Workshop: Tipps für deinen Musikunterricht per Skype & Co

30. März 2020

Musikunterricht per Online-Konferenz

Workshop: Tipps für deinen Musikunterricht per Skype & Co

Workshop: Tipps für deinen Musikunterricht per Skype & Co

Trotz aller Anzeichen hat Corona mich und viele meiner Musikerkollegen kalt erwischt. Nach Karneval und den täglich steigenden Fallzahlen im Kreis Heinsberg schien dennoch alles unter Kontrolle zu sein, schließlich waren alle Personen mit Infektionen bekannt und isoliert. So weit, so gut. Dann jedoch kam die erste Rückreisewelle aus den Skigebieten und in ganz Deutschland explodierten täglich die Fallzahlen. Von Schulschließungen wurde gesprochen und nach ersten Alleingängen einzelner Bundesländer kam dann die Nachricht: Alle Bundesländer schließen mit sofortiger Wirkung Schulen und KiTas.

Nun überschlugen sich die Ereignisse und zwei Tage später sickerte durch, dass auch Musikschulen in öffentlicher wie privater Hand zwei Tage später zu schließen seien. Wie bei vielen Musikerkollegen besteht auch mein regelmäßiges monatliches Einkommen zu einem großen Teil aus dem, was über das Erteilen von Musikunterricht und meiner Autorentätigkeit auf das Konto kommt. Die sonst üblichen Auftritte mussten wir schon eine Woche vor dieser Horrornachricht abschreiben. Und nun das. Zu meinem Glück bin ich in Sachen Computertechnik sehr bewandert, tontechnisch gut ausgestattet und habe darüber hinaus für ein Startup-Unternehmen, das eine Plattform für den Online-Musikunterricht geschaffen hat, als Beta-Tester gedient. Was bisher eher eine Randerscheinung im Unterrichtsalltag war, sollte nun innerhalb von zwei Tagen Wirklichkeit werden: Online-Musikunterricht für alle meine Schüler.

Online-Musikunterricht: Voraussetzungen

Für die Gestaltung von Online-Musikunterricht gelten einige Grundvoraussetzungen für Schüler und Lehrer, die unbedingt erfüllt sein müssen. Die wichtigste Voraussetzung ist eine halbwegs flotte Internetleitung. Für das Streamen von Bild und Ton in annehmbarer Qualität und ohne Verbindungsabbrüche benötigt man zwingend eine DSL-Leitung ab 16 MBit/Sekunde aufwärts. Zwar geht es prinzipiell auch mit einer langsameren DSL 6000 Leitung, allerdings bleibt der Online Unterricht dann ein Schmalspurprogramm. Warum das so ist, werden wir später noch sehen. Aufgrund der hohen Datenmengen, die beim Video-Streaming anfallen, sollte unbedingt auf LTE verzichtet und stattdessen auf eine Telefon- oder Kabelverbindung zurückgegriffen werden. Das hat weniger mit der Geschwindigkeit von LTE zu tun als mit dem Datenvolumen des eigenen Netz-Providers, das mit jeder Sekunde Video förmlich dahinschmilzt. Schüler sollten von ihren Lehrern unbedingt darauf hingewiesen werden.

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Eine schnelle Internetleitung erhöht die Qualität des Streams. Das Test-Tool für doozzoo.

Ist eine passende Internetleitung vorhanden, fehlen noch eine Webcam und ein Mikrofon. Für die ersten Versuche reicht hier das aus, was man im Laptop, Smart Phone oder Tablet vorfindet. Außerdem sollte ein Kopfhörer zur Verfügung stehen, denn dieser verhindert das Entstehen von Echos oder Rückkopplungen.

Zum Schluss fehlt nun nur noch ein passender Anbieter für die Videotelefonie. Im Folgenden seien exemplarisch einige Anbieter genannt. Später stelle ich die Arbeit mit zwei der genannten Anbieter genauer vor.

Online-Musikunterricht mit WhatsApp, Skype & Co

WhatsApp verfügt über Chat, Audionachrichten, Telefonie und Videotelefonie. Selbst Dateien und Bilder können geteilt werden. Die hohe Verbreitung macht WhatsApp zunächst einmal zu einem idealen Kandidaten für den spontanen Online-Musikunterricht. Der große Nachteil von WhatsApp ist jedoch, dass die Bild- und Tonübertragung nur mittelmäßig ist und die App für den regelmäßigen Gebrauch aus diesem Grund ausscheidet. Gleiches gilt auch für Skype und FaceTime. Allen Diensten ist gemeinsam, dass sie versuchen, die zur Verfügung stehende Bandbreite und das Datenvolumen möglichst gering zu halten. Sie sind häufig für den Gebrauch mit Smart Phones optimiert. Zwar lassen sich alle Apps und Dienste auch im Heimnetzwerk nutzen, an der Qualität von Bild und Ton ändert das jedoch nicht viel. Der Frequenzgang ist auf den für Sprache wichtigen Übertragungsbereich zusammen gestutzt. WhatsApp hat zudem den Nachteil, dass es nur für Smart Phones zur Verfügung steht und die Nutzung eines Laptops ausgeschlossen ist. Zwar gibt es auch hier mittlerweile Lösungen, die sich mit dem Smart Phone verbinden und dann WhatsApp auch auf einem Computer oder Tablet zur Verfügung stellen, allerdings geschieht die Datenübertragung nach wie vor über das Smart Phone und die Verbindung zwischen Computer/Tablet und Smart Phone schluckt zusätzlich wertvolle Bandbreite.

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Schon lange am Markt: Microsoft Skype.

Hinzu kommt, dass die Schüler einen eigenen Account besitzen müssen und bei minderjährigen Schülern unter 16 Jahren eine Freigabe durch die Eltern zwingend notwendig ist. Im Fall von Skype musste ich dazu für den Online-Musikunterricht meines Sohnes, dessen Klavierlehrer Skype nutzt, ein eigenes Skype-Konto beziehungsweise Microsoft-Konto einrichten, um ihm Freigaben erteilen zu können. Nicht jedes Elternteil wird das gut finden und Vorbehalte hinsichtlich des Datenschutzes gibt es bei den genannten Diensten genug.

Dienste für Videokonferenzen

Eine bessere Figur hinsichtlich der Übertragungsqualität machen Dienste für Videokonferenzen. Da diese für die geschäftliche Nutzung gedacht sind, ist eine gute Übertragungsqualität hier in der Regel gegeben. Darüber hinaus lassen sich Software und Hardware konfigurieren und anpassen, um eine möglichst gute Übertragung zu gewährleisten. Eine Möglichkeit stellt Microsoft Teams dar. Eigentlich für die Unternehmenskommunikation entwickelt, bietet auch die nun zeitweise kostenlose Teams-Variante zahlreiche Möglichkeiten, mit den Schülern zu kommunizieren. Teams steht plattformübergreifend (iOS, Android, Windows, MacOS X, Linux) zur Verfügung und funktioniert auf Computern wie Mobilgeräten gleichermaßen gut. So ist es möglich, Dateien schnell zu teilen, Cloud-Ordner für die Schüler anzulegen und im Video Chat miteinander zu reden. Teams kann darüber hinaus auf Hardware wie USB-Geräte für Audio und Video zurückgreifen.

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Zurzeit kostenlos, sonst in Office enthalten: Microsoft Teams

Besser als Teams gefällt mir Whereby. Whereby erfordert keine spezielle App für die Kommunikation, sondern lediglich einen Browser. Whereby ist so einfach zu bedienen, dass selbst unerfahrene Schüler und Lehrer den Dienst innerhalb weniger Minuten nutzen können. Der Lehrer registriert sich lediglich kostenlos unter whereby.com und bekommt dafür einen Link zu seinem persönlichen Meeting-Raum. Diesen Link schickt er an seine Schüler und diese können von jedem Gerät mit einem Browser über einen simplen Klick auf den Link den Raum betreten. In der kostenlosen Version können bis zu vier Schüler einem Raum beitreten, sodass im Prinzip sogar Gruppenunterricht erteilt werden könnte. Außerdem ist es möglich, über einen Chat zu kommunizieren. Das ist insbesondere für die Fehlersuche hilfreich, zum Beispiel dann, wenn der Schüler den Lehrer nicht verstehen/sehen kann oder umgekehrt. Der Lehrer hat die Möglichkeit, seinen Raum abzuschließen. Schüler müssen dann zunächst anklopfen und der Lehrer gewährt dem Schüler Einlass. So kann unterbunden werden, dass überpünktliche Schüler in eine fremde Unterrichts-Session platzen und diese stören. In der kostenlosen Variante von Whereby ist es zudem möglich, gemeinsam ein YouTube-Video anzuschauen. Das ist insbesondere dann praktisch, wenn es um das Erarbeiten eines neuen Songs geht und der Lehrer diesen vorstellen möchte. Screensharing gehört ebenfalls zu den kostenlosen Features, allerdings wird immer der gesamte Bildschirm übertragen. Besonders gut gefällt mir die Möglichkeit, mit mehreren Kameras oder Audioquellen arbeiten zu können. Diese lassen sich, ohne den Chat zu verlassen, per Mausklick umschalten.

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Schnell vom Lehrer eingerichtet, schnell vom Schüler ohne Anmeldung zu erreichen und kostenlos noch dazu: Whereby

Ein weiterer Dienst ist Zoom. Zoom hat auch in der kostenlosen Grundversion einen hohen Funktionsumfang und ist für alle Plattformen verfügbar. Es können Meetings geplant werden und sogar eine Integration in die gängigen Kalender-Tools ist möglich. Es gibt zahlreiche Admin-Funktionen, Audio- und Video-Aufzeichnungen, eine Webinar-Funktion und vieles mehr. Schüler können auch ohne vorherige Registrierung beitreten, benötigen jedoch eine App. Gerade der hohe Funktionsumfang von Zoom ist der Haken an der Sache: Die Vielzahl an Features erschlägt den Anwender. Der Fokus liegt dann zu sehr auf der Administrationsseite und weniger auf dem Unterricht. Hier zeigt sich, dass der Fokus von Zoom auf der Business-Seite liegt und die Anwendung der Unternehmenskommunikation dienen soll.

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Zoom ist ein professioneller Web Meeting-Anbieter

doozzoo – der Spezialist für Online-Musikunterricht

doozzoo ist ein noch junges Startup, das sich auf Online-Musikunterricht spezialisiert hat. Anders als andere Anwendungen ist doozzoo nicht kostenlos. Dafür gibt es aber zahlreiche Features, die speziell für das Erteilen von Musikunterricht gedacht und einzigartig sind. Als Beta-Tester durfte ich doozzoo bereits im Entwicklungsstadium begleiten. Innerhalb kürzester Zeit sind einige neue Features hinzu gekommen, darunter vor allem die Kompatibilität zu mehr Browsern und Mobilgeräten. So läuft doozzoo mittlerweile auch auf iOS oder Android Devices stabil und der von Apple Usern gerne genutzte Webbrowser Safari wird nun ebenfalls unterstützt. doozzoo ist vor allem  hinsichtlich seiner Features einzigartig: Die Latenz ist sehr gering, ein Metronom mit Tap Tempo lässt sich zuschalten und vom Lehrer fernsteuern, ein Stimmgerät steht zur Verfügung, mehrere Kameras können genutzt und zwischen ihnen hin und her geschaltet werden und vieles mehr (siehe unten).

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doozzoo ist ein auf Online-Musikunterricht spezialisierter Web-Dienst

Einrichtung des virtuellen Unterrichtsraums

Schon mit der Grundausstattung lässt sich in den meisten Situationen eine Online-Unterrichtsstunde abhalten. Bei der Arbeit mit einem Smart Phone, Laptop oder Tablet ist darauf zu achten, dass ein guter Bildausschnitt gewählt wird. Was soll der Schüler sehen? Die meisten Webcams benötigen einen größeren Abstand, um zum Beispiel den Lehrer samt Instrument komplett abzubilden. Benutzt man ein Smart Phone, ist dieses dann jedoch zu weit weg, um noch den Schüler vernünftig auf dem kleinen Display sehen zu können.

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Die Perspektive der FaceTime Cam des MacBook Air. Dazu ist jedoch ein großer Abstand erforderlich.

Ein Kompromiss ist, zwei Positionen zu suchen, in denen zum Beispiel bei Gitarristen die Greifhand samt komplettem Gitarrenhals in der ersten Position und in der zweiten Position die Schlaghand zu sehen ist. Die Kamera müsste dann jedoch immer entsprechend verstellt werden. Für Keyboarder oder Pianisten hat sich eine Position schräg von der Seite bewährt. So hat man ein ähnliches Bild wie das, was sich ergibt, wenn der Lehrer im Unterricht neben dem Schüler sitzt. Auf diese Weise lässt sich die Handhaltung gut kontrollieren und auch der Fingersatz beurteilen.

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Stellt man die Kamera seitlich vom Klavier auf, sieht man alles genau so, wie man es auch als Lehrer im regulären Präsenzunterricht sehen würde. So kann auch die Handhaltung kontrolliert werden.

Besser ist es in beiden Fällen, zwei Kameras zu nutzen, zwischen denen auf Tastendruck hin und her geschaltet wird.

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Kameraansicht mit der iPhone-Kamera und EpocCam

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Per Halterung lässt sich das iPhone als zweite Kamera an ein Notenpult montieren. Es sorgt für Bilder in Nahaufnahme.

Der Unterrichtsraum sollte gut ausgeleuchtet sein. Zu wenig Licht bedeutet viel Bildrauschen, zu grelles Licht hingegen macht aus Gesichtern weiße Flecken.

Viel wichtiger als das Bild ist allerdings der Ton. Nutzt man lediglich das Mikrofon eines Smart Phones, Tablets oder Laptops, ist der Ton in der Regel eher schlecht. Entweder verzerrt es oder die Echounterdrückung sorgt für das Abreißen leiserer Töne. Insbesondere mit Klavier habe ich schlechte Erfahrungen gemacht. Während auf der Lehrerseite schon mit geringem Aufwand Abhilfe geschaffen werden kann, ist das auf der Schülerseite oftmals ohne zusätzliche Investition kaum möglich.

Bei Smart Phones kommt zudem es zu einem weiteren Problem: Der Kopfhöreranschluss dient meistens auch dem Anschluss eines Mikrofons. Nutzen die Schüler nun Kopfhörer ohne integriertes Mikrofon, bleibt durch den nicht kompatiblen Miniklinkenstecker solcher Kopfhörer das integrierte Mikrofon des Smart Phones stumm. Dieses Problem betrifft insbesondere Nutzer aktueller iPhones mit Lightning anstelle einer herkömmlichen Miniklinkenbuchse. Bei Nutzung des Apple Adapters zum Anschluss eines Kopfhörers mit Miniklinkenstecker wird das iPhone Mikrofon abgeschaltet. Abhilfe schaffen hier lediglich Bluetooth-Kopfhörer oder die dem Smart Phone beiliegenden Kopfhörer mit integriertem Mikrofon. Ohne Kopfhörer lässt sich aber  kaum unterrichten, da dann die Echounterdrückung die ganze Zeit über greift und das Tonsignal des Schülers ständig abreißt. Schlechte Erfahrungen habe ich diesbezüglich übrigens mit den Apple AirPods gemacht. Schüler, die diese nutzen, liefern ein kontinuierlich abreißendes und verzerrtes Mikrofonsignal. Ich vermute, dass hier die Echounterdrückung aufgrund der geringen Distanz von Mikrofon und Kopfhörer besonders aggressiv zu Werke geht. Günstige EarPods oder ähnliche Alternativen funktionieren hingegen etwas besser.

Audiointerface und Mikrofonierung

Auf der Lehrerseite lässt sich schon mit geringen Mitteln ein sehr guter Sound erzeugen. Ein zweikanaliges Audiointerface mit zwei Mikrofonanschlüssen und zwei günstige Mikrofone reichen in der Regel aus, um einen guten Sound zu produzieren. Ein Mikrofon nimmt dabei das Instrument auf, das zweite Mikrofon die Sprache. Am Audiointerface lässt sich dann der Pegel beider Mikrofone anpassen. Wenn ohnehin ein Mikrofon angeschafft werden muss, empfiehlt sich für die Sprachübertragung ein Lavalier- oder Kopfbügelmikrofon. Günstige Modelle wie das the t.bone HeadmiKe reichen aus. Achtung: Es muss bei Kondensatormikrofonen in jedem Fall ein passender Phantomspeiseadapter mit XLR-Anschluss dazu erworben werden. Unbedingt auch auf den Anschlussstecker des Kopfbügelmikrofons achten. Hier kocht jeder Hersteller sein eigenes „Süppchen“. Akustikgitarren mit Tonabnehmer lassen sich direkt per Kabel an das Audiointerface anschließen. Gleiches gilt für Keyboards. Gitarrenverstärker lassen sich sehr gut im Nahbereich mikrofonieren, sodass hier Raumeinflüsse kaum den Sound, der beim Schüler ankommt, trüben.

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Setup für den Online-Musikunterricht: MacBook Air, doozzoo, iConnectAudio 2+ Interface, zwei Mikrofone und Kopfhörer

Praxisbericht: Unterricht mit doozzoo und Whereby

Schon vor Corona habe ich gelegentlich mit doozzoo unterrichtet. Durch die Teilnahme am Betatest konnte ich früh Erfahrungen sammeln. Die meisten Schüler haben aber den Unterricht von Angesicht zu Angesicht bevorzugt, sodass doozzoo seltener zum Einsatz kam als gedacht. Die Corona Epidemie hat das schlagartig verändert.

Für den Aufbau des Online-Musikunterrichts habe ich ein kleines MacBook Air, das ursprünglich als Zweitcomputer im Wohnzimmer stand, genutzt, um meinen Arbeitscomputer, auf dem ich außerhalb des Unterrichts produziere, frei zu halten. Die FaceTime Cam des MacBook Air liefert bei guter Ausleuchtung ein sehr gutes Bild. Als Zweitkamera kommt mein iPhone XR mit der App EpocCam von Kinoni zum Einsatz. Die App ermöglicht das Nutzen des iPhones als Webcam und ist auch für Android erhältlich. Die Halterung besteht aus einer Klemme für eine Action Cam und einer weiteren günstigen iPhone-Halterung mit einem Gewinde für ein Fotostativ. Beide Halterungen wurden zusammengesetzt und an einem Notenstativ befestigt. Auf diese Weise kann ich meine E-Gitarre oder Akustikgitarre in Nahaufnahme zeigen. Die FaceTime Cam des MacBook Air liefert hingegen ein Gesamtbild von mir mit Instrument. Dieses wird hauptsächlich genutzt, während ich mit dem Schüler rede. In Vorspielsituationen nutze ich die Nahaufnahme des Instruments. Ähnlich handhabe ich das für den Klavier-/Keyboardunterricht. Ein Satz günstiger Reduziergewinde gestattet es mir, die Halterung für das iPhone auf ein Mikrofonstativ zu schrauben. Das iPhone zeigt dann die Tastatur von oben, während die FaceTime Cam wieder mich als Spieler mit dem Instrument zeigt.

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Das Großmembranmikrofon von sE dient der Sprachaufnahme und nimmt auch bei Bearf die Taylor Akustikgitarre. Das niedrige Stativ sorgt dafür, dass es außerhalb des Kamerabildes ist.

Für die Tonübertragung kommen zwei Mikrofone zum Einsatz: Ein Mikrofon steht vor dem Gitarrenverstärker, ein zweites Mikrofon steht auf einem niedrigen Stativ im Raum und nimmt meine Sprache beziehungsweise beim Spiel mit der Akustikgitarre auch die Akustikgitarre auf. Zwar könnte ich auch den Pickup meiner Taylor Gitarre verwenden, doch der etwas räumlichere Sound, den das Großmembranmikrofon erzeugt, gefällt mir persönlich besser und ist für die Schüler auch angenehmer auf ihren Kopfhörern zu hören als der sehr direkte Pickup Sound. Das Raummikrofon steht dabei so, dass es beim Sprechen auf meinen Mund zeigt, jedoch nicht auf dem Kamerabild zu sehen ist. Ein Nachteil dieser Methode ist, dass durch die Nierencharakteristik meines Mikrofons Bewegungen aus der Hauptaufsprechrichtung heraus sofort einen geringeren Pegel und einen indirekteren Sound zur Folge haben. Ein Mikrofon mit Kugelcharakteristik möchte ich allerdings vermeiden, weil dieses dann auch den Gitarrenverstärker mit aufnehmen würde. Aus diesem Grund plane ich für die Zukunft die Anschaffung eines Kopfbügel- oder Lavalier-Mikrofons, um hier beim Sprechen einen gleichmäßigen Sound zu haben.

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Der Gitarren-Amp wird mit einfachen Mitteln für den Online-Musikunterricht mikrofoniert.

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Kleines Besteck für den Online-Musikunterricht

Als Audiointerface verwende ich ein iConnectivity iConnectAudio 2+. Mein Studiokopfhörer, ein Beyerdynamic DT770 Pro, ist direkt an das Interface angeschlossen. Per Direct Audio höre ich immer mein Direktsignal und mische das zu dem Signal, das vom Schüler zurück kommt. Das funktioniert sehr gut. Leider ist der Beyerdynamic DT770 Pro über längere Zeit unangenehm zu tragen, da es unter den Ohrmuscheln ordentlich heiß wird. Aus diesem Grund überlege ich derzeit, auf meine angepassten Bühnen-IEMs zu wechseln und ein kabelgebundenes Bodypack als Kopfhörerverstärker, wie es sie günstig von Behringer oder PreSonus im Handel gibt, anzuschaffen.

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Die Whereby-Oberfläche. Mehr als ein Browser wird nicht benötigt. Schüler wählen sich nur mit einem Link ein und müssen sich nicht anmelden.

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Am Anfang steht die Erlaubnis….

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Lehrer und Schüler können bei Whereby die Kamera und den Audioeingang festlegen.

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Auf Nummer sicher: Safari möchte unabhängig vom gewählten Dienst wissen, ob dieser Kamera und Mikrofon verwenden darf.

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Nur noch kurz die Bild- und Tonquelle angeben und schon geht’s los: Whereby

In den letzten zwei Wochen fanden intensive Tests mit den beiden Diensten doozzoo und Whereby statt. Was spricht für Whereby? Aufgrund der notwendigen schnellen Umstellung des Präsenzunterrichts auf den Online-Musikunterricht bot für die skeptischen Schüler Whereby einen klaren Vorteil: Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Schüler bekommt vom Lehrer einen Link und kann damit den Raum ohne Anmeldung betreten. Zwar habe ich allen Schülern einen Zugangscode für doozzoo zukommen lassen, jedoch ist nur ein kleiner Teil der Aufforderung zur Anmeldung gefolgt. Die Akzeptanz von Whereby hingegen war erheblich größer. So werden nun einige Schüler per doozzoo unterrichtet, während andere Whereby nutzen. Für den gelegentlichen Online-Musikunterricht ist Whereby eine gute Wahl, für den regelmäßigen Unterricht würde ich doozzoo bevorzugen.

Zwecks Materialtausch habe ich ein Google Drive eingerichtet, in dem für jeden Schüler ein eigener Ordner liegt, auf den nur der Schüler per Link-Freigabe und ich als Admin Zugriff haben. In diesen Ordner lege ich die Unterrichtsmaterialien in Form von Noten, die in den nächsten Wochen bearbeitet werden sollen, Audiobeispielen oder auch kleine Videos, in denen ich Hinweise zum Üben gebe oder das Stück einmal für die Schüler durchspiele. Das ist insbesondere für die Schüler wichtig, die Whereby nutzen, da hier keine andere Möglichkeit des Dateiaustausches besteht. Bei doozzoo hingegen können Dateien direkt bereitgestellt und für die Schüler freigegeben werden. Ein klarer Vorteil, weil nicht ein extra Cloud-Ordner gepflegt werden muss.

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Die kostenlose Version von Whereby gestattet zumindest das gemeinsame Anschauen von YouTube-Videos.

doozzoo besitzt einige weitere Vorzüge: Im Gitarrenunterricht setze ich gerne Guitar Pro ein, was sich mittlerweile als Quasi-Standard für das Darstellen von Tabs etabliert hat. Da bei doozzoo auf einfache Art und Weise ein Anwendungsfenster im Rahmen des Screen Sharings für den Schüler eingeblendet werden kann, ist es möglich, dass beide Parteien der Darstellung folgen können, auch dann, wenn der Schüler selbst die Software nicht besitzt. Gleiches gilt für Avid Sibelius, welches von mir für Klavierpartituren genutzt wird. Die Möglichkeit, bei geringer Latenz gleichzeitig zu einem Metronom zu spielen, ist ein weiterer Vorzug von doozzoo. Der Latenzausgleich funktioniert hervorragend. Was Whereby in der kostenlosen Grundversion leider verwehrt bleibt, ist die Möglichkeit, die Unterrichtssitzung als Video aufzuzeichnen. Bei doozzoo gelingt das per Mausklick. So können Lehrer und Schüler den Unterricht nachbereiten und in der nächsten Stunde daran anknüpfen. Ganz wichtig: doozzoo zeichnet immer nur die Lehrerseite auf, so dass alles hübsch DSGVO-konform bleibt. Auch eine Audioaufnahme ohne Bild ist möglich. Noch einmal zum Thema Datenaustausch: Einmal hochgeladene Materialien können für einzelne oder alle angemeldeten Schüler freigegeben werden, so dass diese das Material herunterladen können. Auch eine Bildschirmfreigabe ist möglich.

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Zahlreiche Tools sorgen dafür, dass doozzoo ohne weitere Apps außerhalb des Browsers auskommt.

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doozzoo im Einsatz: Ariane Cap erteilt Bassunterricht und nutzt dabei den doozzoo Audio Player.

Was ich an doozzoo am meisten schätze, ist der direkte Kontakt zu den beiden Entwicklern. So bin ich in den Genuss einer persönlichen Einführung in doozzoo per Video Chat gekommen. Auch per Facebook sind beide gut zu erreichen und haben immer ein offenes Ohr für Probleme.

Die Nutzungsgebühr für doozzoo, die vom Lehrer zu entrichten ist, hält sich dabei in einem erfreulich geringen Rahmen. Das Einstiegspaket kostet 14,95 Euro im Monat für bis zu fünf Schüler. Das macht 2,99 Euro pro Schüler, die vom Lehrer an doozzoo zu bezahlen sind. Bei 25 Schülern sind es knapp 2,87 Euro pro Schüler. Noch mehr sparen können diejenigen, die statt monatlicher Beiträge einen Jahresbeitrag leisten. Bei 25 Schülern entfallen dann 2,57 Euro auf einen Schüler.

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Der Pro-Kopf-Preis umgerechnet auf den einzelnen Schülern ist erstaunlich günstig

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Gegenüberstellung doozzoo und Skype (Quelle: doozzoo.com)

doozzoo lohnt sich also für all diejenigen, die regelmäßig Online-Musikunterricht erteilen wollen. Für den gelegentlichen Unterricht reicht hingegen eine kostenlose Alternative wie Whereby vollkommen aus.

Interview mit den doozzoo Entwicklern

Online-Musikunterricht_doozzoo_logo_master_transparentAmazona: doozzoo ist ein noch junges Startup aus Meerbusch und besteht aus Thomas Gier und Christoph Pelz. Wie kam es zu eurer Zusammenarbeit und zur Idee, ein Spezialtool für den Online-Musikunterricht zu entwickeln? Wie kam es zu dem Namen doozzoo?

Thomas Gier: Ende der 2000er hatte meine Frau die Idee eine Online-Musikschule zu gründen. Daraufhin habe ich angefangen zunächst mit Skype zu unterrichten. Schnell kam es zu entscheidenden Problemen und Fragen:

Wie verwalte ich meine Schüler und deren Dateien und noch viel schwieriger, wie kann ich verschiedenen Lehrern ihre Schüler zuordnen?

Wie können diese untereinander Dateien austauschen?

Dann hat mich bei allen der Sound gestört. Durch Echo-Cancellation und insbesondere die Highpassfilter in den gängigen Web Conferencing-Programmen war es insbesondere als Bassist sehr nervig, weil die Tieftonfrequenzen weggefiltert wurden. Dann hab ich fast alles auf dem Markt befindliche an Software und Plattformen durchgetestet und war dann ziemlich frustriert, weil keine wirklich für Musikunterricht  und das Betreiben einer Online-Musikschule geeignet war.

Dann kam zum ersten Mal der Wunsch auf, eine eigene Lösung selber zu bauen. 2016 habe ich dann meinen früheren Bandkollegen Christoph Pelz kontaktiert, der nach dem Gitarrenstudium in die IT wechselte und Anfang der 90er zu den ersten Web Nerds gehörte.

Er war direkt begeistert von der Idee und forschte nach der technischen Umsetzung und baute alles von Anfang an auf der neusten skalierbaren Cloud-Technologie auf. Der Name doozzoo entspringt dem Wunsch, ein Schriftlogo mit einem guten Flow und einer freien „.com“ Adresse zu finden. Der Smiley kam dann auch wie von selbst.

Amazona: Wie viele Mitarbeiter hat die doozzoo GbR?

Thomas Gier: doozzoo haben wir als GbR zu zweit gegründet. Dabei haben wir verschiedene Freie, die für uns arbeiten. Da möchte ich Andreas Aulich besonders erwähnen, der als Datenbank- und Backend Brain einiges eingebracht hat. Administrativ und strategisch hilft insbesondere meine Frau, die wegen der starken Nachfrage in den letzten zwei Wochen unser Support Team verstärkt.

Amazona: doozzoo ist ein kostenpflichtiger Dienst und konkurriert mit zahlreichen Videokonferenzsystemen, die kostenlos verfügbar sind, zum Beispiel Microsoft Teams, Whereby, Zoom. Was ist das Besondere an doozzoo und warum lohnt es sich für einen Lehrer, darin zu investieren?

Thomas Gier: Mit doozzoo bieten wir eine auf Online-Musikunterricht spezialisierte Plattform, die den Workflow eines Musiklehrers möglichst gut unterstützen soll. Wir bieten einen Cloud-Speicher für Lehrer und Schüler. Dem Lehrer sind eindeutig seine Schüler zugeordnet und Dateien können einfach miteinander sicher ausgetauscht werden.

Dabei findet der Schüler alle mit ihm geteilten Dateien immer wieder, auch wenn er nicht zusammen mit seinem Lehrer im Raum ist. Lästiges Email-Geschicke oder Dropbox-Geteile fällt weg. Man kann zudem Noten und Audio per Fernsteuerung auf der Gegenseite anzeigen bzw. abspielen. Der Audioplayer kommt mit Looper, Pitchshifter und Slowdowner. Ein Stimmgerät, Metronom und  Mixer sind ebenso direkt verfügbar wie ein Audio- und Videorecorder, mit dem man Privacy-tauglich nur die eigene Seite aufnimmt, um mal kurz eine Übung aufzunehmen und diese dem Schüler als Video-Tutorial mitzugeben. Dann ermöglichen wir durch „lokalen Latenzausgleich“ time-vergleichendes Unterrichten, das heißt der Lehrer kann per Fernsteuerung auf dem Computer des Schülers das Metronome oder ein Audio-File abspielen. Dabei gleichen wir die Latenz der Soundkarte aus, so dass der Lehrer überhaupt beurteilen kann, ob der Schüler „in time“ spielt. Mit mehreren Webcams kannst du „on the fly“ zwischen verschiednen Ansichten umschalten.

Da man doozzoo nicht installieren muss, arbeitet man einfach im Browser und kann sich so überall einloggen. Institutionen haben oft das Problem, dass man auf den Rechnern nicht so einfach eine Applikation installieren kann und darf. doozoo ist da völlig flexibel und für Schüler kostenfrei. Es ist auch möglich Gruppenunterricht durchzuführen.

Im Vergleich zu Microsoft und anderen großen Anbietern, die ihre Dienste kostenlos anbieten, weil sie andere Geschäftsmodelle zugrundelegen können, müssen wir als Startup für Serverpower nach Nutzung zahlen, was wir beim Anbieten einer Flatrate immer genau kalkulieren müssen. Aber wir bieten, wie gesagt, viele musikspezifische Features, Cloud-Speicher und auch eine kostenlose Testmöglichkeit. Dabei möchten wir im engen Austausch mit unseren Usern bleiben und freuen uns, die Entwicklung des Online-Musikunterrichts mitzugestalten.

Amazona: Welche Voraussetzungen müssen Schüler und Lehrer für die Nutzung von doozzoo mindestens erfüllen? Gibt es besondere Vorgaben?

Thomas Gier: Als junges Unternehmen haben wir da insbesondere bei der starken Nutzung in den letzten zwei Wochen extrem dazu gelernt. Vor allem gab es Probleme, weil Leute alle möglichen Programme gleichzeitig ausprobierten. Dabei haben Skype oder andere installierte Programme die Kamera und das Mikrofon blockiert und die Nutzer haben sich gewundert, warum man mit doozzoo kein Bild bekommt. Zudem verhinderten Ad-Blocker und sehr hohe Privacy-Einstellungen den Aufbau der Verbindung. Als Hardware empfehlen wir einen Laptop oder Desktop Computer (PC oder Mac) mit integrierter und/oder externer Webcam. Auf dem iPad läuft doozzoo mit aktuellem iOS, aber nur mit Safari. Eine Herausforderung sind unsere Audio-Apps, wo sich insbesondere Mobil-Browser dran verschlucken können. Wir arbeiten an einer automatischen Feature-Anpassung für die unterschiedlichen Fähigkeiten der Mobiles. Aktuelle Tablets mit Android unter Chrome funktionieren nach den bisherigen Feedbacks. Wir analysieren gerade alle Erfahrungsberichte.

Am besten klingt doozzoo mit Kopfhörer oder Headset im auswählbaren Headphone-Modus. Dann sind insbesondere die störenden Echo-Cancellation Algorithmen deaktiviert.

Amazona: Wie viele Musiklehrer nutzen doozzoo zurzeit? Wie sehen die Rückmeldungen aus?

Thomas Gier: Das erstaunlichste waren vor allem die Rückmeldungen von Lehrern und Schulleitern, die mit Kindern mit Lernschwäche, unter anderem mit ADHS, Asperger und mit Downsyndrom berichteten. Kinder, die sich vorher nur kurze Zeit konzentrieren konnten, waren die komplette Zeit aufmerksam. Das ist für mich die erstaunlichste Erkenntnis  und ein Hinweis für neue Möglichkeiten und Chancen, die Online-Musikunterricht im Allgemeinen bietet.

Ansonsten fühlten sich die letzten zwei Wochen wie zwei Tage an – wir hatten für unsere Verhältnisse einen äußerst hohes Interesse. Besonders aus dem Hochschul- und Musikschulumfeld, wo man nach langfristigen Lösungen sucht, haben wir viele Anfragen erhalten.

Wir hatten überwiegend positive Rückmeldungen und natürlich auch Herausforderungen vor allem bei der gemischten und gleichzeitigen Nutzung von verschiedenen Videoconferencing-Programmen zu bewältigen.

Teilweise gab es sogar Überlastungen in manchen Netzknoten, wo der eine Dienst besser als der andere performte. Aber die Netzauslastung ist gerade absolut atypisch. Von der Technik her arbeiten wir genauso wie die großen Anbieter auf hoch skalierbaren Servern.

Amazona: Welche Features haben Interessenten in naher Zukunft zu erwarten und wie sieht euer Fahrplan für die nächsten fünf Jahre aus?

Thomas Gier: Da sind schon einige Dinge in Planung: Archivieren des ganzen Unterrichts auf Wunsch, ein Kalender mit Erinnerungsfunktion und Zutrittssteuerung zu den Räumen mit einem virtuellen Wartezimmer. In naher Zukunft sehe ich ein  chronologisch führbares Hausaufgabenbuch, ein Lernfortschrittsmanagement, einen intelligenten lernbegleitenden Algorithmus, der dem Lehrer Vorschläge macht für weitere Lerninhalte aufgrund der Analyse vorheriger Unterrichtsstunden. Wir werden auch eine Möglichkeit anbieten, sogenannte Webinare mit einem Lehrer mit bis zu 3000 Zuhörern anzubieten, was optimal für Harmonielehre- und Theorievorlesungen oder auch Konzerte geeignet ist. Natürlich werden wir unsere bestehenden Musik-Tools wie Tuner oder Metronom optimieren und auch ein Eartrainer ist geplant. In der Kooperation mit meinem Bruder Hermann Gier, der der Mitgründer von SPL ist, denken wir auch schon an ein auf Online-Musikunterricht abgestimmtes Audiointerface, was insbesondere auf die Latenz und den Sound abzielen und flexibles Routing bieten wird.

In der kommenden Zeit freue ich mich besonders auf die Kooperation der Bassistin und „Miss Education“ Ariane Cap aus Kalifornien. Unter anderem arbeiten wir an einem Schulungskonzept, um die Lehrer auf den Online-Musikunterricht optimal vorzubereiten. Mit dem doozzoo-Zertifikat möchten wir zur Qualitätssicherung im Online-Musikunterricht beitragen.

Amazona: Da ich neben Saiteninstrumenten auch Tasteninstrumente unterrichte, würde ich mich über Features wie eine MIDI-Anbindung für das Einblenden einer Tastatur freuen. Ist ein solches Feature bereits in Planung? 

Thomas Gier: Ja, das war eines der ersten Features, die Pianisten und auch Vocal Coaches wollten. Das ist eigentlich auch nicht so kompliziert, aber wir müssen oft andere Dinge, die eher langweilig sind wie Datenbankarchitektur und hohe Sicherheit, priorisieren.

Am liebsten bauen wir natürlich neue Tools, die einfach beim Unterrichten unmittelbar erfahrbar  sind und Spaß machen. Vielleicht können wir unser Team ja bald vergrößern und  unseren Traum vom virtuellen Unterrichtsraum noch schneller weiterentwickeln und umsetzen.

Amazona: Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen und weiterhin viel Erfolg mit doozzoo.

Thomas Gier: Dir auch lieben Dank für das Interview.

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Das doozzoo-Team bei der Arbeit

Zum Abschluss für alle, bei denen das Interesse an doozzoo geweckt wurde, noch ein kleines Video, das die Unterrichtsplattform im Einsatz präsentiert:

Fazit

Online-Musikunterricht wurde von vielen Musiklehrern vor der Corona-Epidemie sehr stiefmütterlich behandelt. Auch von Seiten der Schüler stand eher der Unterricht von Angesicht zu Angesicht hoch im Kurs. Dass ein Virus von heute auf morgen den Unterrichtsalltag komplett umkrempeln würde, war nicht vorherzusehen. Möchte man aktuell als Musiklehrer weiterhin seine Brötchen verdienen, ist eine Umstellung auf Online-Unterricht unausweichlich. Zahlreiche kostenlose wie kostenpflichtige Tools ermöglichen das mit relativ geringem Aufwand. Und wer weiß? Vielleicht gefällt diese Variante des Unterrichtens den Schülern sogar und es erschließen sich hinterher ganz neue Einzugsgebiete, die nicht örtlich beschränkt sind. Spezialisierte Anbieter wie doozzoo zeigen schön heute, wie der Musikunterricht der Zukunft aussehen könnte. Probier es doch einfach mal aus.

Forum
  1. Profilbild
    gaffer  AHU 1

    Danke Markus, war fällig. Ich unterrichte zwar nicht (mehr), aber werde immer mal wieder gefragt nach Lösungen. Einige davon kenne ich, andere nicht. Da wird sich in den nächsten Wochen einiges ändern. Dienste geben Freimonate (u.a. TeamViewer, hier nicht direkt das Thema, aber interessant, wenn ich jemandem Hilfe gebe im Programm). Es kommen Lösungen aus allen Ecken, z.T. Unterirdischer Kram. Auch gut umgesetztes mit anderen Fehlern, siehe die Diskussion um Zooms Sicherheits-Aushebelungen in der App. In zwei, drei Monaten sind wir alle schlauer

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