Workshop: Waldorf Rack Attack, VST & Hardware

17. Januar 2002

Hol das Letzte raus aus dem Waldorf Attack

Der Waldorf Attack ist jetzt schon über ein dreiviertel Jahr auf dem Markt und erfreut sich grosser Beliebtheit bei der Erzeugung elektronischer Drum- und Percussionsounds.

Nicht nur aus diesem Grund gibt es jetzt hierzu in der Virtual Zone zahlreiche Programming Tipps. Der Anlass ist noch ein ganz anderer: Waldorf hat auf der NAMM Show 2002 in den USA den RackAttack vorgestellt, das Hardware-Pendant zum Attack VST.

Allgemeines

Ich setze hier mal voraus, dass jeder Leser mit der allgemeinen Bedienung des Attack vertraut ist. Ansonsten empfehle ich auf jeden Fall, sich das Bedienhandbuch in einer ruhigen Minute (beispielsweise beim allmorgendlichen Toilettengang) nochmals zu Gemüte zu führen. Alle diejenigen, die kein Manual zum Attack besitzen, bitte ich hiermit, Ihr Attack-Plug-In aus dem VST -Instrumenten-Ordner in den Papierkorb zu ziehen und diesen zu leeren. Auf dem Desktop erscheint dann wie von Geisterhand ein PDF des Attack Handbuches. Spass beiseite, jede rechtmässig erworbene Attack-Version wird natürlich mit einem gedruckten dreisprachigen Manual ausgeliefert.
Nach dem Start der Host-Applikation – sprich: des Sequenzerprogrammes – muss natürlich noch der Attack als VST-Instrument eingerichtet werden. Alle Klangbeispiele befinden sich im Workshop Kit, welches sich hier einfach downloaden lässt. Einfach mit der „Load Instrument“-Funktion das Kit öffnen. Zusätzlich erklären die Pictures zu jedem Tipp optisch die Einstellungen. Zu jedem Tipp gibt´s ausserdem ein kurzes mp3-Klangbeispiel.
Übrigens: bei den Beispielen starte ich immer von einem Init-Sound.
Und schon kann es losgehen…

Tipp 1:

Laden Sie ruhig einmal die beiliegenden Demosongs und hören sie diese an. Sie werden staunen, wie vielseitig der Attack klingen kann. Vor allem aber bieten die Demosongs zusätzliche Drum Kits mit sehr interessanten Sounds, die sie natürlich extra abspeichern können. Wenn Sie sich je gewundert haben, warum das Abspeichern eines Attack-Cubase-Songs verhältnismässig lange dauert: je Kit müssen insgesamt weit über 1400 Parameter abgespeichert werden – und das für alle 16 Bänke, ob diese genutzt werden oder nicht.

Tipp 2:

Wie geht eine Techno-Bassdrum? Das Hauptanschaffungsargument für einen Drum-Synthesizer ist mit Sicherheit die Bassdrum.

2_attack_kick.jpg

Deshalb an dieser Stelle einige Grundlagen. Wir programmieren zunächst Oszillator 1. Eine Dreieck- oder Sinuswelle schafft die Basis des Klanges. Der Pitch sollte irgendwo zwischen 30 und 80 Hz eingestellt werden. Noch klingt es sehr dünn und viel zu kurz, also den Decay der Amp-Hüllkurve (Envelope 2) etwas aufdrehen und den Shape irgendwo zwischen linear und exponentiell einstellen. Jetzt kickt es schon etwas mehr. Um den typischen rollenden Charakter einer Club-Bass zu erhalten, moduliert man die Tonhöhe der Grundwellenform mit der Amp-Hüllkurve – also Pitch Env auf Hüllkurve 2 schalten und den Env-Amount etwas aufdrehen – voila. Am Ende noch den Drive-Parameter nach Belieben einsetzen. Probieren Sie ruhig auch mal eine Pulswelle aus, vielleicht brauchen Sie dann Drive überhaupt nicht. Grundsätzlich stehen alle verwendeten Parameter in engem Bezug zueinander. Das bedeutet, dass Änderungen der Hüllkurven- oder Tonhöhen-Parameter meistens einen mehr oder weniger drastischen Einfluss auf den Gesamtklang haben. Das gilt übrigens nicht nur für die Bassdrum.

Tipp 3:

Will Snare haben! Nichts einfacher als das: eine Snare Drum besteht aus zwei Komponenten: dem eigentlichen Trommelklang sowie dem metallischen Geräusch des Teppichs.

3_attack_snare.jpg

Dafür nutzen wir beide Oszillatoren: Osc 1 erzeugt das Teppisch-Geräusch mittels Rauschen, während Osc 2 (mit einer Dreiecks-Welle) den eigentlichen Trommelklang herstellt. Dessen Tonhöhe und Lautstärke wird gleichzeitig mittels Hüllkurve 1 gesteuert, die hier eine lineare Envelope abspielt. Um den typischen knallenden Charakter der legendären 909 hinzubekommen, sollte man eine gehörige Portion Drive einsetzen, dabei aber darauf achten, dass die Lautstärke im Mixer von Osc 1 nur ganz wenig aufgedreht wird. Das Ergebnis filtert man dann mit einem Hochpass. Probieren sie ruhig mal verschiedene Filter- und Drive-Einstellungen aus, auch die Änderung der Envelope 1-Parameter lohnen sich. Und jetzt nur noch auf die „2“ und die „4“…

Tipp 4:

Applaus für die Clap! Der Attack ist mit einem sogenannten Crack-Generator ausgestattet, der die Grundlage für eine vernünftige Handclap schafft.

4_attack_clap.jpg

Klatschen von vielen Händen klingt sehr dicht, deshalb muss man bei den „nur“ vorhandenen zwei Oszillatoren des Attack etwas tricksen, um eine grössere Klangfülle hinzubekommen. Osc 1 erzeugt hierbei eine frequenzmodulierte Sinuswelle, die mit einem Hochpassfilter im unteren Frequenzbereich etwas ausgedünnt wird. Das klingt mit etwas Fantasie schon mal wie gedämpftes Klatschen. Als FM-Quelle für Osc1 dient ein rauschen von Osc 2. Nach Anpassen der Amp-Hüllkurve hört sich das ganze schon etwas mehr nach Handclap an. Der Crack-Generator gestaltet das Signal jetzt wie ein typisches Händeklatschen. Für die Theoretiker, die gerne die Funktionsweise des Crack-Generators wissen möchten: das Handbuch gibt hier sehr schön Auskunft. Osc 2 wird zusätzlich über Hüllkurve 1 in das Mixer-Signal eingeblendet, um einen hochfrequenten Anteil zu addieren. Nun ist der Handclap salonfähig.

Tipp 5:

Hihats lassen sich auf vielfache Art und Weise programmieren. Für eine „normale“ Hihat empfehle ich die Verwendung eines der beiden Samples.

5_attack_hihat.jpg

An dieser Stelle jedoch zeige ich eine eher unorthodoxe Methode: Osc 1 erzeugt ein Rauschen, welches hochpassgefiltert wird und eine kurze Amp-Hüllkurve durchläuft. Um das Signal zu variieren, kann man Osc1 FM etwas aufdrehen und im Mixer den Ringmodulator einblenden. Aber Achtung, nicht alle Wellenformen von Osc2 eignen sich dafür. Dreieck und Sinus sind perfekt. Selbst der Crack-Generator kann eingesetzt werden, hier lohnt sich das Experimentieren mit den beiden Crack-Parametern.

Tipp 6:

Als letzten Tipp gibt’s einen abgedrehten Sound, der demonstriert, dass der Attack nicht nur Hausmannskost liefern kann: Wir basteln uns eine moderne Steel-Drum.

6_attack_steel.jpg

Elektronisches Südseefeeling erzeugt man, indem Osc 1 mit Osc 2 ringmoduliert wird. Wichtig ist dabei die richtige Tonhöhe und die Auswahl der Wellenformen der beiden Oszillatoren. Hier sollte man mit viel Fingerspitzengefühl und ruhigem Händchen solange probieren, bis man mit dem Ergebnis zufrieden ist. Env 1 steuert die Tonhöhe von Osc 1 mit leicht positivem und Osc 2 mit negativem Amount. Das klingt bei Ringmodulatorklängen immer sehr interessant und sorgt für den metallischen Charakter. Ein Hochpassfilter mit etwas Resonanz, dessen Cutoff leicht vom LFO moduliert wird, schadet auch nicht. Zum Schluss gibt man noch etwas internes delay hinzu und fertig ist die Space-Steeldrum.

Hier endet der erste Teil der Attack-Tipps. Wer bis hierhin alles gelesen hat, darf sich noch den kurzen Demosong downloaden,
der ausschliesslich mit den Sounds dieses workshops erstellt worden ist. Für weitere Vorschläge und konstruktive Kritik bin ich dankbar. Einfach eine email an: tsching@waldorf-music.de schicken.

Klangbeispiele
Forum

Es sind momentan noch keine Kommentare für diesen Artikel vorhanden.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.