Klassische Sounds im modernen Gewand
Erica Synths Hexdrums ist eine 10-stimmige Drummachine, die konzeptionell auf Schaltungen früherer Hexinverter-Module basiert. Man bekommt hier sehr klassische Sounds à la 808 und 909 geboten, aber auch deutlich abseits davon. Ausgestattet mit vielen Bedienelementen, Einzelausgängen, einem Sequencer und einer Master-Sektion mit Kompressor und Drive, liest sich Hexdrums schon recht interessant. In folgendem Workshop wollen wir sie ausreizen und prüfen, was alles mit ihr möglich ist.
Worum geht es? Workshop zur Erica Synths Hexdrums, einer 10-stimmigen Drum-Machine mit analogen und digitalen Sounds, Sequencer und umfangreicher Klangbearbeitung.
- Klangvielfalt: Von klassischen 808-/909-Sounds bis zu experimentellen Drums und Drone-Klängen bietet die Hexdrums ein breites Spektrum.
- Master-Sektion: Kompressor und Drive greifen stark in den Sound ein und ermöglichen von subtiler Sättigung bis zu extremer Zerstörung alles.
- Sequencer: Polymeter, Shuffle, Odds, Roll und unterschiedliche Abspielrichtungen sorgen für lebendige und komplexe Grooves.
- Flexibilität: Einzelausgänge, externe Effekte, MIDI-Steuerung und eigene Samples erweitern die kreativen Möglichkeiten deutlich.
- Performance: Besonders im Live-Einsatz überzeugt die Hexdrums durch direkte Bedienung und vielseitige Performance-Funktionen.
Inhaltsverzeichnis
- Erica Synths Hexdrums: Spezifikationen
- Beispiel 1 – Polymeter
- Beispiel 2 – Drive
- Beispiel 3 – Direction & Shuffle
- Beispiel 4 – MIDI 1
- Beispiel 5 – Drone
- Beispiel 6 – FX & Ride Loop
- Beispiel 7 – BD Wobble
- Beispiel 8 – Eigene Samples
- Beispiel 9 – Shuffle & Microtiming
- Beispiel 10 – Inverted Odds & Roll & Clock Out
Erica Synths Hexdrums: Spezifikationen
Mit dem Perkons HD-01 hat Erica Synths bereits einen modernen Klassiker geschaffen, daher war meine Vorfreude zu Beginn bereits sehr groß, als ich von der Hexdrums hörte. Bevor es losgeht, werfen wir einen kleinen Blick auf die für den Workshop wichtigen Spezifikationen:
- 8 analoge Stimmen (Bass Drum 1, Bass Drum 2, Machine, Snare, Clap, Rimshot/Clave, Open Hi-Hat, Closed Hi-Hat)
- 2 digitale Stimmen (Crash, Ride) – jeweils aus 10 Samples wählbar, die sich auch ersetzen lassen (48 kHz, 16 Bit, Mono)
- 10 Einzelausgänge
- Stereoausgang
- Master-Sektion mit Kompressor und Drive
- 64-Step-Sequencer mit Song-Modus (Pattern Chain)
- 16 Pattern-Bänke mit jeweils 16 Speicherplätzen
- analoger Clock-Ein- und -Ausgang
- Reset-Eingang
- MIDI-Ein- und -Ausgang
In unserem Testbeitrag zur Erica Synths Hexdrums könnt ihr euch die Drummachine nochmals im Detail zu Gemüte führen.
Beispiel 1 – Polymeter
Zu Beginn wollte ich den Klang so trocken wie möglich halten und insgesamt eher zurückhaltende Sounds programmieren. Bei der Hexdrums fällt es jedoch verdammt schwer, die Finger von der Master-Sektion zu lassen. Sowohl Kompressor als auch Drive färben den Klang enorm, sodass man sich hier gut genauso viel Zeit nehmen kann wie bei der Ausarbeitung der einzelnen Sounds. Dennoch wurde die Sättigung eher dezent eingesetzt und das Beispiel vermittelt den Grundklang sehr gut.
Obwohl die Sequenz nur aus 16 Schritten besteht, wirkt sie etwas länger, da Bass Drum 1 und Closed Hat jeweils über 15 Schritte laufen. Dadurch verschieben sich die Patterns gegeneinander, was ein einfaches Beispiel für Polymeter darstellt.
Beispiel 2 – Drive
Sowohl der Kompressor als auch die Drive-Sektion können ordentlich zupacken und die Signale ungemein färben. Dann muss man vor allem bei den beiden Bass Drums aufpassen, dass sie sich nicht durch eine zu hohe Decay-Zeit zu sehr überschneiden.
Zu Beginn des Klangbeispiels hört man das Signal ohne Kompressor und Drive. Dann ist der Kompressor schon sehr deutlich zu hören und über den Gain-Regler habe ich den Pegel wieder ausgeglichen. Das sorgt schon für ordentlich Sättigung. Die komplette Zerstörung übernimmt dann im Anschluss die Drive-Sektion, die zwar sehr schnell etwas zu viel des Guten ist, aber mit etwas Fingerspitzengefühl wirklich toll klingen kann.
Beispiel 3 – Direction & Shuffle
Die einzelnen Sequencer-Spuren der Hexdrums können auch in unterschiedliche Richtungen abgespielt werden. Hier laufen BD2 und Crash im Ping-Pong-Modus, also immer wieder vorwärts und rückwärts. Durch den Einsatz der Odds-Funktion wirkt die Sequenz deutlich länger als nur 16 Schritte.
Zudem haben BD1, BD2, Hi-Hat und Crash einen Shuffle-Wert von 12. Bei der Erica Synths Hexdrums reichen für meinen Geschmack bereits niedrige Shuffle-Werte aus, um mehr Groove ins Spiel zu bringen.
Beispiel 4 – MIDI 1
Für ein MIDI-Beispiel habe ich die Einstellungen, bis auf die der Master-Sektion, aus Beispiel Nummer 3 übernommen und die Erica Synths Hexdrums mit dem Sequencer-Plug-in HY-Seq angesteuert. Die Sequenz war bewusst sehr willkürlich gestaltet, nach der Aufnahme habe ich verschiedene Passagen geschnitten und neu zusammengefügt.
Da ich mich somit ohnehin schon in der DAW befand, habe ich dort direkt noch ein Delay (Soundtoys EchoBoy Jr.) hinzugefügt. Mix- und Time-Regler des Delays werden von zwei LFOs im Sample-and-Hold-Modus gesteuert, über eine Automationsspur habe ich das Delay an- und ausgeschaltet.
Beispiel 5 – Drone
Mit einem BPM-Bereich von 20 bis 999 bpm ist die Erica Synths Hexdrums auch für Drone-Sounds durchaus zu gebrauchen. Für das Beispiel habe ich nur das Machine-Modul verwendet und innerhalb eines Taktes auf jeden Schritt eine Note programmiert. Zu Beginn des Klangbeispiels läuft die Hexdrums auf 20 bpm und wird zunehmend schneller, bis ich bei 806 bpm gelandet bin.
Danach habe ich lediglich den Detune-Regler benutzt und sehr langsam den kompletten Reglerweg erforscht. Hierbei ist es natürlich wichtig, beide Oszillatoren des Machine-Moduls hörbar zu machen. Das Signal lief zusätzlich noch durch einen Intellijel Jellymix, um ein Filter hinzuzufügen, und bekam das obligatorische Reverb in der DAW.
Beispiel 6 – FX & Ride Loop
Meine Spielwiese bestand zeitweise aus einem Setup mit der Erica Synths Hexdrums gemeinsam mit ein paar Synthesizern, einem Mixer und ein paar Effekt-Pedalen. Über den Mixer konnte ich zwei Send-Effekte einschleifen und durch die Einzelausgänge der Hexdrums sogar sehr gezielt einsetzen. Die Module Machine und Clap hatten ihren eigenen Kanal erhalten.
Für das Beispiel habe ich ein ganz einfaches Pattern programmiert, um der verwendeten Clap etwas Platz für einen Reverb zu geben. Der Summe hatte ich auch etwas Reverb hinzugefügt, aber deutlich subtiler. Der Machine-Sound hat ein permanentes Delay erhalten. Das Delay ist jedoch auch an gezielten Stellen auf der Clap zu hören, indem ich den entsprechenden Send-Regler auf Post-Fader gestellt hatte und manuell kontrollierte.
Die Ride-Spur klingt ebenfalls als hätte sie ein Delay, wofür allerdings die Ride-Loop-Funktion sorgt. Ist Ride Loop aktiv, wird der Sound während der Decay-Phase wiederholt, solange bis der VCA komplett schließt. Das Ergebnis wirkt tatsächlich wie ein Delay-Effekt.
Das Pattern zeigt nur den ersten der vier Takte, da sich bis auf Machine und Rim alle wiederholen und nur BD1 eine leichte Variation im letzten Takt hat.
Beispiel 7 – BD Wobble
Wenn sich die beiden Bass Drums der Erica Synths Hexdrums überlagern, können manchmal interessante Effekte entstehen. Für BD1 habe ich zur Abwechslung mal eine Rechteckschwingung benutzt und das Signal über die Einzelausgänge durch einen Verzerrer geschickt, den ich im Klangbeispiel erst etwas verzögert anschalte. Durch den Verzerrer erhöht sich auch die Decay-Zeit deutlich.
Beispiel 8 – Eigene Samples
Die jeweils zehn Samples für Crash und Ride lassen sich auch durch eigene Samples erweitern. Die Umsetzung ist durchdacht, denn die originalen Samples werden nie ersetzt, sondern es lässt sich im Konfigurationsmenü zwischen OnBoard- und User-Samples wechseln.
Für das Beispiel habe ich vor allem kurze Stab-Sounds als Samples benutzt, von denen zwei zum Einsatz kamen. Hier habe ich wieder mit einem externen Mixer gearbeitet und einzelne Kanäle für die beiden Samples verwendet, um über einen Send-Effekt ein konstantes Delay und über einen zweiten Send-Effekt ein weiteres Delay hinzuzufügen. Das zweite Delay habe ich dann nur punktuell eingesetzt.
Beispiel 9 – Shuffle & Microtiming
Für manche Genres sind quantisierte Patterns ein absolutes No-Go. UK Garage oder Hip Hop im Boom-Bap-Style funktionieren schlicht und ergreifend nicht ohne eine ordentliche Portion Shuffle, Swing oder Microtiming. In anderen Genres kann man so natürlich auch für deutlich mehr Groove sorgen, wird aber weniger extrem angewendet.
Das Beispiel nachzubauen, wird etwas schwierig ohne genaue Werte, sollte aber auch nicht das Ziel sein. Ich habe hierfür beinahe jeder Spur einen Swing-Wert von 25 gegeben und vor allem BD1, BD2 und Machine (hier nur eine Hi-Hat) per Microtiming ordentlich nach hinten und nach vorne verschoben.
Beispiel 10 – Inverted Odds & Roll & Clock Out
Für das letzte Beispiel kommen noch einmal nahezu alle Funktionen zusammen. Crash und Ride spielen erneut ein Sample ab und werden gemeinsam über den Einzelausgang auf einen separaten Kanal geführt. Auch die Odds-Funktion habe ich wieder verwendet, diesmal jedoch invertiert. Ist diese Option in den Einstellungen aktiviert, wird bei einer Einstellung von 1/2 das Sample beispielsweise nur bei jedem zweiten Durchlauf abgespielt. Ohne Invertierung würde es hingegen nur im ersten Durchlauf erklingen und im zweiten aussetzen.
Da die Samples eher aus Rauschen und Knistern bestehen, habe ich eine Korg Volca Keys über den Clock-Ausgang der Hexdrums synchronisiert, um einen Akkord hinzuzufügen. BD1 fungiert hier eher als Bass, während BD2 eine vergleichsweise sanfte Bass Drum bleibt.
Gerade für Live-Performances ist auch die Roll-Funktion sehr hilfreich. Ist sie aktiviert, lassen sich die einzelnen Drum-Sounds über ihre jeweiligen Tasten kontinuierlich triggern. In diesem Beispiel habe ich es bewusst simpel gehalten und nur die Ride beziehungsweise das Sample mit einem Wert von 1/16 Note eingesetzt.





















































drumlogue hab ich mir auch überlegt.
aber es gibt auch Kritiker.
Bedienung Soll nicht so gut sein.
das Konzept klingt allerdings sehr gut.
immer wieder auf 808 und 909 fokussieren finde ich dagegen schon lange abgelutscht😜
@Numitron da Hast du Recht.
liebe ja einige unterschätzte Synths und anderes 😀
tr6s auch arg unterschätzt, wie der jx3p, Alpha Juno 2, minilogue, an1x, cs01 II
Hui. mein „bedroom Studio“ ist voll underrated oida! (wienerischer Ausdruck! wie alter)
@Numitron Hab nen AN1X zu verkaufen.
Ne XBase09 auch.
Interesse? 🙂
@Numitron JX3P ein Klassiker. Behalt den nur.
Ärgere mich heut noch, dass ich den verkauft habe.
Wie so einige andere Sachen.
Hätte Hätte F…….Kette 🙁
@MPC-User ja, werde ich auf jeden Fall behalten!
einer meiner Lieblingssynths!
und ebenfalls 1983 geboren.
und der schönste Roland synth imho (OK, Jupiter 8 auch wunderschön:)
Danke für den Workshop.
Klasse Beispiele. Was dem Gerät in diese Preisklasse aber fehlt, ist die Speicherbarkeit der Reglereinstellungen.
Somit für mich uninteressant
Bleibe dann doch bei meinem Syntakt. Für mich ein All in One Gerät das nun auch Sampels liest.
Den Drumlogue hatte ich bis jetzt gar nicht auf dem Schirm. Attraktiv im Preis aktuell.