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Test: Solar Guitars T1.7AD Aged Natural, E-Gitarre

Mit sieben Saiten im High-Gain-Universum!

20. August 2023

Solar Guitars T1.7AD Aged Natural Test

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Es ist in den letzten Jahren etwas ruhiger geworden um die Konstruktion der siebensaitigen Gitarre. Nachdem Ende der Achtziger Steve Vai mit seinem JEM Universe Modell den Mainstream-Markt erstmals auf die Verwendung einer zusätzlichen tiefen H-Saite aufmerksam machte (eigentlich wollte er eine hohe A-Saite haben, welche ihm allerdings ständig gerissen ist), schlug die Konstruktion ein wie eine Bombe, zumal die Nu-Metal Aushängeschilder Korn das Modell aufgriffen und bis auf A herunter stimmten. Ein neues Stilelement war geboren. Aktuell ist Downtuning angesagter denn je, wird aber zumeist von regulären sechssaitigen Gitarre übernommen, im Spezialfall noch von Baritongitarren oder im Djent Extrembereich von 8-Saitern. Dass die Konstruktion dennoch nicht tot ist, zeigt die Solar Guitars T1.7AD Aged Natural, die uns zum Test vorliegt.

Die Konstruktion der Solar Guitars T1.7AD Aged Natural

Welche Vorteile hat eine siebensaitige Gitarre eigentlich? Nun, als erstes wird man sich auf die tiefe H-Saite stürzen und alles an Riffs abfeuern, was insbesondere im High-Gain-Bereich schön druckvoll in den Bässen abliefert. Der eigentliche Vorteil liegt aber auf der anderen Seite des Tonumfangs. Ich selber zum Beispiel besitze mehrere Baritongitarren, die aufgrund der überlangen Mensur von 760 mm ein extrem straffes Bassfundament liefern, aber selbst in den höchsten Lagen gerade einmal moderat in der Tonhöhe unterwegs sind. Eine achtsaitige Gitarre hingegen befindet sich mit ihren Griffbrettabmessungen schnell im Surfbrett-Bereich, so dass die Spielarten Bending und Vibrato sehr schnell darunter leiden. Eine siebensaitge Gitarre hingegen bietet eine komplette Standard-Gitarre plus einem erweiterten Bassanteil.

Dass dies allerdings bei einer Standard-Version physikalisch immer latent Richtung „Schlabber“ auf der H-Saite tendiert, ist auch Solar Guitars bekannt, daher hat man die Mensur auf 673 mm verlängert, um eine höhere Saitenspannung besser umsetzen zu können. Vom ersten Eindruck her tendiert die Solar Guitars T1.7AD Aged Natural ganz, ganz grob Richtung Telecaster, wenngleich die Form eigentlich nur angedeutet ist. Sowohl Korpusform, Holzbeschaffenheit als auch der allgemeine optische Eindruck könnte nicht weiter vom Original entfernt sein. Als Korpusholz wurde Erle verwendet, die allerdings bewusst in dezent „used“ gehalten wurde, um einen neuen Hochglanzeffekt zu vermeiden, ist aber in seiner matt-schimmernden Ausführung noch deutlich weit von der klassischen Relic-Behandlung entfernt.

Solar Guitars T1.7AD Aged Natural Test

Solar Guitars T1.7AD Aged Natural

Der Hals aus Ahorn wurde eingeleimt, das Griffbrett besteht aus Ebenholz, auf dem sich 24 Jumbo-Bünde aus Edelstahl befinden. Um sich im Dunkeln besser auf dem Griffbrett zurechtzufinden, hat man bei der Solar Guitars T1.7AD Aged Natural Griffbrettmarkierungen aus fluoreszierendem Kunststoff verwendet, die auch schon bei dezenter Dämmerung einen guten Job machen. Laut Firmeninfo soll es sich bei dem Hals um ein C-Shaping halten, wobei ich hingegen deutlich mehr Richtung D tendiere. Dieser Eindruck ist jedoch rein subjektiv. Weder der Korpus, noch der Hals wurden mit einem Binding versehen. Die Gurthalterungen passen optisch sehr schön ins Gesamtbild, sollten aber meines Erachtens gegen entsprechende Security-Locks ausgetauscht werden, sofern man sich nicht mit Gaffa-Tape oder Bierflaschengummiringen als Gurthalter herumschlagen möchte.

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Solar Guitars T1.7AD Aged Natural
Solar Guitars T1.7AD Aged Natural Bisher keine Kundenbewertung verfügbar

Auch die gesamte Hardware wurde mit einem dezenten Patina-Anstrich überzogen, was bei den 7 Tunern, an der Kopfplatte, dem Scratchboard praktiziert wurde wie auch bei der verbauten Evertune-Bridge zum Einsatz kam. Apropos Evertune Bridge, das in diesem Fall siebensaitige System ist bekanntermaßen eine aufwendige Federkonstruktion, die die Gegenspannung zur anliegenden Seitenspannung darstellt. Der große Vorteil des Systems liegt darin, dass die Gitarre nicht mehr gestimmt werden muss, da die Federkonstruktion die unterschiedlichen Saitenspannungen, die durch Temperaturunterschiede, Feuchtigkeitsunterschiede oder auch haptische Einwirkung entstehen, kompensiert.

Solar Guitars T1.7AD Aged Natural Test

Dabei kann man das System auf zwei verschiedene Arten einstellen. Version 1 ist die Variante, bei der die normale Handhabung der Gitarre in Form von Fingervibratos oder Bendings übernimmt. Version 2 ist die Variante, bei der das Überdehnen einer Saite aufgrund zu hohen Fingerdrucks auf das Griffbrett von dem System kompensiert wird. Gerade hier liegen die Stärken des Systems, was allerdings auch zwangsweise aufgrund der fehlenden Modulationen mit einer etwas „langweiligeren“ Ausdrucksweise im Spielbetrieb einhergeht. In diesem Fall war die Evertune-Bridge vom Werk aus sehr ungewöhnlich eingestellt, da nur die tiefe H-Saite in der Kompensationseinstellung eingestellt war, während die restlichen sechs Saiten wie eine normale E-Gitarre die Modulation der Finger mitnahmen. Ob dies mit Absicht geschah oder ob dies ein „Fehler“ bei der Auslieferung war, kann ich nicht sagen, Fakt ist jedoch, dass man alle Saiten seinem Gusto nach einstellen kann.

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Schaut man sich die Aussparungen an, die für die Elektrik, die Pickups und die Evertone-Bridge am Korpus vorgenommen wurden, so gelangt man schnell zu dem Eindruck, dass der Korpus zu knapp 50 % ausgehöhlt ist. Frühere Versionen der Evertune-Bridge haben nach deutlich größeren Aussparungen im Korpus verlangt. Hier hat sich einiges getan. Dennoch liegt die Solar Guitars T1.7AD Aged Natural aufgrund ihrer Korpusdicke von knapp 4,3 cm mit einem Gewicht von knapp 4,2 kg deutlich über dem, was man heutzutage normalerweise an Gitarren erwerben kann. Das Shaping ist dezent angelegt und im Bereich Armauflage, Cutaway, Halsfuß und Rippenbereich vorhanden. Als Tonabnehmer werden einmal mehr die mittlerweile sehr beliebten Fishman Fluence Pickups verwendet, die über einen Master-Tone- und einen Master-Volume-Regler verwaltet werden. Der Tone-Regler ist als Push-Pull-Poti ausgelegt und schaltet wie üblich zwischen den beiden Klangcharakteristiken Modern und Vintage um.

Solar Guitars T1.7AD Aged Natural Test

Solar Guitars T1.7AD Aged Natural, Evertune-Bridge

Die Solar Guitars T1.7AD Aged Natural in der Praxis

Nimmt man die Solar Guitars T1.7AD Aged Natural das erste Mal in die Hand, bekommt man tatsächlich das Gefühl einer echt „männlichen“ Gitarre. Aufgrund des hohen Gewichts und der massiven Haptik hat man umgehend das Gefühl, man kann überall „richtig amtlich dranpacken“, ohne dass man Gefahr läuft, etwas abzubrechen, zu verbiegen oder sonst wie in Mitleidenschaft zu ziehen. Die Werkseinstellung des in Indonesien gefertigten Instruments ist in der Tat sehr gut. Nichts klappert, nichts schnarrt, alles ist so eingestellt, wie man es persönlich auch einstellen würde, wenn man selber noch einmal Hand anlegen würde.

Die Evertune-Bridge erzeugt bei mir einmal mehr ein, sagen wir mal, ambivalentes Gefühl. Auf der einen Seite ist es großartig, das Instrument aus dem Koffer nehmen zu können und sofort losspielen zu können, ohne sich auch nur im entferntesten Gedanken über das Tuning zu machen. Auf der anderen Seite ist die indirekte Ansprache der Saiten für mich ein doch etwas gewöhnungsbedürftiges Gefühl. Es vergehen immer ein paar Millimeter, in denen die Federspannung der Evertune-Bridge erkennt, dass man ein Bending ansetzen möchte, bevor das Bending in Form der tonalen Modulation umgesetzt wird. Daran kann man sich mit seiner persönlichen Technik natürlich genauso gewöhnen, wie an alles andere auch. Wer allerdings von einem traditionellen Instrument kommt, wird sich hier eventuell wundern, warum man für den gleichen Modulationsradius eine deutlich weiter auslegende Fingerbewegung am Griffbrett machen muss.

Was hingegen jedoch deutlich besser geworden ist, ist das Sustain-Verhalten der Evertune-Bridge. Während die ersten Modelle des Systems deutliche Sustain-Killer waren und einiges an Schwingungsverhalten des jeweiligen Instruments abgewürgt haben, ist das aktuelle Modell diesbezüglich überhaupt nicht mehr zu bemängeln. Im Gegenteil, das Sustain-Verhalten ist sehr intensiv und ausgewogen bei diesem Instrument. Die Saiten schwingen trotz der überlangen Mensur schnell ein, lange aus und man hat überhaupt nicht den Eindruck, dass ein Großteil des Korpusholzes bei dem Instrument entfernt wurde.

Erwartungsgemäß überzeugt die Solar Guitars T1.7AD Aged Natural vor allem im High-Gain-Bereich, wenngleich man dem Instrument auch attestieren muss, dass es sich in gemäßigteren Gain-Strukturen auch sehr gut einsetzen lässt. Interessanterweise finde ich persönlich die Telecaster angelehnte Form sehr erfrischend, zumal sie sich doch von den stark Powerstrat-lastigen Auslegungen vieler anderer Anbieter wohltuend abhebt. Die Bespielbarkeit des Instruments ist trotz der mächtigen Abmessungen von Hals und Griffbrett gut, wobei insbesondere der geschmackvolle Übergang am Halsfuss überzeugen kann, welcher eine entspannte Spielweise auch jenseits des 15. Bundes ermöglicht.

Das einzige, was den guten Gesamteindruck schmälert, ist der typische „Spring Ring“-Effekt, der bei der Evertune-Bridge auftaucht, sobald man Palm-Muted spielt. Wie auch bei klassischen Vibratosystemen, die nicht gedämpft wurden, verhalten sich auch hier die Federn wie eine Hallspirale und „vermatschen“ das akkurate Spiel ein wenig.

Solar Guitars T1.7AD Aged Natural Test

Solar Guitars T1.7AD Aged Natural im Studio

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Fazit

Mit der Solar Guitars T1.7AD Aged Natural hat der Hersteller ein Instrument in seinem Portfolio, das vielen Ansprüchen gerecht wird. Das Instrument hat einen modernen Anstrich, bietet ein sehr gutes Schwingungsverhalten, befindet sich von der Verarbeitung her auf hohem Niveau und verfügt über eine Evertune-Bridge, die insbesondere im Bereich der Rhythmusarbeit einen echten Mehrwert erzeugt.

Wer ein stattliches Gewicht mag und sich an der eigenständigen Optik des Instruments erfreuen kann, sollte die Gitarre auf jeden Fall einmal antesten.

Plus

  • Verarbeitung
  • Komponenten
  • Flexibilität

Minus

  • "Spring Ring"

Preis

  • 1.499,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    🤦Oh mann Spring Ringing bei 1500€!das darf nicht sein, sorry, geht gar nicht. Ich kenne das Problem. Habs bei mir mit Gummi Handschuhe ausm Krankenhaus einlegen gelöst. Das Problem hatte auch nur 1 Gitarre und ich habe die 10 Jahre in der Ecke deshalb stehen lassen, bis ich drauf kam!

      • Profilbild
        Axel Ritt RED

        @Trichter Nein, da die Federn während des gesamten Spiels mit schwingen.

        Einzig wenn du einen finalen Akorrd abstoppst und die Federn weiter schwingen, könnte ein Noisegate Abhilfe schaffen.

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Wie man den Springmist beim Evertune weg bekommt weiß ich nicht, aber es ist furchtbar.

    • Profilbild
      Axel Ritt RED

      Der Fairness halber muss man sagen, dass man den gleichen Effekt auch auf jeden unbehandelten Floyd Rose und Fender Vibratosystem hat.

      Allerdings kann man den beiden Systemen besser mit Schaumstoff o. ä. zu Leibe rücken.

  3. Profilbild
    Eibensang

    Hach, das ist tatsächlich das erste Mal, dass mir rein optisch ein (entfernt) tele-inspiriertes Modell so richtig gut gefällt – wobei das hier am Finish und den spitzen Ecken liegt. Besonders das mattmetallene Griffbrett ist wunderschön und das Design – mit diesem schwungvollen Verzicht auf Zierkram – schlicht stark. (An Teles und Verwandten ist mir die Form zu plump. Obwohl ich selber eine habe: Weil sie gut klingt, sich 1A durchsetzt, robust ist und sich spitze greift.)

    Mit dem Evertune-Dings könnte man mich jagen, aber ich gehöre eh nicht zur Zielgruppe, weder musikalisch noch maskulin, haha! (Diese Schönheit wäre mir zu schwer – außerdem ist mir da eh eine Saite zu viel drauf:-) Aber schöner und aufschlussreicher Bericht.

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