Zeitmaschine: Roland RSP-550 (1990), Multieffektgerät

27. März 2021

Die ganze Weite der 90er auf nur 1 HE

Es ist einer dieser Abende. Noch sind die Nächte kühl, doch man spürt, dass es bald wärmer wird. Der Tag lief eigentlich ganz super. Im Tanzkurs komme ich ihr endlich näher. Als ich sie auf ein Eis einlade, winkt sie ab und zieht mit dem Bassisten meiner Band auf dem Motorrad von dannen. Neon-Reklamen grellen mich kommentarlos an. Die Nacht wird wohl doch eher kalt. Wir schreiben das Jahr 1990. Genau diese Szene kam mir heute beim ersten Einschalten des RSP-550 in den Sinn – das war der wahre Blues der Jugend, lediglich getoppt vom einsamen Vergehen in Selbstmitleid, begleitet von Simple Minds „Street Fighting Years“ und A-HAs „East of the Sun, West of the Moon“.

Ein kurzer Rückblick

Viele Erinnerungen an meine Jugendzeit in den 80ern begleiten mich ein Leben lang. Die Firma Roland kannte ich vornehmlich als Hersteller illustrer Synthesizer vom Schlage eines Jupiter-8, aber auch vom tonbandbasiertem Space Echo RE-201 von 1974. Ich selbst besaß damals „nur“ einen U-220 nebst MC-50 MIDI-Sequencer, als Tastatur fungierte ein E-30 Alleinunterhalter Keyboard – alle drei begleiten mich bis heute. In den lokalen Tonstudios des Voralpenlandes waren die teuren Lexicon 224XL (1984: 37.000.-DM) Hall-Boliden eher spärlich gesät, diese Geräte waren den „big playern“ in der Filmton-, Werbemusik- und Disco-Hochburg München vorbehalten. Was ich jedoch häufiger antraf, war das Roland R-880, ein recht imposantes Hallgerät, das „fast“ so gut klang wie ein 480L und dank seiner grafikfähigen Fernbedienung mit Endlosdrehreglern noch dazu viel sexier aussah. Roland beschloss ziemlich schnell, seine Effektgeräte-Produktpalette „nach unten hin“ auszubauen und erschwinglicher zu machen. Als Boss im Jahr 1993 mit dem SE-70 eine Alternative im Half-Rack-Size Format herausbrachte, musste ich es unbedingt gleich haben. Das SE-70 ist übrigens bis heute eines der Lieblingsgeräte von The Prodigy und Scott Henderson. Ein RSP-550 habe ich selbst nie besessen – dankenswerterweise konnte ich für diesen Test eines von unserem treuen Leser Christoph Gemassmer ausleihen.

Geschichte und Kontext

Roland hatte 1978 mit dem RV-100 und seiner Profivariante RSS RV-800 bereits erfolgreich mechanische Federhallsysteme ins Rack-Format gebracht und auch einige der vorgenannten Space Echo Modelle enthielten einen Federhall. Das schließlich „Dimension D“ getaufte SDD-320 aus dem Jahr 1979 stellt bis heute das Non-plus-ultra in Sachen Chorus dar und wird von Topmixern wie z.B. Michael Brauer (Coldplay, John Mayer, The Fray, Phoenix) regelmäßig eingesetzt. Der erste digitale Hall folgte im Jahr 1985 in Form des vergleichsweise preisgünstigen und doch sehr vielseitigen SRV-2000. 1988 folgte dann besagter R-880, Rolands beeindruckende Antwort auf Lexicons 480L. Im Folgejahr integrierte Roland in ihren Erfolgssynthesizer D-50 zum ersten Mal einen digitalen Hall in ein Keyboard und etablierte damit einen Quasi-Standard, der sich bis heute fortsetzt. Das RV-1000 war (1990) wiederum eine stark abgespeckte und wenig beliebte Preset-Version des SRV-2000, das Boss SE-50 hingegen eine preislich und funktional höchst attraktive kleine Zigarettenschachtel mit vielen zusätzlichen und modernisierten Features. Vor allem war das SE-50 ein höchst flexibles und gut klingendes Multieffektgerät und kein reiner Hall. Und nicht zu vergessen der beliebte Roland GP-8, ein speicherbarer Gitarren-Multieffekt, der aus einem geschickten Hybrid analoger und digitaler Effekte bestand und bis heute einen der umwerfendsten Flanger (digital!) und Phaser- (analog!) Effekte bietet – prominent zu hören auf diversen B-Zet, Earth Nation und Sven Väth Platten.

Im Jahr 1990 stellte Roland sein nahezu unbezahlbares Raumschiff-Cockpit SSC-8004 mit seinem Prozessor RSS-8048 vor – weniger ein Hallgerät, sondern mehr ein binauraler 3-D Panner mit einer beeindruckenden Early-Reflections-Simulation. Im selben Jahr kam der RSP-550 auf den Markt, d.h. Roland konnte auf innovative Forschungserfahrungen zurückblicken.

test Roland RSP-550

Die Innereien

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Die hauseigenen Prozessoren

Die Bedienung des RSP-550

Das RSP-550 erschließt sich recht schnell – der Blick in die gut geschriebene Anleitung war selten nötig. Schade nur, dass die Werteänderung nur über die beiden VALUE-Taster möglich ist. Glücklicherweise beherrscht das RSP-550 die Roland-typische Wertebeschleunigung, indem man einen Button festhält und dann den anderen hinzunimmt. Dennoch klappt das Verstellen von Parametern an meinem SE-70 mit seinem einzelnen Endlosdrehgeber gefühlt zügiger.

test RSP-550

Anschlüsse

Auf der Rückseite befinden sich unsymmetrische Klinkenanschlüsse für Stereo-In und Stereo-Out, jeweils mit schaltbarer Empfindlichkeit (-20 dB/+4 dB). Das obligatorische MIDI-Trio wird ergänzt von Pedalanschlüssen für Program-Shift-up/down, Bypass und einem Control-Eingang. Letzterer doppelt den Button auf der Frontplatte. Seine Konfiguration kann individuell detailliert pro Preset programmiert werden. Das zweipolige Netzkabel ist fest verbaut.

test Roland RSP-550

 

Schwarze Löcher und Kachelräume

Aus Gründen des Markennamensschutzes gab es wohl verschiedene Versionen der Werkspresets, vermutlich auch verschieden zwischen dem asiatischen, europäischen und dem US-Markt. Die verzweifelte „Jagd“ der heutigen Nutzer nach den beiden wenig verbreiteten Werkspresets namens „Tiled Room“ (eine wenig dezente Anspielung auf das Lexicon PCM70) und „Black Hole“ (entsprechend Eventide H3000) konnte in diesem Jahr durch die Veröffentlichung der SYS-EX Dumps einiger RSP-550 Geräte auf Gearslutz erfolgreich beigelegt werden. Ein schneller Reset der Werkspresets ist auch direkt am Gerät möglich, indem man während des Einschaltens die beiden Program-up und -down-Buttons festhält und danach mit „WRITE“ bestätigt. Tolles Feature: Man kann dabei auch wählen, nur einen Teil (!) oder sogar einzelne Werkspresets wieder herzustellen.

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Halleffekte

Das RSP-550 verfügt über drei eigenständige Hall-Algorithmen, die die gesamte Rechenleistung des Gerätes zur Erzeugung eines recht realistischen und dichten Raumklanges nutzen: „Hall 1“ emuliert einen Konzertsaal (interessanterweise inklusive eines optionalen Gates), „Hall 2“ ist auf Gesangsanwendungen hin optimiert und „Hall 3“ ist etwas reflexiver als „Hall 1“. Das Predelay der Erstreflektionen kann unabhängig vom Predelay des eigentlichen Nachhalls eingestellt werden. Fun Fact: Vermutlich als Hommage an den gleichnamigen Lexicon-Gottvater beträgt die maximale Nachhallzeit exakt 480 Sekunden, was im Grunde einer Freeze-Funktion gleichkommt.

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Impulsantworten Hall 1, 2 und 3

Anders als das Boss SE-70 verfügt das RSP-550 auch über einen „Modulation Reverb“ Algorithmus, der beispielsweise im beliebten Werkspreset „33-Heaven“ Verwendung findet. Handelt es sich hierbei um eine vergleichbare Modulation wie bei den Lexicon Gegenspielern „Random Hall“ oder beim EMT250 Reverb-Algorithmus? Interessanterweise nicht! Das RSP-550 nutzt die frei dosierbare LFO-Modulation eher für plakative Panning- und Phasing-Effekte des Hallraums. Egal mit welcher synthetischen Schallquelle man diesen Algorithmus beschickt – was am Ende herauskommt, klingt immer ein wenig nach D-50. Im allerbesten Sinne. Die Neon-Reklamen spiegeln sich wider in den Wasserpfützen vor der Tanzschule…

Der Gated-Reverb- und Reverse-Gate-Algorithmus verfügen zusätzlich über die spannende Möglichkeit des automatischen Pannings von links nach rechts oder umgekehrt.
Der Room- und Ambience-Algorithmus tun exakt, was man von ihnen erwartet. Mit einer weiteren interessanten Neuerung: Ambience kann mit einem „Edge Expander“-Effekt ergänzt werden. Hierbei werden Transienten im Stereofeld betont – besonders ergiebig für synthetische Drum-Sounds.

Nach jedem Reverb-Algorithmus gibt es noch einen flexiblen EQ, mit dem man korrektive Feinanpassungen vornehmen oder gezielt Raumresonanzen betonen kann.
Allen Reverb-Effekten des RSP-550 gemein ist ein gewisser Hang zur Silbrigkeit – schnell zu erkennen bei Natur-Drums (siehe Band-Beispiel im Video ab 14:00). Viele Preset-Räume klingen groß und im besten Wortsinne „eigen“. Bei manchen Quellen verschmilzt der Hall mit dem eigentlichen Sound sehr eng, trotz Predelay will er sich nicht so recht absetzen. Dadurch neigt man intuitiv dazu, mehr Hallanteil als bei Mitbewerbern aus dem Lager Lexicon, EMT oder AMS zu verwenden. Der Hall weist bei Weitem nicht die Klarheit und Natürlichkeit des R-880 aus gleichem Hause auf. Bei sehr komplexen Signalstrukturen offenbart sich eine gewisse White-Noise Anmutung. Auf klaren Quellsounds angewandt glänzt das Gerät jedoch mit einem äußerst eigenständigen Charakter (siehe Klangneispiele mit dem Waldorf Microwave).

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MODULATIONSEFFEKTE

Das RSP-550 bringt mit seinem „Space Chorus“-Algorithmus auch eine ziemlich überzeugende SDD-320 Emulation mit allen vier klassischen Settings. Im direkten Vergleich mit meiner Hardware aus dem Jahr 1979 klingt der RSP-550 deutlich heller und kühler und „eiert“ auch mehr. Vom Charakter des Stereo-Feldes und der Gesamtwirkung ist er dennoch vergleichbar (vgl. Video-Beispiel ab 07:33).

„Jungle Phaser“ und „Jet Phase“ liefern großartige digitale Phasing-Effekte. Sogar in den dedizierten Multieffektprogrammen ist der Phaser eigenresonanzfähig.
Eine klangliche Verwandtschaft zu den integrierten Effekten im JD-800 lässt sich nicht verleugnen.
Der „Stepped Phaser“, den wir inzwischen aus vielen digitalen Roland Geräten kennen, weist weitaus mehr cineastische Breite auf als beispielsweise im XP-80 oder JV-2080. Ich halte gerade diesen Algorithmus für die beste Implementation eines „Stepped Phasers“ in einem digitalen Gerät – simple Prophet-10 Sounds in Mono blühen durch ihn förmlich auf!
Die Flanger zählen für mich nicht zu den Stärken des RSP-550. Ein direkter Vergleich mit meinem exzellenten Roland SBF-325 aus dem Jahr 1979 oder auch dem Dynacord TAM 21 von 1981 verweist den RSP mit seinem Cola-Dosen-Flange auf die hinteren Ränge (vergleiche Video ab 15:02). Selbst mein SE-70 weiß hier mehr zu gefallen. Aber das ist mithin ein recht subjektiver Eindruck – es gibt sicher sinnvolle Anwendungsfälle für den RSP-550 Flanger.

ROTARY

Die Leslie-Emulation im RSP-550 klingt nach heutigem Stand der Technik nicht sonderlich überzeugend. Interessanterweise macht sie sich auf manchen Synthi-Orgeln dennoch überraschend gut (siehe Video-Beispiel ab 0:36). Der Rotary-Algorithmus ist im Übrigen der einzige im RSP-550, der einen Overdrive-Effekt bietet.

PITCH SHIFT

Leicht verstimmte und naturgemäß oder auch gezielt übertrieben verzögerte Pitch-Shifter stellen eine klassische Chorus-Alternative dar. Tatsächlich weiß der RSP Pitch-Shifter auf Synthesizerklängen durchaus zu gefallen (im Video das erste Klangbeispiel). Das Werkspreset #94 „MIDI Note Chord“ kann überdies monophone Synthlines über MIDI polyphon erklingen lassen – ein Trick, der schon mit dem Vocoder Roland VP-70 (1987) kreatives Potenzial barg.

test Roland RSP-550

VOCODER

Mit nur 8 Bändern vermag der Vocoder des RSP-550 hinsichtlich Sprachverständlichkeit und Präzision nicht vollumfänglich zu überzeugen, stellt aber eine wirklich brauchbare Dreingabe beispielsweise zur rhythmischen Bearbeitung von Flächenklängen dar. Coole Features, die nicht ganz selbstverständlich sind: Mit der Hiss-Funktion kann das höchste Frequenzband permanent geöffnet werden, mit der Character-Hold-Funktion existiert gar ein kreativer Freeze-Effekt zum Einfrieren des Analyse-Spektrums, wie in den großen EMS Vocodern – großartig! Der Vocoder aus dem Boss SE-70 klingt übrigens komplett anders. Letzterer ist deutlich responsiver und perkussiver. Auch kann man bei ihm zwischen zwei Ansprech-Timings wählen.

test Roland RSP-550

DIE WANDLERTECHNIK

Der RSP-550 verfügt über ein cleveres Feature: Im System-Menü kann man wählen, wie genau die Bypass-Taste reagieren soll. Man hat die Wahl zwischen einem echten Relais-gesteuerten Hard-Bypass, der die Eingänge 1:1 auf die Ausgänge durchschleift, einem „DSP-Thru“, der die AD/DA-Wandlung intakt lässt und nur den verwendeten Algorithmus umgeht sowie einen Input- oder Output-Mute. Dies vereinfacht die Frequenzgangmessung enorm. In den Höhen erscheint das Gerät ein wenig (1 dB) soft ausgelegt. Ob hier mein Testgerät einfach einen alterungsbedingten Fehler aufweist? Im Loopback-Test (Messsystem Out<> In) verschwindet der Höhenverlust vollständig. Sobald die Wandler (AKM AK9201 und PCM66J, 16 Bit stereo, 48 kHz) in Betrieb sind, findet sich ein guter Frequenzgang für diese Gerätegattung und ihr Alter (Skalierung der Grafik bitte beachten – zwischen 20Hz und 100Hz sind nur 0,5 dB Unterschied, die 12 kHz sind aber gut 2 dB leiser als der Mittenbereich). Außerdem fällt eine Pegeldifferenz zwischen linken und rechtem Kanal in den Höhen auf. Nerdy: Ab Mainboard-Seriennummer ZC662950 hat Roland ein Update vorgenommen, das angeblich den Frequenzgang des Gerätes verbessert.

test RSP-550

Frequenzgang

Wie viele seiner Mitbewerber, will auch ein RSP-550 gut ausgesteuert sein. Bekommt er zu wenig Pegel (nur die erste grüne LED auf der Input-Aussteuerungsanzeige leuchtet), so haben wir es mit gut 0,2 % THD (Total Harmonic Distortion) zu tun. Nähern wir uns dem oberen grünen Aussteuerungsbereich, so sinken die Verzerrungswerte in den wichtigsten Frequenzbereichen auf sehr gute 0,05 %. Sobald die erste gelbe LED zu zappeln beginnt, verbessern sich die Werte im tieffrequenten Bereich noch weiter. Interessant dabei: In den Höhen scheinen die Verzerrungswerte unabhängig vom Eingangspegel recht konstant zu bleiben – erst mit der zweiten und dritten gelben LED beginnen sie sich etwas zu verschlechtern. Sobald jedoch die rote ins Spiel kommt, erhalten wir echtes Clipping.

test Roland RSP-550

Wie in der Grafik deutlich zu erkennen, zuerst in den hohen Frequenzen – dies liegt vermutlich am typischen Wandler-Design mit Pre-Emphasis/De-Emphasis. Wie sagt schon Mixing-Legende Al Schmitt: „There‘s a reason why it’s red!“

MIDI-Steuerung

Das Gerät erlaubt eine umfangreiche Parameter-Steuerung über MIDI, nicht nur durch CC, sondern auch via Velocity und Aftertouch (siehe Video-Beispiel ab 06:13)! Auch der integrierte EQ sowie einige exotischere Parameter wie z. B. die Gate-hold-Time sind echtzeitsteuerbar.

Tausch der Speicherbatterie im RSP-550

Typischerweise sollte man bei allen Geräten aus den 90ern die Speicherbatterie tauschen. Glücklicherweise meldet sie sich auf dem Display, falls sie zur Neige geht. Der Austausch ist nicht ganz trivial, da sie direkt vom Mainboard ausgelötet werden muss – pfiffige Neuzeit-Nerds verbauen sich kostengünstige Batteriehalter, um künftige Wechsel zu erleichtern. Schwieriger wird die Sachlage, falls die Display-Beleuchtung versagt. Hier kommt anscheinend keine handelsübliche EL-Folie zum Einsatz, sondern eine LED-Hinterleuchtung mit sehr wenig Einbautiefe.

test Roland RSP-550

Die Speicherbatterie nach der Frischzellenkur

Auf Gearslutz finden sich Dokumentationen eines erfolgreichen Austauschs sowie auch zu diversen Firmware- und Preset-Updates. Anscheinend sind die verschiedenen Werkspreset-Generationen leicht austauschbar, auch ohne Anpassung der zugehörigen Firmware (aktuellste EPROM Firmware ist V1.04 – die Binaries gibt es ebendort).
Als Betatester und an der Programmierung der Werkspresets war im Übrigen auch Eric Persing (Roland D-50, Spectrasonics Omnisphere) beteiligt.

Das Roland RSP-550  on YouTube

Fazit

Der RSP-550 Stereo-Signal-Processor hat mich überzeugt. Er ist ein sehr spannendes Gerät, das oftmals ganz anders klingt als erwartet. Im Direktvergleich mit dem hauseigenen R-880 und dem Boss SE-70 zeigt sich keinerlei Verwandtschaft der Algorithmen. Und genau das ist die größte Stärke des Gerätes: Ein typischer 90er Roland Grundsound, zugleich aber eigenständig genug, um nicht vorschnell als „die Effektsektion aus dem D-50“ abgetan zu werden. Die Klangqualität ist toll, das Gerät klingt auch nach heutigen Maßstäben noch frisch und anders als alle Plug-ins, wenngleich ich es mit Blick auf die technischen Wandlerdaten immer als Send-Effekt beimischen würde. Auch in einem Live-Setup mit beispielsweise einem Sequential Prophet-10 und einem Yamaha TX 802 würde das Gerät viel Spaß bereiten. Puristische Synths ohne Onboard-Effekte profitieren am meisten von seinem vielfältigen Sound und den spannenden Multi-Effekten, gerade im Zielbereich von „mono-to-stereo“. Die überzeugenden Phaser und die gläsernen Hallen können auf jeden Fall begeistern! Leider ist das Gerät am Gebrauchtmarkt sehr selten geworden. Ein Vergleich mit seinen Mitbewerbern Yamaha SXP1000, Zoom 9010 oder Lexicon PCM70 erübrigt sich – das RSP-550 klingt viel zu individuell. Haben wollen? Ja!

Plus

  • top Verarbeitung
  • klassischer Roland-Look
  • gelungene Phaser- und Multieffekte
  • Echtzeitsteuerung über MIDI

Minus

  • ausschließlich unsymmetrische Anschlüsse
  • Direktsignalanteil in jedem Preset individuell gespeichert
  • kein Endlosdrehgeber zur Werteveränderung
Klangbeispiele
Forum
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    Stephan Merk  RED

    Wow, vielen Dank für diesen tollen Test oder eher Bericht. Zwei Erkenntnisse kann ich daraus für mich ableiten, erstens war mir gar nicht klar, dass Roland im Bereich Effekte offenbar regelrecht federführend war. Zweitens ist es für mich immer noch eine interessante Frage, ob/wie sich im Mixkontext Effekte praktisch im Vergleich äußern. Wenn man rückblickend musikalische Erfolge mit ganz anderem Equipment aufgezeichnet hätte, wären sie heute wohl genauso populär geworden?

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      t-hiho  RED

      Danke für das nette Lob. Ja, Roland war recht „big in biz, back in the days“. Man schaue nur mal auf die zahllosen Studiofotos aus den 80ern, es ist erstaunlich wie viele SRV-2000 Reverbs und SDE-3000 Delays das wachsame Auge dort so finden kann. Erst gestern sah ich wieder ein Video von Bob Clearmountain, der seine beiden SDE-3000 auch in seinem heutigen Studio noch ganz oben im Rack hat… Gerade die Gated Reverbs des RSP-550 stehen den AMS RMX16 Klassiker qualitativ kaum nach. Sie klingen grundsätzlich etwas anders, etwas heller, aber im konkreten Mixeinsatz funktionieren sie super (vlg. Band-Beispiel gegen Ende meines Videoclips).

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    JohnDrum  

    Danke für den Bericht!
    Werde meine RSP 550 wieder mal in Betrieb nehmen und hoffen, dass alles funktioniert!

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      t-hiho  RED

      Sicher eine gute Idee. Ich muss gestehen, ich hab mir auch einen auf Reverb.com geholt letzte Woche. Witziger fun fact: der Verkäufer hatte mein Amazona-Video als Werbung für sein Gerät verlinkt. Ich fühle mich geehrt. ;-) Leider hat dieser aktuelle RSP-550 ne schwerwiegendere Macke am Display. Da muss ich wohl nochmal ausführlicher ran (Beleuchtung defekt UND ein Segment der 7-Segment-LED Nummernanzeige defekt).

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    dilux  AHU

    was für ein feiner artikel über ein wirklich interessantes effektgerät; das dazugehörige video bekräftigt die qualität der ausführungen. besonders überascht hat mich der klang des ce25; ich dachte immer, das währe so eine langweilige presetmaschine von yamaha, aber der klang…deutlich besser als ein dx7!

    auf jeden fall sind die samstäglichen ausflüge in die prä-plugin ära der effektmaschinen mein derzeitiges highlight auf amazona – danke dafür.

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      t-hiho  RED

      Vielen Dank für die netten Worte! Der CE20 und CE25 sind meines Erachtens total unterschätzt. Sie klingen nicht unbedingt besser als ein DX7 Mark I, aber sind expressiver spielbar. Ich habe beide das erste mal in die Finger bekommen im Eboard-Museum im Klangebfurt beim großartigen Gert Prix und war hin und weg. Die einzigen Geräte, die halbwegs annähernd an den Sound der ganz Großen GS1 und GS2 rankommen. Das liegt v.a. an zwei Facts: Der hervorragend bespilebaren Tastatur mit Anschlagdynamik und Aftertouch, und dem Mono-Ensemble-Effekt. Inzwischen besitze ich 3 davon (einen CE20, einen CE25 für live und einen defekten CE25 als Ersatzteillager). Recherche-Tipp: Casiopea (japanische Fusion-Band, waren lange Jahre mit den CEs on tour)… Da kommt vielleicht heuer noch ein Amazona-Artikel von mir…

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    lambik  

    Sehr schöner Bericht, danke!

    Habe erst kürzlich bei meinem RSP-550 einen Batteriehalter eingebaut und EPROM mit V1.04.

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    Holden  

    Kann das gut nachvollziehen. Externe FX sind echte Seelenschmiere. Schön geschrieben, mehr davon! :)

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      t-hiho  RED

      …toller Ausdruck, „Seelenschmiere“! Mir gehts da ganz genau so. Wann immer ich ein Hardware AMS oder ein altes Lexicon, Roland, Yamaha, Eventide, EMT oder Quantec hören und fühlen kann, wird mir klar wie gefährlich die Verführung durch Plugins ist. 99% wie das Original werden halt doch nie 100… Klar, ich wär in Puncto Effizienz des Arbeitens aufgeschmissen ohne meinen Laptop mit Convolution-Plugins und einigen algorithmischen Halls – zuhause, on stage, wie auch on tour. Aber wann immer ich zurück im Studio bin und die echten Teile hör, geht mir das audiophile Herz auf.

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    gaffer  AHU

    Schöner Bericht, t-hiho. Modulierbar durch Aftertouch, klasse. Allerdings ist der D-50 schon früher erschienen, 1987. @Stephan Merk, ich fand Roland nicht federführend im Effektbereich, alle Japaner haben damals interessante Effekte vorgestellt, Yamaha REV 1, 7, Korg, deren Namen habe ich nicht mehr auf dem Schirm, sogar Ibanez kam mit einigen 19“ um die Ecke.

    • Profilbild
      t-hiho  RED

      Oh, danke für den Hinweis, das mit dem Erscheinungsjahr des D-50 ist freilich korrekt! „Federführend“ ist vielleicht ein zu enger Ausdruck, aber sicherlich „maßgeblich mitbestimmend“ – v.a. wenn es um das Thema Bezahlbarkeit ging. Das Yamaha Rev 1 ist ein Hammergerät – kein Vergleich zum Rev7. Zum Glück hab ich da auch eins im Studio. Korg hatte als Vorgänger des großen A1 auch beispielsweise den DRV3000, meines Erachtens ein total unterschätztes Gerät, dessen „Garage“-Preset auch heute noch rockt! Ibanez hatte den SRV1000+, angeblich baugleich mit dem Sony MU-R201 und der wiederum der kleine Brunder des großartigen DRE2000. Aber nur angeblich – ich habe beide, und sie haben wirklich nichts gemein.

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        swissdoc  RED

        Den DRV3000 habe ich immer stehen lassen, weil doof mit der Fernbedienung und weil so dem Papier nach dem DRV2000 sehr ähnlich. Sollte ich da falsch gelegen haben? Hast Du ein paar Demos?
         
        Beim SRV1000+/MU-R201 vs. DRE2000 muss man bedenken, dass nur der Plate Algorithmus des Kleinen dem Plate Algorithmus des Grossen entspricht. In V1 hatte das DRE 2000 nur diesen Plate Algorithmus (Echo aussen vor), V2 hat noch weitere Algorithmen bekommen. Die Promotion-Versionen mit dem grossen PCM vorne drauf klingen möglicherweise eh noch anders und die Analogteile und Wandler sind auch nicht identisch.

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    Magicsound-Tonstudio 36179 Bebra  

    Vielen Dank, für den tollen Bericht, den RSP-550 habe ich bei einer Studioauflösung im Regal entdeckt und einfach mal mit zu den anderen Käufen gepackt. Der Sound ist alles andere unauffällig aber das ist ja auch Sinn der Sache, alles andere wäre ja langweilig. Wie schon im Video gezeigt, spielt der RSP seine Stärke auf allen möglichen Synthsounds aus. Im Vergleich zu den ein paar Jahre später erschienen Roland Effekten SRV-330/SDE-330/SDX-330 bietet der RSP eine ganz andere Klangfarbe.
    Alles in allem macht es viel Spaß mit dem RSP-550 zu arbeiten.

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    swissdoc  RED

    Besten Dank für den schönen Artikel, vor allem das Video ist Hammer. Wenn auch der Vergleich mit dem TAM-21 gemein ist. Roland hat damals wie Sony eine Reihe dedizierter Spezialisten in einem Gerät zusammengefasst.
     
    Sony DPS Serie:
    R7 – Reverb, D7 – Delay, M7 – Modulation, F7 – Filter (oder V77 als Best Of)

    Roland 330er Serie:
    SRV – Reverb, SDE – Delay, SDX – Modulation (oder RSP-550 als Best Of mit Einschränkungen)

    Ein Ensemble ist auch noch drinnen und es klingt sogar. Wer diese Modulations-FX in technisch bester Qualität sucht, der greift zum Boss VF-1.

    • Profilbild
      t-hiho  RED

      Vielen Dank, das aus Deinem Munde ehrt mich! Macht auch ungemein viel Spaß, diese kleinen Amateuer-Videos zu produzieren. Ich wünscht nur, ich hätt mehr Zeit dazu.
      Der TAM-21 kam grad frisch aus der Recapping-Kur zurück, da konnt ich einfach nicht widerstehen…

  9. Profilbild
    TobyB  RED

    Sehr schön geschrieben :-) München als Disco Hochburg :-D Hört sich komisch an war aber mal so.

  10. Profilbild
    costello  RED

    Diese alten Kisten können schon mal einen Flashback auslösen :) Sehr schöner Test und ein tolles Video, da steckt viel Arbeit drin. Der CE-25 hat schon einen sehr fetten Sound, und klasse, wenn man mal eben einen Steinway B mit in die Versuchsanordnung einbeziehen kann. Die dynamische MIDI-Steuerung, mit Modulationsrad oder Aftertouch die Effektstärke zu dosieren, hatte 1985 bereits Lexicon mit dem PCM70 vorgemacht.

    • Profilbild
      t-hiho  RED

      Danke für den Tipp, das muss ich unbedingt mal ausprobieren. Aktuell hab ich zwar kein PCM70, aber die Dinger liegen ja gefühlt an jeder Ecke im PA-Business…
      Hab neulich erst nen Streaming-Gig mit nem TX816 und dem CE-25 bestritten. Das war ein Spaß!! Ich liebe diese frühen FM-Kisten! Da fühlt man sich gleich wie Matt Bianco und Phil Harding…

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