Drums, Drones & Arpeggios
Der Korg Minilogue XD ist ein 4-stimmiger Hybrid-Synthesizer mit Sequencer und einer digitalen Effekt-Sektion. Zu einem Hybrid macht ihn die Oszillator-Sektion, bestehend aus zwei analogen Oszillatoren und einer digitalen Multi-Engine. Ein absolut herausstechendes Merkmal ist die Möglichkeit, sowohl den digitalen Oszillator als auch die Effekt-Sektion durch benutzerdefinierte SDKs (Software Development Kits) zu erweitern.
Höchste Zeit also für einen kleinen Workshop zum Korg Minilogue XD. Ich habe versucht, alle Funktionen aufzuzeigen und miteinander zu kombinieren. Dabei habe ich überwiegend Oszillatoren der Multi-Engine und Effekte gewählt, die bereits bei Auslieferung vorhanden sind. Am Ende des Beitrags findet ihr aber auch einen Link zu einer Übersicht für weitere User-Oszillatoren und User-Effekte.
- Hybrid-Synthese: Zwei analoge Oszillatoren plus digitale Multi-Engine bieten flexible Klanggestaltung.
- Sequencer & Effekte: Umfangreicher Sequencer und vielseitige Effekte ermöglichen kreative Soundexperimente.
- User-Expansion: Eigene Oszillatoren und Effekte können per SDK integriert werden.
- Praxis-Tipps: Zahlreiche Klangbeispiele und Patches zeigen die Vielseitigkeit im Studioeinsatz.
- Fazit: Der minilogue xd überzeugt als kreatives Soundlabor mit großem Potenzial für individuelle Sounds.
Inhaltsverzeichnis
- Korg minilogue xd Synthesizer Patches
- Patch 1 – Phat Unisono Bass
- Patch 2 – Active Step & Motion Sequence
- Patch 3 – Microtuning & Post VCF & Keytrigger
- Patch 4 – Kreuzmodulation
- Patch 5 – Arpeggiator & Keytrigger & CV-Modulation
- Patch 6 – mxd Drummachine
- Patch 7 – Dub Motion
- Beispiel 8 – MIDI In & Pseudo-Reverse
- Beispiel 9 – MIDI Out
- Beispiel 10 – Drone
- Beispiel 11 – Motion Only
- Links zum Korg minilogue xd
Korg minilogue xd Synthesizer Patches
Patch 1 – Phat Unisono Bass
Das erste Beispiel ist sehr einfach gehalten und lässt sich beinahe ohne Beschreibung nachbauen. Lediglich die Oktavlage des Multi-Oszillators sollte auf 16′ eingestellt sein. Als Schwingungsform habe ich aus dem VPM-Oszillator (VPM = Variable Phase Modulation) der Multi-Engine ‚Sin1‘ gewählt. Über den Regler ‚Voice Mod Depth‘ können die Oszillatoren im Unisono-Modus verstimmt werden. Hier sind es 27 Cent.
Der LFO und die frei zuweisbare Hüllkurve modulieren eher subtil und langsam das Filter. Am Anfang des Klangbeispiels habe ich die Tasten nur kurz angespielt, wodurch die zweite Hüllkurve immer wieder neu gestartet wird. Danach habe ich Legato gespielt, um den Glide-Effekt ins Spiel zu bringen.
Patch 2 – Active Step & Motion Sequence
Im Sequencer habe ich zuerst schrittweise zwei Akkorde programmiert und die Oszillatoren, wie im Bild zu sehen, aufeinander abgestimmt. Die Multi-Engine enthält die Schwingungsform ‚Squ1‘, die nochmals deutlich anders klingt als die Rechteckschwingungen der analogen Oszillatoren. Als Effekte kommen Ensemble (Stereo) und Delay (Tape) zum Einsatz.
Zu Beginn läuft die Sequenz mit 15 Schritten, dann wird sie mehrmals verkürzt. Danach habe ich völlig zufällig einige Schritte ausgewählt, bis ein Groove entstand, der mir gefiel. Zum Ende hin läuft die Sequenz dann auf ihren vollen 16 Schritten. Der Motion-Sequencer moduliert dabei die Parameter Cutoff, Resonance, Release und die Lautstärke der Multi-Engine. Während der Aufnahme habe ich zusätzlich noch den Cutoff-Regler manuell bewegt.
Patch 3 – Microtuning & Post VCF & Keytrigger
Um neue, ungewohnte Melodien zu kreieren, kann Microtuning oftmals ein hilfreicher Partner sein. Der Korg minilogue xd bietet 20 Presets und es lassen sich bis zu sechs eigene Skalen speichern. Hier habe ich das Preset AFX003 ausgewählt. Drückt man Shift und Play gleichzeitig, lässt sich der Keytrigger-Modus aktivieren. Somit lässt sich eine Sequenz mit einer Taste abspielen und transponieren. Die Sequenz läuft dabei nur so lange, wie die Taste gehalten wird und der Play-Modus ist deaktiviert.
Die Multi-Engine beherbergt einen User-Oszillator namens 1973. Dieser Oszillator durchläuft nicht das Filter, da ich im Menü die Option ‚Post VCF‘ ausgewählt habe. Bei diesem Oszillator wirkt sich der Shape-Regler wie ein Filter aus und kann zusätzlich genutzt werden.
Zu Beginn sind die Regler ‚EG INT‘ und ‚INT‘ in Nullstellung, daher ist nur der User-Oszillator zu hören. Die beiden anderen Oszillatoren machen sich im Klangbeispiel durch die erhöhte Transposition und die lange Attack-Zeit bemerkbar.
Patch 4 – Kreuzmodulation
Auch Kreuzmodulation beherrscht der Korg Minilogue XD. In diesem Fall moduliert Oszillator 1 die Tonhöhe von Oszillator 2. Hier muss man sich bezüglich der Parameter der Oszillatoren nicht zwingend an das Bild halten, sondern kann gerne nach Geschmack experimentieren. Die Ergebnisse werden so oder so oftmals einfach nur schrill, harsch und metallisch klingen. Doch vor allem für rohe elektronische Musik eignet sich das wunderbar.
Das Bild zeigt die Grundeinstellung, wobei ich während der Aufnahme die Parameter EG INT, INT und die beiden Decay-Zeiten verstellt hatte. Als Effekt kam der Flanger ‚High Sweep‘ zum Einsatz und der Arpeggiator lief im Modus ‚Rise 2‘.
Patch 5 – Arpeggiator & Keytrigger & CV-Modulation
Die Keytrigger-Funktion lässt sich auch mit dem Arpeggiator kombinieren. Zuerst habe ich eine Sequenz mit aktiviertem Arpeggiator, der im ersten der drei Zufallsmodi läuft, programmiert und die Schrittlänge auf einen halben Takt eingestellt. Auch hier kamen die Kreuzmodulation und sogar die Ringmodulation zum Einsatz.
Als User-Oszillator habe ich ‚Waves‘ ausgewählt. Zu Beginn ist auch nur dieser zu hören und im Verlauf werden die anderen beiden noch beigemischt. Zur Modulation wirkt sich der LFO leicht auf die Tonhöhe aus und über die beiden CV-Eingänge werden die Parameter ‚EG Int‘ (CV 1) und ‚EG Decay‘ (CV 2) angesteuert. Der Eingang CV 1 ist zu Beginn auf 0 % und steigert sich dann bis auf 80 %. Die eingehende CV-Spannung läuft synchron, da das Modularsystem über den Sync-Ausgang des Korg minilogue xd verbunden ist.
Als Effekte kamen noch ein Delay und Reverb hinzu. Vor allem das Reverb, hier das Shimmer Reverb namens ‚The Riser‘, ist sehr charakteristisch.
Patch 6 – mxd Drummachine
Der Korg Minilogue XD macht sich auch hervorragend als kleine analoge Drum-Maschine. Die beiden Hüllkurven mit ihren überschaubaren Routing-Optionen reichen aus, um allerlei perkussive Klänge zu erstellen. Mit Hilfe des Motion-Sequencers lassen sich die Oszillatoren dann gezielt ein- und ausblenden.
Oszillator 1 und 2 liefern zwei unterschiedliche Kick-Drums und der Rauschgenerator der Multi-Engine als Snare (High Noise). Über den Motion-Sequencer habe ich lediglich pro Schritt die Lautstärke der drei Oszillatoren programmiert.
Während der Aufnahme habe ich dann mit Decay, Release und Cutoff gespielt. Einmal ist kurz ein Phaser-Effekt aktiv und danach ein Delay im synchronen Highpass-Mode auf kürzester Zeit, das gegen Ende auf 1/8 wechselt.
Patch 7 – Dub Motion
Mit dem Motion-Sequencer wird der Korg Minilogue XD schon beinahe zu einer Art Groovebox. Beginnen wir mit VCO 2: Dieser ist für die Kick-Drum zuständig. Im Menü habe ich den LFO explizit nur für den zweiten Oszillator aktiviert. Dadurch dass der LFO im One-Shot-Modus läuft, agiert er wie eine Hüllkurve und steuert die Tonhöhe des Oszillators. Die erstellte Kick-Drum habe ich im Anschluss auf die Schritte 1, 4, 7, 9, 12, 15 und 16 in unterschiedlichen Tonhöhen programmiert.
Danach kam der erste Oszillator zum Einsatz. Auf allen Schritten der Kick-Drum spielt dieser einen Bass, auf den Schritten 3 und 11 habe ich zusätzlich einen Akkord programmiert. Der dritte Oszillator hat ein einfaches Rauschen und unterstützt den Groove, je nachdem, wie viel durch das Filter durchgelassen wird oder wie sich die Hüllkurven auf das Filter auswirken. Das Filter wird wohlgemerkt von der zweiten Hüllkurve moduliert.
Das Patchsheet zeigt die Grundeinstellung zu Beginn des Klangbeispiels. Im Verlauf habe ich hauptsächlich mit den Parametern ‚EG INT‘, ‚INT‘ und der Filterresonanz experimentiert. Ein wenig Delay kam ebenfalls hinzu.
Beispiel 8 – MIDI In & Pseudo-Reverse
Obwohl sich mit dem Sequencer des Korg Minilogue XD einiges anfangen lässt, möchte man sicherlich früher oder später auch mal einen anderen, wie beispielsweise die DAW, nutzen. Ich mache das persönlich gerne über die Software VCV Rack. Hier habe ich eine Kopie des Mutable Instruments Marbles als Sequencer genommen und eine quantisierte Zufallsmelodie generiert.
Die Schwingungsform „Air2“ aus der Multi-Engine eignet sich sehr gut, um LoFi-artige Klänge zu erstellen. Der zweite Oszillator wurde zusätzlich leicht beigemischt. Ab der Hälfte des Klangbeispiels wird die Hüllkurvenmodulation auf einen negativen Wert gebracht und das Filter aufgedreht, um eine Art Rückwärtseffekt zu erzeugen.
Als Reverb kam dieses Mal ein User-Reverb namens „sniff x“ zum Einsatz, das ein zusätzliches Hochpassfilter beherbergt.
Beispiel 9 – MIDI Out
Auch den MIDI-Ausgang kann man sich etwas kreativ zunutze machen. Hier spielte ich über den Korg minilogue xd ein paar Arpeggios im Hold-Modus und schickte die Akkorde an das Eurorack-Modul Warp von Neuzeit Instruments. Da auch nur die Akkorde und nicht die einzelnen Noten, die der Arpeggiator erzeugt, gesendet werden, kann man so seiner Sequenz ein paar Flächen-Sounds hinzufügen.
Die Oszillatoren des Korg minilogue xd sind so abgestimmt, dass sie einen „Broken-Tape-Charakter“ haben. Das kann meiner Meinung nach der polyphone Synthesizer sehr gut. Zusätzlich moduliert der LFO wieder die Tonhöhe, um den analogen Charakter noch zu verstärken.
Das Warp-Modul ging auch zu einem Delay und da ich alles per Hand kontrolliert hatte, ist das Hörerlebnis nicht sonderlich spannend ausgefallen. Ich empfehle eher, eine Sequenz zu programmieren, um beide Hände für Parameterbewegungen frei zu haben.
Beispiel 10 – Drone
Für meine Workshops versuche ich immer, unabhängig vom Gerät und dessen Funktionen, einen Drone-Sound zu erstellen. Gibt es keine Hold-Funktion oder ähnliche Hilfsmittel, muss man sich hier einen Weg suchen. Oftmals versuche ich, die Sequencer auf ungewöhnlich schnellen Tempi laufen zu lassen. Hier habe ich es mal genau andersherum versucht. Die Schrittlänge des Sequencers ist auf einem halben Takt eingestellt, das globale Tempo läuft mit 52 bpm so langsam wie möglich. Es laufen lediglich zwei Schritte, von denen nur der erste eine Note enthält.
Wichtig ist natürlich, eine maximale Release-Zeit einzustellen. Den LFO habe ich im Menü explizit den Oszillatoren 1 & 2 zugewiesen, der die Shape-Regler moduliert. Die Multi-Engine umgeht hier wieder das Filter.
Als Reverb habe ich das von Korg betitelte Preset ‚Horror‘ gewählt, das sich fast ausschließlich für derartige Klänge eignet.
Beispiel 11 – Motion Only
Da ich zu Beginn des Workshops die Korg Librarian Software nicht nutzen konnte, folgt noch ein letzter Nachtrag mit einem User-Oszillator, den ich zuvor noch gar nicht installiert hatte. Hier habe ich den sogenannten Makro-Oszillator ‚Lilynz‘ benutzt, der auf dem Noise-Modus des Mutable Instruments Braids basiert. Am Anfang des Klangbeispiels ist auch nur dieser zu hören, im Verlauf werden die beiden analogen Oszillatoren nur leicht beigemischt.
Der Sequencer kam auch hier wieder zum Einsatz, allerdings ohne Noten programmiert zu haben. Lediglich für den Motion-Sequencer habe ich den Shape-Regler der Multi-Engine automatisiert und für einen Schritt den Intensity-Regler der zweiten Hüllkurve. Der Shape-Regler funktioniert als eine Art Decay und die zweite Hüllkurve sorgt für eine etwas übertriebene Modulation der Tonhöhe. So werden die Parameter unabhängig von den gespielten Noten und deren Zeitwert moduliert.
Auch den Arpeggiator nutzte ich wieder als Spielhilfe, jedoch ohne Akkorde zu spielen. Als Sahnehäubchen kam noch ein User-Delay namens ‚grit‘ hinzu, das ein Tape-Delay emuliert.
Links zum Korg minilogue xd
Zum Abschluss noch ein paar hoffentlich nützliche Links:
Zunächst einmal gibt es eine Auflistung von Korg selbst zu allen erhältlichen Oszillator-Einheiten. Unter einem anderen Link findet man wiederum einen Link zum Quellcode des von Korg bereitgestellten User-Oszillators ‚Waves‘.
Wer nicht in der Lage ist, mit dem logue SDK seine eigenen Oszillatoren und Effekte zu erstellen, findet eventuell Hilfe bei dem Wave Creator. Hier lassen sich Samples laden, anstatt einen Code zu programmieren.
Ebenfalls hilfreich könnte eine Software zum automatischen Erstellen von Patchsheets sein. Eine macOS-Version gab es zwar zu Beginn, wurde aber aufgrund von Fehlern wieder entfernt und soll nochmals folgen.










































Ein Workshop zu meinem Lieblings-Synthesizer (den ich allerdings nicht besitze und dank vorhandenem »Pro« wohl auch nie besitzen werde) von einem meiner Lieblings-Musiker: Das nenne ich einen gelungenen Jahres-Abschluss! Vielen Dank für den Workshop und die Soundbeispiele. 🙂
An dieser Stelle wünsche ich dem AMAZONA-Team und allen Forens-Kollegen einen guten Rutsch ins Jahr 2026. 🥳🎆
Meine persönliches Anliegen wäre noch, die Knallerei – wenn es denn sein muss – auf ein Minimum zu beschränken. Und zwar ganz bewusst wegen der Tiere, die damit absolut nix anfangen können und allesamt in den Panik-Modus schalten. Macht lieber Musik und dreht den Kopfhörer oder die Monitore auf.
Alles Gute,
Flowwater
@Flowwater Dem schließe ich mich an! Insbesondere dem Böller Punkt. Leider werden deine guten Worte die Idioten nicht erreichen. Du hast einen Prologue? Na dann brauchst du den XD tatsächlich nicht wirklich! 😀
@kiro7 Ich habe mich vertippt bzw. mein Posting zu schnell abgesendet: Gemeint ist der »Pro2« von Sequential. Das ist zwar streng genommen ein monophoner Synthesizer, der allerdings 4stimmig paraphon arbeiten kann. Aber von den ganzen Modulations-Möglichkeiten und dem Einsatz des Sequencers als Modulationsquelle ist das Teil (meiner bescheidenen Meinung nach) ungeschlagen.
@Flowwater Monitore können Dir auch durchknallen:-)
Das Rummst auch ordentlich.
Aber im Ernst: Mein Hund stört das nicht. Der liegt wo er liegt.
Aber die Knallerei, das sagst du ja richtig und dem stimme ich auch voll zu,
sind für die Tiere – die ohnehin mehr sensibilisiert sind – eine echte Torture.
Ach ja .. Neujahrsgrüße gibts von mir auch erst im neuen Jahr …🙂
Bis dahin wäre ein kleiner simpler Jam nicht die schlechteste Idee
liebe Grüße
@Flowwater Ich verteile beruflich schon seit Wochen Angsthemmendes an vierbeinige Patienten. Was soll die Grütze mit dem Geballer? Es hat doch niemand was davon.
Den Synthesizer hab ich seit ner Ewigkeit und muss mich endlich mal einarbeiten. In diesem Sinne, danke für den schönen Workshop.
Kommt gut an in 2026!
@Flowwater Das freut uns und vielen Dank, das wünschen wir dir auch.
@Flowwater vielen lieben Dank! Den guten Rutsch habe ich verpasst aber nun erstmal ein frohes neues Jahr! :D
Ich wünsche allen ein gesundes, friedvolles
und gesegnetes Jahr 2026!
Mögen all eure kleinen und großen Wünsche in Erfüllung gehen.
Verliert eure Träume nicht und der Spaß, die Lust und Freude an der Musik,
egal wie sie sich gestaltet, wird uns so gut wie nur möglich über Berg
und durch jedes Tal bringen. Die Gesundheit steht aber allen Dingen vornan.
Ich wünsche das selbige auch meiner Familie, euren natürlich auch!
… macht weiter so … hier im Forum
Alles Liebe und Gute!
freundlicher netter Gruß🙂