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Workshop: Stems live einsetzen, Bühne, Stage

21. Oktober 2021

Mit Backing-Tracks den Live-Sound aufpolieren

Stems live einsetzen

Stems live einsetzen. Was sind Stems, wie kann ich sie produzieren und wie gehe ich damit um? Unser Workshop gibt die Antworten.

Live ist nicht immer live – zumindest nicht komplett. Heutige Bühnenproduktionen setzen gerade im Bereich der Pop- und Rockmusik immer öfter auf das Einspielen von Backing-Tracks. Bevor nun ein Aufschrei durch die Gemeinde der Fans guter Live-Musik geht, sei angemerkt, dass das kein Phänomen der Neuzeit ist, sondern schon in den 70er-Jahren üblich war. Wie auch du durch das Nutzen von Stems deine Live-Auftritte aufwerten kannst, zeige ich in diesem Workshop.

Alles nur Playback-Show?

Backing-Tracks auf der Bühne sind nicht neu. Aufwändiger werdende Studioproduktionen haben   schon in den 70er-Jahren bei vielen Bands den Wunsch geweckt, die Musik live so präsentieren zu  können, wie sie auch auf der Schallplatte zu hören war. Dabei konnte es sich um Orchester-Tracks handeln, Chöre, spezielle Effekte oder im Zuge der sich zunehmend etablierenden elektronischen Musik Synthesizer-Tracks, die live so nicht zu reproduzieren wären. Manche Bands setzten die Backing-Tracks dabei für alle offensichtlich ein, so zum Beispiel die Band Queen für Bohemian Rhapsody. Die Musiker waren während des Playbacks nicht auf der Bühne. Andere Bands nutzten die Playbacks während der Band-Performance. Dazu gehören Bands wie The Who, Pink Floyd, Genesis, Roger Waters, Kiss, Journey, Madonna, Michael Jackson, Mariah Carey, Madonna, U2, Duran Duran, Depeche Mode, um nur einige berühmte Beispiele zu nennen. Diese Künstler/Bands setzten vor allem auf den bereichernden Effekt von Backing-Tracks und ergänzten damit den Live-Sound. Manche Bands nutzten auch Sequencer, um zusätzliche Drum-Loops, Percussion-Loops oder Keyboard-Tracks abzuspielen.

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Es gibt aber auch unrühmliche Beispiele, die dafür gesorgt haben, dass Backing-Tracks in Verruf geraten sind. Allen voran Milli Vanilli, die von Frank Farian gecastet wurden, um dann zum Vollplayback zu mimen. Der Skandal um diese Lip-Synching-Praxis war dann schließlich trotz aller Erfolge das Ende der Band. Schon Boney M. sind in Verruf geraten, nachdem Frank Farian als Sänger der männlichen Parts entlarvt wurde. In diese Riege gehören auch Britney Spears und zum Teil auch Michael Jackson. Allerdings sei hier angemerkt, dass beide als Tänzer auf Tour stets eine herausragende Performance geleistet haben und das gleichzeitige Tanzen und Singen auf diesem Niveau so ziemlich unmöglich ist. Zudem möchte niemand das Schnaufen eines Tänzers, der außer Atem ist, ins Headset-Mikrofon hören.

Auch heute sind es längst nicht nur Cover-Bands, die möglichst wie das Original klingen möchten, die Backing-Tracks einsetzen. Doch wie realisiert man den Einsatz von Backing-Tracks auf der Bühne?

Stems live einsetzen

Einzelspuren oder Stems?

Zunächst einmal muss eine grundlegende Entscheidung getroffen werden: Sollen Einzelspuren von Instrumenten, Effekten oder Vocals oder Stems genutzt werden?

Stems sind Instrumentengruppen. Mehrere Einzelspuren, zum Beispiel von Percussion-Instrumenten, werden zu einer Gruppe zusammengefasst und der Mix als Stereo-Spur ausgespielt. Auch mehrere Gitarren- oder Keyboard-Tracks können als Stem ausgespielt werden statt die Einzelspuren zu nutzen. Der Vorteil ist, dass sich die Handhabung auf der Bühne einfacher gestaltet als mit Einzelspuren. Der FoH-Techniker bekommt einfach die Stems als Stereo-Tracks ans Pult geliefert und kann aus den Einzelsignalen der Band und den Stems den Live-Mix zaubern. Außerdem bleibt die Anzahl der Tracks pro Song so immer gleich, da bereits ein Downmix der Einzelspuren auf Stereo-Stems stattgefunden hat. Würde man zum Beispiel bei einem Song ein aufgenommenes Orchester als Einzelspuren ausspielen wollen, wäre eine große Anzahl an Tracks zu verwalten. Es ist in diesem Fall viel einfacher, den fertigen Orchestermix als Stereo-Stem zu nutzen.

Doch könnte man nicht einfach alle Einzelspuren auf einem Bus zusammenfassen und diesen ausspielen? Ja, das könnte man in der Tat. Im Falle des Orchesters würden allerdings sehr viele Spuren zusammenkommen, die parallel wiedergegeben werden müssen. In der Regel geschieht dies heute von einer Festplatte innerhalb einer DAW. Die Festplatte und der Computer werden bei der Wiedergabe vieler Spuren gleichzeitig erheblich mehr belastet als bei einigen wenigen Stereospuren.

Eine Ausnahme könnten Live-Produktionen mit geplantem Live-Recording sein. In diesem Fall könnte es sinnvoll sein, die einzelnen Spuren für den späteren Mix des Live-Recordings zu haben. Doch auch in diesem Fall isr es eher sinnvoll, auf der Bühne mit Stems zu arbeiten und diese später dann durch die ursprünglichen Spuren für den Mix zu ersetzen, sollte man mehr Kontrolle benötigen.

Erstellen von Stems

Stems lassen sich in jeder DAW recht einfach erstellen. Eine einfache Möglichkeit wäre, alle Spuren, die nicht mit auf einem Stereo-Stem landen sollen, stummzuschalten. Schaltet man zum Beispiel alle Spuren außer den Drums stumm und exportiert dann den Stereomix, erhält man einen Drums-Stem, auf dem nur die Drums zu hören sind. Diese klingen dann exakt so mit all den Bearbeitungen und Effekten, wie sie auch auf dem Studio-Recording zu hören sind.

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Alternativ zum Routen auf einen Bus kann man in Logic auch einen Spurstapel als Summenstapel anlegen

Ein anderer Weg, der ohnehin zur guten Mixpraxis gehört, ist das Nutzen von Gruppen. Routet man alle Signale, die zu einer Instrumentengruppe gehören, auf je einen eigenen Stereobus, können von diesen einzelnen Bussen im Anschluss sehr einfach Stems gezogen werden. So könnte man Gruppen anlegen für die Main Vocals, die Backing Vocals, die Drums, den Bass, die Gitarren, die Keys, für Special FX, Loops. In diesem Fall würde man nach dem Export am Ende acht Stereo-Stems erhalten. Wichtig ist, dass auch die jeweiligen Effekte mit auf die Gruppen geroutet werden, wenn man diese auch in den Stems hören möchte. In Logic Pro können alternativ zum Bus auch die Spurstapel verwendet werden. Wichtig ist, dass man in diesem Fall die Option „Summenstapel“ auswählt. Der neu erzeugte Stapel kann nun ausgewählt und über die Option „Ablage > Exportieren > ausgewählte Spur exportieren“ (Shortcut CMD+E) der Stem der darin liegenden Spuren erzeugt werden.

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Export eines Busses oder Spurstapels in Logic Pro X

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Nach dem Export liegen alle Stems für die Weiterverarbeitung bereit

Backing-Track-Stems

Sollen die Stems live als Backing-Track genutzt werden, ist es natürlich sinnvoll, diejenigen Signale, die live von der Band gespielt werden, nicht parallel noch vom Backing-Track laufen zu lassen. Aus diesem Grund ist andere Aufteilung sinnvoll:

  1. Main Drums
  2. Additional Drums (z. B. Loops)
  3. Main Vocals
  4. Additional Vocals (z. B. Harmony Lead Vocals, Background Vocals)
  5. Main Bass
  6. Additional Bass (z. B. Synth Bass)
  7. Main Guitar
  8. Additional Guitars
  9. Main Keys
  10. Additional Keys
  11. (Additional FX)
  12. (Additional Brass)
  13. (Additional Orchestra)

Bei einer solchen Aufteilung werden auf die Main-Gruppen alle Instrumente geroutet, die von den Musikern live auf der Bühne gespielt werden. Auf die Additional-Gruppen legt man alle Instrumente, die in keinem Fall live gespielt werden können und vom Backing Track wiedergegeben werden sollen. Für den Einsatz auf der Bühne werden also nur die Additional-Gruppen als Stereo-Stems exportiert. Das ist zwar in der Vorbereitung etwas aufwändiger, im Anschluss aber weniger fehleranfällig. Nichts ist peinlicher als ein zufällig in den Stem geratener Track, der eigentlich live auf der Bühne von einem Musiker gespielt wird. So etwas fällt dem Publikum schnell auf und führt unter Umständen zu peinlichen Momenten.

Timing ist alles

Für das Spielen mit Stems ist vor allem eine Sache wichtig: das richtige Timing. Spielt eine Band komplett live, ist es kein Problem, wenn die Musiker im Timing etwas schwanken oder der Drummer das Tempo mal im Eifer des Gefechts etwas anzieht (außer natürlich, ein Song wird unbeabsichtigt doppelt so schnell beendet wie er begonnen wurde).

Beim Spielen mit Backing-Tracks ist jedoch ein exzellentes Timing erforderlich, denn das Tempo der Tracks passt sich nicht dem Spieltempo der Band an. Die Band muss also exakt zum Timing der aufgenommenen Tracks spielen. Das gelingt am besten mit einem Click. Zum Ausspielen des Clicks gibt es mehrere Möglichkeiten. Eine Möglichkeit ist, den Click der DAW zu nutzen (wenn eine DAW als Abspielplattform für die Tracks genutzt wird). Dieser wird dann auf einen einzelnen Ausgang geroutet, damit nur der Drummer (oder die ganze Band) diesen hört und nicht das Publikum. Besser ist es jedoch, auch den Click als Stem auszuspielen, damit auch dieser als fertige Audiospur vorliegt. Auf diese Art und Weise kann auf aufwändige Tempoautomationen innerhalb der DAW verzichtet werden und auch auf anderen Abspielplattformen, die keinen integrierten Click bieten, steht der Click zur Verfügung. Doch dazu später mehr.

Monitoring für das Spielen zu Backing-Tracks

Wie oben bereits erwähnt, sollte der Click nicht für das Publikum hörbar sein, sondern nur für den Drummer oder gar für die ganze Band. Dafür ist das Nutzen von Kopfhörern zwingend erforderlich. Würde man den Click auf die Monitorlautsprecher legen, wäre dieser auch wieder für das Publikum hörbar, denn er müsste deutlich über allen anderen Instrumenten in der Lautstärke liegen, damit man er sich gut durchsetzt und man sich an ihm orientieren kann.

Der Click gehört also auf den Kopfhörer und in keinem Fall auf die PA oder die Monitore! Da heute sowieso das Spielen per In Ear Monitoring weit verbreitet ist, ist es überhaupt kein Problem, den Click auf die Kopfhörer der Musiker zu legen. So kann jeder für sich selbst entscheiden, ob er den Click hören möchte oder nicht. Eine Ausnahme ist der Drummer, der den Click immer hören muss.

Einzähler

Nichts ist peinlicher als ein Fehlstart. In der Regel wird die Band vom Schlagzeuger eingezählt. Für den weit verbreiteten Fall, dass nicht alle Musiker mit IEM spielen oder den Click hören können, sind diese vom Einzähler des Schlagzeugers abhängig. Damit der Drummer aber wie gewohnt seine Mitmusiker einzählen kann, muss er zwingend den Click VOR seinem eigenen Einzähler hören. Nun hängt es davon ab, wie der Drummer normalerweise einzählt. Zählt er nur einen Takt vor, reicht ein zweitaktiger Click vor dem Songstart. Zählt er zwei Takte vor, sollte der Click doppelt so lang sein, also vier Takte vor Songstart.

Click-Sounds

Es gibt viele verschiedene Click-Sounds. Manche klingen wie der Rim-Click eines Schlagzeugs, manche wie ein perkussiver Rechteck-Sound aus dem Synthie, manche wie Claves, manche fast wie eine Triangel. Wählt in jedem Fall einen sehr durchdringenden hohen Sound. Es ist niemandem geholfen, wenn der Click sich nicht gegen die Wall of Sound des Gitarristen und Keyboarders durchsetzen kann. Der Click sollte für den Drummer auch dann noch hörbar sein, wenn er viel mit seinen Becken spielt. Im Idealfall bekommt die Zählzeit 1 eines jeden Taktes einen Akzent oder wird mit einem anderen Sound versehen. Das ist vor allem deshalb wichtig, damit der Drummer immer weiß, auf welcher Zählzeit des Taktes er sich gerade befindet. Oft ist es nicht der Drummer, der den Backing Track startet. Ist der Drummer unaufmerksam und verpasst den ersten Click-Impuls und kann die folgenden Click-Impulse nicht voneinander unterscheiden, ordnet er die Zählzeit 1 unter Umständen einem anderen Schlag zu und die Katastrophe nimmt ihren Lauf. Ein zweitaktiger Vorzähler mit einer deutlichen Unterscheidung der Zählzeit 1 ist in solchen Fällen der Lebensretter.

Dies ist ein Beispiel für einen guten Click-Sound. Er setzt sich gut in dichten Arrangements durch und die Zählzeit 1 ist sehr gut von den weiteren Zählzeiten zu unterscheiden.

Das folgende Beispiel zeigt einen nicht ganz so optimalen Click-Sound. Die 1 ist weitaus weniger gut zu erkennen und in dichten Arrangements klingt der Sound einem Rim-Click sehr ähnlich.

Guide-Vocals

Um an das eben Gesagte zum Thema Click anzuschließen: Eine weitere Spur mit zusätzlichen Guide-Vocals haben sich in der Praxis bezahlt gemacht. Diese Guide-Vocals bestehen nicht etwa aus dem Gesang, sondern sie zählen ein und nennen wichtige Formteile. So kann das zum Beispiel eine Stimme sein, die sagt: „Intro – two – three – four“. Oder wie wäre es mit „Repeat Chorus“ für die Wiederholung eines Formteils. So etwas ist insbesondere dann praktisch, wenn alle Musiker diese Guide-Vocals hören können. Guide-Vocals geben sehr viel mehr Sicherheit beim Spielen zu Backing-Tracks. Man gewöhnt sich sehr schnell an sie und will sie im Anschluss nicht mehr missen.

Übrigens: Manchmal sind es die MDs (= Musical Director), die diese Guide-Vocals live in ein Mikrofon sprechen, das nur für die Musiker auf den IEM-Hörern hörbar ist und nicht für das Publikum auf der PA. Wenn ihr also auf  YouTube Live-Aufnahmen findet, wo ständig der Keyboarder oder Drummer etwas in ein Mikrofon zu flüstern scheint, das aber nicht zu hören ist, seht ihr hier den MD der Band, der den anderen Musikern per Talkback-Mikrofon auf dem IEM Anweisungen erteilt.

Es gibt mittlerweile einige Internetseiten, auf denen man sich fertige Samples für die Guide-Vocals herunterladen kann. Da im Bereich der christlichen Popularmusik (Worship) der Einsatz von Backing-Tracks an der Tagesordnung ist, sind es vor allem Internetseiten, die Stems für Worship Bands zur Verfügung stellen, die einen reichen Fundus solcher Samples zur Verfügung stellen. Darunter Seiten wie multitracks.com oder loopcommunity.com.

Hier ein kompensiertes Beispiel für einen Click-Track samt Guide-Vocals. Zunächst laufen zwei Takte Click für den Drummer zur Orientierung, dann folgt der Einzähler:

Technische Voraussetzungen

Um Backing-Tracks auf der Bühne einzusetzen, benötigt man ein passendes Abspielsystem für Stems in Form von Audiodateien. In den 70er- und frühen 80er-Jahren waren Bandmaschinen das Mittel der Wahl, wenn es um das Abspielen von Backing-Tracks ging. Die Stems wurden dafür auf eine Mehrspurmaschine überspielt mit dem Click auf einer gesonderten Spur. Später wurden die ersten digitalen Recorder wie Alesis ADAT oder Tascam DA88 für diesen Zweck eingesetzt. Das funktionierte alles so lange gut, wie das Programm der Band feststand und sich nicht im Laufe einer Tour oder sogar einer Show änderte. Ein direktes Anspringen von verschiedenen Tracks war mit dem Spulen des Bandes verbunden und nicht immer funktionierten Locator-Punkte zuverlässig. Wer schon einmal eine Bandmaschine genutzt hat, kennt das Phänomen.

Stems live einsetzen

Heutzutage werden Backing-Tracks meistens vom Computer aus abgespielt

Mit den ersten Computern wie dem Atari ST oder dem Macintosh wurde das einfacher. Zusätzliche Sequencer-Spuren liefen nun einfach vom Computer ab und verschiedene Stellen im Programm konnten über Marker schnell angesprungen werden. Leider war man so auf MIDI beschränkt. Erst mit den ersten leistungsfähigeren Computern und mit einer DAW (= Digital Audio Workstation) konnten auch Audio-Tracks mit dem Computer auf der Bühne abgespielt werden. Zuvor hat man sich oft mit Samples von einzelnen Passagen beholfen, die dann ein an den Computer angeschlossener Sampler im Timing abgefeuert hat.

Heutzutage ist der Computer die Abspielplattform Nr. 1 auf der Bühne. Apple MacBooks sind allgegenwärtig und oftmals übernehmen die Computer nicht nur die Wiedergabe der Stems, sondern steuern per MIDI auch gleich die Programmwechsel der Keyboards oder des Kemper Amps. Zugleich steuern sie Video-Equipment und Licht.

Ableton Live

Stems live einsetzen

Ableton Live hat sich zum Marktführer für das Abspielen von Backing-Tracks/Stems auf der Bühne entwickelt. Hier ein Bild eines meiner Backing-Track-Settings in Ableton Live

Die häufigste Abspielplattform ist die DAW Ableton Live. Die Software Live ist für den Einsatz auf der Bühne optimiert und verfügt über ein lineares Arrangement und einen Session-Modus, der das Abfeuern von Clips erlaubt, ohne dass man sich dazu an einer Timeline entlanghangeln muss. In diesem ist auch das Neuarrangieren einer Show ohne Probleme möglich. Im Session-View von Ableton Live werden alle Songs als sogenannte Scene angelegt. Die einzelnen importierten Stems werden als Clips nun einer Scene zugeordnet. Das geschieht in einem zweidimensionalen Raster. Alle Stems, die gemeinsam zu einem Song gehören, liegen nebeneinander in einer Scene. Alle Scenes liegen untereinander. Scenes lassen sich mit der Maus anfassen und verschieben, um zum Beispiel das Programm umzusortieren.

Ableton Live 11 erlaubt sogar das Steuern des Tempos durch einen Schlagzeuger, damit das Tempo aus Live 11 sich dem Spiel der Band anpasst. Da es sich bei den Stems um starre Audiospuren und nicht um MIDI-Spuren handelt, müssen diese „gewarpt“ werden. Warp ist im Ableton Live Jargon eine Möglichkeit, eine Audiodatei anhand ihrer Transienten in ein Taktraster einzupassen und dann das Tempo in Echtzeit anhand von Timestretching entsprechend anzupassen.  In der Praxis funktioniert das dann gut, wenn der Schlagzeuger den Click bekommt und dazu spielt. Ein möglichst regelmäßiges Schlagzeugsignal wie zum Beispiel die Bass-Drum oder HiHat wird über einen Audioeingang zurück in Ableton gespielt und dient als Referenz für Abletons Tempoanalyse. Sofern der Schlagzeuger Ableton Live ein sehr regelmäßiges Referenzsignal liefert und sich nicht zu weit vom voreingestellten Tempo entfernt, funktioniert das sehr gut und Ableton Live folgt dem Live-Tempo.

Interface

Für das Ausspielen der Stems gibt es verschiedene Möglichkeiten. Im einfachsten Fall genügt der Stereoausgang des Laptops oder ein einfaches Interface mit zwei Ausgängen. Die Stems werden dann mono auf der einen Seite des Stereoausgangs ausgegeben, der Click auf der anderen Seite. Der Vorteil ist, dass ein solches Setup sehr einfach ist und ein Interface nicht zwingend benötigt wird. Ein einfaches Kabel mit TRS-Miniklinkenstecker auf der Computerseite und zwei einzelnen Klinkensteckern auf der anderen Seite, die dann in eine DI-Box gesteckt werden, um das Signal zu symmetrieren, reicht aus.

Alternativ kann für ein solches Setup ein zweikanaliges USB-Interface genutzt werden. Eine sehr interessante und oft genutzte professionelle Lösung kommt von Radial Engineering und hört auf den Namen Radial Engineering USB-Pro. Hierbei handelt es sich um eine DI-Box mit integriertem USB-Interface. Die Box besitzt auf eingangsseitig einen USB-Anschluss für den Computer. Ausgangsseitig verfügt sie über zwei symmetrische XLR-Ausgänge. Außerdem kann sie das Signal mono summieren und auf einen integrierten Kopfhörerausgang schicken, den zum Beispiel der Schlagzeuger für seinen Kopfhörer nutzen kann, um den Click abzuhören. Durch einen schaltbaren Groundlift werden Brummschleifen effektiv unterdrückt.

Stems live einsetzen

Auf der Eingangsseite bietet die Radial Engineering USB Pro DI-Box einen USB-Anschluss, einen Regler für den Ausgangspegel, einen Schalter zur Mono-Summierung sowie einen Kopfhöreranschluss

Stems live einsetzen

Auf der Ausgangsseite finden wir die beiden symmetrischen XLR-Ausgänge sowie den Ground-Lift-Schalter

Mehr Möglichkeiten bekommt man mit einem mehrkanaligen Interface ab vier Ausgangskanälen. Mit einem vierkanaligen Interface könnte man zum Beispiel die Stems stereo ausspielen und einen dritten Kanal für den Click und den vierten Kanal für die Guide-Vocal-Spur einsetzen. Mit acht Ausgängen sind bereits mehrere Stereo-Stems drin oder man stellt dem Tontechniker sechs oder sieben Stems mono zur Verfügung. Mindestens ein Kanal bleibt wie immer dem Click vorbehalten.

Havarie- und Backup-Systeme

Ob ein Backup erforderlich ist oder nicht, hängt in erster Linie davon ab, wie abhängig die Band von den eingesetzten Backing-Tracks ist. Gehören diese untrennbar zur Performance, weil wesentliche Parts als Stems abgespielt werden, muss ein Backup-System her. Früher mussten dafür sündhaft teure Custom-Anfertigungen für das Splitting zwischen Main- und Backup-System her. Solche Systeme waren nur den großen Acts vorbehalten. Heute geht es aber auch günstiger.

Ein durchweg professionelles Split-System für solche Aufgaben ist das Radial Engineering SW-8. Es handelt sich hierbei um einen Auto-Switcher  mit acht Kanälen. Das System verfügt über zweimal acht Eingänge und acht symmetrische Ausgänge. Alle Ein- und Ausgänge sind als Klinkenbuchsen, XLR-Buchsen sowie 25-Pol Sub D-Buchse ausgeführt. Im Havariefall schaltet das Radial Engineering SW-8 auf das zweite System um und legt die mit ihm verbundenen Eingänge des Kanals B auf die XLR-Ausgänge. Im besten Fall geht das automatisch und so schnell, dass es unhörbar bleibt. Auch das manuelle Schalten (beziehungsweise Schalten per Fußschalter) ist möglich. Der Radial Engineering SW-8 Auto-Switcher ist mittlerweile in den meisten Sideracks der Profis zu Hause. Mit 1499 Euro ist er kein günstiges Vergnügen, zumal zwei Laptops samt Audiointerfaces benötigt werden.

Stems live einsetzen

Der Radial Engineering SW8 (USB) Auto Switcher ist ein professionelles System für den Aufbau eines Havarie/Backup-Setups mit zwei Zuspielern. In der USB-Variante hier im Bild können direkt zwei Computer per USB angeschlossen werden

Mittlerweile gibt es auch mit dem Radial Engineering SW-8 USB eine Variante, die anstelle der analogen Eingänge über USB-Anschlüsse für den direkten Anschluss an die beiden Computer verfügt. Das schlägt sich allerdings direkt auf den Preis nieder, der aktuell bei 2199 Euro Straßenpreis liegt. Einen Test zu diesem Gerät findet ihr hier.workshop-stems_Radial SW8-USB_Anschluss

Stems live einsetzen

Die günstigere Lösung ist das iConnectivity iConnect PlayAudio 12 Interface, welches ebenfalls zwei USB-Anschlüsse besitzt und 12 Ausgänge. Per durchgehenden Sinuston erkennt das Interface, wann ein Playback ausgefallen ist und schaltet automatisch auf den zweiten parallel laufenden Computer um

Erheblich günstiger geht das mit dem iConnectivity iConnect PlayAudio 12 Interface. Die iConnectivity Interfaces erfreuen sich seit Jahren großer Beliebtheit bei semi-professionellen wie professionellen Bands, weil sie den gleichzeitigen Anschluss von zwei Computern beziehungsweise einem Computer plus iOS-Device gestatten. Diese können dann untereinander kommunizieren und Daten austauschen. Der Gedanke lag deshalb nahe, auf dieser Plattform ein Interface aufzubauen, das für zwei Rechner zugänglich ist und genügend Ausgänge für das Abfeuern von Stems besitzt. Das iConnect PlayAudio 12 wurde geboren. Es verzichtet komplett auf Eingänge (die man für diesen Zweck nicht benötigt). Stattdessen gibt es 10 symmetrische Audioausgänge plus einen Kopfhörerausgang (es stehen also 12 Mix-Busse zur Verfügung – deshalb PlayAudio 12). Die beiden Computer werden per USB mit dem Interface verbunden. Ein spezielles Plug-in erzeugt einen Sinuston, der die ganze Zeit über auf dem Main-System abgespielt wird. Reißt dieser Sinuston ab, schaltet das System auf den zweiten Computer um. Dieser muss natürlich synchron zum ersten Computer laufen (was sich bei Apple-Computern zum Beispiel leicht mit Bordmitteln verwirklichen lässt). Erkennt das Interface, dass der Main-Computer wieder läuft, kann zurückgeschaltet werden. Das Umschalten ist auch per Fußschalter möglich.

Ich hatte die Möglichkeit, beide Systeme zu testen. Die Radiallösung ist die professionellere Lösung und bietet sich auch zum Switchen ganzer Racks an, wenn zum Beispiel auf der Bühne noch Racks mit MIDI-Expandern zum Einsatz kommen (so etwas soll es noch geben). Das iConnectivity iConnect PlayAudio 12 funktioniert ebenfalls hervorragend und ist eine einfache Möglichkeit zur Aufbau eines Redundanzsystems. Dennoch bleibt so etwas eine kostspielige Lösung. Eine Anmerkung in eigener Sache sei erlaubt: Mein lange für Backing-Tracks genutztes 15“ MacBook Pro hat in Vollausstattung 3600 Euro gekostet. Ein aktuelles MacBook Air mit M1 Prozessor ist ab 1000 Euro zu haben. Das PlayAudio 12 Interface kostet 599 Euro. Mit 2600 Euro wären das für das komplette System samt Backup-Lösung also immer noch rund 1000 Euro Ersparnis gegenüber dem, was mein Rechner bei der Anschaffung gekostet hat. Für das Abfeuern von Stems wird kein sonderlich leistungsfähiger Computer benötigt, da keine Effekte etc. von der CPU berechnet werden müssen.

Stems ohne Computer abspielen

Eine sehr günstige Lösung, die komplett ohne Computer auf der Bühne auskommt, stammt aus dem Hause Cymatic Audio. Der Cymatic Audio uTrack24 Player/Recorder ist das ideale Tool für alle, die Computern auf der Bühne nicht über den Weg trauen. Der ehemals recht teure 19“-Player kostet mittlerweile dank des allgegenwärtigen Preisverfalls für Digitaltechnik nur noch 388 Euro Straßenpreis. Er ist nicht nur in der Lage, 24 Spuren von einer Festplatte, einer SSD oder sogar einem schnellen USB-Stick abzuspielen, sondern sie auch aufzunehmen. Darüber hinaus besitzt der uTrack24 Player/Recorder über eine USB-Schnittstelle und kann verbunden mit einem Computer oder iPad als Audiointerface mit 24 Aus- und Eingängen genutzt werden!

Stems live einsetzen

Die günstige und sichere Alternative zum Computer auf der Bühne: Der Cymatic Audio uTrack 24 Player/Recorder

Die Ausgänge sind bis auf zwei Monitor-Ausgänge als 25-Pol Sub D-Buchsen ausgeführt. Das ist leider der größte Nachteil des Geräts, da die passenden Kabel sehr teuer sind und für den Fall eines Defekts gleich teurer Ersatz bereitstehen muss. Für die Synchronisation zu anderem Digitalequipment stehen Wordclock-Ein- und Ausgänge (BNC) bereit. Stems werden bequem per PC oder Mac mit einem Playlist-Editor vorbereitet und auf das mit dem Computer verbundene Speichermedium überspielt. Bis zu vier Geräte lassen sich synchronisieren, was dann stolze 96 Ein- und Ausgänge macht. Somit eignet sich das Gerät auch für sehr große Setups. Darüber hinaus gibt es optional Karten mit digitalen Ausgängen für ADAT, MADI und AudioLAN. Aufgrund des günstigen Preises bekommt man für unter 800 Euro ein Main-System plus Backup. Möchte man automatisch switchen, sollte man zum Radial Engineering SW-8 Switcher greifen. Für zwei uTrack 24 plus SW-8 bezahlt man mit unter 2300 Euro noch weniger Geld als für die zuvor genannte Computerlösung. Die Verbindung der Geräte geschieht dann bequem per 25-Pol Sub D-Kabel, so bleibt das Rack intern auch aufgeräumt und Störgeräusche werden minimiert. Der einzige Nachteil ist, dass man derzeit noch auf einen Computer zum Anlegen und Editieren der Playlists angewiesen ist.

Vorgestellt: Meine Systeme

Ich nutze seit vielen Jahren Backing-Tracks mit verschiedenen Besetzungen auf der Bühne. Begonnen hat alles im Bereich der christlichen Popularmusik. Mittlerweile setze ich Stems auch für die Michael Jackson Tribute Live Experience, einer professionellen Michael Jackson Live-Show mit Sascha Pazdera als Michael Jackson ein. Dies ist die einzige Show, die offiziell von La Velle Smith Jr., dem ehemaligen Choreographen und Tänzer von Michael Jackson für die Tanzchoreographien unterstützt wird.

Unterwegs bin ich mit zwei Systemen:

15“ MacBook Pro und iConnectivity iConnectAudio 2+ Interface

Das ursprüngliche System besteht aus einem MacBook Pro mit Ableton Live 10. Ausgespielt werden vier Kanäle mit einem iConnectivity iConnectAudio 2+ Interface. Die Stems werden auf einen Stereobus zusammengefasst, mit einem Limiter versehen und dann auf den Kanälen 1 und 2 des Interfaces ausgegeben. Auf Kanal 3 liegt der Click, auf Kanal 4 die Guide-Vocals. Alle Songs sind als Scenes in Ableton Live angelegt und können so schnell umsortiert werden. Auf einer zusätzlichen MIDI-Spur liegen MIDI-Cues für ProPresenter, das auf der Bühne für das Anzeigen von Songtexten, Videos und bewegten Backdrops genutzt wird. Bei Bedarf schaltet das System auch das seltener genutzte Apple MainStage um.

Stems live einsetzen

Cymatic Audio uTrack24

Kürzlich wurden die Stems für die Michael Jackson Show auf das neu angeschaffte Cymatic Audio uTrack24 übertragen. Seinen ersten Einsatz hatte der Player im Sommer am Tanzbrunnen in Köln bei der Show „Falco meets Michael Jackson“ mit Sascha Pazdera als MJ und Alexander Kerbst als Falco. Der Cymatic Player ist sehr störsicher. Ausgespielt werden Stems für Drum-Loops, Backing-Vocals, Click und Guide-Vocals.

Stems live einsetzen

Für die Zukunft ist geplant, ein Redundanzsystem aufzubauen. Dieses wird voraussichtlich aus der oben gezeigten Kombination aus zwei Cymatic Audio uTrack24 und dem Radial Engineering SW-8 Auto-Switcher bestehen.

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Fazit

Das Nutzen von Backing-Tracks in Form von Stems der Studioproduktionen ist nicht weiter schwer und reichert die live gespielten Instrumente an. Gerade in Zeiten, in denen Bühnenproduktionen aus Kostengründen immer weiter verkleinert und Musiker eingespart werden, ist das eine gute Möglichkeit, dennoch einen großen Sound zu erzeugen oder Studioproduktionen möglichst originalgetreu auf die Bühne zu bringen. Schon mit einem einfachen Setup, bestehend aus einem Laptop und einer DAW wie Ableton Live oder einem iPad kann man erste Gehversuche mit Backing-Tracks machen. Zwar liegen die Stems dann am Ausgang nur mono an, aber im Zusammenklang mit der Band macht das keinen allzu großen Unterschied. Erweitert durch ein günstiges Audiointerface lassen sich auch mehrere Stems stereo ausspielen. Spezialisierte Player wie der Cymatic Audio uTrack24 machen darüber hinaus die Arbeit mit Stems auch ohne Computer möglich.

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Klangbeispiele
Forum
    • Profilbild
      herw  RED

      klar ist pures Livespiel einer gut eingespielten Band immer das Größte, aber vielleicht ist auch der Auftrag (Auftritt) anders ausgerichtet?

      Auch wenn ich nicht live spiele, finde ich Markus‘ Artikel interessant und spannend – Danke

    • Profilbild
      Markus Galla  RED

      Du würdest dich wundern, wie viele Rock-Acts schon vor Jahrzehnten Backing Tracks eingesetzt haben und es heute noch tun. Software wie Ableton Live sorgt dafür, dass trotzdem keine starre Form befolgt werden muss. Ganz weit vorne sind hier die christlichen Musiker der Worship-Szene, die mit ihren teils recht langen Songs sehr flexibel umgehen und auf die Stimmung im Publikum reagieren, keiner festen Setlist folgen und spontan entscheiden, wann es wie und wo weitergeht. Nicht selten sind dafür eigene Ableton Live Operator mit auf der Bühne, die dem MD oder Worship Leader folgen und auf diesen reagieren. Auf Facebook gibt es eigene Gruppen für den Einsatz von Ableton Live im Worship Bereich und es ist unglaublich, was die Leute mit Ableton Live zaubern – bis hin zur Steuerung der kompletten Show in Stadiongröße mit Licht, Effekten und Video und das alles komplett flexibel und jederzeit spontan der Situation anpassbar.

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        Dirk Matten  RED

        Rolling Stones am 24. Juni 1998 im Rheinstadion, Düsseldorf. Die Medien berichteten, dass bei Gesangsparts von Mick Jagger und Gitarrenparts, hier von Keith Richards, offenbar sogenannte Zuspieler am Werk waren, denn ein Mitschnitt des Audiomaterials zeigte im Vergleich mit einem Mitschnitt eines anderen Konzerts denselben typischen und fehlerhaften Einbruch an einer Stelle. Die Fans von „handgemacher Musik“ wollen das nicht wahrhaben. Ich war anwesend und es war schon merkwürdig, dass Mick Jagger quer über die Bühne rannte, der Gesang jedoch davon nicht beeinträchtig wurde. Und Keith Richards poste für die Fotografen und die Gitarre schien von ganz alleine zu spielen. Die Stones, die können was … Echt.

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        der.marder

        Zum Stichwort „keiner festen Setlist folgen“ und „spontan entscheiden“ wollte ich fragen, ob du hierfür Anleitungen oder Videos nennen kannst, wie man das in der Realität umsetzen kann?

        Ich habe nämlich noch keine (gute) Lösung gefunden, mit der man auch spontan Arbeiten kann – auch nicht bei den Worshippern auf YT bei denen ich jetzt mal gesucht habe. Für eine „klassische Show“ in der das Set vor Beginn festgelegt wurde, habe ich schon total viele exzellente Lösungen. Aber dort fehlt mir die Spontanität.

        Zum Thema Backing Tracks: Auf den Bühnen heute ist das Stand der Technik. Oder glaubt irgendjemand, dass bei den „großen“ Rockbands der Keyboarder tatsächlich hinter dem Vorhang steht, damit ihn niemand sieht? Oder dass ein Berufsmusiker jeden Abend einer mehrwöchigen Show 100% Stimme / Konzentration / Ausdauer / Stimmung hat? Also ich nicht! Und ich finde es auch legitim, solange die Musiker auch zum Playback spielen und es kein Vollplayback ist!

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          Markus Galla  RED

          Also in Ableton Live ist das ganz einfach, wenn man den Session Modus nutzt. Jeder Song ist dann eine Szene. Die Szenen kann man einfach durch Anfassen verschieben und somit schnell in eine neue Reihenfolge bringen.

          Eine Alternative ist es, einen Song zu zerschneiden und zum Beispiel für jeden Formteil (Intro, Strophe, Refrain, Bridge, Solo) eine eigene Szene anzulegen. Durch die Follow Actions kann man dann bestimmen, dass automatisch der nächste Clip gestartet wird. Legt man sich dann jeweils die einzelnen Szenen auf einen Controller und stellt die globale Quantisierung auf einen oder zwei Takte, kann man innerhalb dieser zwei Takte entscheiden, ob zum Beispiel der Refrain noch einmal wiederholt oder das Solo verlängert werden soll, indem man am Controller die betreffende Szene aufruft. Noch einfacher geht das mit dem folgenden MaxForLive Plugin: https://isotonikstudios.com/product/follow/

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    OscSync  

    Unser Drummer benutzte für sowas ein Sample-Drumpad von Roland, auf dem die Backingtracks gespeichert waren, den Click bekam er per Kopfhörer vom integrieren Metronom. Das ist zwar nicht so flexibel wie mit dem Laptop, aber dafür alles schön robust in einem Gerät integriert, der Drummer hat die volle Kontrolle und darf sogar draufhauen…😉

  2. Profilbild
    Martin Andersson  RED

    Erstmal danke für diesen aufschlussreichen Bericht. Hast Du auch Erfahrungen mit Workstations als Zuspieler von Stems? Ich persönlich hätte bezüglich Absturzsicherheit größeres Vertrauen in einen Motif oder Fantom. Könnte man sich damit ein Redundanzsystem ersparen, oder sind die Workstations auch nicht absolut verlässlich?

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      Markus Galla  RED

      Ich habe das mit den Workstations auch alles schon durchgemacht. Geht auch alles. Angefangen habe ich am Ende der 1980er Jahre mit einem Kawai Q80 Sequencer und MIDI Expandern. Später liefen dann solche Sachen von einem Ensoniq EPS16+, einem MIDITEMP, einer Ensoniq TS10 Workstation und so weiter bis ich schließlich beim Computer gelandet bin. Einen Totalausfall habe ich bislang noch nicht erlebt. Ableton Live ist sehr stabil und die Apple Laptops sind es auch. Kritischer wird es, wenn gleichzeitig Software Instrumente genutzt werden sollen. Da hatte ich dann tatsächlich auch mal einen Totalausfall mit Mainstage. Bei der Fehlersuche landet man dann meistens beim Audio Interface, denn oft sind es die USB-Interfaces, die sich aufhängen, nicht der Rechner selbst. Die einfachste und zugleich sicherste Lösung ist das Nutzen des Stereo-Ausgangs vom MacBook: eine Seite Click, eine Seite Mono-Backing Track. Läuft immer. Und zur Not nimmt man das Smartphone oder Tablet als Ersatz, denn man kann solche Backing Tracks dann einfach als MP3 ausspielen und im Notfall davon laufen lassen. Übrigens lief mein MacBook Pro selbst dann auf der Bühne noch weiter, als der Akku sich während einer Show aufgebläht hat. Selbst da gab es keinen einzigen Aussetzer. Es stand halt nur nicht mehr sicher auf dem Stativ, da die ganze Unterschale sich nach außen gewölbt hat.

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        Martin Andersson  RED

        Danke für Deine ausführliche Antwort. Das klingt sehr spannend, und krasse Geschichte mit dem Akku! So etwas habe ich (zum Glück) noch nie erlebt.

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    ukm  

    In der Band brauche ich normalerweise keine Backing-Tracks. Da sind 12 Mann, und da muss auch jeder genug zu tun haben.
    Für kleine Solo-Auftritte habe ich mir einige Backing-Tracks erstellt und spiele dann ein oder zwei Stimmen live dazu. Die Ansage erfolgt dann in Anlehnung an die Tagesschau („Das Interview haben wir aus Termingründen vor der Sendung aufgezeichnet“) in etwa so: „Alles außer Piano, Organ, Synth wurde aus Personalmangel vorher aufgenommen“.
    Das Ganze läuft über zwei parallel laufende Rechner mit Cantabile3 als Host. Leider würde im Fall eines Defekts die Umschaltung zum Backup-Rechner nicht ganz nahtlos erfolgen, da ich zumindest die Kanäle am Mixer auf/zu regeln müsste. Da suche ich noch nach einer Lösung.

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      Markus Galla  RED

      Hi,
      ja, so große Bands sind eine feine Sache, wenn sie finanziert werden können. Das geht leider nicht immer. Bei der Jackson Show sind vier Instrumentalisten, zwei Background Sängerinnen, der MJ Imitator selbst und bis zu sechs Tänzerinnen auf der Bühne. Ich hätte auch lieber noch einen zweiten Keyboarder mit dabei und vielleicht sogar Live-Bläser und mehr Background-Sänger. Aber da sind Backing Tracks dann eine feine Sache. Und am Ende interessieren sich die Leute eher für die Show als Ganzes und weniger für die Details. Das ist auch die bittere Erfahrung, die ich mit vielen vielen Jahren Tanzmusik/Cover-Band machen musste. Es ist fast egal, wie man einen Song spielt, solange man ihn spielt. Und ab einem gewissen Punkt waren die Leute eh zu betrunken, um noch überhaupt einen Unterschied zu hören. Da hätte man auch eine CD laufen lassen können statt live zu spielen.

      Zu deinem Backup-Problem: Siehe oben. Beide Systeme machen das automatisch. Da muss nichts am Mischpult geregelt werden.

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        ukm  

        Die Frage, ob sich das rechnet, darf man bei einem solchen Projekt nicht stellen, aber es macht einfach vielmehr Spaß, mit so vielen Musikern zusammen zu spielen als z. B. Party-Mugge mit evtl. noch nicht einmal selbst erstellten Hilfsmitteln zur Einsparung von Musikern.

        Die genannten Lösungen muss ich mir mal genauer anschauen. Mit einem Audio-Interface für beide Rechner würde ich ein Stück Redundanz verlieren, das ich mit zwei voneinander unabhängigen Systemen habe. Außerdem bevorzuge ich immer noch DIN MIDI gegenüber USB.

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    Fredi  

    Hallo Markus,

    Dein Artikel spricht mir aus der Seele: manchmal ist das von Dir beschriebene Vorgehen der einzige Ansatz, um überhaupt adäquat Musik präsentieren zu können.
    Ich habe viele Jahre die Arrangements für meine Firmenrockband gemacht und habe mittlerweile diesen Prozess so stark automatisiert, dass aus Arrangements in Textform (in der Notationssprache „Lilypond“) und textlichen Konfigurationsdateien automatisch Backingtracks mit auswählbaren Spuren in einem Notenvideo auf einem iPad werden. Die ausgewählte Stereospur geht direkt in das Mischpult und ist synchron zu den Noten auf dem iPad (ohne irgendeine Sondersoftware, geht also auf jedem Gerät, das MP4-Videos abspielen kann und eine Miniklinkenbuchse hat). Die Generierung läuft – wie bei Softwareentwicklung – ohne manuellen Eingriff aus den Textquellen durch (mit eigenentwickelter Software basierend auf OSS).
    Wenn Interesse besteht, mache ich hier gerne mal einen Workshop dazu.
    Damit kann ich z.B. zusammen mit meiner Frau und kleinem Equipment-Besteck bei Freunden auftreten (und dann je nach vorhandenen Instrumenten das passende Backing auswählen), und es ist trotzdem eine halbwegs professionelle Show.
    Und der Rock’n’Roll bleibt in jedem Fall: schließlich kann man auch das Tempo in einem Arrangement variieren oder auch algorithmisch die Tracks humanisieren. Das ist zwar dann bei jedem Auftritt gleich (siehe Dirks Geschichte von den Stones), aber trotzdem nicht roboterhaft.
    Unser Vorteil ist aber, dass wir keinen Click-Track brauchen, weil unser Schlagzeuger immer synthetisch ist (aber ein generierter Click-Track wäre auch kein Problem) …

    Gruß
    Fredi

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    Mulch

    Vielen Dank für den ausführlichen Artikel!
    Ich habe dazu zwei Fragen:
    – Kann man für die Backing Tracks auch mit Ableton Live Intro schon brauchbar arbeiten?
    – Am Schluss des Artikels wurde das iPad erwähnt: Welche App würde sich da anbieten, um mit
    Banking Tracks zu arbeiten?

    Freundliche Grüße
    Mulch

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      Markus Galla  RED

      Ableton Live Intro kannst du dafür vergessen. Das ist viel zu limitiert. Man benötigt mindestens die Standard-Version. Suite ist nicht notwendig, wenn man nicht mit den Instrumenten arbeiten möchte. Wenn man wirklich „nur“ Audio Tracks abspielt, ist Suite überflüssig.

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    cmoers

    Für den schmalen Geldbeutel kann ich zu diesem Thema nur den Multitracker von Sebastian Sygulla empfehlen (http://www.multitracker.eu). Dieses kleine Tool läuft auf einem halbwegs aktuellen iPad, kann je nach dessen Leistungsfähigkeit mit einigen Audio/Midi-Spuren umgehen, bedient Mehrkanal-Interfaces mit separater Spurzuweisung, erlaubt EQ + Kompression pro Spur und läuft super stabil. Die Mediathek mit den Playlists ist ein weiteres Highlight … uvm. – und nein, ich werde nicht für die Werbung bezahlt, bin einfach nur begeistert. Setzen wir bei uns seit Jahren ein.

  7. Profilbild
    Axel Ritt  RED

    Bei allem Verständnis für den Wunsch nach einem fetten Live Sound, Backing Tracks sind nichts Anderes als die Vorspielung falscher Tatsachen und würden außerhalb des Kunst Bereiches als handfesten Betrug gewertet. Man stelle sich vor, ein Maurer würde auf eine Rigips Wand eine Mauer Tapete aufbringen und dem Bauherrn dies als massive KS Wand verkaufen.

    In meinem Genre sind wir mittlerweile bei einem Backing Track Einsatz von über 90% angekommen, d. h. der überwiegende Teil aller Bands ist nicht einmal mehr ansatzweise in der Lage, ihre Produktionen ohne Hilfsmittel zu verkaufen. Dann doch lieber die CD auflegen und sich alle zusammen auf die Bühne setzen und ein Bier zusammen trinken, dann würde der Zuhörer wenigstens nicht für dumm verkauft.

    Warum denn noch üben oder seine Stimme in Form halten, einfach den Mute Schalter drücken und den ganzen Kram vom Player kommen lassen, der Fan merkt es ohnehin nicht. Ich übe jeden Tag bis zu 2 Std. um meine Passagen so rüber zu bringen, dass der Fan zufrieden ist, während einige „Kollegen“ im Studio ihre Parts zusammen kleben und dann auf der Bühne vom Player kommen lassen. Einfach nur noch widerwärtig und zutiefst abstoßend!

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      Markus Galla  RED

      Ganz so drastisch würde ich es nicht sehen. Es ist doch schon ein Unterschied, was abgespielt wird. Wenn es einige Loops sind, Bläser Licks oder Arps, wüsste ich nicht, was dagegen spricht. Es geht hier nicht um das Ersetzen, sondern das Ergänzen. Musiker tragen doch selbst die Schuld an dem Dilemma: Erst wird im Studio jede Spur gefüllt und die Technik ausgenutzt und dann wundert man sich, dass die Live-Umsetzung mit fünf Leuten nicht gelingen will oder die Fans diesen Sound auch live erwarten.

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