Workshop: Nord Drum 3 im Live-Einsatz, Drum-Synthesizer

19. März 2017

Was ist "live" mit der Nord Drum 3 möglich?

Willkommen zum Workshop „Nord Drum 3 im Live-Einsatz“, in dem ich euch zeigen werde, wie man den schwedischen Drum-Synthesizer live effektiv nutzen kann. In meinem ersten Workshop ging es um die Integration eines Drumpads ins Live-Spiel. Genutzt hatte ich das SPD-S von Roland.

Clavia Nord Drum 3P

Zunächst ähnelt die Nord Drum 3 einem gewöhnlichen auf Samplebasis arbeitenden Multipad, aber im Inneren verbirgt sich echte Klangsynthese. Ein waschechter Synthesizer für Drummer, gemacht, um mit Sticks gespielt zu werden. Hier stelle ich eine mögliche Vorgehensweise dar, mit der Nord Drum 3 im Alleingang Musik zu machen.

Nachdem die dritte Nord Drum Generation im Amazona Test schon bestens abgeschnitten hat, folgt hier eine Anregung zum kreativen Gebrauch des roten Schweden in Workshop-Form. Aus meiner Sicht, der Sicht eines Schlagzeugers, interessiert mich stark, was ich der Nord Drum 3 im Alleingang entlocken kann.

Die Frage, die sich mir stellt ist: Kann ich alleine mit Drumset und Nord Drum komponieren und auf interessante Songideen kommen? Drummer sind ja, sofern sie außer dem Schlagzeug kein Harmonieinstrument spielen können, nur begrenzt in der Lage, Musik live zu komponieren. Mit Hilfe von Computer und entsprechender Software geht das zwar schon, aber auch hier muss sich jeder über Jahre hin reinarbeiten. Samplerpads bieten kreative Möglichkeiten, aber ein Synthesizer, der sich mit Drumsticks spielen lässt, ist doch mal was ganz anderes.

Lassen wir der Kreativität also freien Lauf und schauen, was wir der Nord Drum 3 so entlocken können.

Ich benutze einen Looper, um intuitiv drauflos zu jammen und Ideen aufzunehmen. Das gefällt mir persönlich erstmal besser, als gleich zu Beginn mit Interface und Recordingsoftware zu arbeiten. Aber jeder Weg führt hier zum Ziel. Toll ist auch die Nord Beat App, mit der sich MIDI-Loops erstellen lassen. Wer also ein iPad besitzt, kann auch diese Möglichkeit nutzen.

Die Nord Beat App fürs iPad

An diesem Punkt stellt sich die Frage: Möchte ich die Basslinie mit einer Hand spielen, während ich mit der anderen und den Füßen einen Groove auf dem Schlagzeug spiele (was zugegebenermaßen nicht einfach ist)? Oder nehme ich die erdachte Basslinie auf, um sie dem Band-Bassisten vorzuspielen und dieser sie dann übernehmen kann? Oder verwende ich einen Looper, um kurze Phrasen aufzunehmen, um sie selber am Drumset zu begleiten?

Letzteres solltet Ihr unbedingt ausprobieren, ich garantiere einen hohen Spaßfaktor. Außerdem kann man nach erfolgreich eingespielter Basslinie einfach auf einen anderen Sound wechseln und dem Ganzen zum Beispiel eine Melodie oder andere Sounds hinzufügen. Im Video ist gut zu sehen, wie ich einzelne Spuren erstelle. Zunächst einen Rhythmus-Loop, dann die Basslinie und zuletzt die Melodiestimme.

Als Fundament meines geplanten musikalischen Alleingangs loope ich mir zunächst einen netten Drumgroove. Das Preset A15 dient mir als Ausgangsbasis. Während des Einspielens des Grooves verändere ich noch verschiedene Werte wie Frequenz und Pitch. Im Auftakt des Drumloops verändere ich den Wert „Freq“. Dazu muss zunächst das richtige Drumpad über Channel Select angewählt werden. Dann nur „Freq“ drücken und kräftig schrauben.

Es erfordert vielleicht etwas Übung beim Spielen mit einer Hand bzw. mit einem Stick, die Knöpfe und Potis zu bedienen, aber auch schon das Ausprobieren bringt viel Spaß. Im Videobeispiel habe ich mich für eine fünftaktige Form entschieden. Ein Auftakt, dann vier Takte Groove, wobei ich im fünften Takt den „Pitch“ der Snare durch die Mangel drehe und zwar nach unten. Das klingt cool und macht gerade in der Wiederholung mit dem darauf wieder folgenden Auftakt mit der Frequenzmodulation Sinn. Der Groove steht, jetzt geht’s an die Basslinie!

Tone Section – hier entsteht der Effekt wie oben beschrieben. Im Auftakt den „Freq“ Wert verdrehen und im letzten Takt „Pitch“ nach ganz unten kurbeln

Wir Drummer sind es gewohnt, mit Bassisten zusammen zu spielen. Das nächste, was ich mir also suchen möchte, ist ein Sound, der einem gespielten Bass nahekommt, aber auch den Synthesizer-Charakter beibehält. Hierzu entferne ich zunächst den „Click“, das Anschlagsgeräusch, bezogen auf den Stockanschlag bei einer Trommel, der durchs Auftreffen des Stocks auf das Fell erzeugt wird. Bei der Nord Drum 3 wird dieser Anschlag durch den „Click“ simuliert.

Mein „Bassist“ soll einen eher warmen Ton bekommen, daher nehme ich diesen Wert komplett aus dem Sound heraus. Als nächstes drehe ich den Pitch-Wert (Bedienungsfeld „Tone“) unter 45. So gelangt man in die tonalen Bereiche eines Basses. Außerdem setze ich Freq. (ebenfalls im Bedienungsfeld „Tone“) auf 0, Decay auf 30, so bekommt man einen angenehmen Ausklang des Tones. Nicht zu kurz, nicht zu lang. So bleibt im Feld „Tone“ noch der „Bend“-Wert übrig, diesen drehe ich auf 0. Distortion drehen wir ebenfalls auf 0. Nun müsste ein recht passabler Bass-Sound entstanden sein. Diesen kopiere ich mit der Copy/Paste-Funktion auf alle sechs Schlagflächen der Nord Drum. Im nächsten Schritt stelle ich mir über die Pitch-Funktion für mich angenehme Tonintervalle ein. Spätestens hier (aber natürlich auch schon bei der Soundwahl) beginnt die kreative Phase, denn natürlich ergeben sich nun beim Spielen Tonfolgen, aus denen man nun tolle Basslinien erschaffen kann. Im Video habe ich die Schritte dargestellt.

Noise Section, hier wie beschrieben

Mit diesem Fundament, bestehend aus Groove und Basslinie, kann die Reise durch die Nord Drum 3 so richtig losgehen. Viele interessante Presets stehen zur Verfügung. Bank C enthält beispielsweise schöne melodische Sounds und eignet sich als gute Vorlage, um die vorgegebenen Einstellungen nach Belieben zu verändern. Im Video habe ich mir Preset C17 herausgesucht, um über meine geloopte Sequenz zu improvisieren und mich inspirieren zu lassen.

Wer sich jetzt fragt, wo denn jetzt der Unterschied zu anderen Drumpads besteht, erhält die Antwort in der Klangerzeugung. Wie schon erwähnt, ist die Nord Drum 3 kein mit Samples vollgestopftes Drumpad, sondern ein Synthesizer, der anstelle der herkömmlichen Tastatur über sechs Gummischlagflächen verfügt. Außerdem lässt sich noch ein Kickpad anschließen.

Jeder Sound lässt sich herrlich schön verbiegen, verstimmen oder mit Effekten belegen. So entstehen wirklich völlig andere Klangwelten als die, die wir von Samplebasierten E-Drumsets oder Pads gewohnt sind. Außerdem ist die Anschlagsdynamik sehr gut, um die angenehm zu spielenden Pads hervorzuheben. Auch braucht man keine Angst vor unbekannten Begriffen zu haben, schraubt einfach drauflos und hört, was passiert. Gespeichert werden veränderte Werte erst, wenn man dies ausdrücklich über die Speicherfunktion bestätigt.

Viel Spaß mit dem Video, beim Ausprobieren und beim Quälen der Nord Drum 3!

Forum
  1. Profilbild
    Synthfreak  AHU

    Danke, ich habe ja sonst mit Drums eher weniger am Hut, aber bei einem Drumsythesizer interessiert es mich ja dann schon. Könntest du vielleicht zusätzlich zu dem Video noch ein paar ergänzende Audiobeispiele zufügen?

  2. Profilbild
    kai_b

    Habe den Nord Drum 3P letztes Jahr auf der Superbooth getestet und muss sagen: sehr interessante, eigenständige Sounds! Lediglich der Preis lässt mich noch zurückschrecken. Aber Danke schon mal für die Workshops, können mir noch nützlich sein!

  3. Profilbild
    hijack  

    Was ich an dieser Gerätekategorie nicht verstehe ist, warum diese Geräte (ist bei anderen Herstellern auch so) keine Einzel-Audio-Ausgänge haben. Klar, Live sind die meist nicht nötig. Wobei auch Live könnten doch noch das ein oder andere Effektgerät hinter spezifischen Sounds interessant sein ?
    Doch heute haben wir doch oft Mischformen zwischen Live-Setup und Studio und im Studio finde ich dieser Punkt sehr negativ. Man könnte sonst nämlich gleich das gespielte in Einzelsignalen recorden. Echt schade, finde ich. Aber wahrscheinlich bin ich da ein Spezialfall.

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