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Test: XOR Electronis NerdSEQ, Sequencer

4. März 2018

Nerdlich der Sequencer

xor electronics nerdseq

In der Abteilung Sequencer gibt’s nie genug. Heute betrachten wir den XOR-Electronics NerdSEQ. Hier erhalten wir für unsere Bitcoins oder guten alte „Euronen“ einen Sequencer sowie guten alten Hex-Tracker und Sampler. Und die Älteren der Gemeinde werden sich hier sofort rührselig an die Zeiten von Fasttracker, OctaMED erinnern. Andere Geeks an Tracker für den Gameboy wie LittleSoundDJ. Und ganz dunkel erinnert sich der Autor an Rave-Partys, wo diverse Liveacts mit einem Rechner, Tracker komplette Auftritte bestritten haben. Und so tritt der NerdSEQ auf den Plan.

Nerdlich der Sequencer – Der NERDSEQ

xor electronics nerdseq

Also das Eurorack-Bastel Kastel herausgesucht und den XOR Electronics NerdSEQ verbaut. Hier an die unerfahren Eurorack-User zwei Hinweise: Zum einen wurde auf der Platine des NerdSEQ ein Busstecker mit Verpolungsschutz eingebaut, das heißt auf der anderen Seite, dass unser Bus-Kabel im Case mit der roten Linie an -12 V verbunden werden muss. Rückseitig sind noch zwei weitere Steckplätze für MIDI I/O und Gamepad, sowie den in Kürze erhältlichen NSA. NERD SOUND ADAPTER zu finden.

Des Weiteren ist beim Einschalten des NerdSEQ ein Blick aufs Display nötig, um festzustellen, ob die Firmware noch aktuell ist, wenn nicht, kann diese von der XOR-Electronics Website heruntergeladen und via SD-Karte auf das Gerät geschoben werden. Hier heißt es wiederum Obacht, muss die SD-Karte wieder in den Sequencer gesteckt werden, SD-Slot rechts neben dem Display. Dieses führt zu einem Reboot und der Installation. Hier sei auch dran erinnert, dass ein ungewünschtes Entfernen der SD-Karte zum Abschalten führt.

Was ist ein Tracker?

Die ersten Tracker kamen in den späten Achtzigern des letzten Jahrtausends auf und unterschieden sich komplett von der Art und Weise des Musizierens mit dem Rechner. Die vorherrschende Metapher für rechnergestütztes Musizieren ist die Pianorolle. Tracker kamen nun mit einer tabellarischen Darstellung und Hexadezimalzahlen für die Notenwerte daher. Frühe Tracker waren sehr Hardware-nah programmiert und die Hexadezimalen konnten direkt in Maschinencode umgewandelt werden. Dies hat den Vorteil von geringen Ressourcen-Verbrauch und komprimierter Darstellung auf einem Monitor. Nachteil: die Übersichtlichkeit und Verständlichkeit, denn wir müssen Werte aus dem Dezimalsystem in ein hexadezimales Zahlensystem übertragen.

0,1,2,3,4,5,6,7,8,9,10,11,12,13,14,15,16,17,18…
0,1,2,3,4,5,6,7,8,9,A,B,C,D,E,F,10,11,12,13,14,15,16,17,18,19,1A,1B…

Das erfordert vom Anwender Disziplin, da es sich auch die Notenwerte in den Kopf zu rufen gilt, denn diese werden wie folgt notiert.

“C-3” ist die Note C in Oktave 3.

“F-5” ist die Note F in Oktave 5.

“D#2” ist die Note Dis (oder Es) in Oktave 2


Hier heißt es also noch mal Wissen auffrischen und festigen, ohne Hex und Noten kommen wir nicht weit. Die Vorteile liegen hier beim NerdSEQ auf der Hand, es werden nur zwei logische Bildschirmseiten benötigt, um alle Informationen darzustellen. Später mehr hierzu.

Der NerdSEQ ist stringent von links nach rechts zu bedienen und zu patchen, links finden wir alle vier CV-Eingänge, unterhalb die Eingänge für CLOCK und RESET. Es folgt das Display (480 x 320) und die Taster-Sektion. Gefolgt von 3×6 Trigger, CV, Modulation. Hier wird die Marschrichtung klar, der NerdSEQ kann Polyphonie steuern und dürfte hiermit im Jahr 2018 ganz weit vorne damit liegen. Unterhalb dessen finden wir die Schalter Offset für CV und Modulation. Und die Ausgänge für CLOCK und RESET.

xor electronics nerdseq

Hier nun die voraussehbare Funktion in einem Tracker der Marke NerdSEQ: Sampling.

Tracker konnten in den frühen Tagen immer auch mit Samples gefüttert werden. Hier im NerdSEQ haben wir einen Sample-Speicher von 220 KB, was 4 Sekunden bei 44,1 kHz und 8 Bit mono entspricht. Dies lässt sich durch Verringern der Samplerate ausdehnen. Insgesamt haben wir 12 Sampleslots und können später immer 2×2 Samples den Ausgängen zuweisen. Prinzipiell dürfe der Sampler hier für Drums und Percussion gedacht sein.

Um letztlich zu verstehen, wie unser Tracker Sequencer arbeitet, müssen wir uns mit seiner Struktur befassen. Wir haben einen Sequencer, der 176 Pattern mit bis zu 64 Steps verwalten kann. Diese können aus bis zu 176 Patches bestehen und aus 32 Tabellen. Nun folgen 16 Automatisierungs-Slots und abschließend unsere 12 Sampleslots.

Hier haben wir später dann die Möglichkeit, entweder 2 Sampletracks (in Summe 4) oder komplett 6 CV/Trigger-Tracks anzusteuern. Andersrum verlieren wir beim Einsatz von Samples 2 CV/Trigger-Tracks.

Um versehentliches Verändern von Werten innerhalb einer Live-Performance zu verhindern, kennt der NerdSEQ einen Live- und einen Editier-Modus. Darüber können die Werte der 4 CV-Inputs aufgezeichnet werden.

Die Wiedergabe von Pattern kann auf zwei Wege erfolgen, entweder START drücken oder SHIFT + START. START startet das komplette Pattern und SHIFT + START die Spur/Track. STOP beendet das Pattern, wenn kein anderes Pattern verkettet wurde. SHIFT + STOP den Track und zweimal STOP beendet das Pattern sofort.

START zweimal kurz hintereinander betätigt, springt zum nächsten Pattern in Abhängigkeit von den Projekteinstellungen.

Wenn wir ein Pattern erzeugt haben, wollen wir es vielleicht als Variation weiternutzen und hier kommen die Funktionen MARK, COPY und DELETE ins Spiel. Hier können wir einzelne Pattern, Tracks kopieren, einzelne Werte löschen oder Werte verändern. Hier kommen teilweise noch die SHIFT-Taste und die PFEIL-Tasten ins Spiel, mit diesen kann ich komplette Tracks oder Blöcke löschen. Hier muss ich beachten, dass es zwei Arten des Löschens gibt, ich entferne das Pattern komplett – dann ist es gelöscht. Oder ich entferne nur das Pattern aus dem Projekt, dann ist es noch vorhanden und kann später wieder eingefügt werden.

Neben den Samples sind die Tables die große Besonderheit. Tables sind vereinfacht formuliert, ein Sequencer im Sequencer, mit den 16 Schritt langen Tabellen kann ich die Sequenz manipulieren und transponieren. Diese Tabellen kann ich synchron mit der Sequenz laufen lassen oder als freilaufende Sequenz. Oder zu einer externen Clock teilen.

Somit kann ich mit den Tables, Arpeggiatoren, Sprungvariationen oder halbes Tempo, doppelte Notenlänge oder die Kombination von allem erzeugen. Hierzu stehen uns im Table-Screen die Parameter HOP – HP, TRANSPOSE – TP, EFFEKT – FX zur Verfügung. Speed ist hier der Multiplikator und Teiler unseres Basistempos.

Hier ist ein Blick in das ständig wachsende Handbuch angeraten, der Entwickler Thomas Margolf versteht es, komplexe Sachverhalte in einer verständlichen Sprache rüberzubringen. Des Weiteren ist der NerdSEQ ein lebendes Projekt und mit jeder neuen Funktion wird das Handbuch angepasst.

Grundsätzlich ist die Bedienung des NerdSEQ immer an die Screens gekoppelt. Wenn es so gelöst ist wie im NerdSEQ, kein Problem, so finden wir im Setup Screen alles, was zum Setup gehört und können hier alles anpassen, die meisten Einstellungen werden nach Änderung automatisch gespeichert und beim Booten geladen.

Der Project-Screen ist hingegen unsere Anlaufstelle für das Projekt z.B. auch für Live-Recordings der vier CV-Inputs oder des MIDI I/O.

Hier kann ich zum ein die vier Steuerspannungen aufzeichnen und wiederum anderen Zielen zuwiesen. Beispielsweise kann ich die CV-Eingänge auch nutzen, um die Modulationen 1-6 oder aber um die MIDI-Werte aufzuzeichnen. Oder Sample-Pitch und Gate aufzuzeichnen und später wiedergeben.

Forum
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    Trooper  

    Mit Abstand der beste Sequenzer im Modularmarkt. Das erlernen ist überhaupt nicht schwer, wie ich selbst feststellen musste, anfangs reichen da 4-5 Sachen die man wissen muss, der Rest ergiebt sich während der Nutzung. Ab und an muss man mal im Manual nachschlagen, für Befehle die einem noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen sind, aber sonst total easy zu bedienen und sehr übersichtlich das ganze. Wer Display Bedienung nicht scheut, unbedingt antesten. (hab auf YT schon einen ganzen Sack voll Tracks damit (alles live) hochgeladen).

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      TobyB  RED

      Hallo Trooper,

      das Gerät war etwas länger unterwegs und ich hatte nur eine Woche zum testen und in die Tiefe gehen, die ersten zwei Sessions ging nicht viel. Und nach einer Woche kratze ich die Oberfläche an. Aber mit dem NERD SEQ zu arbeiten lohnt sich, da die Möglichkeiten weit über die eines „Standard-Sequencers“ hinausgehen.

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        Trooper  

        ja kenn ich, ich war einer der ersten Besitzer und da gabs grad mal gar nix, um heraus zu finden, daß man OK drücken muss, um ein Pattern zu erstellen, habe ich paar Tage gebraucht :-)

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          TobyB  RED

          Hallo Trooper,

          die OK Taste hatte ich recht schnell entdeckt, aber aus Pattern einen Track zu machen, war schon heftiger :-) Und dann noch die Geschichte mit der Speicherkarte :) Ich hätte das Manual bis zu Ende lesen sollen. Was hab ich geflucht.

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            Trooper  

            Ja, aber wenn man dann mal die 4-5 grundlegenden Sachen kann, ist der Rest meist nur noch ausprobieren, z.b. die hunderten FXe usw.
            Also ich bin sehr, sehr zufrieden mit dem NerdSeq – und ich habe zum Vergleich auch noch Varigate 8+, Voltage Block und die ToolBox als Sequencer.

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    tomk  

    Nein … ich erinnere mich nicht rührselig, sondern mir kommt das kalte Grausen bei einem Bilck auf das Display. Ich kann mich da eher freudig daran erinnern als man auf dem Atari das erste Cubase anwarf, und gen Himmel ein Stoßgebet loswurde das dieser Trackermist endlich Vergangenheit ist!
    Aber man kann natürlich den Rasen mit der Nagelschere schneiden, und sich dann feiern das man ein Rasennerd ist.
    Jedem das seine!
    Mir aber auf keinen Fall Tracker in der Musikproduktion, SuperMarioGames, oder Bitcoins als Zahlungsmittel!!!

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      AMAZONA Archiv

      RASENNERD! Hahaha ich lach mich tod. DAS TRIFFT ES! Zurück zur Unbequemlichkeit und klar dafür auch noch richtig Geld hinlegen.

      Ich kann es trotzdem verstehen auch wenn es nicht meins ist.

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    lightman  AHU

    Tja… Tracker… ich habe einige Jahre lang mit meinen Amigas (A1000 und A500) und Soundtracker, später dann Noise-/Futuretracker (der konnte auch MIDI) Musik gemacht, das hat vor allem live seine Vorteile, das Arrangement ist mit Stepnummer + Tracknummer-Listen sehr simpel, dann gibts da noch die verschiedenen A-Funktionen, usw. Alles prima, aber spätestens nach der Anschaffung weiterer Synths und Drummies wurde mir die Sache zu unflexibel. Ich habs dann mit Bars & Pipes probiert, die Cubase-artige Timeline-Methode hat mir jedoch gar nicht zugesagt (tut sie heute auch noch nicht). Den für mich perfekten Sequenzer habe ich schlußendlich mit Notator auf dem Atari ST gefunden, den ich heute noch in der Version 3.21 SL verwende. Je nach Musikstil sind Tracker aber meiner Meinung nach immer noch relevant, gerade für Sachen mit repetitiven Mustern und sowas, also verschiedene Techno-Stile, etc. Ich persönlich brauche das allerdings nicht mehr, meine Tracker-Zeit ist vorbei. :)

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      TobyB  RED

      Hallo Lightman,

      meine ersten Schritte waren auch Tracker und ich finde dieses Prinzip bis heute gut. Und setzte es in Form von Launchpad, GB iPad(Loops) auch immer wieder gerne ein. Hier haben wir halt einen Nerd SEQ für die modularen Freunde. Oder Wer wie du schon mit Trackern gearbeitet hat, kommt mit dem Nerd SEQ klar. Die Möglichkeiten dieser Kiste ist enorm.

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        lightman  AHU

        Ich kann mir einen Tracker wie den NerdSEQ gut als zusätzlichen Sequenzer im System vorstellen, so wie ich das mit Notator einerseits und einem Yamaha QX5 andererseits mache. Der Vorteil von Trackern ist die übersichtliche Visualisierung der „Events“ und das einfache Arrangement, das ist mit andern Sequenzertypen meiner Erfahrung nach zum Teil deutlich aufwendiger. Als Mastersequenzer würde ich einen Tracker aber nicht mehr einsetzen wollen, da gibts einfach zuviele Ecken und Kanten, die nicht (mehr) zu meiner Art des Musikmachens passen, etwa die Fixierung auf ein Pattern beim Aufnehmen, beim NerdSEQ kommt noch die Trennung zwischen Aufnahme und Wiedergabe dazu. Muß diesbezüglich nochmal das Handbuch querlesen, aber so wie sich das darstellt, scheint Echtzeiteingriff nicht so sein Ding zu sein. Das wäre schade, denn das konnten sogar die alten Amiga-Tracker, da gabs keinen Unterschied zwischen Aufnahme und Wiedergabe.

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          Trooper  

          Probier ihn aus, es gibt keinen Unterschied, du kannst in vollem Lauf editieren oder auch neue Pattern usw. erstellen.

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            lightman  AHU

            Sind Aufnahmen auch über Patterngrenzen hinweg möglich, indem ich etwa diverse Events auf zwei Pattern eintrage, diese dann laufen lasse und in Echtzeit eine zweite Spur aufnehme, indem ich die zwei Pattern im Loop durchlaufen lasse?

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              firestARTer

              Kurz gesagt ja. Der unterschied zu klassischen Trackern ist ja auch noch das die tracks nicht fest aneinander gekoppelt sind. Bedeutet man kann frei mit patterns herumspielen (synchronisiert und nicht synchronisiert). Zum Aufnehmen (und ich muss dabei sagen das die Aufnahmefunktionen noch weiterer ausbreitung beduerfen, was auch kommen wird) kann man einfach diverse tracks abspielen lassen und dann auf anderen tracks aufnehmen. Wenn patterns aneinander gekoppelt sind, dann kann man es einfach durchlaufend aufnehmen waehrend die anderen tracks zb. die ganze zeit patterns loopen oder ‚gechainde‘ patterns abspielen. Das ganze ueber die CV Eingaenge oder ueber Midi. Aber weils ja auch ein Sequenzer ist und kein Recorder, ists halt bisher nur als Basisfunktion eingebaut. Wird aber noch ausgebreitete Aufnahmefunktionen erhalten.

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      TobyB  RED

      Hallo Markus,

      mit oder ohne Anschluß für Gamepad ;-) ich hab noch ein leeres Eurorack Case über ;-) Ich hatte überlegt was von der Stange zu kaufen, werde aber selber löten. VCO ist schon fertig :-D

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