Im Galopprhythmus zum Kinostart

Workshop: The Trooper – Iron Maiden Foto ©_Iron_Maiden_in_Bercy_1.jpg: Metalheartderivative work: Swicher, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Kurz nach dem Kinostart des neuesten Iron-Maiden-Films „Burning Ambition“ widmen wir uns heute einem der wohl ikonischsten Songs der Bandgeschichte: „The Trooper“. Der Klassiker vom 1983 erschienenen Album „Piece of Mind“ gehört nicht nur zu den größten Maiden-Hits überhaupt, sondern ist auch ein Paradebeispiel für zweistimmige Metal-Gitarren, galoppierende Rhythmen und klassische Heavy-Metal-Spieltechnik. Schauen wir uns gemeinsam an, was diesen Song gitarristisch so besonders macht.
Was dich erwartet
- The Trooper: Iron Maidens Klassiker wird im Gitarrenworkshop Schritt für Schritt erklärt.
- Gitarrenparts: Im Fokus stehen Gallop-Rhythmus, Powerchords und zweistimmige Leadlines.
- Sound: Was macht den klassischen Maiden-Ton aus?
- Praxis: Muting, Timing und Artikulation für den authentischen Heavy-Metal-Charakter.
- Anlass: Passend zum neuen Iron-Maiden-Film widmen wir uns einem echten Metal-Meilenstein.
Inhaltsverzeichnis
Es gibt Songs, die noch nicht geschrieben wurden. Es gibt Songs, die nur wenige Menschen kennen. Es gibt Songs, die viele Menschen kennen. Es gibt Songs, die fast jeder kennt. Und dann gibt es Legenden. Genau solch eine Legende besprechen wir heute: „The Trooper“ von Iron Maiden. Viel Spaß und frohes Üben!
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The Trooper – Geschichte, Entstehung, Fakten
Auf Iron Maidens viertem Studioalbum „Piece of Mind“ aus dem Jahr 1983 befindet sich auf der zweiten Seite der LP an erster Stelle ein Song, der zum Standardrepertoire jedes Rock- und Heavy-Metal-Gitarristen gehören sollte. Der 4:11 Minuten lange Titel wurde von Bassist und Maiden-Gründer Steve Harris geschrieben und vom Briten Martin Birch produziert, der unter anderem auch mit Black Sabbath, Whitesnake und Deep Purple gearbeitet hat. Ikonisch wurden vor allem der für Maiden typische Galopprhythmus in den Gitarren sowie die Zweistimmigkeit in den Riff- und Leadphrasen von Dave Murray und Adrian Smith.
Die Geschichte hinter „The Trooper“ ist vom gleichnamigen Gedicht Lord Tennysons aus dem Jahr 1854 inspiriert, das wiederum auf der „Charge of the Light Brigade“ aus der Schlacht von Balaclava während des Krimkriegs basiert. In heutigen Zeiten Songs über Krieg zu spielen oder zu singen, mag schwierig oder gar unangebracht erscheinen und darf definitiv kontrovers diskutiert werden. An dieser Stelle möchten wir jedoch den Song und seine gitarristischen Elemente beleuchten – auch anlässlich des erschienenen Iron-Maiden-Films und des letztjährigen 50-jährigen Jubiläums einer Band, die definitiv Musikgeschichte geschrieben hat.
Der Song wurde vielfach verwendet, etwa in der Netflix-Serie „Stranger Things“, in Max Brooks’ Roman „World War Z“ oder in Videospielen wie „Carmageddon II“, „Guitar Hero II“ und „Rock Band“. Außerdem braut die Band ein Bier, das den Namen des Songs trägt: „Trooper“. Verrückt, was ein Song alles nach sich ziehen kann. Das ist Kunst – und ein bisschen Marketing.
Kommen wir nun zum Song und seinen gitarristischen Elementen. Viel Spaß beim Üben und Auschecken!
The Trooper – Sounds
Wenn ihr die Sounds nachbauen wollt, verwendet am besten eine Powerstrat, etwa von Fender, Jackson oder Charvel, mit HSS-Pickup-Bestückung. Wichtig ist vor allem ein Humbucker an der Bridge, beispielsweise von DiMarzio oder Seymour Duncan. Dazu passen ein 50- oder 100-Watt-Plexi, ein JMP1 oder ein JCM-800-artiger Marshall-Amp sowie ein Overdrive-Pedal, etwa ein Tubescreamer, um den Amp zusätzlich anzublasen.
Wir reden hier von 1980er-Jahre-Rock. Im Original sprechen wir nicht von modernen Over-the-top-Preamp-High-Gain-Monstern, sondern von Marshall-Crunchsounds mit echter Endstufenverzerrung.
Achtung: sehr laut! EQ-technisch eher weniger Bässe, viele Mitten und sehr klare Höhen. Keine Metal-Sounds mit scooped Mids – das kam erst etwa zehn Jahre später auf. Klassischerweise wären 4x12er-Cabinets, etwa Marshall 1960, mit Celestion-Speakern wie dem G12-T75 eine gute Wahl, um nahe an den Sound heranzukommen.
Allgemeine Anmerkung: Unterschätzt die Wichtigkeit des Speakers nicht. Er formt den Sound teilweise stärker als der Amp selbst, schließlich ist er das Glied in der Kette, das alles davor überhaupt hörbar macht. Auch bei Maiden kamen Transistor-Amps von Gallien-Krueger wie der GK-250ML zum Einsatz.
Ähnliche Sounds lassen sich natürlich auch ohne Endstufenzerre und ohne 4x12er-Cabinet erzielen. Vertraut euren Ohren. Bekanntlich – und das stimmt tatsächlich – kommt der Ton zunächst aus den Fingern. Achtet deshalb besonders auf die Tipps weiter unten im Workshop, etwa zu Muting und Anschlag.
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The Trooper – Lesson
Schauen wir uns die Parts des Songs einmal genauer an. Der Song eröffnet mit einer absteigenden Linie in e-Moll, einer klassischen Gitarristen-Tonart. Bereits in diesem Riff lassen sich einige schöne Details entdecken. Während zu Beginn des Riffs auf Schlag 1 gestartet wird, wird dieser Schlag in den Wiederholungen vorgezogen. Das klingt treibender und erzeugt einen stärkeren Vorwärtsimpuls.
Betrachtet man die zweite Hälfte jedes zweiten Taktes – das Motiv in den Tönen d, g, d, e –, wird dort bereits das spätere Main-Riff des Verses versteckt vorgestellt, ähnlich einer Ouvertüre in der Klassik. So entsteht eine Verbindung zwischen den einzelnen Songteilen und der Zuhörer bekommt etwas an die Hand, das dem Ohr bereits vertraut ist.
Spielerisch gilt es hier auf eine klare Artikulation zu achten, vor allem bei den Tonwiederholungen, damit mit High-Gain-Sounds kein „Brei“ entsteht. Nutzt Pull-offs für fließende Übergänge und etwas Legato in den Sechzehntelnoten sowie Downstrokes mit viel Edge des Picks, also etwa einem 45-Grad-Winkel zur Saite, für viele Obertöne und eine deutliche Artikulation.
Nachdem das Riff vorgestellt wurde, spielt Gitarre 2 eine Harmoniestimme zum Riff der ersten Gitarre. Diese liegt meist eine Terz, teilweise auch eine Quarte höher als die Hauptstimme und endet im abschließenden Motiv jedes zweiten Taktes unisono mit der ersten Gitarre. Nutzt auch hier Pull-offs und Downstrokes. Zwischen „g“ und „f#“ könnt ihr zusätzlich einen Slide einbauen.
In der nächsten Sektion des Songs wandern die Gitarren in eine höhere Lage und spielen direkt zweistimmig die Leadline des Openings. Auch hier finden sich wieder bereits bekannte Elemente. Die Rhythmik der Melodie ähnelt dem Opening-Riff der vorherigen Takte und auch das bereits erwähnte Motiv des späteren Main-Riffs taucht hier erneut auf. Es zieht sich wie ein roter Faden durch den Song und ist quasi das Trademark des Hits.
Spielerisch anspruchsvoll sind die Triller, also Hammer-on-/Pull-off-Abfolgen zwischen „f#“ und „g“, sowie die Tonwiederholung nach dem Ende des Trillers. Der letzte Ton des Trillers wird noch als Pull-off gespielt, derselbe Ton anschließend jedoch erneut mit dem Plektrum angeschlagen. Übt diese Phrase zunächst langsam, achtet auf sauberes Muting bei High-Gain-Sounds, damit keine Nebengeräusche die Melodie stören und verwendet am besten ein Metronom für ein klares Timing in den Trillern.
Die zweite Gitarre spielt hier ebenfalls eine zweite Stimme zur Hauptmelodie, diesmal allerdings unterhalb der ersten Stimme. Meist in Terzen, gelegentlich auch in Quarten oder Quinten.
Als Überleitung in die erste Strophe spielt ihr DAS Motiv zum ersten Mal nicht als Single-Notes, sondern mit Powerchords. Im Verlauf des Verse wiederholt es sich alle zwei Takte, während die übrigen Instrumente pausieren und den Vocals Platz machen.
Spielerisch anspruchsvoll ist vor allem der Wechsel zwischen D5 und G5. Im hohen Tempo die Pause während des Wechsels so kurz wie möglich zu halten und den Akkordwechsel gleichzeitig möglichst gebunden zu spielen, stellt eine nicht zu unterschätzende Schwierigkeit dar. Probiert verschiedene Fingersätze aus. Nutzt beispielsweise für D5 Zeigefinger und Ringfinger und für G5 Zeigefinger und kleinen Finger. Findet den Weg, der für euch am besten funktioniert und vor allem am besten klingt. Downstrokes sind hier auf jeden Fall Pflicht, prove me wrong.
Die zweite Herausforderung in diesem Part ist Timing und Muting. Die Pausen sauber einzuhalten und die vier Akkorde exakt zu platzieren, steht hier klar im Vordergrund. Kurz und knackig!
Übrigens: Achtung: Im Takt geht’s auf Schlag 4+ nicht aufs E, sondern nach unten zum C!
Die zweite Hälfte der Strophe wird dann galoppiert. Hüja! Jetzt wird es für die rechte Hand sportlicher. Der Fokus liegt auf dem Palm-Muting der Sechzehntel-„+“ und „+e“, der Betonung der Viertelakzente und einem stabilen Timing. Beginnt auch hier langsam mit Metronom oder Drum-Machine und steigert euch Schritt für Schritt in Tempo und Ausdauer. Spielt zunächst kurze Episoden und erst danach längere Strecken. Verändert dabei immer nur einen Parameter – entweder längere Abschnitte oder höheres Tempo.
Der Fokus sollte nicht auf Tempo oder Ausdauer liegen, sondern auf lockeren Handgelenken und Fingern sowie Präzision in der Ausführung. Der Rest kommt mit der Zeit von selbst.
Harmonisch ändert sich im Vergleich zur ersten Hälfte der Strophe nichts. In Takt 4 geht es nach unten aufs C und in Takt 6 zurück zum E.
Ich hoffe, ihr hattet Freude am heutigen Workshop. Bis zum nächsten Mal und bis dahin viel Spaß beim Üben und Abmetaln!
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