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Workshop: NI Guitar Rig 2 / Teil 1


GuitarRig Workshop

Nachdem Amazona.de bereits ausführlich Native Instruments Guitar Rig 1 und 2 getestet und als einer der besten Gitarren-Amp-Simulationen für PC und Mac bewertet hat (siehe AMAZONA.de Archiv), befasst sich dieser Workshop nun tief- gehender mit den Grundlagen zur Erstellung eines amtlichen Gitarrensounds. Gerade weil die Möglichkeiten der Klanggestaltung in Guitar Rig so unglaublich umfangreich sind, entsteht schnell die Gefahr das Wesentliche aus dem Auge zu verlieren –  das Zusammenspiel von Verstärker, Box und Mikrofon. Genau das ist auch das Thema des ersten Teils dieses Workshops.
Äußerst aufwendig simuliert Native Instruments die Aufnahme eines Gitarrenverstärkers in einer Studioumgebung und berücksichtigt dabei viele kleine Details, die alleine schon ausreichen um den Sound drastisch zu verändern.
Ohne Effekthaschereien und nachträgliche Dynamikbearbeitung soll gezeigt werden, wie man allein mit diesen rudimentären Mitteln einer Aufnahmesituation, zu einem äußerst anständigen Klangergebnis kommt. Vorher gibt es aber noch einige nützliche Ratschläge zur Anwendung.

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Tipps und Tricks

Bevor man sich entschließt Guitar Rig 2 anzuschaffen, müssen die Hardwarevoraussetzungen sehr genau überprüft werden, da diese ausschlaggebend für eine rund laufende Anwendung des Programms sind. Zum einen ist hierfür natürlich die CPU des Rechners enorm wichtig, bei der man sich aber ruhig auf den Rat des Herstellers verlassen kann (Windows XP SP2, Pentium / Athlon XP 1.4 GHz, 512 MB RAM oder Mac OS X 10.4.x, G4 1,25 GHz, 768 MB RAM), sich dabei aber nicht nach den genannten Minimal-Voraussetzungen richten sollte. Zum anderen ist die Wahl des Audiointerfaces äußerst bedeutend. Was für Besitzer der ersten Version noch abendfüllenden Gesprächsstoff bot, ist für Neukunden von Guitar Rig 2 deutlich einfacher gelöst. Das USB 2.0 Interface Rig Control wurde standardmäßig in den Lieferumfang der Software aufgenommen und dient nicht nur als Audioschnittstelle, sondern auch als perfekt auf das Programm abgestimmte Bedienerfußleiste.

Für den Durchschnitt der User dürfte Rig Control völlig zufrieden- stellend sein, allerdings für Anwender mit gehobenen Klangansprüchen und Spieltechniken nicht. Entscheidend ist hierbei, dass die Latenz entsprechend der Übertragungsrate von USB 2.0 nur mittelmäßig ist. Wem das zu viel Latenz ist, braucht sich im Bereich der USB-Interfaces nicht auf die Suche nach Alternativen begeben – die passende Antwort lautet dann nur noch: PCI-Soundkarte. Allerdings ordnen sich hier die akzeptablen Modelle auch in einer deutlich höheren Preisklasse an.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Verhältnis des Tonabnehmers der Gitarre zum Bildschirm des Computers. Gerade bei Röhrenmonitoren in Verbindung mit schlecht abgeschirmten Gitarren kann es zu erheblichem Rauschen und Brummen kommen.
Weit gehend einkreisen kann man diese Problem durch die Verwendung eines TFT-Monitors, oder duch die günstigere und sportlichere Variante sich während der Aufnahme mit der Gitarre an das andere Ende des Raumes zu setzten und dabei am besten noch dem Monitor den Rücken zuzukehren!
Ein absolut klangliches MUSS, gerade bei Studioanwendungen, ist die Verdoppelung der internen Auflösung von Guitar Rig. Dies geschieht über das Drücken des unscheinbaren High Resolution Buttons. Die meisten Anwender, mit nicht allzu leistungsstarken Computern, dürften an dieser Stelle beim Blick auf die CPU-Belastung das Grausen kriegen, da sie sich mal eben verdoppelt – aber es lohnt sich! Insbesondere die Höhen und oberen Mitten werden viel transparenter wiedergegeben. Selbst wenn der Rechner im Heimstudio unter Verwendung des High Resolution Modus seine Dienste streikt, sollte man trotzdem immer die Gitarrenspur offline, unter Verwendung der höheren Auflösung, als separate Audiospur ausspielen. Der Vergleich zu vorher dürfte einen jeden überzeugen, diesen aufwendigeren Arbeitsschritt – zumindest bei Studioanwendungen – nicht zu scheuen.
Nun aber auf in unseren virtuellen Aufnahmeraum!

Der Schwerpunkt

Wie eingangs erwähnt, wird für das Erstellen der folgenden Klangbeispiele lediglich ein Verstärker in Verbindung mit unterschiedlichen Boxen und Mikrofonen benutzt. Hierbei legen wir besonderes Augenmerk auf den Custom Modus der Amps (dessen Bedieneroberfläche mit Hilfe des kleinen Pluszeichens am rechten Rand eines jeden Verstärkers ausgeklappt wird) und die Mikrofoneinstellungen. Gerade durch die unterschiedliche Positionierung mehrerer Mikrofone und die dadurch bedingten Überlagerungen und Auslöschungen bestimmter Frequenzen, bietet sich eine enorme Vielzahl an Klangmöglichkeiten an. Wie in einem echten Studio kann man Tage damit verbringen durch minimale Veränderungen äußerst detailreich an einem Sound zu feilen – nur das man dabei nicht mehr Gitarre spielen muss, sondern die bereits „trocken“ aufgenommene Audiospur entspannt mit beiden Ohren in Szene setzen kann.

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Die Klanggestaltung

Für den ersten Soundentwurf verwenden wir die Aufnahme einer Rhythmus Gitarre, bei der Schritt für Schritt der Klang verändert und erweitert wird.

Als Verstärker wird die Simulation eines Mesa Boogie Amps gewählt, die den Namen Gratifier trägt und mit der dazu gehörigen 4 x 12 Box verbunden wird. Am Amp selbst aktivieren wir den Vintage Kanal, reißen das Mastervolumen fast ganz auf, geben ein Drittel Gain hinzu und sorgen über die Equalizersektion  für ein ausgewogenes, nicht zu aufdringliches Frequenzbild. Aufdringlich genug wird es nämlich schon durch die On Axis (frontale) Position des Dynamik 421 Mikrofons, das für schneidige Mitten sorgt. Nun begeben wir uns in den Custom Modus und stellen den Power Supply von 50 auf 60 Hz. Das hat zur Folge, das die Spannung des virtuellen Netzteiles des Gratifiers verändert wird, wie beispielsweise bei einem Verstärker aus den U.S.A.. Hörbar ist in dem jeweiligen Bereich eine „Frequenzbeule“, die zur leichten Modulation des Klanges führt. In unserem Fall wird diese „Beule“ von 50 auf 60 Hz verschoben. Über den SAG-Regler wird das Absenken der Stromversorgung bei leichter Überlastung simuliert, so wie es bei Röhrenschaltungen auftritt und dabei für einen schwammigeren Sound sorgt. Das wollen wir aber gar nicht und drehen von daher  den Regler ein wenig in die entgegengesetzte Richtung, was eine stabilere Spannungsversorgung zur Folge hat.

Als nächstes ergänzen wir das Set um eine weitere 4 x 12 Gratifier Box, die wir in Edge Position (schräg aus der unteren Ecke) abnehmen. Nun wird es richtig interessant, denn sobald ein zweites Mikrofon ausgewählt wird, taucht bei den Parametern der Cabinet & Mic– Sektion der Regler Distance auf. Dieser bestimmt die Verzögerung, die durch die Distanz zwischen Mikrofon und Box entsteht. Sobald zwei oder mehrere Mikrofone kombiniert werden, kommt es automatisch zu Betonungen und Auslöschungen bestimmter Frequenzen. Drehen wir nun den Distance Regler der neu hin zugeschalteten Box langsam im Uhrzeigersinn, vergrößern wir die Entfernung vom Mikrofon zur Box. Dabei hören wir aber eine ständige Frequenzverschiebung, wie man sie vom Durchfahren des Frequenzspektrums mit einem Equalizerband kennt. Nur auf Grund dieses Reglers sind allein schon unzählige Klangveränderungen möglich. Noch größer werden die Gestaltungsmöglichkeiten durch das Verhältnis zu der Distanzeinstellung der anderen Mikrofone, bei Bedarf auch mit gedrehter Phase! Im Grunde geht es hierbei um die bewusste Überlagerung und Auslöschung von Frequenzen, die schon der Arbeit mit einem Equalizer ähnelt.

In unserem Fall wird die erste Box aus nächster Nähe und die zweite aus dreieinhalb Metern Entfernung mit umgekehrter Phase abgenommen. Die zweite, leiser eingestellte Box liefert dem Gesamtsound nun einen stärkeren Anteil der unteren Mitten. Um die oberen Mitten noch etwas aufzufrischen, heben wir den Bias Wert am Verstärker ein wenig an. Dieser simuliert die Steuerspannung der virtuellen Röhre und beeinflusst somit die Verzerrfrequenz.

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Klangbeispiele

  1. Avatar
    PONG

    Besten Dank Chris und Euch allen für die wirklich hilfreichen Tips….
    Nichts ist selbstverständlich und erst noch gratis heutzutage.
    Ehrlich, ohne Amazona müsste ich mühsam recherchieren und käme nicht so einfach und umfangreich an gut geschriebene Infos/Tips u.neue Produkte. Tanks all

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