Workshop: Programming Dubstep

Der Drummer in Logic

Bevor wir zu den Effekten im Dubstep kommen, hier ein kleiner Ausflug zum Logic Drummer. Jeder, der diese Funktion belächelt, hat sie ehrlich gesagt selber noch nie verwendet, denn der Drummer in Logic kann insgesamt sehr mächtig sein. Im Gegensatz zum Drummer in GarageBand gibt es sehr viele weitere Funktionen, der Ultrabeat mit Multi-Outputs in Verbindung mit dem Drummer ist da schon richtig cool! Die Drummmerspur lässt sich auf Wunsch in MIDI-Noten umwandeln, was die Bearbeitung vereinfacht.

7-drummer

Der Logic-Drummer

Wir erzeugen nun eine neue Spur für den Drummer und wählen die Kategorie „Elektronisch“. Da entscheiden wir uns entweder für „Jasper“ oder „Ronnie“, rechts neben dem Bild haben wir ein paar Presets, daneben ist das große Koordinatenfeld
mit den Bezeichnungen „Laut, Leise, Komplex, Einfach“.

Wenn wir den gelben Cursor nun nach oben bewegen, spielt unser Drummer lauter. Und wenn wir ihn in die Richtung „Komplex“ bewegen, fängt er mit einer schwierigeren Spieltechnik an. Direkt daneben lassen sich die Instrumente auswählen.

Die Logic EDM-Drummer haben den Vorteil, dass wir mehrere Parts auf einmal verwenden können. Außerdem lässt sich jetzt unter dem Punkt „Details“ die Komplexität für jede Trommel einzeln verändern. Das bietet sich beispielsweise an, wenn wir einen einfachen Grundrhythmus mit komplexer Hihat generieren wollen. Mit dem Regler „Fills“ stellen wir Trommelwirbel ein, bei voll aufgedrehtem Regler gehen Ronnie oder Jasper natürlich ziemlich ab.

Soll der Drummer nicht die ganze Arbeit übernehmen, kann man glücklicherweise auch auf  einzelne Parts zurückgreifen. Es spricht also nichts dagegen, den Beat mit der Hand einzuzeichnen und dem Drummer die Hi Hat-Struktur zu überlassen. Natürlich arbeitet der Drummer (im Gegensatz zu GarageBand) mit „Multi-Outputs“ und jeder denkbaren Hard- oder Software. Unter anderem könnte man so auch Native Instruments Battery oder eine Hardware-Drummachine ansteuern.

Ein weiteres mächtiges Tool stellt die Funktion „Folgen“ dar. Das funktioniert allerdings nur mit der Kick und Snare. Wir setzen das Häkchen und wählen eine Spur aus. Diese wird analysiert, damit Bassdrum und Snare darauf abgestimmt werden.

Der Bass

Der Wobble-Bass dürfte vielen bekannt sein. Fats könnte man schon sagen, er ist stilprägend für Dubstep. Aber was ist dieser „Wobble-Bass“ überhaupt? Technisch handelt es sich hierbei um einen sehr tiefen Bass, der zusätzlich noch einmal mit einem LFO eine rhythmische Bewegung in den Song bringt. Meistens ist der – in der Regel zum Host Tempo synchronisierte LFO – auf vier Schläge pro Takt eingestellt. Das heißt, er macht in einem Takt vier mal „Wob“. Meistens baut man diesen Sound mit einem FM-Synthesizer und verändert mit dem LFO die Harmonic. Bei den meisten Synthesizer-Herstellern kann man den LFO auch auf „FM“-verlinken.

 

Der zweite Bass im Dubstep ist der sogenannte „Yoi-Bass“, der ein bisschen wie ein Roboter klingt. Viele verwenden dafür fertige Samples jedoch kann man auch Wavetable- und Formant-Synthese dafür verwenden. In Logic nehme ich hierfür den Retrosynth, wähle im Dropdownmenü die „Standardeinstellungen“ aus und klicke bei den Rastern (Analog, Sync, Table, FM) auf Table. Bei der Modulation stelle ich Shape auf Formant um, danach drehe ich das Modulations-Poti auf „LFO“. Damit wäre schon einmal das Wichtigste erledigt. Aber der Sound ist mir viel zu schnell, also stelle ich den LFO etwas langsamer ein. Kippschalter „Sync“ betätigen und bei der Geschwindigkeit 1/2 einstellen. Danach noch die Depth des LFOs nach unten ziehen. Zur Verzierung schalte ich im Logic Mixer den „Fuzz-Wah“-Effekt ein. Denkbar wären aber natürlich auch zahlreiche Talking-Bass und Yoi-Presets.

Effekte

Dubstep-Drums klingen meist sehr trocken und rau. Die gesampelten Loops leiden meistens unter dem angewandten Timestretching, das so genannte „Grain“ (also eine Art Lo-Fi-Rauschen) wird merkbar. Sollte der Beat zu brav klingt, kann man natürlich zunächst Effekte hinzufügen.

Equalizer und Kompressor sind dabei sehr wichtig, dennoch gibt es weitere Tricks. Logic bietet alles Notwendige dafür, fangen wir zunächst mit dem Plug-in „Phase Distortion“ an. Der Effekt „Phase Distortion“ ähnelt einem Chorus- oder Flanger-Effekt, das Signal durchläuft nur die Verzögerungsleitung und wird durch keine andere Bearbeitung beeinflusst. Es lohnt sich, am Anfang etwas damit herumzuexperimentieren, um die Wirkung besser zu verstehen. Für unseren Workshop bleibe ich allerdings beim Preset „Kick Drum Drone“.

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Effekte in Logic

Als weiteren Schritt lässt sich nun der Bass-Amp-Designer verwenden. Amp-Simulationen können sehr interessante Ergebnisse hervorbringen, wobei das Einsatzgebiet keineswegs auf den Bass beschränkt ist. Gerade bei Synthesizer-Parts kann man hier viel herausholen und verändern. Wir starten auch hier mit einem Preset, „Rehearsal Room“ bietet sich an. Ich kann dazu nur raten, auch hier etwas zu experimentieren, so lernt man den Effekt und seine Möglichkeiten am besten kennen.

Um die Snare ein wenig präsenter zu gestalten, lege ich einen Hall auf den Kanal. Durch unsere Multi-Outputs kann der Effekt auf die einzelnen Drumkanäle gelegt werden. Für die Snare empfiehlt sich der SilverVerb und ein kurzer Hall, „Modulated Space“ in unserem Beispiel.

Somit wären wir mit dem Grundbeat aus Drums und Bass fertig. Natürlich gehören zu Dubstep noch viele weitere Instrumente, aber wie eingangs erwähnt, sollte der Fokus dieses Workshops auf diesen beiden Bestandteilen liegen. Jetzt heißt es für euch: Loslegen und selbst ausprobieren, viel Spaß dabei!

Klangbeispiele
Forum
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    Filterpad  AHU

    Der Bericht kommt tatsächlich ein wenig spät. Dubstep ist eher wieder am abklingen meiner Meinung nach. Ich habe meine Hausaufgabe, einen Dubstep zu kreieren, schon 2013 erledigt. Dieses Genre macht wirklich großen Spaß, da man sich mit den Sounds (Wobblebass) beschäftigen muss.

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      TobyB  RED

      Hallo Filterpad,

      abklingen würde heissen, das da nichts mehr geht, Filterpad. Momentan dürfte im Pop und Top 40 Bereich jede 2-3 dritte Band ohne Dubstep a like beats inkl. der Untergenre nicht mehr auskommen. Nehmen wir einfach mal Jamie Lee „Ghost“ . Oder den Siegersong des 2013er ESC „I feed you my love“ von Fr. Berger beides Dubstep Song die aus anderen Ecken kommen.

      https://www.youtube.com/watch?v=gjm-kCOMaPY

      https://www.youtube.com/watch?v=Qp5hRoU9HgQ

      Ohne die ganzen Step Varianten würde die Pop Musik momentan weniger bunt klingen. Johannes zeigt ja nur die Basis mit dem Dub Smash Kit und TR909 Kit auf. Ersetzt du die HiHat durch Perkussion und spielst die Snare etwas unbetonter klingt das Ganze extrem anders.

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        MattZazzles  

        Wo hörst Du denn bei diesen Popnummern Dubstep raus? Vllt. haben diese Songs minimal Einflüsse von DS wie z.B. die Snare, aber sonst höre ich da absolut nüschd raus was mich z.B. an Mala, Kode 9, Skream, Benga oder von mir aus auch Skrillex und Coki erinnert.
        Vllt. bin ich ja auch etwas hinterher und Dubstep klingt jetzt so!?

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          TobyB  RED

          Hallo Matt,

          zähl mal mit. Mal davon ab waren das nur Beispiele wie Dub und Step die Pop Musik beeinflußen. Das Skrillex und co anders klingen ist mir klar. Und das ist auch gut so :-)

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        Filterpad  AHU

        Ja, hier gebe ich dir vollkommen recht Toby. Allein schon der „Boh.“-produzierte Song des neuen „Superstars“ beinhaltet im Mittelteil Dubstep (Wobble) – Elemente. Es ist zu einen kommerziellen Alltäglichkeit geworden und lässt (Pop-) Songs – wie Vocals – wertiger erscheinen.

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          TobyB  RED

          Hallo Filterpad,

          wobei ich gestehen muss, das ich Dami Ims ESC Beitrag schon gut gemacht finde. Wobei gemessen daran, finde ich Frau Bergers Metal, Industrial, Electro, Dub be good to me, schon als beste ESC Nummer seit 2010. Sie hatte mit Karin Park und deren Bruder auch ein Klasse Autoren, Komponistenteam am Start. Was in der Auflistung noch fehlt, ist Lindsey Stirling. Ich hab mit Pop kein Problem solange er gut ist. Also im Vortrag und der Komposition. Und das ist halt bei Step und Dub halt das Problem, die Herausforderung, man halt sehr viele Soloparts die passen müssen.

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          chain  AHU

          richtig, aber Dubstep ist noch viel besser aufgehoben in der TV Werbung!! Im Club kann man doch zu fast nur wieder Headbangen und weniger Tanzen. Dubstep hat immer etwas von Konzert. Das besetzen derzeit dann doch wieder live Bands :)

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            TobyB  RED

            Hallo Chain,

            wobei Live-Elektronik im Club ja immer so ein Ding ist. Ich persönlich finde Loop abfeuern per Push Button nicht lässig. Aber einen abgrundtiefen Wobbler oder Dalek aus der Monotribe zu holen hat was ;-) Und zur TV Werbung kann ich dir nichts sagen, ich hab Telekom Magenta und einen Festplattenreceiver und gucke selten TV aber immer ohne Werbung.

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    Kittieyo  

    einer der wichtigsten wegbereiter des dubsteps wurde in diesem artikel sträflich vergessen.

    steve goodman aka Kode9 mit seinem hyperdub label. wohl DER mann in sachen dubstep <3

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    8 Bit Fighter  

    Zu diesem Artikel fallen mir folgende Begriffe ein:

    Alte Klischee’s, abgedroschen, Standard-Kram, Standard-Vorgaben, überflüssig.

    Selbst viele Kids sind da viel weiter.

    Mach mit deinem Logic was radikales,statt alte Schubladen zu öffnen.

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    AMAZONA Archiv

    Ist doch egal ob und wo ein Dubstep, EDM, Trap, Footwork oder sonst irgendein Genre in einem How To verarbeitet wird. Wen es stört sollte es einfach überlesen. Soll sich jeder seinen Ohrgasmus abholen wo er möchte. Die Vielzahl an Genres ist mittlerweile kaum noch auszuhalten. Ich bin immer erstaunt was alles geht und vor allem wie dabei getanzt wird. Dubstep ist cool und bleibt für immer. Da ist es egal ob man seine „Hausaufgaben“ 2009, 2013 oder 2016 gemacht hat. Wer Musik macht hatte seinen persönlichen Dubstep schon immer.

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    Ashatur  AHU

    Wenn ich da die Unterformen lese muss ich nur schmunzeln…Ich finde den Trend das jeder Musiker der eine etwas neue Ausdrucksform eines Genere spielt und dabei gleich einen neuen Style erfindet etwas strange.. Aber dieses Phänomen zieht sich irgendwie seit geraumer Zeit duch so einige Genere…

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