In wenigen Schritten zum Synth-Sound aus Stranger Things
Die neue Staffel von Stranger Things zeigt wieder einmal sehr deutlich, wie stark ein 80er-Pad zusammen mit einem präsenten Bass begeistern kann. Mit dem Cherry Audio Mercury-8 Software-Synthesizer, einer Roland Jupiter-8 Emulation, lassen sich genau solche Sounds recht simpel nachbauen, was wir uns in diesem Workshop Schritt für Schritt anhand von zwei Beispielen anschauen werden.
- 80er-Sounds: Der Mercury-8 emuliert den legendären Roland Jupiter-8 und liefert authentische 80er-Jahre-Klänge.
- Pad-Programmierung: Schrittweise Anleitung für ein breites, warmes Pad mit Layern, Chorus und Reverb.
- Bass-Sound: Dominanter Bass entsteht durch Unison-Mode, Mod-Matrix und gezielte Filtereinstellungen.
- Flexibilität: Zwei Layer, Modulationsmatrix und Effekte ermöglichen vielseitige Klanggestaltung.
- Ergebnis: Der Mercury-8 überzeugt als günstige, vielseitige Jupiter-8-Emulation mit eigenem Charakter zum Nachbau der beliebten Sounds der 1980er-Jahre.
Inhaltsverzeichnis
80s pur: Stranger Things
Die Netflix Erfolgsserie Stranger Things läuft aktuell in der 5. Staffel. Von Anfang an setzten die Macher der Serie auf den Synthesizer-Sound der 1980er-Jahre. Druckvolle Bässe, wabernde Pads mit viel Chorus, Phaser oder Flanger, Arpeggio-Linien, Filter-Fahrten, scharfe und höhenreiche Sounds ergänzt durch warme und mittenbetonte Sounds bestimmen das Bild. Natürlich kommen sofort die bekannten analogen Synthesizer der 1980er-Jahre wie der Roland Jupiter-8 in den Sinn, wenn man die Serie anschaut. Schon das Intro von Stranger Things verschafft uns einen tollen Eindruck davon, was zu erwarten ist:
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Der Synthesizer: Cherry Audio Mercury-8
Um die Sounds in diesem Workshop nachbauen zu können, benötigst du nur den recht preisgünstigen Cherry Audio Mercury-8 Synthesizer. Cherry Audio Mercury-8 kann nach dem Download und der Installation entweder als Standalone-Instrument oder innerhalb einer DAW als Plug-in gespielt werden.
Klangcharakter und Grundidee
Der Cherry Audio Mercury-8 Software Synthesizer vermittelt schon nach kurzer Zeit den Eindruck eines sehr sorgfältig umgesetzten Plug-ins. Klang und Design sind sehr eng an den Roland Jupiter-8 angelehnt, dessen Mischung aus Wärme und klanglicher Präsenz in vielen Produktionen der 1980er-Jahre wiederzufinden ist. Bekannt ist der originale Synthesizer vor deshalb, weil man mit ihm ohne großen Aufwand einen soliden Sound bauen kann, was genauso auf die Emulation von Cherry Audio zutrifft. Von druckvoll und warm bis zu brachial und schrill reicht das Klangpotential dieses Synthesizers.
Erweiterungen
Der Cherry Audio Mercury-8 ergänzt sein Vorbild um Funktionen, die im Studio- und Live-Alltag weiterhelfen, wie beispielsweise zwei voneinander unabhängige Layer, die sich flexibel kombinieren lassen. Jeder Layer bringt eigene interne Effekte, eine Modulationsmatrix und bei Bedarf einen Arpeggiator oder Sequencer mit. Dadurch lassen sich sowohl ruhige Pads, als auch komplexere Sounds entwickeln. Wer den Charakter des originalen Roland Jupiter-8 schätzt, wird sicher auch mit der Plug-in-Version von Cherry Audio zufrieden sein, deren AMAZONA-Testbericht HIER nachzulesen ist.
Breites und warmes Pad mit dem Cherry Audio Mercury-8
Für das Pad, das die Basis des Gesamt-Sounds werden soll, dient das Init-Preset vom Cherry Audio Mercury-8 als Ausgangspunkt, das aktuell noch recht scharf und dominant klingt. Im Folgenden soll daraus unser warmes 80er-Pad entstehen.
Oszillatoren (Layer 1)
Für das Pad werden beide Oszillatoren genutzt, die im Init-Preset bereits fast passend eingestellt sind. Der erste Oszillator bleibt in seiner 16-Fuß-Einstellung und liefert mit der Rampen-Form schon den gewünschten Charakter. Auch der zweite Oszillator bleibt gleich eingestellt, erhält aber eine leichte Verstimmung nach oben, wodurch der Sound direkt etwas breiter und lebendiger klingt, ohne dass sich die Tonhöhe störend verschiebt. Beide Oszillatoren ergänzen sich so zu einem recht dichten Fundament für unser Pad.
Hüllkurven (Layer 1)
Im nächsten Schritt wird beim ENV-2 die Hüllkurve so angepasst, dass es direkt nach einem Pad klingt: Ich erhöhe die Attack-Zeit, damit der Sound langsam ansteigt und erhöhe außerdem die Release-Zeit, damit die gespielten Akkorde fließend ineinander übergehen und nicht abrupt enden. Der Decay-Regler wird auf etwa 6.000 ms angehoben und der Sustain-Regler ganz nach unten gezogen, wodurch ein insgesamt sehr ruhiger Verlauf entsteht.
Filter (Layer 1)
Um einen weniger scharfen, sondern eher dumpfen und wärmeren Sound zu erhalten, setze ich die Cutoff-Frequenz recht weit nach unten. Das Pad wird dadurch auch automatisch leiser, was ich durch einen zweiten Layer über den Dual-Mode wieder ausgleichen werde.
Zweiter Layer
Per Knopfdruck wird deshalb nun der Dual-Mode angewählt und der nun hinzukommenden zweite Layer zur besseren Bearbeitung auf Solo gestellt.
Oszillatoren (Layer 2)
Auch hier übernehme ich weitergehend die bereits gewählten Einstellungen im Oszillatoren-Bereich und verstimme den zweiten Oszillator minimal nach oben. Dadurch erhält auch der zweite Layer etwas mehr klangliche Breite.
Hüllkurven (Layer 2)
Die Attack-Zeit wird, ähnlich wie bereits im ersten oberen Layer, höher gestellt, damit das Pad sanft startet und der Sound nicht sofort beim Drücken einer Taste zu hören ist. Die Release-Zeit wird mit etwa 870 ms auf einen mittleren Wert gestellt und auch der Sustain-Regler ganz nach unten gezogen. Den Decay-Regler stelle ich wieder halbwegs mittig ein, damit auch hier ein sanfter Verlauf des Klangs entsteht.
Filter (Layer 2)
Im nächsten Schritt wird die Attack-Zeit im ENV-1 auf etwa 14 ms gestellt, der Decay-Regler auf einen ähnlich mittleren Wert, wie im ENV-2 und der Sustain-Regler wird wieder auf 0 gesetzt. Für etwas mehr Definition im oberen Bereich, wird der Key-Follow-Regler sehr weit nach oben gesetzt. Trotz des Highcut-Filters bei etwa 240 Hz bekommt der zweite Layer dadurch klanglich etwas mehr Schärfe und Dominanz.
Assign Mode
Recht mittig im Plug-in findet man den Assign-Mode-Bereich, in dem ich den Multi-Mode wähle und den Sound vom zweiten Layer mit den sich daraufhin öffnenden Reglern im Stereopanorama leicht nach links verschiebe. Gleiches mache ich im nächsten Schritt mit dem ersten Layer, der allerdings etwas nach rechts verschoben wird, wodurch automatisch mehr Breite entsteht, wenn beide Layer gleichzeitig zu hören sind.
Feine Anpassungen
Den oberen rot markierten Layer mache ich insgesamt etwas leiser, während der untere zweite Layer in seiner Summe ganz leicht nach oben gestimmt wird. Hierdurch entsteht ein leicht verzerrterer Klang, der weniger steril wirkt.
Effekt: Chorus
Die Effekte setze ich global ein, sie betreffen also beide erstellten Layer gleichermaßen. In den ersten Slot lade ich den „Flanger & Chorus“, stelle diesen Effekt aber zu 100 % auf Chorus ein. Den Chorus verlangsame ich ein wenig und stelle den Regler für die Intensität des Effekts auf etwa die Hälfte.
Effekt: Hall
In den zweiten Slot lade ich den „Lushverb“, also einen Hall-Effekt, der beide Layer als letzte Instanz in der Effektkette klanglich weiter miteinander verbinden soll. Die Höhen des Halls schneide ich bei etwa 1.400 Hz ab und die Bässe leicht über 7.000 Hz.
Das Ergebnis
Das Ergebnis ist ein unaufdringliches Pad, das gerade am Anfang trotzdem etwas Bewegung mit sich bringt.
Hier noch ein kurzer Direktvergleich vom Sound des Init-Presets und dem daraus entstandenen Sound:
Dominanter Bass mit dem Cherry Audio Mercury-8
Im zweiten Teil dieses Workshops starten wir wieder mit dem Init-Preset, um einen Bass-Sound zu erstellen.
Assign Mode und Oszillatoren
Der gespielte Sound bekommt automatisch mehr Druck und klanglichen Biss, wenn im Assign-Mode statt des Poly-Reglers der Unison-Regler ausgewählt wird. Für einen etwas fülligeren Sound wähle ich im nächsten Schritt im zweiten Oszillator „Puls“ aus.
ENV-2
Da der Bass recht scharf klingen soll, wird der Attack-Regler nach ganz unten gezogen. So ist der Sound von Anfang sehr dominant zu hören. Die Release-Zeit wird auf knapp 5.000 ms erhöht, wodurch der Klang lange stehen bleibt statt schell abzubrechen. In ENV-1 setze ich dann den Attack-Regler ebenfalls nach ganz unten, die übrigen Regler werden allerdings auf einen halbwegs mittleren Wert gestellt.
Filter und ENV-1
Der Regler für die Envelope-Modulation wird auf 100 % gestellt, wodurch die Anpassungen im ENV-1 erst hörbar werden. Hierdurch entsteht nun ein sehr direkter und scharfer Sound, der allerdings zu dominant für einen Bass ist. Deshalb setze ich die Cutoff-Frequenz im nächsten Schritt auf knapp 340 Hz, wodurch die herausstechenden höhen Töne weniger scharf klingen.
VCO-Modulation
Für ein wenig Bewegung im bisher erstellten Sound drehe ich die LFO-Frquenz auf die Hälfte des einstellbaren Wertes herunter.
Mod-Matrix
Weiter links im Plug-in ist die Mod-Matrix zu finden, über die ich dem Sound nun mehr Bass geben möchte. Dafür wähle ich eine Gleichspannung (DC), die die Tonhöhe vom zweiten Oszillator nach unten schieben soll, was bei einer Einstellung von genau -10 % bedeutet, dass der VCO-2 um eine Oktave nach unten oktaviert wird.
Effekt: Equalizer
In den ersten der fünf Effekt-Slots lade ich einen 7-Band-Equalizer, der die Bässe leicht anhebt und die Mitten etwas absenkt. Außerdem kann hier die Schärfe des Sounds durch ein leichtes Anheben der Höhen mehr herausgestellt werden.
Effekt: Chorus
Anschließend kommt über den DCO Chorus mehr Breite hinzu, wobei ich den Effektanteil hier auf etwa ein Fünftel einstelle.
FX LFO
Zum Schluss stelle ich in der Mod-Matrix ein, dass der Effekt LFO die Tonhöhen beider Oszillatoren minimal zum Schwanken bringen soll. Hierdurch entsteht ein leicht leiernder Klang, ähnlich wie der einer Bandmaschine, was in Kombination mit dem oben erstellten Pad eher dem Klangcharakter der 80er entspricht.
Das Ergebnis
Das Ergebnis des zweiten Teils dieses Workshops ist ein Bass, der untenherum sehr breit ist, gleichzeitig aber auch einen scharfen Sound in den Höhen mit sich bringt, was ihn insgesamt sehr druckvoll macht.
Auch hier gibt es noch einmal einen Direktvergleich vom Sound des Init-Presets und dem daraus erstellten Bass-Sound:
Beide Sounds im Kontext
Das in Schritt 1 erstellte Pad und der in Schritt 2 erstellte Bass lassen sich optimal kombinieren und klingen im Ergebnis so, als könnten sie in der Serie Strange Things vorkommen. Das Pad lässt sich übrigens auch super als eher dezenter und halliger Lead-Sound spielen.






























Ich meine Stranger Things gibt es nur auf Netflix, oder? Ist diese Serie eine Empfehlung? Ich besitze zugegeben weder Netflix noch sonstige Streamingangebote. Trotzdem ist das ein sehr guter Beitrag der vor allem Denjenigen zugute kommt, die gerade frisch mit DAW und Softwaresynthesizer zu tun haben. Eine Schritt für Schritt Anleitung zu einem aktuellen Serienintro, und das mit einem günstigen Plug-In, das sehr fett klingt und eines der berühmtesten Synth-Klassiker simuliert. Gut gefällt mir auch die Amazona-Neuerung, die Klanbeispiele mit passenden Kurzvideos zu kombinieren. Das sehe ich zum ersten mal! Aber genau so einen Bericht hätte ich vor 10 Jahren sehr dringend gebraucht. Stattdessen musste ich mich (nahezu) alleine mit Cubase und Co. durchschlagen, was ziemlich frustrierend war. Nun, nachdem jetzt Stranger Things erledigt ist, bitte auch an die Kids der 80er und 90er denken, wie ich eines bin. Daher bitte das Knight Rider, – und Airwolf Theme Schritt für Schritt erklären. Blade Runner auch – Danke! 😎
@Filterpad nie gesehen?
Pflicht!
ja, Netflix exklusiv! 😃
muss meinen Receiver checken.
glaub der ist hinüber.
brauche dann einen neuen um es mit ordentlichen Boxen zu sehen.
die 3 Jahre Wartezeit auf die letzten Staffeln ist allerdings mühsam.
hab schon einige Serien nicht mehr weiter geschaut, weil sie mich dann nimmer interessiert haben.
ja, airwolf, Knight Rider und co. da gibt’s nette C64 Versionen. ein deutscher Youtuber namens „nordisch Sound“ aber natürlich auch von damals gibt’s einige. hab unlängst ein beeindruckendes sidtune Voller Lofi Samples vom coldcut Remix von „paid in full“ (Eric b&rakim) gehört. 😎
@Filterpad Staffel 1-3 waren echt herausragend, aber 4-5 hätte man sich sparen können. Da waren gerade in 5 schon sehr viele Füller drin.
Ich sehe die großen, mächtigen Streaming-Konzernen eher kritisch, ABER:
Man muss bedenken, dass die Streaming-Angebote/Abos für Gelegenheits-Konsumierer sehr gut sind. Heutzutage muss man kein Jahresabo oder ähnlich langbindendes für viel Geld abschließen. Bei so ziemlich jedem Anbieter kann man 1 Monat bezahlen, gucken und dann beenden. Bei Netflix sind es aktuell 14€ im Monat. Dafür bekommt man 1 Monat großes Kino. Gerade zur kalten Jahreszeit eine Überlegung wert, finde ich, wenn man Film-/Kino-Fan ist. Voraussetzung ist natürlich ein Kinoähnliches Equipment mit großem Bildschirm und Sound-Anlage zu Hause.
@Lumm ja, ins Kino gehen ich kaum noch. früher sehr viel.
leider immer wieder störenfriede im Kino und die meisten Filme interessieren mich nicht.😎
@Numitron Bei mir genauso. Habe kurz vor Weihnachten einen neuen TV gekauft mit tollem großen, knackig scharfem Bild. Preis: 350€. Der steht auf einer Nubert Soundbar mit 100 Watt. Damit habe ich genug Kino.
Es gibt übrigens auch in freien Mediatheken tolle Angebote zum streamen. Gerade in ARD Mediathek geguckt: Neuverfilmung von „Der Doktor und das liebe Vieh“. Und gerade in Arte: „Twin Peaks“ (David Lynch).
@Lumm Danke dir für den TwinPeaks Hinweis. Jetzt habe ich auch die dritte Staffel