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Workshop: Apple Logic Pro X Space Designer

3. Mai 2004

Impulsantworten selbst erstellen

PlugIns, die Hallräume mit Hilfe der Faltungstechnologie berechen, sind momentan der große Renner bei den Musik-Software-Firmen, und nahezu jeder Hersteller hat inzwischen ein Faltungshall-PlugIn im Angebot. So auch Emagic mit dem Space Designer der vor ca. einem halben Jahr auf den Markt kam (siehe auch Testbericht auf dieser Seite). Mit dem neuesten Update auf Logic Pro steht dieser Edel-Hall nun allen Logic Anwendern zur Verfügung. Neben seiner Funktion als Hallgerät kann man den Space Designer aber auch Prima zu anderen Zwecken missbrauchen. Was genau alles mit Faltungtechnologie und Impulsantworten möglich ist wollen wir uns in diesem Workshop einmal anschauen.

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Zunächst einmal muss man sich klar machen was Überhaupt eine Impulsantwort, also das Sample mit dem gearbeitet wird, eigentlich ist. Bei einem Raum ist die Impulsantwort ganz einfach dass, was zurückkommt, wenn man einen Impuls in einen Raum hineingibt, sprich der Klang des Raumes. Der Impuls kann dabei entweder ein kurzer Knall, oder aber ein langer Sinussweep über alle Frequenzen sein. Diese Impulsantwort, vom Knall bzw. Sweep gereinigt, dient nun dazu unserem Signal einen Raumeindruck aufzurechnen. Den Prozess des herausrechnen des Impulses nennt man übrigens Deconvolution. Der Space Designer hat dafür übrigens eine integrierte Funktion. Einfach den „Deconvolution-Button“ drücken zuerst die Impulsantwort und dann den verwendeten Impuls benennen und schon wird das richtige File berechnet. (Siehe auch Link zum Tutorial weiter unten)
Natürlich muss man sich beim Erstellen von Impulsantworten nicht auf Räume bzw. Hallgeräte beschränken. Im Gegenteil, erlaubt ist, was gefällt. Teure EQ´s und Kompressoren, Gitarrenlautsprecher oder aber abgefahrene Filter und Synth´s.

Wobei man sich natürlich klarmachen muss, dass z.B. die IR eines Kompressors nur dessen Klangcharakter wiedergeben kann, nicht aber die Dynamik an sich beeinflussen kann. Auch kann man nie so viele Parameter verändern, wie z.B. bei einem Filter, dafür überzeugen viele Impulsantworten mit einem sehr eigenen, charaktervollem Sound. Den Unterschied kann man sich in etwa mit dem Vergleich zwischen einem Synthesizer und einem Sampler klarmachen. Zwar klingt ein Sample immer statisch gleich und man hat nicht soviel Eingriffsmöglichkeiten wie bei einem Synthesizer, dafür überzeugt das Sample meist durch einen, wie auch immer definierten, natürlicheren Grundsound.

Beispiele

Zunächst ein paar Beispiele, die mithilfe der „Spectral Relativity“-Library erstellt wurden (Siehe Linkliste). Hierbei handelt es sich um eine Sammlung mehrerer hundert IR´s die mit Hilfe von Filtern elektronisch erstellt wurden. Man kann damit entweder dezent den Grundcharakter eines Sounds einfärben oder aber aus einem Drumloop ganze Flächen basteln.
Das erste Hörbeispiel besteht aus einer kurzen Streichermelodie, die zugegebenermaßen sehr lieblos und unauffällig klingt. In einem weiteren Schritt wurde diese Passage nun mit dem Space Designer bearbeitet. Die Impulsantwort die dabei zum Einsatz kam nennt sich übrigens „Area 42“ aus der Rubrik „Horror and Paranormal“. Das fertige Ergebnis klingt dann schon angenehmer. Die eben noch so kalt und lieblos klingenden Streicher haben auf einmal Charakter und einen warmen, vollen Sound.

Wollten Sie schon immer mal wissen, wie ihr Lieblingsdrumloop in „Banana Yellow“ klingt?
Dann sollten sie sich das nächste Beispiel anhören, zum Einsatz kam, wie schon angedeutet, die Impulsantwort „Banana Yellow“. Diese IR, aus der Rubrik „Colors“, ist extrem kurz (ca. 0,002 sec.), damit wird der Drumloop auch nicht verwaschen und undefiniert sondern bleibt perkussiv und druckvoll. Übrigens, bei allen Beispielen wurde der Space Designer als Inserteffekt verwendet um auch das ganze Signal und nicht nur einen Teil davon zu bearbeiten.

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Hören Sie den Loop zunächst unbearbeitet und dann mit Bearbeitung. Bei diesem Beispiel kam übrigen noch eine Besonderheit des Space Designers zum Einsatz . Durch die Reduzierung der internen Samplingfrequenz ermöglicht der Space Designer das vermindern der CPU-Last. Während dieses vermindern von z.B. ursprünglich 44,1 KHz auf die Hälfte bei Hall-Impulsantworten kaum hörbar ist, wird sie hier sogar sehr deutlich wahrgenommen und kann wunderbar zum Sounddesign missbraucht werden. Beim folgenden Beispiel hören sie zunächst den unbearbeiteten Originalloop. Danach wurde ausgehend von 44.1 KHz die Samplingfrequenz alle 4 Takte halbiert.

Ein weiteres Einsatzgebiet von Faltungstechnologie kann das simulieren von Lautsprechern sein, wie sie bei diversen Gitarreneffekten schon verwendet wird. Lädt man nun Impulsantworten von z.B. Gitarrenlautsprechern in den Space Designer, so kann man Gitarrensounds nach der Aufnahme noch klanglich optimieren. Etwa wenn man keinen richtigen Aufnahmeraum zur Verfügung hat. Natürlich lassen sich auch beliebige andere Instrumente damit bearbeiten. Beispielsweise profitieren Rhodes-Klänge aus der Konserve enorm durch das Einschleifen eines Space Designers mit entsprechenden Impulsantworten. Hier ein kleines Beispiel mit einer direkt in den Rechner gespielten Gitarre. Zunächst wie immer unbearbeitet, dann mit der Impulsantwort einer 4 x 10“ Gitarrenbox.

Als letztes Beispiel noch eine Kuriosität. Der folgende Drumloop wurde mit Impulsantworten aus einem alten Roland-Bandecho verhallt. Außerdem wurde das ganze noch mit einem Lautsprecherimpuls bearbeitet.

Wer nun Lust bekommen hat sein Arsenal an Hardware abzusamplen und als Impulsantwort zu verwenden, dem mag das Tutorial zum Erstellen von IR´s von der Emagic-Seite ganz nützlich sein. Neben einem fertigen Sinussweep findet sich kurz und einfach die notwendigen einzelnen Schritte am Beispiel des Space Designers beschrieben.

Quellen für Impulsantworten – bitte selbst googeln. Die damaligen Verlinkungen sind leider alle nicht mehr aktiv. Im Netz finden sich aber unzählige frei donwloadbare Impulsantworten.

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