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Zeitmaschine: Ibanez UE-300, Multieffektgerät


Analog kurz vor Digital

Was geschah vor der Wiedergeburt der analogen Effektpedale, auch liebevoll „Trampelkisten“ genannt? Sie mussten sterben! Etwa 1985 wurde lautstark das Zeitalter der digitalen Wunderkisten angekündigt, welche fortan den Klang der Musikinstrumente manipulieren sollten. Anfang der 80er Jahre wurde ebenfalls das Aussterben der elektrischen Gitarre prophezeit. Schlagzeuger würden durch Drumcomputer ersetzt und Bassisten durch den Keyboarder am Synthesizer. Wer hätte damals gedacht, dass dank Eddie Van Halens Gitarrensolo in dem Michael Jackson Hit „Beat It“ vielmehr das Saxofonsolo aus der Mode kommen sollte? Plötzlich hatte jedes noch so schnulzige Schlagerliedchen eine verzerrte Gitarre im Mittelteil. Wer hätte 1982 gedacht, dass zehn Jahre später Rap um die Hand des Heavy Metals anhalten und danach Grunge die verzerrte E-Gitarre ins nächste Jahrtausend retten würde?

2017 – 35 Jahre später – stehen Millionen Gitarristen vor ihren Effektboards aus Aluminium, auf denen sie sündhaft teuere analoge Trampelkisten festgeklettet und mit den besten Patchkabeln verbunden haben. True-Bypassed oder gebuffert. Die Beschreibung könnte hier ewig so weiter gehen, aber ich will kein Zeilengeld schinden, sondern viel mehr die Besprechung des UE-300, des von Ibanez 1982 auf den Markt gebrachten Multieffektgeräts, zu Füßen der todgeweihten Gitarristen der achtziger Jahre in einen historischen Kontext stellen.

Historischer Kontext des Herstellers Ibanez

Was kam vor dem Ibanez UE-300? Das UE-400! Das klingt erst mal komisch – ist aber so. Das UE-400 war ein analoges Gitarren-Multieffektgerät im 19-Zoll-Rackformat. Es war fernbedienbar durch Schalter auf einer sogenannten „Fußleiste“ (deutscher Ibanez Katalog von 1983). Für den schmalen Geldbeutel wurde dieses Konzept zurück auf den Boden gebracht. Das Ergebnis war eine 1,9 kg schwere, 31 x 19 cm große, goldbraune, netzbetriebenen Kiste. Kein Kabelsalat, kein exorbitanter Verbrauch von 9-Volt-Batterien. Vielmehr: drei Effekte, vorne Kabel rein, hinten Kabel raus. Fertig ist die Laube!

Außen goldbraun – innen bunt: Ibanez UE-300

Ein bisschen mehr durfte es dann schon sein: Der Reihe nach folgte eingangs auf den CP-9 (Compressor/Limiter) der TS-9 (Tube Screamer). Dann die Möglichkeit, ein weiteres Gerät mittels Einschleifweg einzubinden und zu guter Letzt der Stereo Chorus CS-9. Stereo Chorus bedeutet dann natürlich auch Stereoausgänge. Genau wie der CS-9, im fliederfarbenen Gehäuse der sogenannten Ibanez 9-er Reihe, hat auch das goldbraune UE-300 zwei Ausgänge. Mit zwei möglichst gleichklingenden Gitarrenverstärkern ließen sich so breite Stereosounds erzeugen. Im Monobetrieb entscheidet man sich für einen von beiden (alle Soundbeispiele in diesem Review wurden in mono aufgenommen). Einen Master-Taster bekam das Gerät auch. Damit lassen sich alle aktivierten Effekte (plus Einschleifweg) mit einem Tritt ein- und ausschalten.

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Klangbeispiele

  1. Profilbild
    amazonaman AHU

    Ich habe das 19 Zoll Ibanez UE 405 mit schicker Fuß
    Leiste, es besitzt noch ein EQ und anstatt verzerrer ein analoges delay und noch einen zusätzlichen parametrischen EQ und den compressor und chorus/flanger. Also 4 Effekte und ein Einschleifen für einen externen Effekt. Das besondere daran ist, dass man die Reihenfolge der Effekte mit einem Drehregler vollkommen frei verdrehen kann, auch den externen Effekt.
    Das besondere an dem Gerät ist jedoch der Klang der ausschließlich analogen Effekte, der klingt nämlich sofort 70ziger Jahre vintage.
    I’m Testbericht hier wird der Distortion als das Wertvollste behandelt, jedoch finde ich den sofortigen Vintage Sound den dieses Teil bereitstellt, und dabei ist es egal welche Effekte man nutzt, es klingt immer gleich völlig veraltet, und das lieben wir ja so sehr. Das U 300 ist eindeutig der kleine Bruder der 400er Serie die es auch mit verzerrer gab. Preislich sind alle Geräte dafür dass sie analog sind sehr sehr günstig zu haben. Für was neu kaufen?
    Und es sieht klasse aus. Fertigungsqualität ist einmalig

  2. Profilbild
    iggy_pop AHU

    War im TS-808 Tube Screamer nicht ein 4558 Opamp, der übersteuert wurde und so für *den* legendären Klang sorgte?

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      swissdoc RED

      Korrekt, ein JRC4558D. Wer es ganz genau wissen will, schaue bei Analogman in der Liste nach.

      400er Serie ist hier im Studio plus das AD202 Delay. Alles sehr lecker (wenn auch kein JRC4558D die Zerre macht, wenn das Internet recht hat).

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        harrymudd ••••

        es ist ziemllich egal was für ein OP im Tubescreamer verbaut ist.

        Ich hatte einen alten TS808 besessen (für 50DM gekauft!! und später für 250DM verkauft:)) den verbauten Chip gesockelt und alle mögllichen anderen OPs getestet (TL072, NE5532(A) RC4558 – der Klang war immer gleich – nur der LM1458 viel durch besondere Kratzbürstigkeit auf.
        Wenn man dann noch bedenkt wie viel Toleranz die Widerstände und Kondensatoren haben, dann ist ein alleiniger Wechsel des OPs wenig zielführend.

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      swissdoc RED

      Es gibt eine schöne Analyse des Tubescreamers:
      https://www.electrosmash.com/tube-screamer-analysis

      Die Zerre kommt nicht vom OpAmp, sondern von 2 Dioden (MA150). Ansonsten sind die Schaltungen im TS808, UE-300 und UE-400 identisch. Es werden lediglich verschiedene Varianten des 4558 verbaut. Klangliche Unterschiede kommen somit eher von anderen Bauteilwerten (so ein Kondensator mit 20% Fehler sorgt für andere Eckfrequenzen) und unterschiedlichen Input- und Output-Puffern.

  3. Profilbild
    fritz808 ••

    schöne serie. würde mich freuen wenn hier noch andere klassiker kommen wie zB die korg sdd3000 oder sdd1000. warum landet die serie nicht auch unter vintage?

    • Profilbild
      Tyrell RED

      Wir haben den Vorschlag aufgegriffen und werden ihn nächste Woche schon umsetzen. Aus VINTAGE SYNTHS wird VINTAGE GEAR – und im Zuge dessen sind bereits alle ZEITM.-Storys nun auch schon in der Vintage-Zone gelistet!!!!

  4. Profilbild
    iggy_pop AHU

    Was ich mir für die Zukunft — zum wiederholten Male — wünsche, sind Demos nicht nur mit Stromgitarre, sondern auch mal mit Keyboards: Wie klingt so ein UE-300 an einem Rhodes, Clavinet, Orgel, Synthesiser?
    .
    Nicht jede Zerre, die an der Klampfe grandios klingt, ist brauchbar an einem Synthesiser.

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      k.rausch RED

      Ein berechtigtes Anliegen. Den großen Bruder UE405 hatte ich mal für Keyboards und das Ding ist eine super Sache dafür. Wir hatten zwar den Bodentreter Workshop auch mit Effektketten bereits, aber diese Multieffekte, gerade die alten analogen, dürfen mal mit ins Rennen geschickt werden. Ist also notiert.

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Ibanez Ibanez UE-300

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