Test: Kawai MP6

9. Februar 2011

Stage Piano

Um den Reigen der mittlerweile sehr weit verbreiteten Stage-Pianos noch ein wenig zu erweitern, hat der Hersteller Kawai sein MP5 Modell überarbeitet und einige schöne Features hinzugefügt. Für gerade einmal 100 Euro mehr ist das Kawai MP6 seit einiger Zeit in den Läden. Ob sich das Update und die leichte Preiserhöhung für den Nutzer auszahlen, werden wir im folgenden Test sehen.

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Beim MP6 handelt es sich um ein 88-tastiges Stage-Piano, was von vornherein mit sehr edler Optik überzeugen kann. Gewohnt in schwarz gehalten, macht das MP6 auf Grund der hölzernen Seitenteile auch im heimischen Wohnzimmer eine schöne Figur. Die Oberfläche ist durch die leichte Schräge zum Spieler hin sehr bedienungsfreundlich. Wer die aktuellen Displays der Workstations und Synthesizer kennt, wird beim Kawai MP6 ein wenig enttäuscht sein, dass dieses nur ein kleines 2-Zeilen-Display bietet. Fairerweise muss man jedoch gleich hinzufügen, dass auch die Konkurrenz bei den Stage-Pianos oftmals nur sehr kleine Displays verbaut.

Dafür glänzt das MP6 bei anderen – vermeintlich wichtigeren – Funktionen. Kawai hat sich für das neue Modell nicht lumpen lassen und ein paar – extra für das MP6 gesampelte – Piano Sounds integriert. Und diese können auf ganzer Linie punkten. Der neue Piano-Sound „Concert Grand“ klingt sehr frisch und authentisch und sollte auch höchsten Ansprüchen genügen. Natürlich gibt es verschiedenste Abwandlungen in Form von Pop, Jazz, Mellow und weiteren typischen Piano-Klängen so dass der passende Klavier-Sound für jeden dabei sein sollte. Wie mittlerweile verbreitet, bieten die neusten Modelle der Stage-Pianos eine sogenannte „Ivory Touch“-Tastatur, die neben einem realistischen Spielgefühl auch wasserabsorbierend ist. So bleibt der Grip der Tasten auch bei schweißigen Hände erhalten. Für meinen Geschmack könnte die Tastatur noch ein wenig schwergängiger sein. Der Druckpunkt ist für mein eigenes Spiel ein wenig zu schwach eingestellt. Die Tastatur ist aber dennoch sehr gut zu spielen und ebenso gut verarbeitet.

Zurück zu den Sounds des MP6: Wie gesagt können die Piano-Klänge voll überzeugen. Ebenso kann man dieses Statement auch auf die Rhodes und die neu gestaltete Orgel-Sektion übernehmen. Enttäuscht haben mich leider die Streicher- und Synth-Klänge. Die Streicher sind für mich nicht realistisch genug und klingen an vielen Stellen sehr synthetisch. Die Synth-Sounds sind gut gemeint, allerdings fehlt mir bei den Pads/Flächen der nötige Druck und bei den Lead Sounds die notwendige Aggressivität, um sich auch im Bandkontext richtig durchzusetzen. Die restlichen Sounds sind alle durchweg gut und brauchbar, allerdings ohne nennenswert herauszustechen.

Kawai MP6

Kawai MP6

Betrachtet man die Rückseite des Kawai MP6, so stellt man fest, dass für alle notwendigen Anschlüsse gesorgt ist. Strom bezieht das Stage-Piano über ein normales Kaltgerätekabel, so dass keine störenden externen Netzteile im heimischen Studio oder auf der Live-Bühne herumliegen. In dieser Preisklasse ist das leider noch nicht vorauszusetzen, daher ein klarer Pluspunkt für das MP6. Die Sounds gelangen über zwei Klinkenanschlüsse nach draußen, und zum Anschluss von Pedalen bietet das Kawai einen Expression-, sowie zwei weitere Anschlüsse für Footswitch-Controller. Schön ist, dass von Haus aus ein passendes Sustain-Pedal beigelegt ist, so dass man nach dem Auspacken direkt loslegen kann. Abgerundet werden die Anschlüsse mit einem MIDI Trio sowie jeweils einem USB-Anschluss zur Verbindung mit einem Computer und einer für externe USB-Speichersticks.

Funktionen und Bedienung

Bedienung

Bedienung

 

Das MP6 verfügt über insgesamt vier frei zuweisbare Zonen (sowohl für die internen Sounds als auch zur Ansteuerung externer MIDI-Geräte). Diese können über die jeweiligen Zonen-Taster und -Fader bedient werden. Sehr schnell können so die gewünschten Sounds und Lautstärkeverhältnisse eingestellt werden. Tiefergehende Einstellungen wie Splitpunkte/Layerzonen etc. erfolgen über das Menü, was sehr einfach und intuitiv gestaltet ist. Pro Zone kann ein Sound geladen werden, so dass gleichzeitig maximal vier Sounds gespielt werden können. Bei Bedarf kann man die Sounds nach seinen eigenen Wünschen verändert. Da es sich beim MP6 um ein Stage-Piano handelt, sind diese Einstellungsmöglichkeiten auf Cutoff, Attack, Decay und Release beschränkt. Die Einstellungen lassen sich für jede Zone unabhängig einstellen, und für den späteren Wiederaufruf stehen die internen 256 User-Presets zum Speichern und Laden bereit.

Neben den vier Zonencontrollern befinden sich noch vier weitere Echtzeitregler auf der Geräteoberfläche. Über diese können verschiedenste Funktionen ausgeübt werden. Je nach gewähltem Hauptschalter (Effect, EQ, Tone Modify, Assign) kann man damit wie, bereits zu erahnen ist, die Effekteinstellungen, den Equalizer, die Soundbearbeitung oder eine weitere frei wählbare Funktion einstellen. Dieses Prinzip funktioniert in der Regel sehr gut. Zur Verdeutlichung und besseren Übersicht zeigt das Display bei Betätigung eines Reglers auch die aktuellen Werte/Parameter an.

Zur anständigen Wiedergabe der oben beschriebenen Sounds bietet das MP6 eine 192-fache Polyphonie. Auch bei der gleichzeitigen Nutzung aller vier Zonen sollte diese ausreichend sein. Als Ergänzung beinhaltet das Kawai auch 100 Drum-Patterns, zu denen man parallel spielen kann. Die vorgefertigten Rhythmen klingen gut, und einfache Begleitungen sind so schnell ausprobiert.

Klangbeispiele
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