Test: Anyware Instruments Filterbox

17. Juli 2001

Moog Kaskade in Plastikbox

Vorwort der Redaktion:

Es ist extrem schwierig, Produkte aus dem Musikbereich objektiv zu testen, also komplett über den eigenen Schatten, bestehend aus Meinungen, Geschmäckern und Vorurteilen, zu springen, um unseren Lesern eine zufriedenstellende Übersicht über das Produkt zu bieten. Der eine bevorzugt „dies“, ein anderer eher „das“. Um diese Aufgabenstellung öfters ins Bewusstsein zu rufen, kreierten wir einfach unsere neue Rubrik „CrossCheckz“, bei der wir – sofern es unsere Zeit erlaubt – ein spezielles Produkt von jeweils 2 Autoren testen lassen, um damit ein „vielschichtigeres“ Bild des Produktes zu erzeugen.
Mit dem folgenden Test der ANYWARE Filterbox hat unsere neue Rubrik auch Ihr Debüt.

Autor: Jan Hinnerk-Helms

Die Welt ist herrlich. Für Miliardenbeträge wurde die digitale Audiotechnik entwickelt, damit man endlich ohne lästige Verzerrungen Klänge herstellen,
aufzeichnen und wiedergeben kann, nur um festzustellen, daß Verzerrungen etwas Lebenswichtiges sind. Deren Herstellung widmet sich nun die ANYWARE FILTERBOX .

Nach einigen Softwareprodukten für den Ensoniq-Sampler ASR 10 ist die FILTERBOX das erste Hardwareprodukt der Manufaktur ANYWARE. Geboren, wie so oft, aus der Not heraus: Zwar fand man den Klang des Minimoog- Filters höchst erregend, den Gebrauchtpreis jedoch extrem abschreckend. Entsprechend war Eigeninitiative das Gebot der Stunde.

Bei dem Filter soll es sich laut Auskunft der Entwickler um einen Nachbau des entsprechenden Bausteins des bekannten Minimoog-Synthesizers aus dem Jahre 1970 handeln. Deshalb ist die FILTERBOX nicht etwa mit integrierten Schaltkreisen aufgebaut, sondern ganz wie das Vorbild diskret aus handverlesenen, einzelnen
elektronischen Bauteilen.

Der professionell-kühle Charme eines herkömmlichen Industrieprodukt stellt sich erst gar nicht ein. Im Gegenteil, man hat es mit einem Stück deutschen
Handwerks zu tun. Die FILTERBOX ist robust, es wackelt und klappert nichts- man fühlt sich wohl. Die Ausstattung ist klar und schnörkellos: Die CV-Buchse , Ein- und Ausgang liegen auf der Rückseite des Geräts.

Es ist sogar zu begrüßen, daß beim Erwerb ein vorgeschalteter Verzerrer gratis mitgeliefert wird. Die Kombination aus beiden ist schlichtweg unschlagbar, wird
damit doch jeder noch so schwächliche und nichts-sagende Klang zum Leben erweckt. Auch Drumloops profitieren enorm von dieser Brüllkiste. Was also im ersten
Moment Befremden hervorruft, erweist sich auf den zweiten Blick als Stärke. Das VCF ist auch sehr gut für den Wah-Wah Einsatz geeignet, das dann durch einen
externern Foot-Controller gesteuert wird.

Die ANYWARE FILTERBOX verfügt definitiv über einen eigenständigen Klangcharakter, der die Spannungsfelder dumpf/hell, sanft/schneidend und
sauber/verzerrt mühelos in beliebigen Kombinationen abdeckt. Diese Klangdimensionen sind spontan über eine äußerst überschaubare Anzahl von
Reglern zu bedienen.

Das Filter klingt überzeugend. Die Moogfärbung ist deutlich erkennbar und äußerst angenehm. Auch die Resonanz gefällt !!!

Fazit

Wenn Sie aber ohne viel Federlesens einfach einem beliebigen Sampler, Synthesizer oder Drumcomputer mehr Saft und Kraft schenken möchten, sollten Sie
den Erwerb dieser robusten Schachtel ruhig in Erwägung ziehen. Denn was dem Gitarristen seine zahlreichen Tretminen nebst
Transistor-Verstärker mit englischer Reglereinstellung, ist dem Elektronik-Musiker die Filterbox von Anyware!

Autor: Uwe Giegler

Intro

Filtereinheiten sind in aller Munde, werden ihnen doch Zauberkräfte zugesprochen. Das war vor 30 Jahren so und heute scheint es nicht anders zu sein. Besaß schon der MiniMOOG einen externen Filter-Eingang, so gibt es heute von Synthesizern losgelöste Geräte, welche dann als Filterboxen bezeichnet werden können. Eine Version davon habe ich nun vorliegen.
Eine „Conrad-elektronik-Style“ Blackbox mit gelber Frontplatte und vier Potis darauf will nun zeigen, was sie kann. Das Beiblatt klärt mich dahingehend auf, daß diese Wunderwaffe jedem zu einem dreckigen, verzerrten Sound verhelfen könne, der ja gerade so angesagt ist. Cleane Filterabläufe sollen angeblich auch möglich sein.

Strophe

Die Bedienungselemente auf der Vorderseite lesen sich wie folgt:
Gain-Reduktion und Power On-Schalter (das Outputsignal wird damit leiser geregelt und die Box eingeschaltet), Balance (das Mischungsverhältnis zwischen Filter und Originalsignal ist stufenlos regelbar), Cutoff (bestimmt die Filterfreqünz) und Resonance (hebt die Eckfreqünz bis zur Selbstoszillation hervor).
Ein Blick auf die Rückseite der Einheit lässt In, Out und CV-Eingang erkennen. CV bedeutet analoge Steürung durch eine Steürspannung von 0 bis 5 Volt. Dies setzt ein älteres Synthesizersystem, wie MS20/SQ-10, Modularsysteme aller Art, auch ein Döpfer A-100 oder ein MIDI/CV Interface voraus, welches dann MIDI-Daten in Spannung umwandelt. Ein Netzteil ist eingebaut und zwei LEDs signalisieren den ON-Status.

Refrain

Eine Drumspur läuft durch den Filter und meine Ohren stellen fest:
das Signal verzerrt für meinen Geschmack zu schnell und beginnt zu rauschen wenn es in Richtung clean geht, aber dafür ist die Box eigentlich auch nicht gedacht.
Der Filter klingt sehr musikalisch und tatsächlich in Richtung MOOGkaskade.
Der CV Input lässt sich nicht besonders feinfühlig über externe Modulationen steürn und auch die Resonanz schöpft den Regelweg nicht ganz aus. Dafür ist die Resonanz wie beim Vorbild bis zur Eigenresonanz fahrbar.
Leider fehlt ein Bypass-Schalter um auch das unbehandelte Signal prüfen zu können. Ebenfalls auf meiner Wunschliste steht ein Envelope-follower und eine verkürzte Hüllkürve mit Attack und Decay (siehe MoogerFooger).

Schlußakkord

Der Filter ist lustig designed und klingt gut. Seine Stärke sind die angezerrten bis verzerrten Sounds. Den Preis halte ich für problematisch: kein MIDI, keine automatische Modulation und kein rauschfreier, cleaner Sound. Und bei meinem Testexemplar eine schlechte Abstimmung der Regelbereiche der Potis. (Anmerkung der Redaktion: lt. Hersteller wurde dieser Fehler inzwischen behoben)
Die Box ist einen Test wert und für den einen oder anderen Sound gut oder sogar genau das richtige.

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