Zeitmaschine: Roland SRV-2000, Digital Hall (1985)

6. Juni 2020

Taj Mahal fürs Wohnzimmer

Das Roland SRV-2000 war für den japanischen Konzern 1985 der (späte) Einstieg in die Welt des Digitalhalls. Roland hatte sich mit der Entwicklung zwar reichlich Zeit gelassen. Dafür wurde aber auch ein ausgereiftes Produkt vorgelegt, dessen Vorzüge noch heute ins Auge fallen: Das 19“-Gerät ist mit einer Höheneinheit handlich und – wie bei Roland üblich – ausgezeichnet verarbeitet. Es bietet 32 Speicherplätze, die von Werk aus bereits mit Presets für alle möglichen Anwendungen (Konzerthalle, Raum, Plattenhall sowie Nonlinear für Gated und Reverse-Hall) belegt sind. Bei Bedarf lässt sich der Hall mittels verschiedener Parameter maßschneidern, wobei der Nutzer durch ein ausgezeichnetes Display unterstützt wird.  MIDI und ein integrierter parametrischer Equalizer runden das Bild ab. Und das Wichtigste vielleicht: Das Roland SRV-2000 klingt richtig gut. Und deshalb ist dieser „Zeitmaschinen-Report“ keineswegs nur als Nostalgietrip zu verstehen – nach dem Motto „damals war’s“ – sondern als handfeste Empfehlung für ein phantastisches Stück Hardware.

Zur Einstimmung eines meiner Lieblingspresets: „Outdoor Theater“. Der luftige Hall passt zu dem flirrenden Pad-Sound, der mit einer Naturatmo gemischt ist. Der Bass/Leadsound ist ein MKS-80. Der kurze Track ist vom Soundtrack zum Film „Annihilation“ inspiriert.

Die Beschriftung ist Roland-typisch in orangener Farbe

Wenn man orange sieht, denkt man gleich an Roland. Das SRV-2000 macht da keine Ausnahme.

Digitalhall in den 80ern – exklusiv und teuer

Mitte der 80er Jahre bestand wahrhaftig kein Mangel an professionellen Hallgeräten, die freilich einen gravierenden Nachteil hatten – sie waren für Normalsterbliche unbezahlbar. Nur ein paar Preisbeispiele, die das Studio Magazin in seiner Ausgabe vom Mai 1984 auflistet (alle Angaben in DM): Lexicon 224 XL für 37.000,- , EMT 251 für 33.000,- , Sony DRE 2000 A für 31.000,- DM,  Quantec QRS und Yamaha REV 1 beide für 25.000,- DM. Oder darf es vielleicht ein AMS RMX 16 sein? Das war schon für 19.000,- DM zu haben.

Roland setzte damals ganz bewusst auf die Besitzer kleinerer Studios, anspruchsvolle Anwender im semiprofessionellen Bereich und natürlich Live-Musiker. Selbst für größere Studios konnte das Roland eine Überlegung wert sein, wenn auch nicht als Haupthall, wie das Studio Magazin leicht gönnerhaft anmerkt: „Auch als ‚Zweit‘- oder ‚Dritt‘-Hallgerät kann es im professionellen Bereich ohne Bedenken empfohlen werden, wenn es darum geht interessante Nachhalleffekte zu erzeugen, die sonst ein teures Studiohallgerät blockieren würden.“

Mit einem sensationellen Verkaufspreis von unter 4.000,- DM stach das Roland-Geräte die direkte  Konkurrenz aus: Das Lexicon PCM 60 lag bei 6000,- DM und das Yamaha REV 7 kostete sogar über 7.500,- DM. Dass die Musikwelt Mitte der 80er Jahre auf den ersten Digitalhall aus dem Hause Roland sehr gespannt war, belegt ein  Zitat von Tom Robinson in  International Musician and Recording World, Herbst 1985: „Gerüchte über ein neues Roland Reverb gab es schon seit Monaten, und wie es der Zufall wollte, kamen die ersten SRV-2000 in die Läden, gerade als wir unser neues Studio fertig stellten. Anfang August bekamen wir ein Exemplar in die Hände, und mein Ingenieur und ich haben es seitdem praktisch ständig benutzt.“

Rolands erster Digitalhall wurde ein echter Erfolg

Bezahlbarer Digitalhall in sehr guter Qualität: Das Roland SRV-2000 wurde von vielen Musikern begeistert aufgenommen.

Der Hall zum Oberheim

1985 hatte ich mir von meinen ersten Einsätzen als Reporter beim „RIAS Treffpunkt“ einen gebrauchten OB-Xa gekauft. Acht Stimmen, 120 Programme, midifiziert. Preis 5.000,- DM. Ein Jahr später kam dann noch ein SC Drumtraks dazu, den ich ebenfalls dem späteren Eloy-Keyboarder Michael Gerlach abgekauft hatte. Spätestens jetzt brauchte ich einen amtlichen Hall und marschierte ins Berliner Sound & Drumland. Verkäufer Mitch (Lieblingsspruch: „Der Dollar ist gestiegen, der Yen ist gestiegen – ey, das ist echt der günstigste Preis“) schlug mir damals das Roland SRV-2000 vor und das Lexicon PCM 70, welches inzwischen das PCM 60 abgelöst hatte. Vielleicht hatte ich mit meinem OB-Xa ja ein bisschen zu dick aufgetragen. Mitch nahm wohl an, ich wäre bestimmt in der Lage für einen standesgemäßen Hall ordentlich Kohle abzudrücken. Als er dann aber mein konsterniertes Gesicht sah, hatte er als gewiefter Verkäufer blitzschnell noch eine Alternative parat: Das Yamaha SPX 90.

In dubio pro monetas

Das Multieffektgerät von Yamaha bot für schlappe 2000 DM,- Hall, Echo und Modulationseffekte. Ich war begeistert und übersah dabei – oder besser „überhörte“ – dass der Yamaha-Hall mehr charakteristisch als schön klang. Obwohl – mit dem Drumcomputer funktionierte er ziemlich gut. Es lief am Ende auf das SPX 90 hinaus; gekauft habe ich es allerdings in der Nähe des Rathauses Schöneberg bei Music Market. Dort zogen sie gerne noch mal einen „Hunni“ vom Preis ab, um der Konkurrenz vom Sound & Drumland eins auszuwischen. Dafür gab es statt einer gedruckten Rechnung auch nur einen handgeschriebenen Minibeleg. Genutzt hat es nichts: Music Market ist lange schon Geschichte.

Drei polyphone Vintage-Synthesizer: Prophet 5 und VS von Sequential Circuits und der Oberheim OB-8.

Das Roland-Reverb SRV-2000 ist sehr gut geeignet, um polyphone Synthesizer zu verhallen. Diese drei Hübschen wurden neben einem MKS-80 und dem Kurzweil PC3X für die Klangbeispiele eingesetzt.

Vintage-Synthesizer mögen Vintage-Outboard

Und das wär’s dann schon mit meinen Erfahrungen mit dem Roland SRV-2000 gewesen. Tja, wenn mich nicht einige nette Menschen hier auf Amazona.de überzeugt hätten, dass Vintage-Synthesizer am besten klingen, wenn sie auch mit Vintage-Outboard betrieben werden. Zufällig entdeckte ich bei Youtube, dass Retrosound-Spezialist Marko Ettlich bei seinen Synthesizer-Videos gerne ein Hallgerät von Roland einsetzt. Und zwar das SRV-2000 – also genau das Reverb,  dass mir vor Jahrzehnten der Verkäufer im Sound & Drumland empfohlen hatte. Und sehr schnell fand ich heraus, dass dieses Gerät in eingeweihten Kreisen schon lange nicht mehr als Geheimtipp gilt. Der Witz dabei: Während das PCM 70 und das SRV-2000 sich in den 80ern in etwa in der gleichen Preisregion bewegten, kostet das Roland heute mit rund 150,- bis 200,- Euro nur in etwa ein Drittel des Lexicon-Geräts. Und natürlich nur einen Bruchteil dessen, was für die ganz edlen Studioteile von einst heute wieder berappt werden muss.

Hier drei Beispiele mit Vintage-Synths. In der „Pipeline“ mischt sich ein Noise/PolyMod-Sound des Prophet 5 mit einem Stringsound des Prophet VS. „Tunnel“ und „Medium Hall 1“ featuren den Sync-Sound und einen bekannten Padklang des P5.

Leider schon weg

Das Roland SRV-2000 ist zwar nicht übermäßig selten. Aber es existiert ein größerer Kreis von Interessenten für Rolands erstes digitales Hallgerät. Wenn es irgendwo auftaucht und der Preis nicht überzogen ist, dann ist es meist auch schnell wieder weg. Als ich mein erstes Kaufgesuch in den Kleinanzeigen startete, ließ ich mit der Frage „Sind denn Display und Drucktasten soweit okay?“ gleich mal mein Wissen um die Schwachstellen des Geräts aufblitzen. Immerhin würdigte mich der Verkäufer überhaupt einer Antwort: „Display und Tasten laufen tadellos. Nur hab ich ihn gestern leider verkauft. Tut mir schwerstleid.“ Schauen wir uns das Roland SRV-2000 einmal genauer an.

Das Roland SRV-2000 in der Seitenansicht

Die Einbautiefe des Roland SRV-2000 beträgt übrigens 36 cm.

Ein bisschen Zahlengedöns

Herzstück des Roland SRV-2000 ist ein parallel arbeitender 28-Bit-Signalprozessor. Die analogen Eingangssignale werden über ein 16-Bit- A/D/A-Wandlersystem in digitale Signale umgewandelt,  Das Effektgerät bietet einen Geräuschspannungsabstand von 80 dB und einen Frequenzgang zwischen 30 Hz und 10 kHz.  Der Dynamikbereich beträgt 90 dB und der Klirrfaktor liegt bei 0,03%. Ganz klar: An die Werte eines modernen Bricasti kommt das Roland-Gerät nicht heran. Es bietet dafür aber einen vielseitig einsetzbaren Vintage-Hall ohne großes Rauschen oder Verzerrungen. Digitale Vintage-Effektgeräte sisseln und summen ja gerne vor sich hin. Aber das Roland SRV-2000 ist in dieser Beziehung leiser als mein Lexicon PCM 70.

Roland SRV-2000 – Die aufgeräumte Frontseite

Bei unserer kleinen Tour beginnen wir mit der Frontseite. Ganz rechts ist der Einschaltknopf, ganz links der Bypassschalter, neben dem sich ein Poti für die Eingangsempfindlichkeit und eine Aussteuerungsanzeige mit sechs Segmenten befindet – minus 20 bis plus 6db. Bei der Entwicklung des Frontpanels haben sich die Rolandentwickler wirklich Gedanken gemacht. Neben dem Poti für die Eingangslautstärke befindet sich ein Block mit sechs Drucktastern, von denen vier für die Grundfunktionen des Hallgerätes reserviert sind: Reverb/Nonlinear (normaler Hall oder Gate/Reverse-Effekte), Room Simulator, Equalizer und MIDI. Welche Funktion gerade aktiv ist, darüber informiert eine separate Leuchtanzeige. Dazu kommen noch zwei Taster für „Copy“ und „Write“.

Für jede wichtige Funktion besitzt das Roland SRV-2000 einen dezidierten Schalter.

Für (fast) jede wichtige Funktion besitzt das Roland SRV-2000 einen dezidierten Schalter.

Roland SRV-2000 – gute Bedienbarkeit

Direkt rechts neben diesem Sixpack von Tastern, befindet sich eine einsame Schalterwippe: Mit ihr wählen wir die 32 Speicherplätze an. Weitere fünf Wippen sind rechts vom Display angeordnet. Wenn wir mit den Drucktastern eine Grundfunktion ausgesucht haben, ruft das Roland SRV-2000 die entsprechenden Parameter auf, welche wir anschließend mit den Wippschaltern verändern können. Richtig chic ist dabei, dass das Display in korrespondierende Felder unterteilt ist. Als Erinnerungshilfe sind auf den Schalterwippen die Funktionen für das wichtigste Programm – Hall – aufgedruckt. Zusätzlich sind unter den einzelnen Segmenten des Displays die Parameter für alle vier Grundfunktionen noch einmal aufgelistet. Das ist ebenso übersichtlich wie bedienungsfreundlich gelöst. Ein Tipp – wenn einem das Durchsteppen der Werte zu langsam geht: Einfach auf beide Seiten der Wippe drücken. Das beschleunigt die Sache ungemein.

Das Roland SRV-2000 wird über Kippschalter bedient

Mit diesen fünf Schaltern werden die Werte des Roland SRV-2000 in Auf- oder Abwärtsschritten verändert.

Sehnsucht nach dem Taj Mahal

Sehen wir uns die Funktionen der sechs Drucktaster genauer an: Mit „Copy“ wird ein bestehendes Programm an einen anderen Platz kopiert. Ein sehr wichtiger Taster, da man beim Roland SRV-2000 per Fußschalter nur zwischen den ersten acht Programmplätzen hin- und herschalten konnte. Einem Musiker, der zum Beispiel während des Konzerts gerne das „Taj Mahal“-Preset (Programmplatz 30) per Fußschalter anwählen wollte, blieb gar nichts anderes übrig, als dieses auf einen der vorderen Programmplätze zu kopieren. Das Procedere ist ganz einfach: Das „Taj Mahal“ anwählen, auf Copy drücken, mit Shift den neuen Programmplatz aussuchen. Nun „Write“ wählen und auf beide Seiten des Shift Buttons drücken. Fertig! Hmm, doch nicht so einfach.

Ein Preset des Roland SRV-2000 ist nach dem Taj Mahal in Agra benannt.

Ein Preset des Roland SRV-2000 ist nach dem Taj Mahal in Agra benannt. (Bild von Richard Mcall via Pixabay)

Roland SRV-2000 – Brauchbares Handbuch

Aber dafür gibt es ja das Handbuch im Netz, dessen Ausdruck sich auf alle Fälle lohnt. Und im Gegensatz zu anderen Roland-Handbüchen (Roland S-760 zum Beispiel), die mich fast in den Wahnsinn getrieben haben, ist das zum SRV-2000 recht präzise geschrieben und auch vom Umfang her gut zu konsumieren. Lobend erwähnt werden muss hier auch, dass das Manual mit vielen Grafiken auch ganz grundsätzlich das Thema Hall erklärt.

Hier nun das „Taj Mahal“ mit einem English Horn, dazu ein „Medium Room“, der sich wunderbar um ein Wurlitzer schmiegt und die „Large Hall“. Letztere zeigt sehr schön die Vorzüge der großen Hallen-Reverbs des Roland SRV-2000. Das Klavier bekommt Raum, man ahnt den großen Saal, aber der Ton bleibt definiert und ersäuft nicht im Hall.

Das Roland SRV-2000 im Edit Mode

Der kleine Punkt hinter der Preset-Ziffer zeigt an, dass das Roland SRV-2000 gerade editiert wird.

À la recherche des presets perdues

„Write“ haben wir gerade schon kennengelernt. Man sucht sich ein Preset aus, das man verfeinern möchte, nimmt die entsprechenden Änderungen vor. Ein kleiner Punkt hinter der Preset-Nummer zeigt den Edit-Mode an. Wir drücken auf den Write-Button, gleichzeitig auf beide Enden des Shift-Schalters und das neue Hall-Programm ist gespeichert.

Das  Roland SRV-2000 besitzt, wie bereits erwähnt, 32 Speicherplätze, die von Werk aus mit Presets belegt sind. Alle Presets können mit eigenen Programmen überschrieben werden. Während die ersten 16 Plätze sich allerdings leicht wiederherstellen lassen, indem man beim Einschalten des Geräts gleichzeitig den Write und den Reverb/Non Linear-Schalter gleichzeitig betätigt, ist es mit Nummer 17-32 etwas schwieriger. Wer auf einmal Sehnsucht nach dem „Digital Taj Mahal“ oder dem „Drum Gate“ bekommt, muss die Programme von Hand wieder eintippen. Keine Sorge: Die Gebrauchsanweisung hält die Settings bereit.

Das Handbuch zum Roland SRV-2000 enthält alle Parameter der Presets

Keine schlechte Übung um mit dem Roland SRV-2000 vertraut zu werden: Einfach ein paar Programme eintippen. Was man hier schön sehen kann: Beim Drum Gate (Non Linear) gibt es kein „Further Level“.

Kuschelhall oder krachende Snare?

Mit dem Drucktaster „Reverb/Nonlinear“ schaltet man zwischen den beiden Programmtypen um, die das Roland SRV-2000 bietet: Normaler Hall, um Instrumente und Stimmen mit mehr oder minder natürlicher Räumlichkeit zu versehen, und Non-linear für krachende Schlagzeugsounds. Das ist der typische Schlagzeugsound der 80er Jahre. Aber beginnen wir mit dem „normalen“ Hall: Hier können insgesamt fünf Parameter beeinflusst werden: Predelay (frühe Reflexionen), Halldauer (0,1 bis 99 Sekunden),  Höhendämpfung (der Unterschied von Marmorwänden und Stofftapeten), der Halltyp (Raum, Halle, Platte) und die Ausgangslautstärke.

Auch die Abmessungen einer Keksdose können für einen Hall spannend sein.

Nicht nur große Räume wie Kathedralen, Theatersäle oder das Taj Mahal können für ein Hallprogramm spannend sein, sondern auch ganz kleine – wie etwa diese Blechbüchse.

Der Drummer in der Keksdose

Die Halltypen unterscheiden sich im Klang und der Halldichte. „Room“ bietet eine besonders große Halldichte, während die „Hall“-Programme einen tieferen Nachhall mit geringerer Dichte liefern. Die beiden Platten-Programme wiederum sind mit ihrem hellen und metallischen Hallsound vor allem für perkussives Material geeignet. Am Roland SRV-2000 lässt sich auch die Raumgröße einstellen, wobei das Effektgerät 5 Säle und acht Raumtypen vorgibt. Der Algorithmus geht dabei immer von einem Würfel aus. Die kleinste Kantenlänge beträgt 30 cm, die größte 37 m.

Zu den Presets, die auf die 37 m zurückgreifen, gehört natürlich auch die „Large Chapel“. Wiederum gefällt mir, wie definiert der Klang der Kirchenorgel bleibt. Der Small Room passt schön zum Vintage-E-Piano und der perkussive Sound vom Sequential Circuits VS ist ein idealer Kandidat für den Plattenhall.

„Es ist möglich, mit diesem Gerät einige unverschämte Geräusche zu erzeugen“, freute sich der Rezensent von Home& Studio Recording, „wie zum Beispiel den Effekt eines kompletten Schlagzeugs, das in einer Keksdose gespielt wird.

Die gewählte Raumgröße korrespondiert natürlich direkt mit der Länge der Nachhallzeit. In der Keksdose gibt es keinen 99-Sekundenhall, sondern nur eine maximale Nachhallzeit von einer halben Sekunde. Speziell diese extrem kurzen Hallzeiten klingen sehr unnatürlich und metallisch, was aber – richtig eingesetzt – seinen ganz besonderen Reiz haben kann. Ich habe zwar nicht das Schlagzeug, dafür aber meinen Oberheim in die Keksdose gepackt. Nach etwa 14 Sekunden hört ihr kurz das unverfremdete Ausgangssignal des OB-8.

Gestochen scharf: Das Display des Roland SRV-2000

Gestochen scharf: Das Display des Roland SRV-2000

Gated und Reverse Reverb

Non-linear wird auch als „Gated Reverb“ bezeichnet, weil der Hall an einer definierten Stelle von einem Gate abgeschnitten wird. Um diesen Effekt zu erzielen, waren zuvor Kompressoren und Noise Gates notwendig. Mit digitalen Hallprozessoren wie dem SRV-2000 konnte der Effekt bequem simuliert werden. Eingestellt werden die Vorverzögerung für die Zeit zwischen Direktklang  und Hall, die eigentliche Hall-Zeit und schließlich die „Gate Time“, die definiert, wann das Hallsignal abgeschnitten wird.

Frühe Reflexionen stehen im Non-Linear-Modus nicht zur Verfügung. Dafür können für die Nachhallzeit auch negative Werte bis minus 0,9 Sekunden gewählt werden, was Reverse-Effekte ermöglicht. Non-Linear war damals ein echtes Killer-Feature. Das Studio Magazin schreibt in seinem Test im August 1985: „Die Bestimmung der Gate-Zeit, also der Zeit, nach deren Ablauf das Nachhallsignal abrupt endet, ermöglicht viele interessante Effekte, die es bisher in einem Nachhallgerät der unteren Preisklasse noch nicht gab und von einigen ‚Studiohallgeräten‘ der gehobenen Preisklasse auch heute noch nicht angeboten wird.“

Skizzen im Handbuch veranschaulichen Gate und Reverse Reverb

Skizzen im Handbuch veranschaulichen Gated und Reverse Reverb

Roland SRV-2000 – Die Raumsimulation

Der Button „Room Simulate“ verspricht einen natürlich klingenden Hall. Wenn man diese Taste drückt, überschreibt das Roland SRV-2000 automatisch sämtliche Einstellungen des aktuellen Programms (mit Ausnahme der Ausgangslautstärke). Abhängig  von der gewählten Raumgröße wird ein programmierter Parameter-Satz geladen mit „Werten, die ausgetüftelt wurden, um natürlichen Hall zu erzeugen“, wie es im Handbuch heißt. Doch aufgepasst! Bevor man nun alle Presets durchsteppt und überall die „Raumsimulation“ ausprobiert, sollte man sich klar machen, dass es keine „Undo“-Funktion gibt. „Parameters…are erased for good“, merkt das Handbuch nonchalant an. Will man das alte Programm also wiederherstellen, darf man in mühevoller Kleinarbeit alle Werte neu eintippen. Wenn man sie denn zur Hand hat. Für Eigenschöpfungen bietet das Rolandhandbuch Blanko-Charts an.

Roland SRV-2000 – Parametrische Klangregelung

Das kam bei Markteinführung des SRV-2000 besonders gut an: Roland hatte dem Hallgerät eine ausgefuchste Klangregelung in Form eines digitalen parametrischen Equalizers spendiert. Nachdem man mit der Equalizer-Taste die Entzerrung aufgerufen hat, kann man mit Wippschalter Nummer 2 zwischen den Frequenzbändern Low, Mid und Hi umschalten. Hier kann jeweils die Frequenz, die Filtergüte (hier Q-Faktor genannt) und die Anhebung und Absenkung detailliert eingestellt werden. Der Equalizer filtert das Signal, bevor es in den Hallprozessor geleitet wird.

Für jedes Hallprogramm kann so die maßgeschneiderte Entzerrung gleich mitabgespeichert werden. Ob man damit die Höhen nun absenkt oder ihnen im Gegenteil erst recht zu schimmerigen Glanz verhilft, das war immer schon vor allem auch Geschmackssache, wie ein Rezensent im Frühjahr 1989 anmerkte: „Und beim Hall hat, wie bei vielen anderen Aspekten der Musik, die Mode ihren Platz. Fragen Sie die Puristen, und man wird Ihnen sagen, dass die aktuellen Hallstile zu viel Top-End haben – daher der Einsatz von Multiband-Sweep-EQ bei vielen Semi-Pro-Geräten wie dem REV 7 und dem Roland SRV-2000.“ (Music Technology, März 1989)

Das Roland SRV-2000 verfügt über MIDI IN und Thru

Die MIDI-Anschlüsse des SRV-2000.

Roland SRV-2000 – MIDI

Natürlich verfügt das Roland SRV-2000 über MIDI und auch diese Funktion kann über einen eigenen Drucktaster angewählt werden.  Im Display werden dann das Preset und die zugehörige Nummer für den Programmwechselbefehl, der gewählte  MIDI-Kanal und OMNI On/Off angezeigt.  Keyboarder konnten also, wenn sie ein MIDI-fähiges Keyboard mit den MIDI-Buchsen des Roland SRV-2000 verbinden, bei jedem Patch-Wechsel ein neues Hall-Preset aufrufen. Dabei wird der Hallausgang freilich stummgeschaltet. Ein kurzes Hallprogramm nahtlos in einen großen Kathedralenhall überblenden – das geht leider nicht.

Effective Automation

MIDI war bei der Markteinführung des Roland SRV-2000 noch relativ jung und viele Musiker beschränkten sich vermutlich darauf, mittels MIDI ihren Yamaha DX7  mit dem Roland Jupiter-6 zu stacken. In den einschlägigen Musikzeitschriften erschienen deshalb regelmäßig Artikel, die mit pädagogischem Ehrgeiz die Segnungen des MIDI-Zeitalters unter die Leute bringen sollten. In diesem Zusammenhang sei für Interessierte auf einen Bericht in Sound on Sound aus dem Jahr 1986 verwiesen. Er zeigt, wie man mittels MIDI mit einer Roland SBX-80 Sync Box und einem SRV-2000 beim Mixen Effekt-Automation betreiben kann.

Hier ein Soundbeispiel mit Drums und kurzen Einwürfen vom MKS-80 und Prophet VS. Dafür wurde ein Room-Reverb mit einer Seitenlänge von 7 m und einer Nachhallzeit von 1,4 Sekunden gewählt. Und anschließend ein Beispiel für das „Large Room“-Programm mit einem Prophet 5-Sound  in der Tradition des Japan-Soundtüftlers Richard Barbieri.

 

Die Rückseite des SRV-2000 bietet vielfältige Anschlussmöglichkeiten.

Die Rückseite des SRV-2000 mit ihren zahlreichen Anschlussmöglichkeiten.

Roland SRV-2000 – Die Anschlüsse

Die Rückseite des Roland SRV-2000 ist mit diversen Anschlüssen regelrecht gepflastert, wobei durchgängig  unsymmetrische Klinkenbuchsen verwendet werden. Ganz rechts befindet sich der Mono-Eingang. Mit einem kombinierten Schalter für die Eingangs- und Ausgangslautstärke lässt sich der Level um 4 dBm anheben oder 20dBm absenken. 4 dBm sind für „Professional Audio Equipment“ reserviert, wozu selbstredend das Roland-eigene Rack-System gezählt wird. Die zweite Einstellung eignet sich für „Consumer-type Audio Equipment“. Weil jeweils Ein- und Ausgangslautstärke gemeinsam angeglichen werden, wird man zwar insgesamt keinen Lautstärkesprung feststellen. Es gilt eine hier einfach Einstellung zu finden, bei der möglichst wenig Rauschen und Verzerrung auftreten. Neben dem Umschalter schließen sich die beiden Ausgänge für unseren Stereohall an und ein Regler, mit dem wir das Verhältnis zwischen trockenem Signal und Effekt-Signal einstellen können.

Das Roland SRV-2000 besitzt 5 Anschlüsse für Fußschalter

Anschlussmöglichkeiten für jede Menge Fußschalter

Stepptanz für fünf Fußschalter

Der nächste Abschnitt dient der Fernsteuerung des Hallgeräts über bis zu 5 Fußtaster. Das dafür vorgesehene  Modell DP-2 wird von Roland übrigens immer noch hergestellt. Über zwei Schalter kann man zwischen den Presets hin- und herschalten und die jeweils nächsthöhere oder niedrigere Nummer anwählen. Den vollen Zugriff auf alle 32 Programme hat man damit freilich nicht, sondern nur auf die ersten 8 Programme. Hat man ein Preset mit einer höheren Nummer vorgewählt, schaltet das Gerät beim Betätigen des Fußschalters automatisch auf Programm 1. Für das Ein- und Ausschalten des Effektgerätes gibt es sogar zwei Anschlüsse: Wird der an Buchse 1 angeschlossene Schalter betätigt, fadet der Hall allmählich aus, bei Buchse 2 wird der Effekt abrupt unterbrochen.

Und es gibt noch eine weitere Buchse – für „Infinite Reverb“. Unendlicher Hall faszinierte damals sehr, auch mein Lexicon PCM 70 verfügt über dieses Feature. Alles in allem eine ganze Menge Fußtaster.  Ich frage mich wirklich, wie da Gitarristen, die ja noch diverse Effektpedale zu ihren Füßen liegen haben, nicht komplett die Übersicht verlieren sollen. Die Keyboarder hatten es da – wie oben beschrieben – etwas besser. Sie stöpselten ihr MIDI-Synthesizer in die MIDI-Buchse und wechselten lässig zwischen den Hallprogrammen hin und her. Theoretisch jedenfalls: Wer damals live ein Rhodes, eine Orgel oder einen Synthesizer aus der Prä-MIDI-Zeit über das SRV-2000 spielen wollte, der war wie die Kollegen von der Saiten-Fraktion auf das Fußschalter-Ballett angewiesen.

Die Schalterzurodnung des Roland SRV-2000 im erweiterten Modus.

Das Handbuch erklärt die Schalterzuweisung im erweitern Modus

Further Level und ein verstecktes Echo

Zu den klaren Vorteilen des Roland SRV-2000 gehört es, dass man auf die wichtigsten Parameter schnellen und direkten Zugang hat, ohne sich in Untermenüs und Matrizen zu verlieren. Nun, eine Ausnahme gibt es doch. Was beim Oberheim OB-8 die „second page“ ist, das ist beim Roland-Hall das „Further Level“. Hallprogrammierung für Fortgeschrittene sozusagen. Im „Weiteren Level“ können die Werte, die man im „Standard Level“ gewählt hat, noch verfeinert werden. Per Zufall gerät man eher nicht dahin. Für das Umschalten müssen beim Einschalten des Geräts die „Write“ und die „Equalizer“-Taste gleichzeitig gedrückt werden.  Im Erfolgsfall scheint im Display für zwei Sekunden FT LEVEL auf. Wir haben nun Zugriff auf die Nachhalldichte, auf Dichte und Pegel der frühen Reflexionen und können hier speziell auch noch Attack-Stärke und Zeit der frühen Reflexionen justieren.

Die Roland-Entwickler haben dem Hallgerät noch ein kleines Extra mitgegeben, das freilich nicht dokumentiert ist. Wenn man beim Einschalten gleichzeitig die Tastenkombination „Reverb“, Write“ und „Room Simulate“ drückt, mutiert unser Reverb zum Mono-Delay.  Eine Verzögerung bis 450 ms und das Feedback sind einstellbar. Also nichts wirklich Aufregendes. Aber ein netter Gimmick ist es schon.

Die Geräteoberseite des Roland SRV-2000 mit dem aufgedruckten Schaltdiagramm.

Auf der Geräteoberseite ist das Schaltdiagramm des Hallgerätes aufgedruckt.

Roland SRV-2000 – Im Härtetest bei Tom Robinson

Tom Robinson gehörte, wie eingangs schon erwähnt, zu den ersten Käufern des Roland SRV-2000. Die Zeitschrift „International Musician“ bat ihn damals um einen exklusiven Praxisbericht. Robinsons Fazit fällt fast uneingeschränkt positiv aus. Das Plate-Preset kommt für ihn schon ziemlich nahe an den legendären EMT-Plattenhall heran. Auch die Möglichkeit, wie bei einem Quantec verschiedene Räume zu simulieren, vermerkt er positiv. Mit einer Nachhallzeit von 99 Sekunden seien auch extreme Effekte à la Joy Division möglich.

Ein paar Abstriche macht Robinson bei der Handhabung: „Wenn ich eine Kritik habe, dann sind es all diese gestuften Druckknopfsteuerungen, die heutzutage jeder in seine Ausrüstung einbaut. Ich hasse sie. Ich weiß, dass das die Kosten und den Wartungsaufwand niedrig hält, aber wenn es nach mir ginge, würde ich sagen, geben Sie mir stattdessen ein paar schöne altmodische Schieberegler oder Drehknöpfe auf der Frontplatte…!“

Aber dann ist da natürlich noch ein unschlagbares Argument: Das SRV-2000 war damals in UK für knapp unter 1.300,- Pfund erhältlich. Und Roland ging bei der Verarbeitungs- und Klangqualität keine Kompromisse ein: „Insgesamt ziehe ich seinen Klang dem MXR, den billigeren Lexicons – oder sogar dem Quantec – vor, und er reproduziert akzeptabel die meisten Effekte, die ich auf einem AMS gehört habe. Das Lexicon 224X ist eine andere Geschichte, aber diese kosten weit über zehn Riesen!“

 Mit nur einer Höheneinheit macht das SRV-2000 eine schlanke Figur.

Mit nur einer Höheneinheit macht das SRV-2000 eine schlanke Figur.

Roland SRV-2000 – Nimm zwei!

Das Roland SRV-2000 hat schon viele Musiker glücklich gemacht – unabhängig vom Genre:  So verrät uns Chris Poland, Gitarrist der Thrash-Metalband Megadeth: „Für die Effekte verwende ich einen alten Roland SRV2000 und drei Yamaha D1500 Delays“. (Equipboard)

Das Roland SRV-2000 rangierte tatsächlich  in Preisregionen, die dem leidgeprüften Profimusiker nur ein müdes Achselzucken abnötigen konnten. Deshalb war die Devise: „Nimm 2!“ Das galt etwa für Frank Zappas ehemaligen „Stunt“-Gitarristen Steven Siro Vai, dessen Effekt-Rack zu Zeiten seiner 1996 erschienenen vierten Studioplatte „Fire Garden“ gut bestückt war: „Es umfasst ein Furman PL-8-Netzteil, einen Eventide H3000S Ultra Harmonizer, 2 Roland SRV-2000-Hallgeräte, einen Digitech DHP-55-Harmonizer und das Digitech Rack Of Wham.“

Der Klaus Schulze-Hall

Klaus Schulze toppt das mühelos: Seine Equipment-Liste verzeichnet im Jahr 1989 nicht weniger als drei Einheiten SRV-2000.  Schulze scheint dem Roland-Hall lange treu geblieben zu sein. In einem Interview mit der Zeitschrift Keyboards erzählte er noch 2007, wie er den speziellen Klaus Schulze-Hall hinbekommt: „Dafür setze ich drei Geräte ein: Ein alter Dynachord-Hall kümmert sich um die Tiefen, das TC Hallgerät um Mitten bis Höhen und das Roland SRV-2000 um Höhen. Damit kann man eine schöne Tiefenstaffelung machen, da geht der Hall richtig nach hinten weg. Ein Lexicon könnte das bestimmt auch, aber das ist mir zu teuer. Da spiel’ ich lieber mit diesen drei Geräten rum. Überhaupt sind Hallgeräte wie auch das Mischpult für mich echte Musikinstrumente, mit denen formst du schließlich auch deinen Klang. “

Das Cove von Peter Gabriels Klassiker "So". Die Gitarrensounds auf der der Platte sind mit dem Roland SRV-2000 produziert worden.

Das Roland SRV-2000 wurde live für die subtilen Gitarrensounds für Peter Gabriels „So“-Tournee genutzt.

Roland SRV-2000 – Der Live-Gitarrensound der „So“-Tournee

Der englische Gitarrist und Songwriter David Rhodes ist vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Peter Gabriel bekannt geworden ist. Rhodes Gitarrensound auf der Tournee zu Gabriels Bestseller-Album „So“ ist stark von den Roland-Hallräumen geprägt: „Ich habe einen Roland SRV-2000-Digitalhall, den ich so ziemlich ständig mit ein paar verschiedenen Einstellungen verwende. Bei ‚San Jacinto‘ verwende ich einen sehr großen Raumeffekt, und bei ‚Red Rain‘ verwende ich einen kleineren Raum.“ (Guitar Player, September 1987) 

Im Studio standen diverse „teure“ Hallgeräte vom AMS RMX 16 bis zum Lexikon 224 zur Verfügung. Das Roland SRV-2000 half Rhodes dabei, auch auf der Bühne seine sehr subtile Gitarrenarbeit, die etwas bei „Red Rain“ in einem schimmernden Strumming-Sound auf der 12-saitigen Gitarre besteht, mit den elektronischen Klängen zu verschmelzen. Die Vorstellung, mit einem kaum definierten Sound zu arbeiten, löst bei manchen  Gitarristen vermutlich Panikattacken aus – nicht so bei David Rhodes: „Alle Instrumente sollten miteinander verschmelzen, damit das Lied funktioniert, damit die Atmosphäre entsteht. Die Tatsache, dass Du Deinen Part, einen bestimmten Klang, nicht klar heraushören kannst, sollte einen dabei überhaupt nicht beunruhigen. Viele Gitarristen genießen es, sehr laut zu spielen und große Soli zu spielen. Ich stehe nicht darauf…Ich nähere mich den Dingen von der Textur her, baue sie auf und gebe der Musik Raum, sich zu entwickeln. Bei Peter verwenden wir viele Effekte, damit es so wenig wie möglich wie eine Gitarre klingt.“

Pink Floyd setzten das Roland SRV-2000 auf ihrer Division Bell-Tour ein.

Pink Floyd setzten das Roland SRV-2000 auf ihrer Division Bell-Tour ein. (Foto: Costello)

Roland SRV-2000 – Hall der Veteranen

Bis weit in die 90er Jahre war das Roland SRV-2000 vor allem bei Live-Konzerten weit verbreitet. Tony Banks setzte es bei der „Calling all Stations“-Tour ein und Pink Floyd-Schlagzeuger Nick Mason schickte auf der Division Bell-Tour 1994 Toms und Percussion durch den Roland-Hall, während die Snare über ein AMS RMX16 lief. (Quelle: Vintage-fx-Special Sound & Recording, S.91) Durch seine ausgezeichneten Klangeigenschaften steht das Roland SRV-2000 aber auch heute noch hoch in der Gunst von Musikern und Produzenten.  Yes-Veteran Chris Squire  veredelt mit dem Roland-Hall den Klang seines Rickenbacker 4001. (Australian Musician , Dezember 2003) Und Mixing Engineer Mike Pool hat den Roland-Hall auf  Robert Plants „Angel Dance“ von 2010 eingesetzt. „Für den Hall seiner Stimme verwendete ich den langen SRV 2000-Hall und ein wenig RMX16; für das Delay entweder den D-Two oder einen RE501. Bei den Stücken auf dem Album habe ich im Allgemeinen sehr wenig Hall verwendet, abgesehen von Roberts Gesang und den Backing Vocals. Das andere Ambiente, das Sie hören, könnte eine lange Verzögerung durch das 501 oder PCM42 oder eines der Raummikrofone gewesen sein.“  (Sound on Sound 2010)

Immer noch ein gesuchtes Vintage-Digitalreverb: Das Roland SRV-2000.

Immer noch ein gesuchtes Vintage-Digitalreverb: Das Roland SRV-2000.

Das Roland SRV-2000 heute

Auf ein paar Sachen sollte man achten. Im Betrieb wird das Hallgerät richtig heiß. Das bedeutet nicht, dass es im nächsten Moment durchschmilzt. Aber speziell im Rack-Betrieb sollte man den Nachbarn zur Sicherheit etwas Abstand gönnen. Bei Fernkauf muss man darauf vertrauen, dass die Fragen nach dem Zustand der Taster und des Displays wahrheitsgemäß beantwortet werden. Und ansonsten sollte man dem Hallgerät gelegentlich eine frische Batterie gönnen, auch wenn der Verkäufer sagt, die sei doch gerade erst gewechselt worden. Bei der Vorsorgeuntersuchung denke ich auch immer, ich war doch erst vergangenes Jahr da, bis ich dann das strenge Gesicht meines Hausarztes sehe ;)

We got both kinds of music – Country and Western

Zum Schluss gibt es noch eins der beiden schönen Vocal-Presets des Roland SRV-2000 zu hören (Nummer II – das kürzere), leider nicht mit Robert Plant ;) Auch einige andere Instrumente (z.B. Piano, Bass) bekamen ihren Hall vom Roland, nicht allerdings die E-Gitarre am Ende. Da habe ich auf die Hallspiralenemulation von AmpliTube gesetzt. Wie ihr gleich merken werdet, stehe ich nicht nur auf Genesis, Bowie und Depeche Mode, sondern auch auf die Musik von Kris Kristofferson, Johnny Cash und Garth Brooks.

Mojo für 200,- Euro

Bei einem Preis von rund 200,- kann man hier wirklich nichts falsch machen. Natürlich hat auch das Roland-Reverb seine Schwachstellen. So monierte das Studio Magazin: „Perkussive Signale zeigten deutliche Schwächen der Programmsoftware und machten sich insbesondere bei den Konzerthallen-Programmen durch knatternde Reflexionsmuster im Nachhallsignal bemerkbar.“ Hier hilft meist schon die Wahl eines Platten- oder Raumprogrammes. Und was nicht passt, kann oft durch den Einsatz von EQ und Further Level passend gemacht werden. Manche Kammfiltereffekte und metallischen Resonanzen mögen Tonmeistern graue Haare bescheren. Richtig eingesetzt, sind sie eine absolute Bereicherung und erlauben Sounds, die zuweilen an einen Ringmodulator erinnern.

Fazit

Das Roland SRV-2000 ist eine Empfehlung für alle, die gerne Hardware einsetzen und einen hochwertigen Vintage-Hall suchen. Die etwas körnigen Hallfahnen des Roland-Halls sind wunderbar für Snares, wobei Drumsounds auch von den Gated und Reverse-Effekten profitieren. Das SRV-2000 ist dabei ausdrücklich kein One Trick Pony für Drumsounds der 80er, sondern präsentiert sich als echter Allrounder für Keyboards, Vocals, Drums und Gitarren. Aber auch für Blech- und Holzbläser soll es schon verwendet worden sein. Für Synthesizer finde ich es schlicht großartig. Gerade auch die großen Hallräume klingen sehr gut und angenehm unaufdringlich. Besonders erfreulich: Das Roland SRV-2000 wird immer noch zum Schnäppchenpreis angeboten! Wenn ein Quantec QRS XL für 2000,- Euro in die Knie geht, tut das richtig weh. Sollte mein Roland SRV-2000 einmal in Rauch aufgehen, besorge ich mir geschwind ein neues.

Plus

  • sehr guter Vintage-Hall
  • vielseitig einsetzbar
  • gute Bedienbarkeit
  • sehr gute Verarbeitung

Minus

  • keine Stereo-Eingänge
  • starke Hitzeentwicklung
  • rudimentäres MIDI

Preis

  • ca. 150,- bis 200,- Euro
Klangbeispiele
Forum
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    AMAZONA Archiv

    Alter! Cooles Gerät, noch besserer Artikel. Mehr geht musikalisch gesehen nicht. (Klatschen, Zugabe, stehender Beifall!) :)

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      costello  RED

      Danke Hectorpascal! Das SRV-2000 ist wirklich ein tolles Gerät und hat auch Fans unter den absoluten Hallfetischsten, die die großen Lexicon, Quantec und AMS-Teile bei sich zu Hause haben. Aber vielleicht muss man jetzt beim SRV auch noch ein klein bisschen drauflegen ;)

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    swissdoc  RED

    Vielen Dank für den schönen Bericht zum Roland SRV-2000, welches von vielen als Antwort und Tipp auf die Frage nach einem Hall für Synthesizer gegeben wird. Leider haben sich in Deine Beispiele ein paar Knackser und sonstige Störungen eingeschlichen. Bei so alten Geräten passiert das aber gerne mal, oft sind dann korrodierte Schalter oder Relais die Schuldigen. Ich kann ein Lied davon singen.
     
    Paolo Di Nicolantonio von SynthMania singt und trommelt hier in ein Roland SRV-2000 und steppt durch alle Presets:
    https://bit.ly/373YTaO
     
    Mir war sofort der Kopf an Kopf Test von Roland SRV-2000 und Yamaha REV 7 präsent, der in der legendären Keyboards-Ausgabe 09.1985 erschienen ist. Auf dem Titelbild räkelt sich dort Cosa Rosa im schwarzen Badeanzug neben einem Yamaha CS01. Ein paar Seiten vor den Reverb-Boliden für jeweils ca. 4000 DM ist ein Test vom Dynacord DRP 16, welches damals für 2000 DM zu haben war. Es ist aber deutlich schlechter, als der Preisunterschied vermuten lässt.
     
    Der Test kann hier kostenlos angefordert werden:
    https://bit.ly/3eUg7Km
     
    Wer den Sound des SRV-2000 mag, aber gerne schrauben möchte, mit dem Roland DEP-3 oder DEP-5 kann man sich diesem Ziel annähern.

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      costello  RED

      Danke swissdoc für Dein ausführliches Feedback. An die Keyboardsausgabe mit Cosa Rosa erinnere ich mich auch noch sehr gut. Schreib bitte nochmal, wo Dir die Störgeräusche besonders aufgefallen sind. Ich hatte über Boxen und div. Kopfhörer eigentlich vor allem ab und an ein doch vernehmliches Rauschen wahrgenommen. Klasse, dass Du hier den Link zu Paolos Video eingefügt hast. Man bekommt wirklich alle 32 Presets geboten: „Hello, we’re in a chapel“ :)

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        swissdoc  RED

        Ich habe die Demos nochmal durchgehört, diemal mit externem Wandler und Kopfhörern.
        Hier die Notizen:
         
        8. „Roland SRV-2000 P5 Medium Hall 1“ überproportional starkes Rauschen
        14. „Roland_SRV_2000_E-Piano Small_Room_1“ zerrt immer mal wieder
        15. „Roland_SRV_2000_Taj_Mahal 1“ überproportional starkes Rauschen
         
        Die Knackser habe ich nun nicht mehr gehört, auch nicht mit der PC Abhöre von gestern. Ja nun, das Alter…
         
        Yep, der Paolo macht da einen guten Job und seine Page und neu (hüstel) auf Youtube sind mit das genialste, wenn es um Vintage Soundbeispiele geht.

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          costello  RED

          Lieben Dank, dass Du das noch mal konkretisiert hast. Weil ich nämlich Knackser auch nicht gehört hatte. Ganz genau, beim Taj Mahal und dem Prophet „In the air“-Pad rauscht es recht ordentlich. Die Verzerrungen beim Small Room bringt glaube ich das E-Piano selbst mit. Andere Programme wie Chapel und Large Hall (Piano) klingen dagegen relativ sauber. Vielleicht hat das etwas mit den EQ-Settings zu tun, dass bei einigen die Höhen stärker betont sind und es deshalb stärker rauscht.

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    TobyB  RED

    Saubere Würdigung meines Lieblings. Nach der Weltraumheizung und der Goldfolie endlich der SRV 2000. Durch seine Struktur zwingt er einen sein M/S Klangbild aufzuräumen und Platz zu lassen. Was aber dem Ergebnis zuträglich ist. Die Ballade von Johnny und Sue ist Klasse!

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      costello  RED

      Danke Toby! Das SRV-2000 ist wirklich ein toller Hall, deshalb nehme ich ihn auch immer mit in den Nashville Country Club ;)

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    DANIEL FISCH

    Danke für den ausführlichen Bericht über mein Lieblingsreverb. Der 2000 wurde mir übrigens von – Überraschung – Marko Ettlich persönlich empfohlen… Kauf nicht bereut 🙂

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    Doc  

    In den neuen Roland Synths, Fantom, Jupiter X, Xm und der MC707/101 etc … ist doch auch ein SRV2000 Hall mit bei.
    Vielleicht kann man da mal einen Vergleich wagen

    Nur son Gedanke.

    Glückwunsch Costello, toller Bericht.

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      Florian Anwander  RED

      @Doc:
      Ich nehme zwar an, dass Roland im lauf der Jahre grundsätzlich bei den gleichen Hall-Algorithmen geblieben ist, aber ich glaube nicht, dass in einem Synth von 2020 ein Hall von 1985 steckt. Das widerspricht auch der Grundphilosophie von Roland, nicht rückwärtsgewandt zu entwickeln.

      Ansonsten: klar, der SRV-2000 ist großartig. Ich habe auch einen Quantec, aber der SRV-2000 steht klanglich eigenständig daneben. Noch besser ist der SRV-2000 dann mit einem Dimension D oder mit einem aktuellen DC-2w dahinter.

      Und die Mahnung zum Batteriewechsel kann ich nur unterstreichen! Da das eigentlich eine eingelötete Batterie auf einer ziemlich versteckt unter einem Schutzblech eingebauten Platine ist, empfiehlt es sich diese durch eine CR2032 Knopfzelle im Batterie-Halter zu ersetzen. Der Batteriehalter kann man mit doppelseitigem Klebeband seitlich außen auf das Schutzblech kleben.

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        swissdoc  RED

        Wobei Roland schon jede Menge rückwärtsgewandter Dinge macht. Boutique oder auch die D-50 VC-1-Carte für den V-Synth. JV Sounds im Jupiter X, Plugouts, die VSTs in der Clound. Warum also nicht auch ein Reverb aus den alten Tagen neu implementieren?
         
        Gemäss Parameter Guide gibt es tatsächlich die Room. Hall und Plate Programme und das NL aus dem SRV-2000 im Jupiter X/Xm

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        AMAZONA Archiv

        Wie wäre es mal mit einem Kawai RV-4 Multi? Angeblich obergenial und paßt in die 90er Sparte. Irgendeiner Erfahrung damit? Edit: Sorry, wollte das am Ende posten, nicht in laufenden Kommentaren.

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          swissdoc  RED

          Ein Kawai RV-4 steht auf meiner Suchliste, aber die gerne aufgerufenen EUR 200 oder mehr finde ich dann doch etwas steil. Mal sehen, was die Zukunft bringt. Ein paar der Korg-Silberlinge, deren Namen ich immer vergesse stehen auch noch auf dieser Liste…

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        Doc  

        Hallo Florian,

        vielen Dank für diese ausführliche und sehr informative Antwort.

        Hab zwar weder nen SRV nochn Quantec – geschweige denn einen Dimension D, aber hier stehen Neunaber Immerse Mark I+II und ein DC-2w ….

        Da krieg ich schoo Schnappatmung.

        Noch besser und ich würd wahrscheinlich ersticken.. ;-))

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            Doc  

            Hallo Florian,

            die Immerse nur für Synths.

            In den Mark I fahr ich auch teilweise komplette Drumkits.
            Nehm dabei die Höhen leicht zurück. Mir gefällt der Hall einfach.

            Der Mark II darf für den Rest herhalten, auch an einem Kawai ES100 Piano.
            Da klingt das Teil umwerfend.

            Bin kein Studioprofi mit Megaequipment, grossartigem Gehör oder sonstiger Erfahrung.

            Deshalb meine subjektiven Aussagen nicht überbewerten

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                costello  RED

                @Florian Kein Problem :) Ihr macht mich nur total neugierig auf den Neunaber. Und da scheint der MKI besser als der IIer zu sein?

                • Profilbild
                  Doc  

                  Sorry das ich hier reinhalle…

                  beim MK 1 kann man den Wet Hall modulieren
                  beim MK 2 hat er n Pre-Dly

                  beim MK 2 ist der B-Shimmer raus dafür ein Sustain mit Mod drin

                  Auch scheinen der FX-Level und Depht an Tiefe gewonnen zu haben.

                  Ich würd psv-ddv meinen MK 2 für nen Vergleichstest zur Verfügung stellen.

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                    psv-ddv  AHU

                    Danke Dir für die Details und vor allem das großzügige Angebot Doc!! Bin mit dem Mk1 vollkommen happy. Zum Testautor reicht bei mir weder die Expertise noch die Zeit. Zu viele andere Baustellen. Wäre dann ja auch eh wieder ohne Klangbeispiele :)

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                      Doc  

                      Hallo psv-ddv

                      wegen den fehlenden Klangbeispiele hat sich doch letztes mal kaum einer beschwert…

                      ;-)

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                psv-ddv  AHU

                @Florian: Ja, wobei ich dazu sagen muss, dass ich den Big Sky nich mag. Der färbt mir das Nutzsignal zu stark ein. Der Neunaber macht da einen schlankeren Fuss. Wobei das natürlich ein komplett subjektives Statement ist. Viele kaufen den Big Sky ja genau wegen seines Wölkchenklangs. Wir haben den Immerse MK1 eine ganze Weile bei Jam-Sessions als Haupthall (Send) verwendet. Gitarre, Synth, Bass alles gleichzeitig da durch. Das Teil nervt nicht sondern funktioniert einfach. Vom MK2 kenne ich nur die Netzdemos. Da gefiel er mir nicht ganz so gut. Muss aber nix heissen.

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    SynergyMan  

    Klasse Bericht mit schönen Beispielen, aber ich habe gemischte Gefühle mit dem Ding. Als ich in den 1990igern damit arbeiten musste, produzierte das Ding bei einigen Einstellungen gerne digitale kaum hörbare Artefakte jenseits von 8 khz, die analoge Rauschunterdrückungen gerne mal aus den Takt brachte, bevorzugt dbx (leichtes Pumpen oder Phasenrauschen). Das dürfte in der heutigen digitalen DAW Welt keine Rolle mehr spielen, aber dass das Ding wirklich gerne recht heiss wird, schon eher, aber das wurde auch im Bericht erwähnt.

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      costello  RED

      Hallo SynergyMan, danke für das nette Feedback! Das SRV-2000 ersetzt im Winter wirklich die Heizung. Die Sache mit den Artefakten ist interessant, ein dbx hatte ich nicht am Start, sondern die Noise Reduction in Logic. Die habe ich bewusst vorsichtig genutzt, weil ich die Hallfahnen nicht vorschnell killen wollte. Dafür habe ich lieber etwas Rauschen in Kauf genommen.

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      TobyB  RED

      Die thermische Lastentwicklung ist ernstzunehmen. Ich hab so ein Boss SE 50 getoastet. Mein Fehler war, SRV2000 nach oben ins Rack zu packen und darüber die Boss Effekte. Das betrifft mehr oder minder alle Geräte der S Reihe, SDE1000, SDE2000, etc. Hinzukommt je wärmer die werden, umso stärker wird der Noisefloor. Das kann vermutlich auch am Alter der Kisten liegen.

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        costello  RED

        Das SDE-2000 habe ich ja jetzt auch am Start, vielleicht heize ich mit den Rolands im Winter ja wirklich das Musikzimmer. Ansonsten bräuchte man ein eigenes Rock für die S-Reihe immer mit 3 HE Luft dazwischen.

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          nativeVS  AHU

          Naja, ein Bricasti kann da doch schon so einiges waermer werden als mein paar SDE3000; aber luft oben und unten hilft definitiv und anstelle nur den mute knopf zu druecken wenn man mal kurz das studio verlaesst sollte man die Rolands besser abschalten damit man nicht zu einer durchgeschmorten sicherung zurueckkommt.

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          TobyB  RED

          Ich hab die so angeordnet, das ich einen schönen Kreuz und Quer Signalfluss hab und das über halbnormalisierte Kreuzschienen löse. Sonst wird man ja blöd. Die größten Wärmequellen sind immer unten. Ich wechsel dann zwischendrin auch immer zwischen tief und halbtief damit Luft zirkulieren kann. Ich hatte es auch mal mit einem klimatisierten Serverschrank versucht, nur nimmt der zuviel Platz weg und du hast ein echt hässliches Rohr für die warme Abluft im Raum.

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    Henrik Fisch  

    Geiler Test … so muss GAS-geben sein! Hier hast Du, costello, ja wohl etwas mit viel Herzblut erschaffen.

    Bei Erwähnung des Namens »Klaus Schulze« – einer meiner ganz großen Helden aus meiner Jugendzeit – habe ich Schnappatmung bekommen und sofort bei eBay in den Kleinanzeigen nach einem SRV-2000 geforscht (und auch nach der Keyboards-Ausgabe von 2007). Und mich dann gleich mal wieder gemaßregelt, weil ich im Moment ganz anderen Dingen den Vorzug geben muss.

    Das Soundbeispiel »MKS-80 Outdoor Theater« hat mich auch spontan an Filmmusik erinnert. Nur eher an den Sitzschinken-Plätter »Stalker« von Andrei Tarkowski. Allerdings fällt der Film »Annihilation« in ein ähnliches Genre, und er wäre noch viel viel besser gewesen, wenn sie diese platten Horror-Szenen weggelassen hätten. Aber trotzdem gefällt mir der Film ausgezeichnet.

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      costello  RED

      Danke Henrik! Aber bei Klaus Schulze dran denken: Das SRV-2000 ist bei ihm nur für die Höhen zuständig. Zu Annihilation: Das Krokodil und der Bär hätten nicht unbedingt sein müssen. War auch so spannend genug.

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      TobyB  RED

      Der Alligator und Bär waren in Auslöschung vermutlich nötig um das Wesen der Mutation zu zeigen. Sonst hätte der Zuschauer irgendwann vor lauter Schimmer den Kopf geschüttelt. Eben geht sie noch, jetzt ist sie ein Baum, hat mich mehr verwundert.

      Wenn du mit dem Einsatz eines SRV 2000 liebäugelst, die Dinger machen süchtig und entwickeln sich zum Rackfüller. Ich hab mal angefangen mit dem Boss RCE 10, anschliessend die komplette Boss Micro Rackserie. Dann ein SDE 1000, dann SDE 2000, dann SRV 2000 damit hab ich ein Boss SE 50 getostet, das hab auch ich wieder. Dann kam noch ein SE 70 und es kommt noch ein SDE 330. Und entsprechende halbnormalisierte Steckfelder kommen noch dazu.

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    iggy_pop  AHU

    „Manche Kammfiltereffekte und metallischen Resonanzen mögen Tonmeistern graue Haare bescheren.“

    Jürgen Koppers wurde mal in einem Keys-Interview zitiert, als es um eingereichte Demos und die Nachproduktion derselben auf teurem Studio-Equipment ging, wo er sinngemäß sagte, daß viele der Demos, die er bekommt, nur mit einem SRV-2000 gemacht worden seien, welches dann mehrfach übereinander aufgenommen wurde, weil nur ein Hallgerät vorhanden war. Das ergäbe dann in seiner Gesamtheit einen Klang, der — gepaart mit der Hingabe beim Einspielen des Demos — unmöglich zu reproduzieren sei in großen Studios, selbst mit teuerstem Equipment. Das muß eine der ersten Keys-Ausgaben Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre gewesen sein.

    Spricht also nicht nur für den Geldbeutel des Musikers, der zu kreativen Kompromissen zwingt, sondern auch für die Qualität des SRV, daß es solche Kompromisse mit sich machen läßt.

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    psv-ddv  AHU

    Was für ein schöner, charakterstrarker Hall. Definitiv mein lieblings Roland Hall. Was mal as best-of der Konkurrenz für einen Bruchteil des Preises gedacht war (Taj Mahal/Endloshall=Quantec, Gated=AMS, Large Hall/Room=Lexicon) steht heute als eigenständiger Vintage Hall mit kompakter, solider Hardware ziemlich gut da. Letzteres führte damals wohl auch zur Beliebtheit in FOH und Gitarren Racks. Danke für den kurzweiligen Bericht und die tollen akustischen Anwendungsbeispiele. Den Vergleich mit den genannten Hallboliden würde ich vielleicht etwas vorsichtiger angehen als der zitierte Kollege aus England ;)
    Das tut dem SRV aber keinen Abbruch wie ich finde. Es hat einfach seinen eigenen Sound und ist ein gutes Beispiel wie man sich von der hochpreisigen Konkurrenz inspirieren lassen kann ohne deren Geräte einfach nur dummdreist zu kopieren.

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      psv-ddv  AHU

      Die Verwendung des Roland SRV auf Gabriels „So“ Album halte ich für unwahrscheinlich. Das David Rhodes Interview verstehe ich so, dass das SRV auf der Tour zum Album im Live-Rack zum Einsatz kam. Von der Studioaufnahme spricht er diesbezüglich meiner Meinung nach nicht. „San Jacinto“ ist ja auch nicht auf der „So“ zu finden, war aber Teil der „So“ live-Trackliste.
      Es gibt zu den auf „So“ verwendeten Effektgeräten eine Aussage von Kevin Killen, da taucht das SRV nicht auf. Ich zitiere: „In terms of effects we relied heavily on the following
      AMS 1580 Delay
      AMS RMX 16 reverb
      Delta Lab DL2 Delay
      Dimension D
      QUANTEC Room Simulator
      Lexicon 224
      tape Slap
      EMT Plate
      Decca Tube compressors
      Lots of stomp boxes.
      Great Musicians
      Unbelieable songs and performances
      Lots of fun“
      Auch wäre es damals ungewöhnlich gewesen den Hall schon beim Tracking aufs Band zu ziehen. Man hatte sich ja gerade dank SSL 4k und 48Spuren die Freiheit erkauft das Werk erst in der Mischung mit Hall abzuschmecken. Das kann man übrigens auch gut auf den „Realworld Remixed“ Multitracks hören. Da ist bis auf Modulationseffekte alles trocken.

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        costello  RED

        Völlig richtig, vielen Dank für den Hinweis! Da habe ich in meiner Begeisterung für den Roland-Hall ihn gleich für eines meiner Lieblingsalben vereinnahmt. Das SRV war tatsächlich für die Tour. Fürs Recording nutzte Rhodes die AMS-Geräte des Studios.

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        TobyB  RED

        Abtun würde ich das nicht, auf PG Youtube Channel gibts etliche Making of Videos zum SO! Album. Teilweise wurden da die beklopptesten Sachen gemacht, Fairlight auf ein billiges AIWA Doppeltape Deck und dann mit Mikro von den internen Sprechern genommen. Die Ursprungsversion von Red Rain würde ich als Linn Drum Massaker bezeichnen. Da geht die Cabasa steil. Laut Hugh Padgham kamen SRV 2000 im Hause Gabriel bei Drum und Brass zum Einsatz. Ich würde nach dem Hören von DNA 25th Anniversary SO! sagen, das da ein SRV 2000 werkelt. Allerdings wer auch immer entschieden hat, die DNA Versionen nochmal zu mischen und dann durch deine Aufzählung zu jagen, hat aus einem guten Album einen Klassiker gemacht. SO 25 DNA ist partiell sehr roh. Ich hab immer noch Cabasa im Kopf und denke ich höre Frankie goes to Genesis.

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          psv-ddv  AHU

          :)) Das berühmte Aiwa Tape Deck. Klaro, haben die da alle möglichen Faxen gemacht. Aber Hall lässt sich schlecht rausmischen und Padgham war an „So“ nicht beteiligt. Kenne nur die LP Version und da höre ich das Roland nicht auf der Gitarre. Was die DNA angeht, die ist ja ein Muss für Anhänger des Albums. Nun habe ich einen Anlass mir die endlich mal reinzutun…

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            TobyB  RED

            Cheffe, ich hab nicht geschrieben, das HP in SO die Finger hatte. Das war bei III / Melt wo dann Intruder und Gated Drum Verbs enstanden. HP sagte das mal in einem Interview, das im Hause Real World SRV zum Einsatz kamen. Bei SO25 DNA höre dir auch mal die Intermezzi an, Red Rain geht z.B in einen anderen Song über. Und man hört deutlich wie am Endwerk noch poliert wurde. Vielleicht findest auch das AIWA Tapedeck ;)

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              psv-ddv  AHU

              Nee allet jut, guter Tipp auf jeden Fall. Werd ich mir anhören. Ich will auf dem SRV Thema auch nicht rumreiten zu Meister Padghams Zeiten bei PG gab es das SRV eh noch nicht. Vielleicht meinte er ja die zwei SDE3000 die sie im RW seit ca. 1983 im Rack haben?

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                TobyB  RED

                Wenn es grade ginge würde ich da ja mal hinfahren und das Studio abchecken. Ich habs schon bis Chippenham geschafft. Leider waren wir spät dran und mussten nach Bournemouth. HP meinte auf Vintagedigital schon SRV2000, er sagt halt nur das die für Drum and Brass im RW Studio eingesetzt wurden. Ich denke einfach, das die bei den rohen Versionen auf SO schon diese FX eingesetzt haben. Aber in der Endfassung dann mit deinem Eighties Dreamrack gemischt haben. Der SRV2000 prozessiert nun mal Mid auf L/R Side. Das prädestiniert ihn nun nicht für den Master FW Weg. Und eine Endmischung nur mit diesem Verb würde nach rauhem, offenporigen „Waschbeton“ klingen. Ich sehe das als Instrumenten FX. Selbst ich bügel den SRV2000 noch mit Lexicon glatt aber nicht knitterfrei. Ich hab hab nichts gegen den Sound der Achtziger, bzw. die Art zu Mischen. Nur hat sich die Welt doch etwas gedreht. Und dem kann man Rechnung tragen.

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        costello  RED

        Ich habe den Guitar Player-Artikel nochmal durchgelesen und den Abschnitt zu „So“ entsprechend überarbeitet. Ob es ein SRV-2000 im Studio gab, geht aus dem Artikel nicht hervor, es befand sich auf alle Fälle in Rhodes Live Rack. Und Peter Gabriel legte immer auf einen astreinen Live-Sound wert.

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      costello  RED

      Hi psv-ddv, danke für Dein nettes Feedback und Dein genaues Lesen (So) Ich habe es ganz oben schon dem Hectorpascal geschrieben: Das SRV-2000 scheint das Hallgerät zu sein, auf das sich sogar echte Hallfetischisten einigen können. Was Tom Robinson angeht: Dem 224 gesteht er ja ausdrücklich seinen Ausnahmerang zu. Ich habe ja noch das PCM70, das manchmal als kleines 224 bezeichnet wird. Die beiden Geräte muss ich auch mal ausführlich vergleichen. Aktuell habe ich Rolands erstes Digital Delay SDE-2000 in der Mangel, dann wäre das Eventide H3000 sicher auch einen Artikel wert. Mein Nachbar hat sich gerade eine Space Station zugelegt…Der Tag müsste einfach viel mehr Stunden haben :)

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    costello  RED

    Hi psv-ddv, danke für Dein nettes Feedback und Dein genaues Lesen (So) Ich habe es ganz oben schon dem Hectorpascal geschrieben: Das SRV-2000 scheint das Hallgerät zu sein, auf das sich sogar echte Hallfetischisten einigen können. Was Tom Robinson angeht: Dem 224 gesteht er ja ausdrücklich seinen Ausnahmerang zu. Ich habe ja noch das PCM70, das manchmal als kleines 224 bezeichnet wird. Die beiden Geräte muss ich auch mal ausführlich vergleichen. Aktuell habe ich Rolands erstes Digital Delay SDE-2000 in der Mangel, dann wäre das Eventide H3000 sicher auch einen Artikel wert. Mein Nachbar hat sich gerade eine Space Station zugelegt…Der Tag müsste einfach viel mehr Stunden haben :)

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      psv-ddv  AHU

      Die Effektefee hat Dich nun wohl auch mit Schmackes geküsst!
      Die Roland Delays 2000, 3000 sind auch erste Sahne in Kombination mit erschwinglich.
      Ist das der Nachbar mit dem VP330? Solche Nachbarn hätte ich auch gerne!
      Das 224 ist entfernt mit dem PCM70 verwandt. Wenn Du ein kleines 224 haben willst solltest Du noch eine 10 addieren ;) Robinson redet aber vom 224x und das ist dann klanglich schon auf halbem Weg zum 480L. Wenn ich jetzt mal vom Gänsehaut Potential in der Mischung ausgehe sind QRS und RMX16 durchaus in einer Liga mit dem 224x (übrigens mein lieblings-Lexicon). Ich freue mich schon sehr auf Deinen H3000 Artikel :)

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        costello  RED

        Eben dieser Nachbar :) Ja, zu dem PCM80 bzw 81 hattest Du mir zugeraten. Jetzt ist es erstmal das Roland geworden. Ich hatte allerdings tatsächlich in mehreren Foren gelesen, dass im PCM 70 noch der „alte“ Lexicon-Klang fortleben würde. Das PCM 80/81 bekommt natürlich auch sehr gute Noten, sei aber schon moderner. Wenn ich bei Hall überhaupt noch mal schwach werden sollte, wäre es wohl am ehesten ein Quantec QRS, allerdings in der noch halbwegs bezahlbaren Variante XL.

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          psv-ddv  AHU

          Das Roland passt super zu Deiner Musik. Alles richtig gemacht. Wenn ein PCM 8x dann das 80 mit Pitch Karte. Vom XL würde ich Dir ernsthaft abraten. Es sei denn Du bekommst es geschenkt. Mann kann fast alles reparieren. Das XL fällt leider potentiell in die Kategorie „fast“.

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    Sudad G  

    Schöner Bericht! Ich halte das Roland SRV-2000 für eines der am meisten unterschätzten Hallgeräte der 80er.
    Ich liebe es noch heute für besonders weiche – fast unhörbare – Hallräume auf Congas, Bongos, Hi-Hats, Claps und Snares und manche female Vocals. Es klingt relativ modern – also gar nicht so 80er grainy – nur wenn man es so klingen lassen will, kann es das auch.
    Viele verwendeten es damals nur für den knalligen 80er Gated-Snare-Sound und verkannten die anderen Stärken dieses Gerätes.
    Der eingebaute EQ und weitere Parameter erlauben relativ weitreichende Änderungen seiner Klangcharakteristik.
    Es gab damals speziell erstellte Presets aus einigen US-Studios, die das SRV-2000 zu einem Art Ersatz für das beliebte AMS RMX16 machten und unter der Hand in Form von SysEx Daten oder Parameter-Sheets gehandelt wurden.
    Es klingt zwar nicht 100% so, aber man kann damit Instrumente sehr weit hinten in den Mix platzieren ohne dass es in einem Hallsumpf verschwindet ähnlich wie beim AMS RMX16.
    Da mein SRV-2000 irgendwann den Geist aufgegeben hatte, hab ich mir das SRV-330 als Ersatz geholt. Ist auch sehr geil, aber kommt nicht ganz an den magischen Sound des SRV-2000 heran.
    Ein R-880 wäre dann die Hi-End Version des SRV-2000, falls es einen interessiert. Das Roland R-880 wartet dann auch mit True-Stereo auf, da es 2 x ein SRV-2000 enthält plus weitere Features.

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      costello  RED

      Danke für Dein nettes Feedback und den Hinweis auf das Roland R-880. Sehr spannend, was Du zu den US-Studios geschrieben hast, die versuchten das SRV-2000 auf AMS RMX 16 zu trimmen. Und völlig richtig: Das SRV-2000 beherrscht den körnigen wie den weichen Klang. Ich glaube, dass kommt bei den Soundbeispielen auch raus, dass beides geht: die krachende 80er Snare und ebenso eine moderne und dezente Verhallung.

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