12 Beispiele für Fans von Ambient und Filmmusik
Mit dem Sonicware Liven Evoke fügt der japanische Hersteller seiner bestehenden Liven-Serie einen weiteren Synthesizer hinzu. Auch dieses Modell widmet sich den Ambient-Genres, jedoch mit einem gewissen Fokus auf orchestrale Klänge. Für den folgenden Workshop habe ich versucht, alle Funktionen zu nutzen und ihre Stärken aufzuzeigen – das führte zu einer spannenden Reise mit interessanten Ergebnissen.
- Vielseitiger Klang: Der Liven Evoke kombiniert Sample- und Wavetable-Oszillatoren mit Effekten wie Reverb und Grain FX.
- MIDI & Line In/Out: Nahtlose Integration in DAWs und modulare Setups über MIDI- und Line-Anschlüsse möglich.
- Ambient-Fokus: Ideal für Flächen, Drones und atmosphärische Kompositionen – weniger für klassische Drums geeignet.
- Inspiration pur: Trotz LoFi-Charakter eine kreative Spielwiese mit hoher Experimentierfreude.
Inhaltsverzeichnis
- Sonicware Liven Evoke – Synthesizer mit Sequencer
- Beispiel 1 – Hold Drone
- Beispiel 2 – Chord Klarinette mit Begleitung
- Beispiel 3 – MIDI In
- Beispiel 4 – MIDI Out
- Beispiel 5 – Dice
- Beispiel 6 – Random-Sequenz
- Beispiel 7 – Tape Playback
- Beispiel 8 – Line In
- Beispiel 9 – Volle Polyphonie
- Beispiel 10 – Dub Chords
- Beispiel 11 – Drums
- Beispiel 12 – Rhythmic Drone
Sonicware Liven Evoke – Synthesizer mit Sequencer
Im Wesentlichen bietet der Sonicware Liven Evoke einen Sample-basierten und einen Wavetable-Oszillator zur Klangerzeugung. Mit Ein- und Ausgängen für Audio und MIDI, einem Granular-Effekt und einem Reverb lässt sich das Gerät sicherlich auch hervorragend für andere Klangquellen nutzen. Einen empfehlenswerten Testbeitrag gab es bereits vor Kurzem hier zu lesen.
Beispiel 1 – Hold Drone
Um mich selbst mit dem Sonicware Liven Evoke vertraut zu machen, habe ich die Hold-Funktion genutzt und die Oszillatoren erforscht. So hatte ich recht schnell auf allen vier Spuren einen Sound programmiert. Die Filter und der Balance-Regler der Oszillatoren erhielten subtile Modulationen über die beiden LFOs. Selbstverständlich kam auch der Granular-Effekt zum Einsatz.
Für die Aufnahme habe ich mit einer Note auf Spur 1 begonnen und fortlaufend auf den anderen Spuren ebenfalls jeweils eine Note hinzugefügt – ohne den Sequencer zu nutzen. Im Verlauf kamen noch ein paar wenige Noten hinzu, um einen Akkord zu bilden. Für Drone-Sounds empfehle ich generell, die Oszillatoren ein bis zwei Oktaven nach unten zu transponieren. Bei einigen Samples entstehen dabei recht interessante Artefakte, die sich durchaus positiv auswirken können.
Beispiel 2 – Chord Klarinette mit Begleitung
Trotz des ausgeprägten LoFi-Charakters des Sonicware Liven Evoke konnte ich ein schönes Beispiel erstellen, bei dem er deutlich organischer klingt. Zu hören ist hier das Klarinetten-Sample. Als Hilfe habe ich den Chord-Modus mit der Einstellung „VAR.1“ aktiviert. Das Grain FX habe ich in die Sequenz aufgenommen, indem ich den Level-Regler im Aufnahmemodus jeweils um Schritt 9 herum aufgedreht habe. Dadurch wird das Signal unter anderem eine Oktave nach oben transponiert und klingt wie ein begleitender Klang auf einer weiteren Spur.
Beispiel 3 – MIDI In
Über den MIDI-Eingang lassen sich alle vier Kanäle des Sonicware Liven Evoke einzeln ansteuern – in diesem Fall über die Software VCV Rack, was natürlich auch in jeder beliebigen DAW umsetzbar ist. In VCV Rack werden verschiedene Akkorde generiert und durch die Bearbeitung weiterer Module leicht verändert, um nicht jeden Kanal mit denselben Signalen zu füttern. Zusätzlich wird das Audiosignal des Liven Evoke wieder in VCV Rack eingespeist und durchläuft dort einen Verzerrer, bevor es zum Ausgang beziehungsweise zum Record-Modul geleitet wird. Erst danach habe ich begonnen, am Synthesizer selbst nach passenden Sounds zu suchen, indem ich einfach die Presets durchging und diese je nach Bedarf leicht abänderte.
Beispiel 4 – MIDI Out
Über den MIDI-Ausgang lässt sich der Sonicware Liven Evoke hervorragend in die DAW integrieren. Für das Beispiel habe ich unterschiedliche Sequenzen für Akkorde und Melodien erstellt. Danach habe ich sowohl Audio als auch MIDI in die DAW aufgenommen. So lassen sich die Sounds des Sonicware Liven Evoke auch wunderbar einzeln nachbearbeiten. Am Ende nutzte ich nur die Akkordspur, um den NI Absynth 5 und den UA PolyMax anzusteuern. Letzterer erhielt zusätzlich einen Arpeggiator und alle Klänge wurden durch Filter, Delays und Reverb etwas aufpoliert.
Beispiel 5 – Dice
Den Begriff „Dice“ kannte ich bisher nur vom Arturia MiniFreak, dessen Funktion sich jedoch von der Dice-Funktion des Sonicware Liven Evoke unterscheidet. Hier handelt es sich im Prinzip um einen Wahrscheinlichkeitswert: Ist der Regler bis zum Anschlag nach rechts gedreht, wird jede programmierte Note abgespielt – die Anzahl der abgespielten Noten nimmt entsprechend ab, je weiter man den Regler nach links bewegt. Zur Verdeutlichung habe ich zunächst den Arpeggiator genutzt und eine begleitende Sequenz mit einem Flächen-Sound hinzugefügt. Eine Modulation des Grain-FX wurde ebenfalls in die Sequenz aufgenommen.
Beispiel 6 – Random-Sequenz
Eine Zufallsfunktion gehört heutzutage schon beinahe zur Grundausstattung eines Synthesizers. Nicht selten fügen die Hersteller eigene, kreative Ideen hinzu – so auch Sonicware beim Liven Evoke. Die Sequenzen lassen sich wohlgemerkt nicht zufällig generieren, sondern bereits programmierte Sequenzen können auf unterschiedliche Weise abgespielt werden. Ist die Funktion aktiviert, kann man im Menü festlegen, nach wie vielen Schritten der Sequencer zu einer beliebigen Stelle innerhalb der Sequenz springt. Dabei sind Werte von 0 bis 16 möglich.
Im Klangbeispiel nutzt nur die erste Spur, die man zu Beginn hört, diese Funktion. Der Sprung erfolgt alle zwei Schritte und als Klangquelle habe ich „Armonica“ (Mundharmonika) gewählt. Die Bass-Sequenz läuft mit einem Notenwert von 1/32 deutlich schneller und enthält daher auch doppelt so viele Schritte. Der Bass besteht aus dem Grand Piano, wobei ich die Schwingungsform zu „Sinus1“ geändert habe und der Balance-Regler nur circa 20 % des Piano-Sounds durchlässt – das reicht jedoch für etwas mehr Obertöne.
Die einzelnen Spuren habe ich während der Aufnahme lediglich über die Mute-Funktion gesteuert. Möchte man ein abruptes Ende vermeiden, muss man wohlgemerkt die beiden Tasten Function und Play gemeinsam drücken.
Beispiel 7 – Tape Playback
Um es mir selbst etwas einfacher zu machen, habe ich für dieses Beispiel einfach das erste Preset verwendet, das globale Tempo auf die maximalen 250 bpm eingestellt und jede Spur eine Oktave nach oben transponiert. Das Ergebnis habe ich in VCV Rack in einen Sampler von NYSTHI aufgenommen. Über den Sampler lässt sich mit wenigen Klicks das Sample rückwärts abspielen, die Oktavlage ändern und ein Bandmaschineneffekt erzeugen. Die simulierte Abnutzung des Bands nimmt im Verlauf stetig zu. Das Signal durchläuft abschließend noch ein Filter mit Drive und einen Reverb.
Beispiel 8 – Line In
Über den Line-Eingang lassen sich auch externe Signale einschleifen – in diesem Beispiel ein Korg Volca Keys. Den Eingangspegel habe ich auf einen Wert von 90 abgesenkt, da es darüber zu leichten Verzerrungen kam. Die Korg Volca Keys war dagegen bis zum Anschlag aufgedreht und im monophonen Poly-Ring-Modus. Über das Touch-Keyboard habe ich dann ein paar Noten eingespielt und währenddessen mit dem Grain FX und dem Reverb des Sonicware Liven Evoke experimentiert.
Zu Beginn des Klangbeispiels ist die Tonhöhe des Grain FX noch auf „Off“ eingestellt und ich spiele ein C. Beim zweiten C ist die Tonhöhe eine Oktave nach oben transponiert, beim dritten C fünf Halbtöne nach oben. Danach folgen weitere Noten und im Verlauf öffne ich noch das Filter der Korg Volca Keys.
Beispiel 9 – Volle Polyphonie
Um die volle Polyphonie des Sonicware Liven Evoke auszutesten, habe ich den Arpeggiator aktiviert und auf „Random“ eingestellt. Der Oszillator ist zu Beginn eine Mischung aus dem Toy Piano und Sinus3, gegen Ende wird das Toy Piano dann ausgeblendet. Reverb und Grain FX sind weit aufgedreht und die Tonhöhe des Grain-FX verschiebt das Signal um zwei Oktaven nach unten. Mit der Hold-Funktion habe ich anschließend nacheinander elf Noten gewählt.
Bei beide Sequenzen habe ich zu Beginn den Dice-Regler auf den niedrigsten Wert gestellt. Der Harp-Sound für den Arpeggiator ist anfangs stummgeschaltet. Für die Fläche habe ich den Regler bereits innerhalb der ersten zwei Takte voll aufgedreht, für die Harfe hingegen deutlich mehr Zeit gelassen. Außerdem bekam die Harfe etwas Swing mit einem Wert von 25, was bereits zu einem triolischen Groove führt.
Beispiel 10 – Dub Chords
Auch wenn der Sonicware Liven Evoke vornehmlich für anhaltende Flächen mit eher langen Attack- und Release-Zeiten konzipiert ist, lassen sich auch kurze Stabs oder typische Dub-Akkorde programmieren. Für den Oszillator habe ich das Cembalo-Sample gewählt und den Chord-Modus mit der Einstellung „P1Am“ aktiviert. Der Resonanzregler des hier verwendeten Bandpassfilters ist beinahe auf Maximalstellung, verhält sich für meinen Geschmack jedoch leider viel zu zaghaft. Der erste LFO moduliert unsynchronisiert die Filterfrequenz. Nach ein paar Sekunden ist ein Delay zu hören, das als Send-Effekt aus der DAW kommt. Später folgen noch das Grain-FX mit geringem Feedback und ohne Transposition sowie ein Reverb als zweiter Send-Effekt.
Beispiel 11 – Drums
Den Sonicware Liven Evoke auch als Drum-Synthesizer zu nutzen, stand während der Entwicklung sehr wahrscheinlich nicht auf der Agenda – einen Versuch wollte ich jedoch nicht ungenutzt lassen. Für die ersten drei Spuren habe ich direkt die Hüllkurven auf den Minimalwert gestellt. Die Einstellungen der einzelnen Sounds sind grob wie folgt:
- Spur 1 – HiHat: White Noise Low Pass, Hochpassfilter
- Spur 2 – Snare: Noise, Hochpassfilter, sehr tief gespielt
- Spur 3 – Bass Drum: Hangdrum, sehr tief gespielt
- Spur 4 – Clap: White Noise High Pass, Bandpassfilter, Hüllkurve mit etwas Release-Zeit, Grain FX
Im Klangbeispiel ist zuerst die interne, sehr geradlinige Sequenz zu hören, danach eine weitere, stark zufallsbasierte, die ich über VCV Rack erstellt habe.
Beispiel 12 – Rhythmic Drone
Auch Drones lassen sich mit subtilen rhythmischen Elementen anreichern, sodass sie sich hervorragend mit einem Bewegtbild synchronisieren lassen. In diesem Beispiel habe ich lediglich einen einzigen Schritt des Sequencers für alle vier Spuren genutzt und das Tempo auf 40 bpm eingestellt. Dabei verwenden alle vier Sequencer unterschiedliche Notenwerte. Auf Track 1 spielt beispielsweise nur jeden vollen Takt eine tief gestimmte Tanpura mit kurzer Attack-Zeit – sie dient damit (im entfernten Sinne) als Bass-Drum. Die anderen drei Spuren arbeiten mit Notenwerten von 1/4, 1/16 und 1/32. Durch das Anpassen der Hüllkurvenzeiten der einzelnen Klänge lassen sich weitere rhythmische Variationen realisieren. Etwas Reverb und Grain-FX gehören hier selbstverständlich dazu. Nach ein paar Sekunden kommt ein weiterer Reverb aus der DAW hinzu.












































Richtig toll, was man hier immer wieder findet.
Ich finde die Klangbeispiele mega und muß mich etwas zügeln, nicht schon wieder was Neues zu kaufen.
@mofateam Ging mir ähnlich ;)
@mofateam Ich hatte den Liven gestern schon im Thomann-Einkaufswagen, aber habe mir dann gedacht: Mit einem gebrauchten Laptop plus REAKTOR und Valhalla komme ich zum selben Ergebnis.
Aber ich muß wirklich sagen…die Klangbeispiele klingen verführerisch!
Und dann ist das Ding auch noch bezahlbar…
@mort76 klar, kann sein. aber das Schrauben an so einer kleinen Kiste ist für mich dann doch eine ganz andere, viel spielerische und durch die erzwungene Limitierung auch (ent)spannendere Angelegenheit als der Bildschirm.
Deshalb mag ich meinen Lyra8 auch so gern….
@mofateam Ich finde das auch am Rechner spielerisch…eine Kombination aus DRUMCOMPUTER oder MicroToniq und dem Reaktor-Ensemble „Akkord“ mit MIDI-Out ist AUCH kein professionelles Setup.
Da ist dann viel Zufall im Spiel mit Polyrythmen und Spielereien mit der Abspielrichtung und dem Tempo, und bei Sounds und Effekten ist man võllig frei.
Grooveboxen empfinde ICH als Einschränkung…
Ich spiele meine Tracks nie wirklich gezielt ein. Ich spiele mit den Chords, Sequenzen und Sounds herum. bis es paßt.
Ich glaube, damit liege ich schön in der Mitte zwischen Ernst und Spiel…
@mort76 👍
Vielleicht probiere ich das ja mal, obwohl ich „§Team Groovebox“ bin.
Danke für den kleinen Workshop! Versuche auch gerade die Möglichkeiten des Evoke auszuloten. So ein Artikel hilft da sehr.
@Lumm Das freut mich zu hören :)
Danke! Ich mach das immer vom Gerät abhängig, welches natürlich schon im Fokus stehen soll. Aber so ein Workshop soll ja auch zeigen was sich damit so anstellen lässt und da gehören externe Geräte eben oftmals mit dazu :)
Hi Jens,
danke für den geilen Test, Workshop und Inspirationshammer.
Habe den Evoke gleich bei Release bestellt, eigentlich nur aus Neugier
und wegen interessanten Artikeln zum Gerät.
Die Möglichkeiten und Ideen, die Du hier zum Besten gibst,
werden mir auf jeden Fall noch mehr Lebensstunden am Evoke nehmen
und dafür danke ich Dir jetzt schon von Herzen !!! 😅
Liebe Grüße
@immer Musik für immer Musik immer Das klingt doch super, freut mich! :)
👍👍👍
Der Sonicware Liven Evoke wird bei Thomann als Top-Seller geführt. Da müssen ja schon ziemlich viele über die Ladentheke gehen. Hut ab, Sonicware.
Ist auch direkt auf meiner Thomann-Wunschliste gelandet.
Das Tolle an den Sonicware -Sachen ist der Batteriebetrieb, der das Gerät Interregio- , Outdoor- und Couch-freundlich macht…
Sehr guter Test mit super Beispielen. Ich hatte bei dem Gerät auch schon überlegt. Das Konzept finde ich super. Was mich bei den Liven Produkten abhält, sind MIDI und Anschlüsse an der Oberseite. Da ich wenig Platz habe, mag ich es eher aufgeräumt. Ich kann auch nicht nachvollziehen, warum auf USB verzichtet wird (Power & MIDI).