Workshop: Open Tuning für Gitarre

Nun denn, wie man sieht, erlaubt ist, was passt, womit wir bei der Ausgangsfrage des Workshops angekommen sind:

Welche Arten von Open Tuning gibt es und warum?

Auch hier wieder einmal: Du kannst die Gitarre stimmen, wie du willst, aber es haben sich ca. fünf Basis-Tunings für die offene Stimmung herauskristallisiert, die man natürlich entsprechend abwandeln kann. Bei Dreien der Tunings spielte zudem der Einsatz des Bottlenecks eine wichtige Rolle, dazu später mehr.

1.) Open E

Der Traum eines jeden Gitarrenschülers auf Anfängerbasis, einzige Voraussetzung, viel Kraft im ersten Finger. Tatsächlich bietet diese Stimmung den wunderbaren Vorteil, dass man im Prinzip mit einem Finger als Barré alle Dur-Akkorde durch Verschieben des Fingers spielen kann. Beim ersten Moll-Akkord ist allerdings Schluss mit lustig, man kann also gerade mal ein paar Dur-lastige Wanderlieder zum Besten geben, dann ist schon Feierabend.

Erzielt wird Open E durch das Erhöhen der Saiten D, G und H um jeweils 1, respektive 2 Halbtöne. Ziel eines Open Tunings ist es, die Leersaite in einem Ton erklingen zu lassen, der zum jeweiligen Dreiklang gehört. In diesem Fall wären es die Töne E – G# – H, sprich A-Saite hoch auf H, D-Saite hoch auf E und G-Saite hoch auf G#. Wahlweise kann man natürlich auch die Gitarre auf e-Moll stimmen (G statt G#), was einen dann schon in die Lage versetzt, alle Dur- und Moll-Akkorde mit zwei Fingern zu greifen (großer Barre und bei Dur mit dem zweiten Finger zusätzlich die G-Saite anvisieren).

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, man KANN so Akkorde greifen, es klingt aber völlig unausgegoren und bietet ein schreckliches Voicing. Gern genommen wird dieses Open Tuning allerdings im Bottleneck-Spiel, wo man die Töne der tiefen E-Saite, die man meistens am schnellsten auswendig kann, als Orientierung hat. Da bei der Verwendung des Glas/Keramik-, Messing-, Metall- was auch immer Bottlenecks die Saiten nicht auf das Griffbrett heruntergerückt werden und man nicht in festen Halbtönen spielen muss, hat man umgehend den charakteristisch blueslastigen Sound, der mehrere Legenden gebildet hat.

Im Gegenzug fliegt einem in Null-Komma-Nichts die Intonation um die Ohren und aufgrund des starren Röhrchens ist das Akkordspiel stark eingeschränkt. Eine offene Stimmung hingegen erlaubt zumindest einen durchgehenden, meist in Dur ausgeführten Akkord und ist gerade am Anfang eine deutliche Erleichterung. Das Erhöhen der Saiten um nur max. zwei Halbtöne ist zudem für den Hals im Normalfall kein Problem und selbst die meisten Vintage-Vibratosysteme kommen mit dem Tuning ohne weitere Justierung klar. Ein freischwebendes Floyd-Rose-System natürlich wie immer nicht, hier muss vermutlich nachjustiert werden.

2.) Open D

Ebenfalls ein sehr beliebtes Open Tuning für Bottleneck Spieler, jedoch mit der Besonderheit, dass die Quinte dieses Mal im Bass liegt. Man hat dadurch die Möglichkeit, sich mittels des Slidens von unten dem anvisierten Akkord zu nähern, was ein sehr reizvolles Akkordspiel ermöglicht. Das Tuning ist in diesem Fall D – A – D – F# – A – D.

Durch das ausschließliche Tieferstimmen der Saiten erreicht die Gitarre ein dunkleres Timbre, was sich durchaus als sehr reizvoll entpuppen kann. Auch hier, maximal 2 Halbtöne Unterschied zum Standard-Tuning verlangen nicht nach einer Neueinstellung der Gitarre.

3.) Open G

Open G = Rolling Stones. OK, das ist jetzt mehr als plump, aber streng genommen trifft es schon zu. Kein anderer Gitarrist hat diesem Tuning zu einer solchen Ausnahmeposition verholfen wie Keith Richards, sind doch alle Hits der Rentnertruppe mit dem agilsten 70+ Frontmann der Welt in diesem Tuning geschrieben.

Wer immer einen Hit der Stones spielen möchte, MUSS dieses Tuning verwenden, anderenfalls klingt es immer nur wie die x-beliebigste Dorfkapelle, die sich nie mit dem Material ernsthaft auseinandergesetzt hat.

Das Tuning ist D – G – D – G – H – D. Keith Richards setzt der Sache aber noch mal die Krone auf, indem er die tiefe D-Saite einfach weglässt, er braucht sie ohnehin nicht. Wer live mal genau hinsieht, erkennt, dass die meisten Gitarren von ihm nur fünf Saiten aufgezogen haben.

4.) Drop D

Bekannt wurde dieses Open Tuning, bei dem die tiefe E-Saite runter auf D gestimmt wird, vor allem durch seinen Einsatz im Hard ’n‘ Heavy-Bereich. Im High-Gain-Bereich lassen sich so die Powerchords schön anfetten und ggf. über drei Saiten im Bassbereich greifen.

Das Gleiche gilt auch für die Abwandlungen dieses Tunings, bei dem das Drop-D-Tuning nochmals in seiner Gesamtheit ein oder mehrere Halbtöne tiefer gestimmt wird und dann in Drop C#, Drop C o. ä. mündet. Aber Vorsicht, lasst euch nicht vom fetten Klang über den Übungsamp blenden. Denn mit jedem Halbton, den ihr die Gitarre tiefer stimmt, verliert sie an Durchsetzungsvermögen innerhalb des Bandkontextes!

5.) DADGAD

Ein Open Tuning, das gerne auf der akustischen Gitarre im Folkbereich verwendet wird. Die Besonderheit ist das Fehlen der Terzen, so dass man mittels Intervallen in gedoppelter Form sowohl zu Dur- als auch zu Moll-Akkorden spielen kann. Sehr häufig anzutreffen in der keltischen Folkmusic.

Fazit

Erlaubt beim Open Tuning ist, was gefällt, die Grenzen des Tunings existieren nur in deinem Kopf in Zusammenarbeit mit der Physik des Instrumentes. Natürlich kann man sein Instrument auch auf andere Akkorde stimmen, wie zum Beispiel A (Dur/Moll) oder ähnlich. Kleiner Tipp am Rande, wenn ihr mit Sängern oder Sängerinnen zusammenarbeitet, findet heraus, welches die optimale Tonart für seine/ihre Register sind. Dann das Instrument passend dazu stimmen und das Songwriting fällt um einiges leichter.

In diesem Sinne – Tune on!

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