Workshop: Waldorf KB37 – Patches und Sounds

26. März 2018

Patches, News & Tests zum Eurorack

Modulationen für Millionen

Das Waldorf Modularsystem gibt ja das Thema beinahe zwingend vor. Es soll darum gehen, wie man die verschiedenen Spielhilfen und Signale vom Keyboard nutzt, um einer klassischen Synthstimme beim Spielen Leben einzuhauchen.

Das Patch

Das Patch soll ein einfaches Mono-Synth-Patch ein. Vom Oszillator Ausgang des nw1 geht es zunächst in den Filter-Eingang und vom Filterausgang dann in den Level-Eingang des cmp1, der als einfacher VCA genutzt wird. Der VCA regelt also die Lautstärke und man kann ihn sich wie einen Lautstärkeregler vorstellen. Jetzt brauchen wir nur noch ein Signal, dass dem VCA sagt, wie laut oder leise er den anliegenden Oszillator machen soll. Mit der vorigen Metapher gesprochen, wir brauchen jemanden, der den Lautstärkeregler verstellt. Dafür nutzen wir den mod1, dessen Steuerspannung der AD3SR-Sektion dann als Hüllkurve dient. Der Ausgang des VCAs geht dann in den Audioeingang des kb37 und kann dann an der Ausgangsbuchse abgegriffen werden.

Der Basis-Patch

Die Spielhilfen

Das Waldorf kb37 stellt mehrere davon zur Verfügung. Davon können folgende direkt am Gerät, und nur darum geht es uns, erzeugt werden.

  • Velocity
  • Aftertouch
  • ModWheel
  • PitchWheel (ist hier fest auf die Tonhöhe +/- 2 Halbtöne eingestellt)
  • Sensor (hier mit einem Expression Pedal verbunden)
  • Ctrl-X (hier als zweiter Tonhöhen-CV-Ausgang)

Der Waldorf kb37 stellt noch mehr CV-Ausgänge zur Verfügung, namentlich die zwei Ausgänge Ctrl-Y und Ctrl-Z. Deren Werte können jedoch nur über MIDI-CC gesteuert werden, also nicht direkt vom Gerät aus. Auch der Sustainpedal-Eingang wird nicht genutzt, da er nicht abgegriffen werden kann und so eben nur die Sustain-Funktion innehat. Das sind also insgesamt sechs Spielhilfen für das Patch, damit sollte man doch auskommen.

Cutoff per ModWheel

Die wohl naheliegendste Modulation ist die Beeinflussung des Filter-Cutoff durch das ModWheel des Synthesizers. Also zunächst vom Wheel-CV-Ausgang in den Cutoff Modulation 1 Eingang. Als nächstes muss man nun die Verbindung kalibrieren.

Patch 01 – Cutoff über das ModWheel steuern, hier ist eine Kalibrierung nötig

Dabei werden der Cutoff auf Null gestellt, der Mod1-Eingang auf 10 und das ModWheel auch auf Null (also ganz nach unten). Wenn alles richtig ist müsste man nun nichts hören – denn das Filter ist ja ganz zu. Bewegt man das ModWheel nach oben, kommt der Klang, da das Filter sich öffnet. Ich möchte aber schon etwas hören, wenn das ModWheel ganz unten ist, deswegen hebe ich Cutoff so an, dass ich den gefilterten Klang hören kann. Da der Mod1-Regler ganz auf ist, greift auch das ModWheel voll durch. Bedeutet hier: das Filter ist schon ganz auf, wenn sich das ModWheel gerade mal auf der Hälfte befindet. Also senke ich den Anteil über den Mod1-Regler so weit herunter, dass ich das ganz offene Filter auch erst bei voll aufgedrehtem ModWheel höre.

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Diese Kalibirierungsprozedur ist exemplarisch für CV-Steuerungen aller Art und die konkrete Einstellung ist von Modul zu Modul unterschiedlich.

Vibrato per Aftertouch

Zu diesem Patch braucht man zwingend ein zweites VCA-Modul – Warum? Mit dem Aftertouch möchte ich die Intensität des Vibratos steuern. Der Waldorf Modular verfügt aber nur über ein Modul, dass das kann, den cmp1 (den ich als VCA Einsetze und dessen Kompressorfunktion ich noch nicht nutze). Dieses ist aber schon beschäftigt mit dem Regeln der Oszillatorlautstärke. Dem kann abgeholfen werden – z.B. mit dem Doepfer A-132-3 Dual VCA. Dieser beherbergt gleich zwei VCAs und wird uns gute Dienste leisten. Obacht – das Doepfer-Modul ist nicht in der Verlosung enthalten.

Für ein Vibrato benötigen wir ein langsames periodisches Signal, sprich einen LFO. Das mod1-Modul enthält ja insgesamt drei LFOs/Hüllkurven (siehe Testbericht). Nehmen wir also den Symmetry-Generator und stellen ihn so ein, dass er als LFO verwendet werden kann. Also Symmetry auf Mitte, Speed auf 9 Uhr (no pun intended) und den Funktionsschalter auf LFO. Zur Bestätigung blinkt nun die LED des Symmetry-Generators und zeigt dabei die LFO-Geschwindigkeit an.

Bevor man nun den VCA in Betrieb nimmt, ist es immer sinnvoll, den rohen Ausgang zu testen. Dazu patch man den Ausgang des Symmetry-Generators in den Modulationseingang 1 des Oszillators. Denn schließlich findet hier ja das eigentliche Vibrato statt. Auch dieser Eingang hat einen Eingangsregler, der die Stärke des CV-Signals bestimmt. Diesen drehen wir voll auf, damit man auch gut was hört. Jetzt noch den Kippschalter auf Tune stellen und die Tonhöhenmodulation sollte deutlich zu hören sein.

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Die Aufgabe des VCAs

Läuft! Ok, also mit dem Eingangsregler kann man, wie zu hören, die maximale Vibratointensität steuern. Zum Vibrato per Aftertouch sind es nur noch zwei Kabel. Aus dem Ausgang des Symmetry-Generators geht es nun, statt direkt in den Oszillator, in den Eingang des Dopefer-VCA.

Patch 02 – Über den VCA wird der Anteil des Vibratos gesteuert

Man legt also statt einem Audio-Signal ein Steuerungssignal an; der VCA ist ja ein Universalverstärker, er kann nicht „nur“ Audio sondern eben auch CV. Den Ausgang des VCAs legen wir dann wieder an den Oszillator-Tune-Eingang. Wir haben also nur einen kleinen „Umweg“ über den VCA getätigt. Jetzt patchen wir den Aftertouch-Ausgang einfach in den CV-Eingang des Doepfer A-132-3 VCAs. Jetzt noch Gain des VCAs auf 0, damit das Vibrato auch ausschließlich vom Aftertouch gesteuert wird. Um die Intensität des Vibratos zu bestimmen, drehen wir nun den CV-Regler des VCAs nach Gusto auf, ich lande dabei bei der Einstellung sechs. Es empfiehlt sich in dieser Situation eine exponentielle VCA-Kurve, kommt aber immer auf das Keyboard an, dass den Aftertouch ausgibt.

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Dieses Beispiel steht exemplarisch für die „Fernsteuerung“ von Syntheseparametern, hier eben der Tonhöhe und ist ein Grund, warum man nie genug VCAs im Rack haben kann. Man muss sich nur vergegenwärtigen, dass bei „klassischen“ Synthesizern der VCA eigentlich immer fest mit der Lautstärke verknüpft ist – das muss aber keineswegs immer der Fall sein, wie eben hier. In der Serie Generative Musik werden wir davon noch reichlich Gebrauch machen.

Wavetablescan per Expressionpedal

Dieses Patch ist einfacher, da wir nur den Sensor-Ausgang (an dem hier ein Expression Pedal angeschlossen ist) des Waldorf kb37 in den zweiten Modulationseingang In 2 des Oszillators nw1 führen müssen. Für den Wavetablescan stellt man den Kippschalter dann auf Position und regelt die Intensität des Effekts mit dem Regler am Modulationseingang 2.

Patch 03 – Wavetable-Scan über Expression-Pedal

Resonanz per Anschlagsdynamik

Bei der Modulation der Resonanz verhält es sich auch recht einfach. Es wird vom Velocity-Ausgang des Waldorf kb37 in den Mod In der Filter-Resonanz des vcf1 gepatch und die Intensität mit dem Mod-Regler eingestellt. Auch hier ist eine Kalibrierung nötig, damit die extreme Resonanz auch nur bei ganz harten Tastenanschlägen erreicht wird.

Patch 04 – Resonanz über Velocity

Keytrack für Spectrum per Ctrl-X/Pitch2

Wie erwähnt, dient hier der Ctrl-X-Ausgang als zweiter Tonhöhen-CV-Ausgang. Um dem Klang eine andere Farbe zu geben, je nach dem wie hoch oder tief die gespielte Note ist, verbinden wir den Ctrl-X/Pitch2-Ausgang mit dem dritten Modulationseingang In 3 des Oszillators nw1. Die Intensität des Keytrackings wird wieder über den Mod-Regler bestimmt.

Patch 05 – Spectrum über Keytrack

Das komplette Patch

Damit haben wir alles rausgeholt, was es an Echtzeitmodulationen herauszuholen gab. Beim Solieren hat man also gleich mehrere Ebenen, den Klang zu beeinflussen. Wichtig ist bei diesem Einsatzzweck, dass die Zielparameter gut auf die Steuerung kalibriert ist, wie man bei der Cutoff-Steuerung über das ModWheel sehen kann. Deswegen sind gerade Manipulationen am Synthesizer während des Spiels weniger zu empfehlen, da man sich die Balancierte Einstellung leicht verstellen kann. Anders sieht es bei Modulationen aus, die nur über einen Abschwächer verfügen, wie z.B. bei der Resonanz oder der Spectrum-Modulation. Hier sind Veränderungen leichter zurücknehmbar.

Patch 06 – Das komplette Synthesizer Patch

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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    MTBLSM so komisch der Name, hätte man besser Metabolismus getrauft, dann könnte zumindest ein medizinisch gebildeter Mensch damit etwas anfangen. Aber das hat nichts mit dem Modular zu tun.
    Inzwischen bin ich mir sicher dass der Model D und das upcoming Modell namens Neutron mein Einstieg in die Modular Welt wird. Nur irgendwie glaube ich dass ich der erste sein wird der damit mit der hand Melodieen spielt. Beiträge wie Algorithmus Sequenzer sind dann für mich schon wieder dudeln lassen. Aber ich will doch das selbst machen.

  2. Profilbild
    SimonChiChi  AHU

    Das wird ja ijmmer besser. Duch die Inhaltsangabe, die News und die Test-Rubrik, wird das ja wirklich langsam ein Magazin im Magazin. Jetzt macht es richtig Spaß das Teil zu lesen. Fände es aber toll, wenn ich als Newbie die Text auch verstehen könnte – da setzt der liebe Thilo teilweise doch ziemlich hohe Grundkentnisse voraus :-(

    • Profilbild
      t.goldschmitz  RED

      Hi Simon, 
       
      dafür gibt es ja die Kommentarfunktion. Wäre sinnvoll, wenn ich einen ungefähren Überblick über den Wissensstand der Leser hätte. In Zukunft kommt noch das Glossar hinzu, dann wird das ganze einfacher. 

      Grüße,
      Thilo 
       

  3. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Achja fällt mir noch etwas ein. Das fetteste und ausgereifteste Modular System gibt es bereits seit 20 Jahren von der Firma Creamware oder jetzt Sonic core. Habe alle Erweiterungen und über 1000 Module mit granular synthese und alles was es je gab ist dabei.

    Echte Hardware kann jedoch noch ganz anders sein.

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      t.goldschmitz  RED

      Ja, ich denke, gerade die Softwaremodularen stellen so was wie eine modulare Einstiegsdroge dar. 

      Der Erfolg von VCV-Rack spricht ja auch diese Sprache.  
       
      Selber habe ich recht viel auf dem Nord G2X gemacht, und dort hauptsächlich Lead/Pad/Bass Sounds, die sich in einer Band auch wirklich spielen lassen. 
        
      Und gerade für Ambient, finde ich solche Automaten sehr von Vorteil. Man b e d i e n t sich ja nur der Logik, zusammensetzen tut man es dennoch selber. 
       
      Echte Hardware kann ein Biest sein. Vor allem dort, wo Module nicht „wie gerechnet“ arbeiten. Fängt man erstmal mit Rückkopplungen an – …

  4. Profilbild
    fritz808  

    ja.. gebe simon recht. nach den letzten ausgaben hatte ich schon die hoffnung aufgegeben. das war ein wüstes durcheinander und irgendwie schlecht strukturiert. das hat dann auch gar keinen spass zum lesen gemacht. jetzt passt es aber. vor allem die übersichten news und tests sind extrem sinnvoll für leser, die hier nciht jeden tag vorbei schauen. so hat man (hoffentlich einmal pro monat), die möglichkeit eine komplete übersicht zu bekommen. weiter so!!!!

    • Profilbild
      t.goldschmitz  RED

      Besten Dank!

      Ja die ersten Folgen waren ein wenig aufwühlend. Aber wie geschrieben, wird sich das insgesamt schon finden. Dafür sind ja auch die Kommentare da. Wenn es Anregungen und konstruktive Kritik gibt, immer hier rein schreiben. 
       
      Viele Grüße,
      Thilo

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