14. September 2015

Roland VA-7, das virtuelle Schubiduah-Flaggschiff

VA-7 Front

Kannten Sie Stefan Raab schon, als er als Professor Hase in Eins Live arglose Menschen am Telefon veräppelt hat? Dann wissen Sie sicher auch um seinen Anruf bei der Telekom-Hotline, dass sein ISDN-Anschluss spontane Stimmveränderungen aufwies. Natürlich lag das weniger am ISDN, sondern eher am Boss Voice Transformer VT-1, den er vermutlich dazu eingesetzt hat. Das Gerät kam Mitte der 90er auf den Markt und war ein regelrechter Stimmen-Manipulator. Es war damit möglich, die Tonhöhe unter Beibehaltung der Formanten oder die Formanten selbst unabhängig von der Tonhöhe zu verschieben. Damit waren spannende Effekte möglich, auch für Instrumente konnte man dies gut einsetzen. Roland hat diese als VariPhrase getaufte Technologie um Time Stretching und Sync-Fähigkeiten erweitert und im Jahre 2000 den VP-9000 damit ausgestattet. Kurz darauf fand man sie ebenso im Entertainer-Keyboard Roland VA-7 und VA-76. Die VA-Modelle konnten allerdings nur in Mono samplen und speicherten die Audiodaten auf einer 100 MB fassenden Zip-Disc. Im Gegensatz zum VP-9000 besitzen die Modelle Roland VA-7 und VA-76 nur virtuelle Echtzeitregler, die Steuerung ist daher etwas eingeschränkt. Das ist angesichts der Zielgruppe auch okay. Ähnliche Effekte bei Werks-Presets fanden sich übrigens auch in anderen Roland-Keyboards.

Das Roland VA-7 wurde als Flaggschiff mit einer „wirklich intuitiven Bedienung“ beworben. Es verfügt über eine anschlags- und druckdynamische Tastatur mit 61 nicht gewichteten Tasten und einem leistungsstarken 2-Webe-Bassreflex-System. Das Roland VA-76 als professionelle Version kommt ohne integrierte Lautsprecher, dafür aber mit 76 leicht gewichteten Tasten, die technische Ausstattung ist bis auf Abmessungen und Gewicht identisch. Die abgespeckte Variante Roland VA-5 hingegen ist ein VA-7 ohne Zip-Drive und entsprechend fehlender VariPhrase-Technologie, zudem hat Roland auch Aftertouch und Ribbon-Controller weggelassen. Die Oberfläche hat vergleichsweise wenig Tasten, das liegt am von Roland erstmals eingesetzten Touch Screen. Viele Funktionen sind daher quasi unter die Haube gewandert. Preislich bewegten sich die Instrumente bei um 3.000 Euro auf Entertainer-Niveau, diesen Preis und etwas mehr bezahlt man heute für die Flaggschiffe immer noch.

Betrachtet man das Roland VA-7, wirkt es fast unspektakulär. Ein zweifarbiges Design aus Schwarz und Grau im oberen Teil, die großen Lautsprechergitter und der mittig platzierte, fix geneigte monochrome Touch Screen mit blau-weißer Farbgebung. Der Kontrast kann hinten eingestellt werden, Helligkeit und Lesbarkeit gehen für die damalige Zeit absolut in Ordnung. Dass Roland die Bedienung als intuitiv bezeichnet hat, nahmen damalige Tester wörtlich und nicht jeder konnte sich damit anfreunden, dass viele Tasten direkt auf den Touch Screen verweisen und ein entsprechendes Display-Menü öffnen. Aus heutiger Perspektive hat man sich natürlich daran gewöhnt und viele dürften sich mit der Bedienung inzwischen angefreundet haben. Damals allerdings war es sicher ungewohnt, das Display nicht nur zu betrachten, sondern auch anzufassen. Die aufgeräumte Front wirkt sehr wertig und auch sonst ist sich Roland seiner früheren Linie treu geblieben, das gilt nicht nur für das solide Kunststoffchassis. Selbst auf der beiliegenden Zip-Diskette finden sich sämtliche Styles der vergangenen G- und E-Modelle wieder.

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