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Test: Solar Guitars E1.6Vinter Perl White Matte, E-Gitarre

2. August 2022

Düstere Musik mit heller Gitarre!

Test: Solar Guitars E1.6Vinter Perl White Matte, E-Gitarre

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Wie man weiß, muss man gerade in der heutigen Zeit, wo die Instrumentenbranche bis zum Stehkragen gesättigt ist, einen langen Atem haben, um ein neues Produkt zu etablieren. Allein aus diesem Grund muss man YouTube Influencer Ola Englund mit Respekt begegnen. Früher selbst einmal in verschiedenen Kapellen aktiv, hat er aus wirtschaftlichen Gründen ins YouTube Werbefach gewechselt und parallel dazu seine eigene Gitarrenmarke Solar Guitars gegründet. Besagte Firma verfügt über eine große Auswahl an Modellen und hat sich insbesondere im Metal-Bereich in den letzten Jahren einen Namen erarbeiten können. Zum Test liegt uns die Solar Guitars E1.6Vinter Pearl White Matte aus indonesischer Fertigung vor.

Die Konstruktion der Solar Guitars E1.6Vinter Pearl White Matte

Es ist unschwer zu erkennen, dass die optische Vorlage der Solar Guitars E1.6Vinter Pearl White Matte in der Gibson Explorer Form zu suchen ist, wenngleich sich die Modelle im Detail deutlich unterscheiden. Ich selber bin ein großer Explorer Fan, leide aber auch wie viele andere Player unter der nicht vorhandenen Ständerkompatibilität und den riesigen Kofferabmessungen. Gut, für das Ständerproblem kann man auf Hängeständer zum Beispiel von K&M zurückgreifen, aber die asymmetrische Korpusform bleibt auf ewig eine Herausforderung für alle Casebauer. Trotz der großen Korpusabmessungen bleibt das Instrument mit einem Gewicht von knapp 4 kg im Vergleich zu seinem Urvater im moderaten Bereich, was aber wohl auch den Fräsarbeiten der Evertune Bridge (später mehr dazu) geschuldet ist.

Solar Guitars E1.6Vinter Perl White Matte Test

Laut Hersteller besteht der Korpus aus Erle, während man auf der Thomann Seite der Meinung ist, es würde Mahagoni bei den Korpusflügeln zum Einsatz kommen. Die Korpusform wurde, wohl um die Aggressivität zu betonen, von allen runden Kanten befreit und hinterlässt auch bei allen Shapings eine Art „Zylonen-Optik“. Das klangliche Herzstück hingegen ist der durchgehende Hals aus Ahorn, der mit einem Ebenholzgriffbrett versehen wurde. Die Solar Guitars E1.6Vinter Pearl White Matte bietet 22 Bünde aus Edelstahl, was den Vorteil bietet, dass der Halstonabnehmer im Bereich des imaginären 24. Bundes platziert werden konnte, wo er die besten Obertonschwingungen abgreifen kann. Inwieweit man eine matte oder glänzende Lackierung bevorzugt, liegt im Auge des Betrachters und selbst bei einem latenten „Modern Talking“ Eindruck, sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass keine Lackierung die farbigen Bühnenscheinwerfer so gut mitnimmt wie eine weiße. Oder auch einfach gesagt, „If you wear black, you have to play white!“.

Solar Guitars E1.6Vinter Pearl White Matte

Solar Guitars E1.6Vinter Pearl White Matte

Preis1.399,00 €

Jetzt kaufen
Jetzt kaufen

Die oben liegende Seite des Griffbretts wurde mit phosphoreszierenden Dot -nlays versehen, die im dunkelngrün leuchten, eine echte Hilfe für dunkle Bühnen. Interessanterweise wird die Solar Guitars E1.6Vinter Pearl White Matte mit der kurzen Mensur von 628 mm ausgeliefert, vielleicht auch, um die Abmessungen des ausladenden Korpus etwas zu mindern. Die Tuner sind verriegelbar und tragen das Solar Markenzeichen auf der Unterseite. Wo Solar Guitars die Mechaniken fertigen lässt, konnte ich nicht herausfinden, könnte aber von der Optik her im Hause Grover passieren. Das Instrument wird mit einem Gigbag ausgeliefert, das zumindest einen moderaten Schutz während des Transportes gewährleistet. Gegen schwere Schrammen oder abgebrochene Kopfplatten hilft jedoch nur ein massiver Koffer oder ein professionelles Case.

Solar Guitars E1.6Vinter Perl White Matte Test

Solar Guitars E1.6Vinter Perl White Matte – Profil

Die Elektronik der Solar Guitars E1.6Vinter Pearl Whit Matte

Einmal mehr setzt Solar Guitars auf die Tonabnehmer Fluence Modern aus dem Hause Fishman. In den letzten Jahren hat dieser Tonabnehmer einen große Fanschar im Bereich des Metals um sich versammeln können, da der Tonabnehmer mittels eines Switches zwischen zwei Charakteren umschalten kann. Den Schaltprozess übernimmt der Mastertone-Regler, der als Push/Pull ausgeführt ist. Die beiden Resonanzen werden als „Vintage“ und „Modern“ tituliert, womit deren Einsatzbereich auch direkt abgesteckt sein sollte. Dass es sich bei Vintage aber nicht um einen Vintage-Humbucker mit 7 kOhm Gleichstromwiderstand o. ä. handelt, dürfte wohl jedem klar sein.

Die Evertune Bridge

Wenn auch nicht mehr der totale Exot wie noch vor ein paar Jahren, so stellt die Konstruktion der Evertune Bridge immer noch eine Besonderheit im Bereich der Hardware dar. Kurz erklärt, über ein ausgetüfteltes Federsystem wird verhindert, dass sich die Gitarre verstimmt, was sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringt. Ist das System einmal auf eine bestimmte Saitenstärke eingestellt, können weder Temperatur-, noch Feuchtigkeitsunterschiede, zu fester Fingerdruck oder mechanische Einwirkungen das Instrument verstimmen. Gerade zu den Anfangszeiten des Systems atmeten viele Produzenten erleichtert auf, da einige „Holzhacker“ im Studio endlich einmal eine saubere Intonation anbieten konnten.

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Der Nachteil bei dieser Einstellung von zwei möglichen, alle Modulationen wie Bending oder Vibrato, die den persönlichen Klang formen, werden ebenfalls mit ausgeglichen, d. h. das Solospiel auf einer Evertune Bridge wurde in seinen Ausdrucksformen massiv beschnitten. Aber keine Sorge, man kann das System auch so einstellen, dass besagte Modulationen mit genommen werden, allerdings bedarf es hierzu einer sehr genauen Justierung, die bei einem Wechsel zu einer anderen Saitenstärke neu vorgenommen werden muss.

Selbst bei sehr guter Justierung bleibt immer noch ein Hauch von indirektem Ansprechverhalten, was aber auf der anderen Seite durch das Halten des Tunings wieder aufgefangen wird. Hier muss jeder selber wissen, welches Verhalten er präferiert, daher möchte ich auch dazu keine Wertung abgeben. Man sollte aber im Hinterkopf behalten, dass ein kurzer Tuning-Wechsel, zum Beispiel zu Drop D, nicht möglich ist. Sollte man also mehrere Tunings innerhalb seines Sets benötigen, empfiehlt es sich, mehrere Instrumente mit den jeweiligen Tunings am Start zu haben.

Solar Guitars E1.6Vinter Perl White Matte Test

Solar Guitars E1.6Vinter Perl White Matte – Rückseite

Die Solar Guitars E1.6Vinter Perl White Matte in der Praxis

Nun denn, die Gitarre frisch zur Hand, das Kabel in den Amp und es ertönt … nichts. Alle Kabel und Regler gecheckt … nichts. Was soll ich sagen, die Gitarre wird ohne den 9 V Block für die Elektronik ausgeliefert, eine Unart, die mittlerweile bei mehreren Herstellern um sich greift. Ich kann ja noch verstehen, dass sich der Hersteller bei längerer Lagerzeit des Instruments Sorge um eine auslaufende Batterie macht, aber dann sollte zumindest dem Instrument ein 9 V Block beigelegt werden. Man liefert ein Instrument ja auch nicht ohne Saiten aus.

Nachdem das Problem behoben wurde, konnte das Instrument seine Stärken präsentieren. Das Klangverhalten ist der Optik gleich eindeutig auf den Heavy-Bereich ausgelegt, daher habe ich mir in diesem Fall auch cleane Klangbeispiele gespart. Der Grundklang ist „knackig“ von der Ansprache her mit einem deutlichen Fokus auf den hohen Mitten, was für ein gutes Durchsetzungsvermögen sorgt. Trotz des vergleichsweise hohen Gewichtes hängt das Instrument sowohl gut balanciert am Gurt, als auch bequem in der Sitzposition.

Ich habe alle Soundfiles jeweils mit den beiden Voicings der Pickups aufgenommen, wobei zunächst die Vintage-, dann die Modern-Einstellung Verwendung findet. Allein mit diesen beiden Nuancen kann man seinen Klang bereits im Vorfeld sehr schön in zwei unterschiedliche Richtungen bugsieren, je nachdem welches Aggressionslevel man in seinem Ton verbuchen möchte. In Sachen Amp kamen die Kanäle 2-5 meines Hughes & Kettner Triamp MK3 zusammen mit einem Marshall 412 Cabinet mit Celestion G12 75T Speakern und 2 Stck. Shure SM 57 zum Einsatz.

Das Instrument war vom Werk aus sehr gut eingestellt, so dass keine weiteren Einstellarbeiten von Nöten waren. Auch konnte ich keine Sustain-Einbußen oder Nachschwinggeräusche der Evertune Bridge feststellen, wie es bei früheren Testinstrumenten zuweilen der Fall war. Als ein echtes Highlight stellten sich die leuchtenden Griffbrettmarkierungen heraus, die bereits bei leichter Dämmerung ihre Arbeit aufnahmen.

Die Solar Guitars E1.6Vinter Perl White Matte bedient mit ihrer Ausrichtung in der Tat ihre Zielgruppe auf der ganzen Linie, sei es von der optischen oder der tonalen Ausrichtung her. Die Verarbeitung ist einmal mehr sehr gut, unsaubere Lackstellen oder scharfe Kanten konnten nirgends ausgemacht werden. Es ist mir immer noch ein Rätsel, wie es Indonesien binnen so kurzer Zeit geschafft hat, eine handwerklich sehr hochwertige Fertigung auf die Beine zu stellen.

Solar Guitars E1.6Vinter Perl White Matte Test

Solar Guitars E1.6Vinter Perl White Matte – im Studio

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Fazit

Mit der Solar Guitars E1.6Vinter Perl White Matte hat der Hersteller seine Zielgruppe in vollem Umfang erreicht. Wer seine präferierte Musikrichtung im Hard’n’Heavy wähnt, findet in diesem Instrument ein gutes Handwerkszeug, mit dem man im Zweifelsfall seine Spieldisziplin in Sachen Intonation aufgrund der Evertune Bridge etwas vernachlässigen kann. Als versierter Sologitarrist wird einem das dezent indirekte Spielgefühl unter Umständen etwas Unbehagen bereiten, für Rhythmusgitarristen ist das System jedoch eine echte Hilfe.

Plus

  • Verarbeitung
  • Klang
  • Optik (Zielgruppe)

Minus

  • kein 9 V Block bei Auslieferung vorhanden

Preis

  • 1.399,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Trichter

    Guter Test, aber bei dem Bild von der Rückseite musste ich echt zweimal hinschauen bis ich die Gitarre gefunden habe. :D

  2. Profilbild
    Django07

    Zwei Fragen zum Evertune und der rechten Hand:

    Beim Abdämpfen der Saiten ruht zumindest optisch die Hand auf den Mechaniken des Evertune. Das verträgt das System, oder drückt man so eine Saite aus der Stimmung?

    Ragen scharfkantige Teile aus dem Evertune? Also im Vergleich zu einer SG, da sammelt sich gerne Blut am Saitenreiter – was natürlich „Metal“ ist…

    • Profilbild
      Axel Ritt RED

      Da kann ich dich in beiderlei Hinsicht beruhigen, weder drückt man das System wie z. B. bei einem Floyd Ose aus dem Tune, noch stehen scharfe Kanten hoch, an denen man sich verletzten kann.

  3. Profilbild
    whaip

    Eine wirklisch schöne Gitarre im Explorer Stil.

    So eine fehlt mir auch noch in meiner Sammlung. Solar habe ich schon länger im Auge…

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