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Workshop: Was ist ein Kompressor?

22. März 2021

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Workshop: Was ist ein Kompressor?

Er ist wohl nach dem Equalizer das wohl am stärksten verbreitete Tool, das es zur Klangbearbeitung allgemein und im Besonderen gibt. Die Rede ist vom Kompressor, jenem Werkzeug, das sich mit der Dynamik eines Signals befasst. Heute wollen wir uns einmal die Basics dieses Werkzeugs ansehen, vielleicht auch, um den ganzen Hype zu verstehen, der zuweilen um die verschiedenen Kompressoren im Laufe der Dekaden entstanden ist und um einigen Fehlern vorzubeugen, die schnell bei der Arbeit mit einem Kompressor entstehen können.

Wie funktioniert ein Kompressor?

Wie bereits erwähnt, nimmt der Kompressor Einfluss auf die Dynamik eines Signals, sprich er bearbeitet den Pegel. Ein Kompressor wird benutzt, um ein Signal zu „verdichten“ und ihm somit einen druckvollen Grundcharakter zu verpassen. Gerne wird behauptet, ein Kompressor würde ein Signal „lauter machen“, was sich aber nur auf die subjektive Wahrnehmung beschränkt.

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Witzigerweise ist es genau das Gegenteil, was ein Kompressor erledigt. Er verdichtet das Signal, indem er die Pegelspitzen eines Signals absenkt, das Signal somit in seinem Pegel reduziert und dann erst das „leisere“ Signal in seiner Gesamtheit wieder anhebt. Dadurch werden leise Passagen deutlich besser hörbar und das gesamte Signal in seiner Dynamik eingeschränkt.

Kompressoren sind immer dann gefragt, wenn ein Signal eine sehr hohe Dynamik besitzt, sprich es sowohl sehr leise als auch sehr laute Passagen in einem Signalfluss gibt. Die Paradedisziplin eines Kompressors ist nach wie vor der Gesang, welcher im Allgemeinen die größte Dynamik besitzt und sich so innerhalb des Bandkontextes unbearbeitet nur sehr schwer durchsetzen kann. Aber auch Instrumente wie Bass, Akustikgitarre oder aber Schlaginstrumente wie Drums oder Percussion sind faktisch Dauergäste, wenn es um den Einsatz von Kompressoren geht.

Völlig sinnlos hingegen sind Kompressoren bei Signalen, die ohnehin nur sehr wenig bis keinerlei Dynamik verwenden, wie z. B. eine High-Gain E-Gitarre. Hier kann man zwar noch separate Bereiche des Frequenzbandes mit einem Kompressor bearbeiten, was aber schon wieder eine Sonderfunktion darstellt und in diesem Basisartikel nicht weiter behandelt werden soll.

Welche Einsatzgebiete für Kompressoren gibt es?

Wir konzentrieren uns in diesem Workshop ausschließlich auf die Studioarbeit. Kompressoren kommen natürlich auch im Live-Bereich zur Anwendung, erledigen dort aber teilweise andere Funktionen und unterliegen deutlich mehr äußeren Faktoren, was die Arbeitsweise deutlich komplexer gestaltet. Außerdem wollen wir uns hier nur mit dem „musikalischen“ Einsatz von Kompressoren beschäftigen, nicht dem „funktionalen“ Einsatz wie z. B. im Broadcast-Bereich (Radio/TV), wo es primär darum geht, den Gesamtpegel möglichst nahe am 0 dB Pegel zu halten.

Die verschiedenen Kompressortypen trifft man prinzipiell bei allen drei Stufen der Musikaufnahme, sprich der Aufnahme, dem Mixdown und dem Mastering an. In jedem dieser Bereiche sind die Funktionen des Kompressors jedoch verschieden, wobei insbesondere dem Mastern eine Sonderfunktion zukommt, zumal dieser Bereich nahezu immer mit einem zusätzlichen Limiter einhergeht.

1.) Aufnahme

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Hier kommt der Kompressor bei Signalen zum Einsatz, die ohnehin später garantiert noch komprimiert werden, wie z. B. der Gesang. Der Kompressor unterstützt den Engineer darin, eventuell auftretende Übersteuerungen im Zaum zu halten und formt gleichzeitig je nach Bauart (später mehr dazu) den Ton. Der Nachteil, was man einmal an Kompression mit aufgenommen hat, bekommt man nicht mehr aus dem Signal heraus, im Zweifelsfall also lieber etwas weniger dynamische Bearbeitung mit aufnehmen als zu viel.

2.) Mixdown

Das typische Anwendungsgebiet des Kompressors. Dank immenser DAW-Leistungen gibt es Produktionen, bei denen nahezu keine Spur nicht zusätzlich komprimiert wird, was in der Summe allerdings schnell Probleme mit sich bringen kann. Ist erst einmal alles komprimiert, kämpft man ungemein schnell mit einem matschigen, wattigen Sound, bei dem sich kein Instrument mehr durchsetzen kann, insbesondere in Zusammenarbeit mit dem

3.) Mastering

Hier wird auf das Summensignal ebenfalls ein aus mehreren Effekten bestehender Channelstrip gelegt, der das Stereosummensignal mittels EQs, psychoakustischen Elementen und verschiedenen Kompressoren nochmals für den finalen Mix optimiert, so zumindest die Absicht. Gerade hier findet immer noch gerne der „Loudness-War“ statt, bei dem der Pegelmesser die 0 dB Marke nicht mehr verlässt und man die Produktion nur noch in geringer Zimmerlautstärke anhören kann, da sonst alles in einem einzigen Matsch ersäuft.

Darum aufgepasst, wer den Einsatz eines Kompressors beherrscht, ist in der Lage, einem dünnen Signal die nötige Durchsetzungskraft zu verpassen, wer sich in der Einstellung nicht auskennt, zerstört das Signal komplett. Nicht umsonst besitzen die Kompressor Plug-ins die mit Abstand höchste Auswahl an Presets, um dem User möglichst viel Hilfestellung im Umgang mit den hoch komplexen Einstellmöglichkeiten an die Hand zu geben.

Welche Regelmöglichkeiten hat ein Kompressor?

Neben den Standards wie Input und Output bezieht sich die Basis der Kompressor Einstellungen auf 5 Regelbereiche:

Threshold: Der Pegel bei dem der Kompressor mit seiner Arbeit beginnt.

Ratio: Das Pegelverhältnis, in dem der Pegel, der sich über dem Threshold befindet, abgesenkt wird.

Attack: Die Zeit in Millisekunden, die vergeht, bevor der Kompressor mit seiner Pegelreduktion beginnt.

Release: Die Zeit in Millisekunden, die vergeht, bevor der Kompressor mit seiner Pegelreduktion aufhört.

Makeup Gain: Der Pegelsteller, der benutzt wird, um die „Lautstärke“ des reduzierten Signals in der Gesamtheit wieder anzuheben.

Welche Kompressoren gibt es im Tonstudio?

Um es direkt vorneweg zu sagen: Die verschiedenen Kompressortypen resultieren daraus, dass es im Laufe der Entwicklung der Kompressortechnik der jeweilige Stand der Technik im Hardware-Bereich abgebildet wurde und damit einhergehend verschiedene Klangcharakteristika herausgebildet wurden. Die Algorithmen der heutigen Plug-ins schaffen es mehr oder minder gut, diese Typen herau zubilden, die Basis hingegen bildete die jeweilige Verfügbarkeit von Bauteilen seiner Zeit. Man sollte sich daher immer vor Augen führen, ob man bei dem Einsatz von 20 und mehr Plug-in Kompressoren auch in der Hardware-Version machen würde. Dies relativiert den Einsatz der Produkte meistens schnell auf einen sinnvollen Wert.

Kompressortypen Workshop

VCA-Kompressor

1.) VCA-Kompressor

Der wohl am stärksten verbreitete Kompressortyp, die überwiegend verwendet wird. Die großen Vorteile des VCA-Kompressors liegen in seiner schnellen Ansprache und seiner akkuraten Bearbeitungsmöglichkeiten im Bereich Attack und Release, womit er auch in der Lage ist, perkussive Signale wie zum Beispiel Drums sehr gut zu verarbeiten.

Beispiele:

Warm Audio Bus Comp

Dangerous Music Compressor

Kompressortypen Workshop

Vari-MU-Kompressor

2.) Vari-Mu-Kompressor

Der Vari-Mu-Kompressor wird nahezu immer mit dem Begriff vintage in Verbindung gebracht, was wohl zu einem Großteil der Speerspitze des Vintage-Outboard-Bereichs, dem Fairchild 670, zuzuschreiben ist. Vari-Mu-Kompressoren sind ein Beleg ihrer Zeit und basieren immer auf einer Röhrenschaltung, welche den Ratio-Regler aussparen. Je höher der Pegel das Eingangssignals wird, umso stärker erhöht sich auch die Kompressionsrate, was für den charakteristischen Klang sorgt. Ein Vari-Mu-Kompressor eignet sich sehr gut, um Summensignale zu „verkleben“, jedoch nicht um schnelle Impulsspitzen zu verarbeiten.

Beispiele:

IGS Audio Tubecore 3U

Manley Labs NU MU

Kompressortypen Workshop

Opto-Kompressor

3.) Opto-Kompressor

Der Opto-Kompressor bleibt der ewige Exot im Bereich der Kompressoren, sowohl was seine Bauart als auch was seinen Klang angeht. Im Gegensatz zu allen anderen Kompressortypen basiert seine Dynamikverarbeitung auf Licht. Über eine LED, früher auch mittels Glühlampen, wird die Stärke des anliegenden Pegels in eine mehr oder minder starke Helligkeit des Leuchtmittels übertragen und auf der anderen Seite von einem Fototransistor entgegengenommen, welcher dann die Kompression regelt. Ein Opto-Kompressor arbeitet vergleichsweise träge im Attack/Release-Bereich, zudem auch nicht linear, was aber je nach anliegendem Signal sehr „musikalisch“ klingt. Insbesondere im Bereich Vocals und Bass liefert der Kompressor sehr gute Ergebnisse.

Beispiele:

ART Pro VLA II

Black Lion Audio B172A

 

 

Kompressortypen Workshop

FET-Kompressor

4.) FET-Kompressor

Einst auch im Gitarrenverstärkerbereich als „moderner“ Ersatz für die Vakuumröhre gefeiert, konnte der auf einem Feldeffekttransistor basierende Kompressor in Sachen Schnelligkeit deutlich gegenüber den Vari-Mu- und Opto-Kompressor-Typen punkten. Dennoch besitzt auch der FET-Kompressor eine typische Färbung im Klang, welche sich am ehesten mit dem Begriff „Druck“ umschreiben lässt und sich insbesondere in der Schlagzeugbearbeitung einen festen Platz im Bereich Toms und Snare erarbeitet hat.

Beispiele:

Drawmer 1970

Black Lion Audio Bluey

5.) Multiband-Kompressor

Eine Besonderheit im Kompressionsbereich sollte noch angesprochen werden, der Multiband-Kompressor. Besagten Kompressortyp findet man bis auf sehr wenige Ausnahmen, wie z. B. bei dem Tube-Tech SMC2B fast immer nur als DAW-Plug-in. Selbige Kompressoren reagieren auf die Tatsache, dass tiefe Frequenzen mehr Energie transportieren als hohe Frequenzen und daher normale Kompressoren primär in ihrem Verhalten steuern, mit mehreren Bändern, welche unabhängig voneinander bearbeitet werden können.

Dieser Kompressortyp kommt nahezu immer bei aktuellen Produktionen zusätzlich zu „regulären“ Kompressoren im Mastering-Prozess zum Einsatz und verpasst der Summe bei korrekter Handhabung einen durchsichtigeren Klang, meistens bevor ein Limiter den endgültigen Pegel der Aufnahme bestimmt. Hier ein Beispiel:


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Fazit

Kompressoren sind ein sehr wichtiges Werkzeug in modernen Produktionen, welche enorme klangliche Bearbeitung ermöglichen, sowohl im positiven als auch im negativen Sinn. Wer sich einmal abseits der Preset-Armada aktueller DAW-Plug-ins mit den einzelnen Parametern beschäftigt, erkennt schnell die Komplexität des Materials und die Gefahr, den Überblick zu verlieren.

Wie immer gilt auch hier, die Übung macht den Meister. Das Gehirn brauch nun mal seine Zeit, die einzelnen Parameter separat zu verstehen, um diese dann gezielt zu bearbeiten, was einen aber nicht davon abhalten sollte, auch jenseits der eingetretenen Kompressor-Pfade mit den Möglichkeiten des Produktes zu spielen. Schon mancher Studiostandard ist in der Vergangenheit durch eine vermeidliche „Fehlbedienung“ entstanden und hat bis heute überdauert.

Viel Spaß beim Experimentieren!

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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Sven Blau  

    Kurz und knackig auf einer Seite – mehr braucht es nicht. Toller Artikel!

    Eine Anmerkung: einen Multibandkompressor kann man natürlich auch abseits vom Mastering bereits beim Mischen nutzen, mach ich zumindest hin und wieder so.

  2. Profilbild
    liquid orange  AHU

    Danke für den – fast würde ich sagen „komprimierten“ – Artikel der eine tolle Übersicht gibt. Wenn ich auf der verlinkten Seite die Preise ansehe, dann variieren die zwischen € 114 und 10777, also einen Faktor von 95. Irre!
    Mischpulte haben ja auch oft Kompressoren „eingebaut“, wie sind die denn im Vergleich zu den oben erwähnten?

    • Profilbild
      Axel Ritt  RED

      Mischpult Kompressoren sind ja fast immer auf der digitalen Ebene anzutreffen, d. h. sie emulieren einen der o. g. Kompressortypen. Je nach Qualität gelingt ihnen das recht gut oder schlichtweg gar nicht, es ist also sehr schwer einen Vergleich zu treffen.

      Im Studio Bereich würde ich persönlich immer der Hardware Lösung oder zumindest im DAW Bereich hochwertigen Emulationen wie z. B. dem IRON Plug-In von SPL den Vorzug geben, im Live-Bereich reichen in der Tat auch viele Mischpult Emulationen aus.

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