17 Beispiele zur Effekt-Zauberkiste
Der Bastl Instruments Kastle 2 FX Wizard ist ein modulares Multi-Effektgerät im Desktop-Format. Wobei „Desktop“ in diesem Fall immer noch größer klingt als die kleine Kiste tatsächlich ist. Es gibt insgesamt 9 Effekte, von denen die meisten spezielle Funktionen mit sich bringen. Klanglich lässt sich der Bastl Instruments Kastle 2 FX Wizard am besten mit Begriffen wie Glitch, Noise und experimentell bezeichnen. Nach unserem ausgiebigen Test gibt es nun einen Workshop zu der Zauberkiste von Bastl.
Inhaltsverzeichnis
- Bastl Instruments Kastle 2 FX Wizard: Vorwort
- Beispiel 1 – Delay Ducking
- Beispiel 2 – Flanger
- Beispiel 3 – Freezer
- Beispiel 4 – Panner
- Beispiel 5 – Crusher
- Beispiel 6 – Slicer
- Beispiel 7 – Pitcher
- Beispiel 8 – Replayer
- Beispiel 9 – Shifter
- Beispiel 10 – FX Mode Modulation
- Beispiel 11 – CV-Ausgang & Tape Delay
- Beispiel 12 – Panner als Ringmodulator
- Beispiel 13 – Tail Distortion
- Beispiel 14 – Switch Sequence & LFO Melody
- Beispiel 15 – No Input Flanger
- Beispiel 16 – Replayer Session
- Beispiel 17 – LFO als Oszillator (Freakout)
Bastl Instruments Kastle 2 FX Wizard: Vorwort
Zunächst ein paar kurze Informationen, um die folgenden Patches besser nachvollziehen zu können. Bitte nicht wundern, wenn einer der Attenuverter (Time Mod, Feedback Mod, LFO Mod) mal nicht auf Nullstellung ist, obwohl nichts am Patch-Punkt anliegt. Die Regler haben auch so einen subtilen Einfluss auf den Klang, je nach ausgewähltem Effekt.
Bei so manchen Beispielen gibt es recht harsche Nebengeräusche, die fast ausschließlich vom Bastl Instruments Kastle 2 FX Wizard stammen. Auch dies ist etwas vom jeweiligen Effekt abhängig und gehört einfach zum Wesen des Gerätes, auch wenn es in manchen Situationen tatsächlich etwas störend sein kann. Es geht aber auch ganz ohne Nebengeräusche! Die Effekte sind von Bastl Instruments wie folgt unterteilt:
- DELAY-FAMILIE: Delay, Flanger, Freezer
- AMPLITUDE-FAMILIE: Panner, Crusher, Slicer
- PITCH-SHIFTING-FAMILIE: Pitcher, Replayer, Shifter
Beispiel 1 – Delay Ducking
Das Delay des Bastl Instruments Kastle 2 FX Wizard ist zwar trotz der Modulationsmöglichkeiten recht einfach gestrickt, kann aber ungemein räumlich klingen. Als Eingangsquelle habe ich ein paar unbearbeitete Vocals (danke Johanna!) ausgewählt.
Im Klangbeispiel steht der Feedback-Regler zu Beginn ungefähr so wie auf dem Bild zu sehen und wird im Verlauf bis zum Maximum aufgedreht. Der Hüllkurvenfolger moduliert den Amount-Regler, jedoch in negativer Richtung. Somit wird bei genügend Pegel das Delay deutlich unterdrückt.
Beispiel 2 – Flanger
Der zweite Effekt ist zwar als Flanger betitelt, ist aber ebenso als Chorus nutzbar. Das geht von ganz subtil bis ziemlich wild. Der Kastle 2 FX Wizard wäre auch nicht der Kastle 2 FX Wizard (was für ein Name), könnte man nicht beide Effekte nutzen.
Der Feedback-Regler sorgt bei Mittelstellung für einen Flanger-Effekt, entgegen dem Uhrzeigersinn für einen Chorus-Effekt und im Uhrzeigersinn für einen Effekt, den Bastl Instruments mit drei Ausrufezeichen benannt hat und der im Handbuch leider nicht näher erklärt wird. Mein Tipp: den Feedback-Regler gerne mal aufdrehen und mit verschiedenen Signalen experimentieren.
Beispiel 3 – Freezer
Der Freezer-Effekt ist der dritte Teil der Delay-Familie des Bastl Instruments Kastle 2 FX Wizard. Im Prinzip ist es ein sehr schnelles Delay mit unendlichem Feedback.
Über den Time-Regler des Bastl Instruments Kastle 2 FX Wizard wird auch hier wieder die Delay-Zeit eingestellt. Links von der Mittelstellung ist diese synchron zum Tempo und rechts davon schnell genug für tonale Effekte. Der Feedback-Regler wird umfunktioniert und kann das Signal nochmal etwas mehr verdichten.
Auch hier habe ich es erst einmal einfach gehalten. Es spielen Kicks vom Moog DFAM und eine Snare von Mutable Instruments Plaits. Nur die Snare geht in den Bastl Instruments Kastle 2 FX Wizard und fügt dem simplen Loop deutlich mehr Abwechslung hinzu. Über den Trigger-Ausgang des Moog DFAM habe ich den Bastl Instruments Kastle 2 FX Wizard zum Tempo synchronisiert. Für ein bisschen mehr Zufall habe ich noch zwei Ausgänge des Pattern-Generators zur Modulation genutzt.
Beispiel 4 – Panner
Auch der Panner kann etwas mehr als einfach nur eine Panning-Automation von links nach rechts und wieder zurück. Mit etwas subtiler Modulation und den richtigen Einstellungen kann das schon spannender klingen. Vor allem ist aber auch Ringmodulation möglich, wie das zweite Beispiel zeigt.
Zunächst ein ganz einfaches Patch, bei dem ich lediglich den Zeitparameter, der hier für die Modulationsgeschwindigkeit zuständig ist, ganz leicht über den integrierten Hüllkurvenfolger moduliert habe.
Der Amount-Regler steht zu Beginn auf Nullstellung, wird während des Klangbeispiels einmal bis zum Anschlag aufgedreht und verweilt dann in der Mittelstellung. Wichtig ist natürlich auch, den Stereo-Parameter so einzustellen, dass der Effekt hörbar ist.
Beispiel 5 – Crusher
Der Crusher reduziert sowohl die Bittiefe als auch die Samplerate. Beides lässt sich über den Amount-Regler einstellen, wobei die Samplerate sich stufenlos einstellen lässt und die Bitreduzierung im letzten Drittel per XOR-Bitcrushing stattfindet. Das klingt im Ergebnis, vor allem in Verbindung von Modulation, etwas spannender als ein einfacher Bitcrusher-Effekt.
Den Zeitparameter habe ich direkt von drei Quellen modulieren lassen. Jede weitere Modulationsquelle fügte dem Ganzen noch eine leichte Änderung hinzu und macht den Crusher zu einem interessanten und nützlichen Effekt.
Beispiel 6 – Slicer
Der Slicer eignet sich eher für langanhaltende Klänge. Zumindest für rein perkussives Material ist er weniger zu gebrauchen. Der Amount-Regler bestimmt den Hüllkurvenverlauf der Slices, der im Verlauf des Uhrzeigersinns immer kürzer wird.
Im Klangbeispiel wandert der Amount-Regler nur knapp bis zur Hälfte, plus Modulation wohlgemerkt. Der Zeitparameter sorgt für verschiedene Patterns und Feedback fügt dem Pattern mehr Zufallswerte hinzu. Der Slicer ist der einzige Effekt, bei dem ich keine wirklich interessanten Ergebnisse hinbekommen habe. Vor allem den Lautstärkenverlauf konnte ich nie kontrollieren und störte mich eher.
Beispiel 7 – Pitcher
Das erste Beispiel mit dem Pitcher-Effekt ist durch reinen Zufall entstanden. Ich hatte kein gutes Ergebnis mit dem Slicer hinbekommen und bin dann einfach in den nächsten Modus übergegangen. Ein generell zu empfehlendes Hilfsmittel, sollte man sich mit dem Bastl Instruments Kastle 2 FX Wizard mal etwas verzettelt haben. Ein weiteres Beispiel mit dem Pitcher folgt noch.
Beispiel 8 – Replayer
Der Replayer speichert eine gewisse Länge des Eingangssignals, spielt es wahlweise vorwärts oder rückwärts ab und manipuliert dabei die Geschwindigkeit.
Der Amount-Regler funktioniert hier wie folgt: Entgegen des Uhrzeigersinns wird der Speicher gelöscht und im Uhrzeigersinn eingefroren. Befindet sich der Regler irgendwo dazwischen, befindet sich der Bastl Instruments Kastle 2 FX Wizard im Aufnahmemodus. Die Abspielrichtung und -geschwindigkeit wird über den Zeitparameter festgelegt.
Hier habe ich den LFO benutzt, um Inhalte automatisiert zu löschen und neu aufzunehmen, indem ich einen Ausgang zu einem der Modulationseingänge des Amount-Reglers geführt habe. Außerdem löst er einen Reset des Pattern-Generators aus, der den Zeitparameter moduliert. Das hat für etwas weniger Zufall gesorgt und gefällt mir einfach besser.
Beispiel 9 – Shifter
Der Shifter-Effekt ist ein, abgesehen von den Patch-Möglichkeiten, ganz einfacher Pitch-Shifter. Der Amount-Regler ist für das Dry/Wet-Verhältnis zuständig und mit ausreichend Feedback entstehen zusätzliche Geräusche, sobald das eigentliche Signal ausklingt.
Ist der Zeitparameter in Mittelstellung, findet keine Tonhöhenverschiebung statt. Entgegen dem Uhrzeigersinn wird nach unten und im Uhrzeigersinn nach oben transponiert. Im Klangbeispiel hört man zuerst das unbearbeitete Signal, dann nur die Bearbeitung und anschließend in einem Verhältnis von circa 40/60.
Beispiel 10 – FX Mode Modulation
Die Effekte des Bastl Instruments Kastle 2 FX Wizard lassen sich auch per CV ansteuern. Hier durch den internen Dreieck-LFO, der synchron zur DAW und deren Drumloop läuft.
Die drei Ausgänge des Pattern-Generators modulieren alle Modulationsparameter und der Hüllkurvenfolger den Amount-Regler. Der Plus-Ausgang führt zum CV-Eingang des Pattern-Generators und sorgt somit für eine zufällige Sequenz.
Beispiel 11 – CV-Ausgang & Tape Delay
Über den Sync-Ausgang lassen sich auch CV-Spannungen ausspielen. Da der CV-Ausgang des Pattern-Generators eher weniger musikalische Ergebnisse bringt, konnte ich ihn so über einen Quantisierer zum Mutable Instruments Rings senden und deutlich bessere Ergebnisse erzielen.
Über die Gate- und CV-Eingänge habe ich versucht, die Sequenz etwas interessanter zu gestalten. Zusätzlich habe ich das Delay genutzt und dessen Zeitparameter ganz leicht mit dem Hüllkurvenfolger moduliert, wodurch es direkt nach einem ziemlich angefressenem Tape Delay klingt.
Beispiel 12 – Panner als Ringmodulator
Der Amount-Regler funktioniert im Panner-Modus wie folgt: Entgegen dem Uhrzeigersinn passiert erstmal nichts und bis zur Mittelstellung verstärken wir eine Sinuskurve. Von der Mittelstellung, weiter im Uhrzeigersinn, wird diese Sinuskurve immer mehr zur Rechteckschwingung. Ab einer gewissen Modulationsrate befindet sich die Schwingung im Audiobereich und der Panner wird zu einem Stereo-Ringmodulator.
Hier hatte ich allerdings ein Monosignal anliegen und den Bastl Instruments Kastle 2 FX Wizard als Duplikat beigemischt. Zuvor ging das Signal auch noch durch ein Delay, dessen Feedback-Regler wurde vom LFO des Bastl Instruments Kastle 2 FX Wizard moduliert.
Beispiel 13 – Tail Distortion
Mit dem Panner lassen sich noch weitere interessante Stereo-Effekte erzielen, hier anhand eines leicht abgeänderten Beispiels aus dem „Cookbook“ von Bastl Instruments.
Durch die Einstellung des Stereo-Parameters und der Modulation des Hüllkurvenfolgers für Feedback und den Amount-Regler, bleiben lautere Eingangssignale mittig und leisere werden auf die Seiten verteilt. Mit etwas Feedback lässt sich den Seitensignalen noch Distortion hinzufügen.
Beispiel 14 – Switch Sequence & LFO Melody
Der LFO des Bastl Instruments Kastle 2 FX Wizard lässt sich auch als Oszillator nutzen. Dazu muss er nur schnell genug schwingen, was am besten in Richtung des Uhrzeigersinns funktioniert. Hier habe ich zwei Dreieckausgänge zu den beiden Audioeingängen geschickt.
Der CV-Ausgang des Pattern-Generators moduliert die LFO-Frequenz und generiert somit eine Melodie. Über den „-„-Ausgang lässt sich eine neue Melodie generieren, indem man ihn zum CV-Eingang des Pattern-Generators sendet.
Zu Beginn hören wir nur den LFO und wie die Melodie sich verändert. Danach habe ich den Amount-Regler aufgedreht, um den Pitcher-Effekt hörbar zu machen. Durch die recht niedrige Einstellung des Zeitparameters und dessen negative Modulation kommen zusätzliche rhythmische Effekte zustande. Nach der Aufnahme hatte ich zum Ende des Klangbeispiels noch etwas Delay & Reverb hinzugefügt.
Beispiel 15 – No Input Flanger
Die Einstellungen hierfür sind recht ähnlich wie bei dem vorherigen Beispiel zum Flanger. Jedoch lag kein Input-Signal an und ab hier lässt sich schon nach Bedarf experimentieren.
Das Feedback etwas aufgedreht und das Tempo eventuell verringert, schon kann man die Kiste laufen lassen und bekommt ein paar ganz nette Klänge zustande. In diesem Fall müsste man allerdings wohl mit einem Spektraleditor nochmal chirurgisch korrigieren.
Beispiel 16 – Replayer Session
Mit dem Replayer macht vor allem Spaß, irgendwelche Drums zu loopen und so neue Rhythmen und Klänge zu generieren. Manchmal reicht ja schon ein 1/4-Takt aus für neue Inspirationen. Hier ergibt es manchmal Sinn, vorausschauend zu denken und das Sample je nach Wunsch vorher etwas schneller oder langsamer abzuspielen, bevor es in den Speicher des Bastl Instruments Kastle 2 FX Wizard gelangt.
Beispiel 17 – LFO als Oszillator (Freakout)
Wem das letzte Beispiel gefällt, der ist mit allen Geräten aus der Kastle-Reihe bestens beraten. Der LFO dient als Oszillator und steuert zusätzlich die FX-Modi. Die CV-Ausgänge des Pattern-Generators steuern den Amount-, Zeit- und LFO-Modulations-Regler.




















































Tolle Klangbeispiele und ein faszinierendes Gerät, das mich sowohl ästhetisch als auch vom Konzept her voll anspricht, ich aber auf Anhieb null verstehe.🤭
Top Workshop 👍
Danke für den kleinen Workshop. In der Tat ist der Bastl FX ein sehr spezielles Gerät, was einige Einarbeitung und Erklärung erfordert. Ich bin froh, dass sich Amazona auch immer mal wieder solche Geräte vornimmt.
ich kann den zusammenhang des abgebildeten gerätes und den hier gezeigten effekten nicht verstehen. kann mir mal einer erklären, wie ich das delay zb auswähle?
@FUJISOUND FX Mode drücken sollte da helfen.