11 Patterns mit der Behringer RD-78
Der Behringer RD-78 ist ein weiterer Drumcomputer, der eines der legendären Geräte von Roland imitiert, in diesem Fall den Roland CR-78. Bis auf die Optik und die Größe hat Behringer sich sehr strikt an das Original gehalten. So ist der Signalfluss komplett analog aufgebaut und auch die Rhythmus-Presets sind identisch. Wer sich vor unserem Workshop nochmals im Detail über den Behringer RD-78 informieren möchte, darf vorab gerne unseren Testbeitrag dazu lesen.
Inhaltsverzeichnis
- Beispiel 1 – Fade & Balance
- Beispiel 2 – Track Play & Distortion
- Beispiel 3 – Einzelausgänge 1
- Beispiel 4 – Scales & Variations
- Beispiel 5 – MIDI In
- Beispiel 6 – Einzelausgänge 2
- Beispiel 7 – MIDI Out
- Beispiel 8 – Polyrhythmus & Polymeter
- Beispiel 9 – Drone
- Beispiel 10 – Phils Pattern
- Beispiel 11 – Lees Pattern
Ein paar feine Unterschiede gibt es dennoch, denn Behringer hat dem RD-78 natürlich auch ein paar moderne Upgrades verschafft. So haben wir beispielsweise, statt den ursprünglichen 14 Drum-Sounds, einen mehr, in Form einer Clap. Mit Einzelausgängen, MIDI und einem Pattern Generator lässt sich bestimmt so einiges realisieren, das mit dem Original nicht möglich wäre.
Beispiel 1 – Fade & Balance
Als erstes Beispiel möchte ich zwei Funktionen zeigen, die ich so aus keinem anderen Drumcomputer kenne. Zum einen die Fade-Funktion, mit der sich ein Fade-in und ein Fade-out beim Starten, beziehungsweise beim Stoppen einer Sequenz, erstellen lässt. Hier habe ich beide Kippschalter auf „Long“ gestellt. Die Fade-Funktion finde ich für eine Live-Performance tatsächlich gar nicht mal so schlecht und könnte sogar noch länger andauern.
Ebenfalls etwas ungewöhnlich ist die Balance-Funktion. Über sie lassen sich spezifische Sounds ein- und ausblenden. In Mittelstellung sind alle Klänge gleichmäßig hörbar, während sich in linker Position die Bass-Drum befindet und auf der rechten Seite HiHat, Cymbal und Maracas. Alle anderen Klänge sind immer gleichmäßig präsent. Für das Klangbeispiel habe ich ein einfaches Pattern erstellt und nur Sounds genutzt, die vom Balance-Regler betroffen sind. Zu Beginn ist der Balance-Regler mittig positioniert.
Das Signal wird zusätzlich am Hauptausgang geteilt und geht in einen externen Frequenzschieber, der wiederum von einer Hüllkurve moduliert wird. Die Hüllkurve ist über den Sync-Ausgang des Behringer RD-78 synchronisiert (erst gegen Ende des Klangbeispiels hörbar).
Beispiel 2 – Track Play & Distortion
16 Schritte für eine Sequenz können schnell nach mehr verlangen und so lassen sich mit dem Behringer RD-78 bis zu vier Patterns zu einem Track verknüpfen. Allerdings mit der Einschränkung, dass sich nur die Pattern 1-4, 5-8, 9-12 oder 13-16 verknüpfen lassen. Somit kommen wir aber auf völlig ausreichende 64 Schritte.
Am Ausgang habe ich das Signal dupliziert und in ein Distortion Plug-in (Valley Amalgam für VCV Rack) geschickt. Das Signal, das das Distortion-Modul durchwandert, durchläuft noch einen VCA, der über eine Hüllkurve gesteuert wird. Die Hüllkurve ist synchronisiert zum Behringer RD-78. Zu Beginn ist es noch eine AD-Hüllkurve und im Verlauf wird noch Release hinzugefügt, um sie im Prinzip komplett zu öffnen.
Beispiel 3 – Einzelausgänge 1
Auf der Rückseite des Behringer RD-78 lassen sich die Sounds nochmal einzeln abgreifen, wobei sie identisch zu dem jeweiligen Lautstärkeregler gruppiert sind. Sobald ein Kabel am Ausgang anliegt, wird das entsprechende Signal auch nicht zum Hauptausgang geleitet. Je nach Effekten und Prozessoren, die man so besitzt, lassen sich über die Einzelausgänge alle Klänge wunderbar und beliebig verformen.
Für das Beispiel habe ich die HiHats in einen Mixer mit Sequencer geschickt. Dadurch können sie nochmal separat gesteuert werden und erhalten mehr Variation. Low-Conga und die beiden Bongos gehen einmal trocken in den Mixer und einmal über einen Umweg durch ein Delay. Clave und Cowbell gehen zu einem weiteren Mixer mit Reverb und zusätzlich in einen granularen Prozessor, der erst gegen Ende des Klangbeispiels zu hören ist.
Beispiel 4 – Scales & Variations
Für das nächste Beispiel hatte ich die Skala 3 gewählt und zwei Patterns für die Rhythmusgruppen A und B erstellt. Den Variations-Regler stellte ich dementsprechend auf „Rhythm“, den Variation-Kippschalter auf „Auto“ und „Variation Measure“ auf 2. Somit werden die beiden Patterns automatisch abwechselnd gespielt. Dazu habe ich noch drei verschiedene Fills mit der Skala 1 und jeweils zwölf Schritten genutzt. Der Metallic-Beat geht über dessen Ausgang separat durch einen externen Frequenzschieber mit Delay.
Das Rauschen (ausgehend vom Koma Elektronik Field Kit FX, das ich als Effekt und Mixer nutzte) wollte ich mit iZotope RX etwas reduzieren. Das Plug-in Voice De-Noise tat dies auch halbwegs gut, jedoch wollte ich noch ein paar weitere Werkzeuge ausprobieren. Durch das De-Hum Plug-in entstand dann ein lustiger Effekt, den ich durch Automation der Parameter Gain und Frequency erzeugte.
Beispiel 5 – MIDI In
Der Limitierung in allen Ehren, aber über einen externen Sequencer lassen sich natürlich nochmal deutlich komplexere Patterns programmieren. Hier habe ich den Pattern-Sequencer aus Cubase 14 genutzt und mit drei verschiedenen Patterns (eines davon zufallsgeneriert), die jeweils verschiedene Funktionen wie Versatz, Swing und Ratchets beherbergen, eine längere Sequenz erstellt.
Die MIDI-Noten sind im Handbuch leider teilweise falsch angegeben. Die Noten, die im Screenshot abzulesen sind, folgen der Anordnung der Drehregler von links nach rechts.
Beispiel 6 – Einzelausgänge 2
Ein weiteres Beispiel, bei dem ich mich an den Einzelausgängen bediente, um dem Behringer RD-78 einen anderen Charakter zu verleihen. Als Effektgerät reichte mir das Koma Elektronik Field Kit FX aus. Die Bass-Drum wird recht stark angezerrt über den vierten Kanal des Field Kit FX (der sogenannte „Turbo-Channel“). Die Clap geht durch den Federhall und die Conga durch das Delay. Dazu läuft noch ein synchronisierter Moog DFAM und spielt den Bass.
Beispiel 7 – MIDI Out
Der Behringer RD-78 kann auch MIDI Out und MIDI Thru. Aus der Laune heraus habe ich irgendein beliebiges Pattern erstellt, kopiert und zu einem Track zusammengeführt. Jedes Pattern hat eine leichte Variation erhalten. Gegen Ende hatte ich auch kurz vom Track-Play- zum Pattern-Play-Modus gewechselt, um eine weitere Variation hinzuzufügen. Über den MIDI-Ausgang habe ich dann eine Novation Bass Station II ansteuern lassen und die Sequenz des Behringer RD-78 am Ende mit der Fade-Funktion ausklingen lassen.
Beispiel 8 – Polyrhythmus & Polymeter
Die Länge einer jeden Sequenz lässt sich immer variabel einstellen, womit sich prima Polyrhythmen bilden lassen. Hier laufen 15 Schritte auf dem Behringer RD-78. Bass-Drum und Snare-Drum beginnen beide auf dem ersten Schritt. Die Bass-Drum hat immer drei freie Schritte bis zum nächsten Schlag und die Snare-Drum nur zwei. So treffen sie sich aber wieder gemeinsam auf der 1. Die restlichen Klänge folgen einem ähnlichen Muster.
Dazu läuft wieder der Moog DFAM synchronisiert zum Tempo, jedoch mit acht Schritten und einer Bass-Drum auf 1 und 4. So haben wir einen Loop, der auch ohne Effekte und Variationen einen lange in den Bann ziehen kann.
Beispiel 9 – Drone
Hat man entsprechendes Werkzeug zur Hand, kann man auch Sequenzen erstellen, die deutlich schneller als die maximalen 250 bpm sind. Über den Moog DFAM konnte ich das Tempo auf bis zu 600 bpm hochdrehen, womit wir eine potentielle Grundlage für einen Drone-Sound haben. Jeder Klang wurde auf jeden Schritt programmiert. Das Signal geht durch ein Tiefpassfilter, das zu Beginn offen ist. Der Hall kommt aus der DAW.
Zuerst hört man nur die Congas, die Bongos und danach die Bass-Drum. So hat man erstmal kaum Rauschanteile im Signal. Danach hatte ich alle anderen Klänge langsam eingepegelt. Hier hört man deutlich den Charakter eines jeden einzelnen Klangs. Im Verlauf kam dann das Filter zum Einsatz und das Tempo, das sich nun auf die Tonhöhe auswirkte, hatte ich gegen Ende etwas abgesenkt.
Beispiel 10 – Phils Pattern
Es gibt einige Künstler und Bands, denen man den Bekanntheitsgrad des originalen Roland CR-78 zuschreiben könnte. Für mich persönlich ist es Phil Collins mit „In The Air Tonight“, auch wenn dieser erst drei Jahre später als beispielsweise Blondies „Heart Of Glass“ erschien.
Phil Collins nutzte das Preset „Disco 2“, verlangsamte das Tempo und ließ einfach ein paar Sounds verstummen. Da sich im Rhythm-Modus Variationen und Pattern-Wechsel nicht überschreiben lassen, muss man das Pattern aber dennoch komplett selbst programmieren. Da nur fünf Sounds zum Einsatz kommen, ist das aber schnell erledigt.
Wichtig ist auch das B-Pattern. Hier wird ein weiterer Akzent auf die 5 gesetzt und die Bass-Drum nun auf die Schritte 1, 5, 9, 11, 13 und 15. Alle anderen Klänge bleiben identisch zum A-Pattern.
Beispiel 11 – Lees Pattern
Auf der Roland Website werden so einige Referenzen genannt, die den originalen CR-78 bekannt gemacht haben (sollen). So auch der Titel „Congo Man“ von The Congos, produziert von Lee „Scratch“ Perry. Allerdings kam die CR-78 1978 auf den Markt, während Congo Man schon 1977 veröffentlicht wurde. Das machte mich neugierig und ich wollte wissen, wie der Groove, oder zumindest ein Teil davon, auf dem Behringer RD-78 klingen würde.
Für den Wiedererkennungswert sorgen im Wesentlichen das Tempo von 100 bpm, das Timing der HiHat zusammen mit der Cymbal und die High-Bongo, die noch durch ein externes Delay geschickt wird. Immer noch weit entfernt vom Original, jedoch können solch kleine Forschungsreisen auch immer wieder lehrreich sein oder sogar zu spannenden Eigenkreationen führen.













































Tolle Beispiele. Man sieht, wie viel mehr man da noch mit ein paar Tricks herausholen kann! Danke für die Inspiration!
Danke für den Artikel und die praktischen Beispiele.
Mit dem SynTribe-Sequencer bin ich auch nach Jahren nicht wirklich warm geworden. Vielleicht bin ich schlicht zu verwöhnt?!
Geht es nur mir so, dass ich das Gefühl habe, Behringer könnte der SynTribe-Software etwas mehr Charme verleihen?