Workshop: Recording Teil 1

6. August 2007

WS: Recording Teil 1

 

Viele Instrumente verderben den Mix

Wer kennt das nicht – da hat man sein Stück fertig komponiert, alle Spuren minuziös aufgenommen, und weiß, dass jede Spur für sich gut klingt – und dann… klingt alles zusammen so, wie fish'n'chips schmeckt. Es passt überhaupt nix zusammen… der Bass wummert und dröhnt und überdeckt die Bassdrum, die Gitarre scheint im Synthesizer Pad abzusaufen, und die Vocals hören sich an als kämen sie aus der Schrottpresse. Kurz – der Gesamtmix wabert und blubbert und klingt irgendwie nur nach Matsch. Nun – jedes Instrument für sich klang gut aufgenommen. Wie kann es sein, dass dann der Gesamtmix zu matschig klingt? Was ist da passiert?

Das Gehör, ein kurzer Ausflug

Um die hier besprochenen Zusammenhänge etwas mit Hintergrundwissen zu fundieren, ist es nützlich, sich einmal mit der Art und Weise zu beschäftigen, WIE wir eigentlich hören. Das eigentliche Hörorgan ist das Innenohr. Hier befindet sich die sogenannte Schnecke, in der die Basilarmembran aufgerollt ist. Trifft Schall auf dem Trommelfell auf und wird von den Ohrknöchelchen übertragen, ergeben sich Schwingungen auf dieser Basilarmembran. Dadurch werden die Härchen der Nervenzellen bewegt. Diese werden dann von den Nervenzellen als elektrische Impulse an das Gehirn weitergeleitet. Abb. 1 zeigt die Basilarmembran, entrollt. Hier ist auch zu sehen, welche Bereiche für welche Frequenzen zuständig ist.

Die Wahrnehmung der Frequenz (Tonhöhe), ist dabei in verschiedene Frequenzbänder aufgeteilt. Diese sind gleichmäßig über die Basilarmembran verteilt. Diese Frequenzbänder haben für unterschiedliche Tonhöhen auch unterschiedliche Bandbreiten. Eine Faustregel besagt, dass bis zu Frequenzen von 500 Hz die Bänder eine Breite von 100 Hz haben, danach eine Breite von 20%, bezogen auf die ausgewählte Frequenz (also 200 Hz Bandbreite bei 1000 Hz). Dieses Wissen ist nützlich, um die Prinzipien des Abmischens begreifen zu können. Zurück zu unserem englischen Nationalgericht.

Vereinheitlichung der Lautstärke Verhältnisse

Das erste Problem ist die Verteilung der Lautstärkeverhältnisse im Mix. Dazu geht man am besten zunächst einmal stur nach Schema 'F' vor. Damit schafft man sich eine einheitliche Basis für die Weiterverarbeitung des Mixes, und dazu noch eine einheitliche Grundlage in der Vorgehensweise. Zunächst stellt man jede eventuell vorhandene Equalizer Einstellung auf null. Dann stellt man jeden Kanal auf etwa den gleichen Pegel ein. Dazu benutzt man entweder die Solo Funktion des Mischpults oder muted alle anderen Kanäle. Dann kann man an den Gain Anzeigen ablesen, um welchen Mittelwert ein Instrument pegelt. Gemeint ist also nicht der maximale Ausschlag, sondern der Wert, der praktisch ständig erreicht wird, wenn das Instrument (oder die Spur) zu hören ist. Diesen Mittelwert merkt man sich und stellt alle anderen Instrumente auf eben diesen Mittelwert ein. Als nächstes regelt man all die Instrumente, die offensichtlich zu laut sind ,LEISER. Das soll der Ausgangspunkt sein.

1_1 - abb1.gif

Überdeckung

Eine typische Eigenschaft des Gehörs ist es, dass bestimmte Töne (oder Frequenzen) andere, ähnliche Töne überdecken. Das gilt sowohl für die Lautstärke sowie für die Frequenz. Ein häufiges Problem im Mixdown ist es, eine klar strukturierte Staffelung der Instrumente zu erreichen. Die Gitarre haut mit in den Bass Bereich, der Bass wiederum dringt mit seinen Höhenanteilen in die Synthesizer Fläche ein, und macht diese dadurch unruhig. Man sollte sich also generell überlegen, welchen Part eigentlich jedes Instrument spielt (ein Bass kann ja auch durchaus als solierendes Instrument gebraucht werden). Dann sollte man ganz grob damit beginnen, Instrumente, bei denen klar ist, dass sie nicht die Rolle des Basses spielen, im Frequenzbereich 'Bass' abzusenken. Die meisten Mischpulte haben dafür einen Low-Cut Schalter, der ab einer Frequenz von 75~80 Hz alle Bassfrequenzen drastisch absenkt. Ebenso sollte man für allzu aufdringliche 'Höhen'-flüge des Basses dafür sorgen, dass dessen Frequenzen ab ~9000 Hz eine Absenkung erfahren. (Dafür gibt es zwar keinen Hi-Cut Schalter, aber Equalizer.) Problematisch wird die Staffelung des Mixdowns jedoch erst, wenn Instrumente einen ähnlichen Frequenzbereich belegen.

Frequenzanteile im Gesamtmix

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