaar wichtige Erinnerungen verbindet. Solche Wünsche sollten natürlich möglichst berücksichtigt und vorab eindeutig festgehalten werden. Zudem liefern euch diese Songs auch einen Rahmen, an dem ihr euch orientieren könnt.
In einem ausführlichen Vorgespräch könnt ihr nicht nur professionell als Dienstleister auftreten, sondern auch abklären, ob von bestimmten Songs eine besondere Version oder ein Remix gewünscht ist. Dabei lassen sich auch weitere Fragen klären: Welche Genres sollen gemieden werden und welche sind gewünscht? Dürfen sich die Gäste Songs wünschen oder bleibt dies dem Brautpaar und den Trauzeugen vorbehalten?
Must-Plays und No-Gos
Hilfreich ist eine einfache Trennung zwischen Musikwünschen und echten Must-Plays. Ein Musikwunsch bedeutet: Dieser Song wäre schön, wenn er im Verlauf des Abends sinnvoll passt. Ein Must-Play soll dagegen auf jeden Fall gespielt werden.
Genauso wichtig sind No-Gos. Manche Brautpaare möchten beispielsweise keinen Schlager, andere keine Ballermann-Musik oder bestimmte Künstler. Solche Vorgaben solltet ihr festhalten und konsequent berücksichtigen. Dabei lohnt sich eine weitere Rückfrage: Ist ein Genre vollständig ausgeschlossen oder geht es nur darum, dass davon nicht zu viel gespielt wird?
Playlists des Brautpaars sinnvoll nutzen
Bereits vor dem Erstgespräch könnt ihr anbieten, dass man euch Playlists mit den wichtigsten Songs und dem generellen Geschmack zuschickt. So könnt ihr besser einschätzen, ob ihr den Vorstellungen auch nachkommen könnt und wollt.
Auch wenn ihr je nach Umfang eurer Musikbibliothek eventuell schon einen Großteil der Titel abrufbar habt, bietet es sich an, für jedes Event eine eigene Playlist anzulegen. So habt ihr die Wünsche im Verlauf des Abends schnell griffbereit und behaltet den Überblick, ohne direkt sämtliche Routinen, die ihr als DJ habt, über Bord zu werfen.
Solche zugesendeten Playlists sollten aber natürlich nicht als fertiger Ablauf des Abends verstanden werden. Wiederholen sich bestimmte Künstler, Jahrzehnte oder Genres, bekommt ihr jedoch schnell ein Gefühl dafür, in welche Richtung der Abend gehen kann.
Musikwünsche während der Party
Sobald die Tanzfläche geöffnet ist, kommen meistens auch die ersten spontanen Wünsche. Hier zeigt sich, warum diese durchaus wertvoll sein können.
Ein einzelner Wunsch sagt zunächst wenig aus. Wenn innerhalb von zehn Minuten allerdings mehrere Gäste unabhängig voneinander nach 2000er-Hip-Hop fragen, obwohl ihr gerade House spielt, kann das ein ziemlich deutlicher Hinweis sein. Wünsche sind damit auch Feedback von der Tanzfläche, aber keine Anweisung für den nächsten Übergang.
Eine einfache Antwort wie „Habe ich auf dem Schirm“ ist deshalb meist sinnvoller, als einen konkreten Zeitpunkt zu versprechen. Denn niemand weiß, wie sich die Tanzfläche in den nächsten drei Songs entwickelt.
Der richtige Zeitpunkt ist wichtiger als die Reihenfolge
Gerade bei Event-DJs besteht schnell die Gefahr, Musikwünsche wie eine Warteschlange abzuarbeiten. Diese können zu unterschiedlich sein und aneinandergereiht musikalisch gesehen keinen Sinn ergeben. Stattdessen sollten Wünsche dort einsortiert werden, wo sie in den Abend passen. Ein Rocktitel kann sehr gut funktionieren, wenn ihr ohnehin gerade in diese Richtung wechselt. Direkt zwischen zwei Disco- oder House-Tracks kann derselbe Song dagegen unnötig hart wirken. Das gilt ebenso für große Hits. Nur weil ein Song sicher funktioniert, muss er nicht um 21:30 Uhr gespielt werden. Manche Titel sind später am Abend deutlich wertvoller.

Für einzelne Events, Genres oder eigene Konzepte solltet ihr eine Vielzahl an Listen anlegen, durch die ihr euch etwas gezielter bewegen könnt
Wer entscheidet: Gast, Brautpaar oder DJ?
Bei privaten Feiern ist die Hierarchie eigentlich recht eindeutig. Das Brautpaar beziehungsweise der Veranstalter legt den musikalischen Rahmen fest. Innerhalb dieses Rahmens entscheidet ihr als DJ, wie ihr den Abend musikalisch gestaltet. Die Gäste liefern zusätzliche Wünsche oder Hinweise.
Das hilft auch bei schwierigen Situationen: Wünscht ein Gast einen Titel, der ausdrücklich auf der No-Go-Liste steht, muss darüber nicht diskutiert werden. Ihr könnt freundlich erklären, dass der Song an diesem Abend nicht vorgesehen ist.
Etwas schwieriger wird es bei Wünschen, die nicht verboten sind, aber offensichtlich nicht funktionieren würden. Auch hier muss man niemandem erklären, dass sein Musikgeschmack schlecht ist. Ein „Ich schaue, wann ich den passend unterbringen kann“ reicht meistens völlig aus.
Gleichzeitig solltet ihr immer offenbleiben. Nur weil ein Song nicht der eigenen Vorstellung entspricht, heißt das nicht, dass er auf einer Hochzeit nicht funktionieren kann. Entscheidend ist, wie der Titel zur konkreten Veranstaltung und den anwesenden Gästen passt.
Was tun, wenn der gewünschte Song fehlt?
Auch mit einer großen lokalen Musikbibliothek gibt es immer wieder Songs oder Remixe, die man nicht sein Eigen nennen kann und gerade bei privaten Feiern kommen öfter auch recht spezielle Wünsche auf.
Viele aktuelle DJ-Programme und auch einige Standalone-Systeme wie beispielsweise der Denon DJ SC Live 4 oder das Rane System One bieten technisch die Möglichkeit, auf Streaming-Dienste zurückzugreifen. Das kann bei einem spontanen Wunsch praktisch sein. Für einen professionellen Event-Einsatz reicht die technische Unterstützung allerdings nicht aus. Ihr müsst zusätzlich prüfen, ob der jeweilige Tarif und die Nutzungsbedingungen die öffentliche beziehungsweise gewerbliche Wiedergabe überhaupt erlauben. Bei mehreren bekannten Streaming-Diensten ist die Nutzung auf private und nicht-kommerzielle Zwecke beschränkt.
Wichtige Titel und alle vorab vereinbarten Songs sollten aus Gründen der Zuverlässigkeit lokal verfügbar sein. Sofern Dienst, Tarif und Rechte den Einsatz erlauben, ist Streaming eher eine zusätzliche Möglichkeit, um auf unerwartete Wünsche reagieren zu können.
Auch die Internetverbindung solltet ihr realistisch betrachten. Das WLAN einer Location kann unter Last schwanken. Ein Smartphone-Hotspot ist eine zusätzliche Option, ist allerdings immer noch vom Mobilfunkempfang abhängig, der je nach Location auch zum Teil stark eingeschränkt sein kann.
Musikwünsche digital sammeln?
Neben der klassischen Anfrage am DJ-Pult gibt es inzwischen verschiedene Möglichkeiten, Wünsche digital zu sammeln. Das kann beispielsweise über einen QR-Code funktionieren. Auch im Vorfeld könnten geladene Gäste über eine separate kollaborative Playlist bei einem Streaming-Dienst Songs hinzufügen. Der Vorteil dabei ist, dass ihr euch nicht sämtliche Titel zurufen lassen müsst und die Musikwünsche in Ruhe prüfen könnt.
Für viele Veranstaltungen reicht der direkte Kontakt allerdings auch vollkommen aus. Die Entscheidung über Zeitpunkt und Auswahl bleibt trotzdem beim DJ.
Musikwünsche dokumentieren statt vergessen
Ihr denkt bereits zwei Songs weiter, gleichzeitig bittet euch ein Techniker darum, den Bass etwas zu zähmen. Und dann gab es da vor 15 Minuten doch noch einen Musikwunsch. Aber welcher Titel war das? Das kann jedem passieren, ist aber ein guter Grund, solche Wünsche direkt zu notieren.
Manche DJ-Programme erlauben es, Titel schnell in eine vorbereitete Wunsch-Playlist zu ziehen. Bei Songs, die nicht in der Bibliothek liegen, reicht notfalls eine kurze Notiz auf dem Smartphone. Hauptsache, ihr behaltet dadurch den Überblick über das Geschehen und passende Wünsche.
Nicht jeder Wunsch muss gespielt werden
Das ist vermutlich der wichtigste Punkt. Musikwünsche sind Wünsche und keine Bestellungen.
Ein DJ sollte die Gäste ernst nehmen, muss aber gleichzeitig das Gesamtbild der Veranstaltung im Blick behalten. Ein Song, der nur einer Person gefällt und dafür eine volle Tanzfläche leert, hilft niemandem. Umgekehrt gilt das Gleiche, sodass ein Musikwunsch auch genau der richtige Titel zum richtigen Zeitpunkt sein kann.
Es geht deshalb nicht darum, möglichst viele Wünsche abzulehnen oder möglichst viele Wünsche abzuspielen. Gute Event-DJs filtern die Informationen und verbinden sie mit dem, was gerade auf der Tanzfläche passiert. Genau darin liegt am Ende auch der Vorteil gegenüber einer fertigen Playlist. Der musikalische Ablauf kann sich verändern, sobald sich die Stimmung im Raum verändert.




































Danke für den Bericht. Ich hab in meiner Vergangenheit nicht viele Hochzeiten gespielt und wenn dann war es meistens von Freunden von Freunden usw.
Mein tiefer Respekt gilt den Jungs die das regelmäßig machen. Sicher eine der anstrengendsten Kategorien der DJ Ecke. Lange Tage und oft lange Nächte die am Ende mit einem Tisch voll Leute enden die zu tief ins Glas geschaut haben und dann oft auch noch die Kinderstube vergessen. Viele Musikwünsche, viele Unterbrechungen durch Programmpunkte die teilweise unterirdisch sind und alle im Saal verwirren. Hysterische Bräute die mit der Situation total überfordert sind und den Abend künstlich in eine andere Galaxy befördern wollen. Der grimmige Opa der auf seine Oberkrainer wartet usw.
Da ist ein Clubset echt ein Segen dagegen, diese sind auch anstrengend und haben ihre Herausforderungen aber auf eine für mich angenehmere Art.
@DJ-Versil Kann ich als jemand, der jahrelang mit einer Band Tanzmusik gespielt hat, voll und ganz bestätigen.
@DJ-Versil danke daß du das so siehst. Ich war so Jahrzehnte unterwegs. Es hat auch zu meist Spaß gemacht.
@DJ-Versil Ich habe noch grausige Erinnerungen an die Zeit, als ich mich zur Beschallung von Hochzeiten breitschlagen ließ.
Es ist die pure Hölle, wenn gerade alles gut läuft und dann der Schwiegervater kommt und die Musik barsch kritisiert.
Oder die beste Freundin der Braut ankommt und als Nächstes dieses lustige Stück für das Hochzeitsspielchen haben will.
NIE wieder!
@Merkstatt Ja, diese Erfahrungen, die ihr hier teilt, hab ich damals auch des Öfteren gemacht. Und deshalb wie gesagt, mein Respekt an die Jungs die das regelmäßig machen und diese Herausforderungen annehmen und gut meistern.
Ist schon eine ganz eigene Welt
Wir haben mit unserer Rock-Band in den 90ern öfter Veranstaltungen mit DJs gehabt. Einige haben ihre Playlist mit der Band abgestimmt und sich in das Konzept der Veranstaltung integriert. Andere wollten einfach nur lauter sein als die Band. Da kam dann scherzhaft immer die Frage: Gegen wen spielen wir denn heute?
thx🙂! Dj oder Djane ist es nichts für mich.
okay make your day!🙂