Test: B.C.Rich Beast, E-Gitarre

31. Januar 2008

B.C.Rich - Beast

Schon immer hat Rockmusik polarisiert. Als ich als junger Bursche im TV eine Live-Übertragung eines Status Quo Konzertes begeistert verfolgte, kam mein Großvater zufällig herein, schaute sich das Treiben auf dem Bildschirm eine kurze Zeit an und verließ mit den Worten „diese Menschen müssen krank sein“ kopfschüttelnd den Raum.

Wenn ein Name in vollständiger Konsequenz jemals mit dem Begriff „Metal“ verbunden war, dann ist es aufgrund der zuweilen bizarren Formen ihrer Instrumente die Firma B.C.Rich. Kein anderer Hersteller von Serienmodellen hat jemals diese Kontinuität an den Tag gelegt wenn es darum geht, optisch exaltierte Korpusformen zu etablieren wie die in den USA ansässige Firma des Firmengünders Bernardo Chavez Rico.

Das vorliegende Testmodell B.C.Rich Beast schießt bzgl. Korpusform dann endgültig den Vogel ab. Wer auch immer dieses Instrument in die Hand nimmt wird aufgrund der außergewöhnlichen Form alle zur Verfügung stehenden Ausrufe auf den Plan rufen, angefangen von „Um Gottes Willen“ bis hin zu „Boah geil eh“ und damit unter Umständen ähnliche Situationen herauf beschwören wie seinerzeit die Szene mit meinem Großvater. Wer sich immer gefragt hat was dabei raus kommt wenn man einen Baumstamm mit einem Alien aus der TV-Serie „Babylon 5“ kreuzt, hier ist das Ergebnis!

Front

Front

Konstruktion

Die Besonderheit des in China gefertigten Beastes ist der durchgehende Hals, welcher aus drei Streifen Ahorn zusammengesetzt ist. Die Streifen laufen bis in die überdimensionale Kopfplatte durch, hier wurden lediglich 2 weitere Streifen an den Seite an geleimt um die Optik entsprechend ausführen zu können. Das Griffbrett wurde in Ebenholz ausgeführt und mit 24 Bünden versehen. Unerwarteterweise wurde das Instrument mit relativ flachem Bunddraht versehen. Von der Breite her schon im Jumbo Bereich angesiedelt, ist die Bundhöhe für eine klar im Metal angesiedelte Gitarre eher moderat bis flach. Als Griffbretteinlagen kommen kleine Perloid Diamonds zum Einsatz. Zwei Korpushälften aus Nato, einer Mahagoni Unterart, wurden zur Komplettierung des Korpus am Hals angeleimt. Die Mensur des Instrumentes beträgt 25 ½“ (lange Mensur).

Back

Back

Alle Kanten wurden abgerundet und verschaffen dem riesigen Korpus ein überraschend komfortables Handling. Das Instrument ist sauber in schwarz (Firmenbezeichnung Onyx) lackiert und verfügt über ein strukturiertes Deckenfinish, welches aber aufgrund seiner hauchdünnen Ausführung keine Auswirkung auf den Klang haben wird.

Als optischer Blickfang schlägt neben dem ausufernden Korpusdesign natürlich auch die „böse Kopfplatte“ zu Buche. Ob irgendein behörntes Teufelchen für das Design Pate gestanden hat, mag jeder für sich selbst entscheiden, der geneigte Atheist kann die Ausbuchtungen auch gerne als Getränkedosen-Halter missbrauchen.

Body

Body

Die gesamte Hardware ist in ebenfalls in schwarz ausgeführt. 6 Tuner lassen die Saitenführung auf der Kopfplatte recht stark nach rechts, respektive links abknicken, so dass zu Gunsten der Optik die Stimmfähigkeit etwas gelitten hat. Bei Gebrauch des Locking Sattels des lizenzierten Floyd Rose Systems relativiert sich dieses Problem aber wieder, lediglich bei gelöstem System leidet die Gleichmäßigkeit des Regelweges. Ein Mastervolume und ein Masterklangregler verwalten das Tonsignal.

Side

Side

Praxis

Der asymmetrische Korpus birgt in der Praxis so einige Tücken, so fand ich beim besten Willen nicht einen einzigen Gitarrenständer in dem man das Instrument parken konnte. Man kann es faktisch nur an die Wand hängen oder in Schaumstoff-beklebten Multiständer stellen, d.h. es ist nur ein Frage der Zeit bis die hinteren Kanten des Korpus erste Kratzer zeigen.

Trocken gespielt zeigen sich die Vorteile eines durchgehenden Halses gepaart mit einem hohen Anteil an Holzmasse. Das Instrument weist ein überdurchschnittliches Sustain auf, zumal ein Floyd Rose Vibrato immer einen gewissen Anteil der Schwingungsenergie verbrät. Die Töne stehen schön lang in einer ausgewogenen Amplitude und dies zudem über den gesamten Griffbereich. Deadspots oder gar Totaleinbrüche aufgrund Resonanzabsorptionen konnte ich nicht ausmachen.

Der übergroße Korpus liegt überraschend ergonomisch am Körper an, lediglich das obere „Horn“ bohrt sich aufgrund der spitzen Kanten im Sitzen ständig in den Bereich des Brustbeins. Nun gut, wer spielt ein solche Gitarre schon im Sitzen und nebenbei, schon mal ein „Flying V“ auf den Knien gehabt? ;-)

Über einen cleanen Amp geschickt kommen die beiden hauseigenen Humbucker recht hochmittenlastig daher. In Parallelschaltung hat das Instrument einen schönen klaren Sound in Petto, welches Arpeggios und leicht funkige Riffs souverän wieder gibt. Der Halstonabnehmer kann mich persönlich nicht ganz überzeugen was wohl auch an seiner Platzierung liegt. Ich bin der Meinung dass Instrumente mit 24 Bünden konstruktionsbedient nicht den voluminösen Sound einer Konstruktion mit 22 Bünden erreichen können. Setzt man den Hals Pickup nicht unter den 24. Bund sondern weiter in Richtung Steg verliert er meines Erachtens an Charakter. Wohlgemerkt, dies ist eine rein subjektive Meinung und kann nicht verallgemeinert werden.

Im verzerrten Modus findet die Beast den Bereich wofür sie gebaut wurde. Der nasale Grundklang der Pickups kann hier aufgrund des hohen Durchsetzungsvermögens deutlich mehr punkten, wenngleich auch hier mir persönlich etwas zuviel „Geknödel“ in den oberen Frequenzen zu vermelden ist. Auch der Stegtonabnehmer, wenngleich deutlich besser geeignet für diesen Sound als der Hals Pickup, fährt eine deutliche Säge aus. Die Bespielbarkeit ist tadellos, aufgrund des niedrigen Bunddrahtes lässt sich bei Bedarf auch eine entsprechende Saitenlage einstellen.

Front Side

Front

Fazit

Wenn schon, denn schon! Neben der Politik ist das Showgeschäft DER Bereich wo umfangreiches Kasperletheater nun mal ein Muss ist. Niemand wird ein Instrument mit einer solchen Optik jemals im Pop, Blues oder gar Jazz erwarten, für den Metal sucht man bzgl. Optik jedoch seinesgleichen. 50 Prozent der Zuschauer wird die B.C.Rich Beast abstoßen, 50 Prozent werden sie großartig finden und 100 Prozent der Leute reden über dich. Von daher, Klassenziel erreicht!

Klanglich mit viel Licht und wenig Schatten ausgerüstet hat die Beast auf jeden Fall ihr Publikum und wer eventuell wie ich die Pickups tauschen würde, bekommt ein amtliches „Metal-Brett“ für seine Stage-Performance.

Plus

  • Optik
  • Sustain
  • Bespielbarkeit

Minus

  • Pickups

Preis

  • Ladenpreis: 679,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    ja wenns denn dann mal metal wär bei soner gitarre….ich glaub die riffs werden bei den klienten so einer gitarre nich gespielt…

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