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Test: General Vibe VectorSector, Software-Synthesizer

10. März 2005

Der Prophet VS lässt grüßen

Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis sich jemand mit einer Emulation des Sequential Circuits Prophet VS befaßt. Schließlich genießt auch dieser Synthesizer einen legendären Ruf und wird heute noch von vielen Musikern und Klangtüftlern eingesetzt. Doch hat sich dieser Arbeit nicht irgend jemand angenommen, sondern kein Geringerer als Joshua Jeffe, der während seiner Zeit bei Sequential Circuits schon für die Firmware des Prophet VS verantwortlich war. Im Lauf der letzten Jahre war er u.a. auch für das Design des E-mu Proteus/1 und des Antares Filter PlugIn zuständig.

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First But Not Least

Natürlich wurde der VectorSector nicht als völlig puristisches Abbild seines Vorbilds erstellt. Einige für den Hersteller wichtige Modifikationen im Bereich Klang und Bedienung wurden in die Software implementiert. Die Polyphonie ist mit bis zu 16 Stimmen vom Anwender frei wählbar, während das Original mit 8 Stimmen versehen war. Der Arpeggiator ist verloren gegangen, aber in Zeiten der ausgeklügelten HOSTs wie Cubase SX mit seinem Arpache ist diese Tatsache eher marginal.
Auch ist es (noch) nicht möglich, eigene Wellenformen zu programmieren oder einen Upload derselben vorzunehmen. Jedoch liegt dieses wohl an dem Umstand, dass die Wellenformen nun nicht mehr als Samples vorliegen, sondern in Echtzeit errechnet werden, wobei wir schon beim wesentlichen Unterschied zur Hardware sind.
Joshua Jeffe verspricht sich davon eine klangliche Verbesserung der einzelnen Wellenformen, die alten hatten nach seiner Aussage wohl mit den Restriktionen der Sampling Technologie von 1986 zu kämpfen.
Jedoch räumt der Entwickler ein, dass bei zukünftigen Updates sowohl ein SysEx-Import von Waves wie auch das Erstellen eigener Wellenformen möglich sein soll.
Die Hardware bietet die Möglichkeit, bis zu 32 eigene Oszillator-Mixe als eigene Wellenform abzuspeichern, um diese dann im Zusammenhang mit den drei anderen Oszillatoren als eigene Wave zu verwenden. Durch die Speicherkapazität moderner Rechner entfällt diese anzahlmäßige Restriktion.
Warten wir es ab und wenden uns erst einmal dem zu, was jetzt schon möglich ist.
Es ist schon interessant genug.

Installation

Diese geht allerdings etwas ungewöhnlich vonstatten. Während der Installation ist es notwendig, eine offene Internet-Verbindung auf dem Rechner zu halten, da die Registrierung, durch den Benutzer unbeeinflußbar, in deren Verlauf via Internetverbindung zur Website abläuft. Updates wiederum werden als *.dll direkt in das PlugIn-Verzeichnis gesetzt, um die alte Version zu überschreiben, eine erneute Verbindung ist hierbei nicht notwendig. Die Installation kann genau zweimal erfolgen, dann ist die Anzahl der möglichen Installationen überschritten.

Grundsätzliches zum Handling
Zum Lieferumfang gehören 100 Rekonstruktionen der originalen Factory Presets.
Alle mit einem Pfeil versehenen Parameter können entweder durch einen Mausklick und Direkteingabe über die Tastatur oder durch Anklicken und Ziehen eines Reglers in einem horizontalen Balken geändert werden.
Grafische Werte (Vektorfeld und Hüllkurven) werden über zweidimensionales Ziehen der entsprechenden Abschnittspunkte modifiziert.
Parameter wie ALT und UNISON werden nur an-/abgeschaltet.

2_image004.jpg

Oszillatoren

Bei jedem Oszillator ist es möglich, zwischen Wave 0 -– 126, Noise oder OFF zu wählen; darüber hinaus kann noch eine Grob- und eine Feinstimmung durchgeführt werden.
Mit dem Regler MASTER wird pro Patch eine über den gesamten Oszillatormix wirksame Feinstimmung möglich.
Wird die Funktion UNISON in Betrieb genommen, ist der gesamte Synthesizer automatisch monophon. Der Schalter DETUNE sorgt im Bereich 1 – 7 für eine entsprechende Verstimmung der einzelnen UNISON-Stimmen. Die Anzahl dieser Stimmen wiederum ist abhängig von der unter POLYPHONY eingestellten Stimmenzahl.
Das Mischungsverhältnis des Pegels jedes Oszillators kann statisch über dessen Position im Vektorbereich gesteuert werden, womit wir im Zentrum der Vektorsynthese wären. Im Gegensatz zu herkömmlichen Mixern, die lediglich di ese statische Mischung der einzelnen Oszillatorausgänge ermöglichen, gestattet der Vektorbereich eine dynamische Mischung der Amplitudenlautstärke der vier Oszillatoren. Jedem Eckpunkt (A-D) des Koordinatensystems wird eine Wellenform zugewiesen, die je nach Modulation unterschiedlich laut wiedergegeben wird. Im exakten Schnittpunkt aller 4 Punkte (Mitte) wäre der Pegel aller 4 Oszillatoren gleich stark.
Eine Möglichkeit der dynamischen Anpassung der Lautstärke ist die Vektorhüllkurve. Diese Vektorhüllkurve kann entweder mit LOOP OFF, einer bestimmbaren Anzahl oder unendlich oft (INF) durchlaufen werden, so lange ein NOTE ON-Befehl anliegt. Die Art des Durchlaufs (vorwärts, rückwärts und pendeln mit Varianten des Start- und Endpunktes) kann ebenfalls festgelegt werden. Die Geschwindigkeit des Durchlaufs ergibt sich aus den konstanten Werten in ms zwischen den einzelnen Hüllkurvenabschnitten.
Ein polyphones Portamento (GLIDE) wurde dem VectorSector ebenfalls mitgegeben.
Der Oszillatormix wird ohne weitere Lautstärkeregelung dem Filter zugeführt.3_image006.jpg

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Filter

Das Filter ist eine Emulation des resonanzfähigen 24 dB-Filter und packt, entsprechendes Programming vorausgesetzt, recht kräftig zu. Grundlegend wird es über die Parameter Cutoff, Resonance und Envelope Amount eingestellt.4_image008.jpg

Envelopes

Die Hüllkurven für Filter und VCA sind identisch aufgebaut. Sie bieten 5 Stufen, wobei die Besonderheit ist, dass im Gegensatz zur Vektorhüllkurve nur ab Stufe 3 zu jeder zurückliegenden Stufe geloopt werden kann. Diese Schleife, sofern nicht LOOP OFF eingestellt ist, unterliegt den gleichen Richtlinien wie der Loopverlauf bei den Oszillatoren. Die Aktivierung des Schalters ALT hat zur Folge, dass eine alternative Releasezeit durch ein Sustain-Pedal oder ein Hold-Footswitch aktiviert werden kann. Diese Funktion gilt auch für die Vektorhüllkurve.

5_image010.jpg

Modulation

Gegenüber der Hardware ist die Modulationsmatrix quantitativ erweitert worden.
Die Zu-/Abschalten erfolgt durch einfaches Anklicken der Verbindungspunkte.
Welche Quellen welchen Zielen zuordenbar sind, kann der Abbildung entnommen werden, die Intensität der einzelnen Modulationen wird bipolar an den Quellen festgelegt und wirkt bei allen Routings, durch eben diesen einen Ausgangspegel bestimmt, mit dem selben Wert. An dieser Stelle würde ich mir noch einen zusätzlichen Eingangspegel wünschen, da man damit differenziertere Modulationseffekte erreichen kann.6_image012.jpg

Pan/Chorus/LFO/Output

Beim Panning kann, pro Kanal mit einem unterschiedlichen Wert, die allgemeine Stereobreite eingestellt werden. So lassen sich sehr breite und im Stereobild wandernde Klänge erzeugen, wie sie mittels der Vektorsynthese eingestellt und/oder per Vektorhüllkurve oder diverser Modulationsquellen verändert werden können.
Der Chorus kann den Ausgangskanälen getrennt zugeschaltet werden und verfügt über die gemeinsamen Parameter Rate, Depth und Level.
Die beiden LFOs verfügen über die Wellenformen Dreieck, Sägezahn, Rechteck, Ramp Down, Ramp Up und Random und sind in ihrer Geschwindigkeit im Bereich von 0,06 Hz – 15 Hz parametrisierbar.
Die Gesamtlautstärke eines Patches kann über den Gain-Parameter unter OUTPUT (s. Gesamtbild unten rechts) geregelt werden.

MIDI

Jeder Parameter ist einem bestimmten MIDI-Controller zugeordnet und versteht NRPN-Werte über Data Entry und/oder Inc/Dec, also relative Controller, wie sie z.B vom Doepfer Pocket Dial gesendet werden können. Standard MIDI ist für Modulation, Volume und Pan implementiert. Ob das Reduzieren der Standard MIDI Controller auf diese drei durchdacht ist, wage ich zu bezweifeln. Schön wären hier normale MIDI CCs für alle Parameter.
Der Empfang von MIDI-Daten wird durch eine grafische LED angezeigt. Der Empfang kann auf OMNI oder einen bestimmten Kanal eingestellt werden. Der Parameter BEND steht für den Pitchbend-Bereich und erlaubt eine Tonhöhenveränderung von bis zu +/- 12 Halbtonschritten.
Entsprechende Hardware vorausgesetzt, kann hier auch eine manuelle Vektorsynthese, wie man es auch von der Hardware oder von einem Nachfolgegerät, der KORG Wavestation/EX/AD, gewohnt ist, vorgenommen werden.

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Fazit

Nachdem KORG im Rahmen seiner Legacy Collection bereits die Wavestation als Software auf den Markt gebracht hat, kommt mit dem VectorSector auch das Ur-Instrument der Vektorsynthese in dieser Form zu seiner Reinkarnation. Sinnvoll ist es schon durch das resonanzfähige Filter, das den Klängen einen völlig eigenen Stempel aufdrücken kann. Auch die jetzt klanglich verbesserten in Echtzeit errechneten Waves und der entsprechend avisierte Ausbau des Vorrats an Wellenformen machen das Gerät sehr interessant. Die insgesamt gut zu bedienende Oberfläche tut ihr Übriges, um eine intuitive Soundprogrammierung, sofern man von dieser im Zusammenhang mit Software sprechen kann, zu gewährleisten. Dazu trägt auch der What-You-See-Is-What-You-Get-Aspekt bei, da es keine versteckten Parameter gibt. Allein die Größe der Oberfläche und damit ihrer Parameter hätte durchaus ein wenig größer ausfallen dürfen. Alles in allem ein VSTi, das jeden ansprechen dürfte, der sich für lebendige Klänge und außergewöhnliche Modulationen im Rahmen der Vektorsynthese interessiert. Auch der Preis geht meines Erachtens in Ordnung, allein in Anbetracht der Tatsache, in welchen Preisregionen sich die Hardware auf dem Gebrauchtmarkt bewegt.

Plus

  • feine Umsetzung der in Echtzeit emulierten Wellenformen
  • gut klingendes Filter
  • aufgeräumte Oberfläche, keine versteckten Menüs
  • Zum Großteil puristische Umsetzung mit sinnvollen Erweiterungen

Minus

  • Ungewöhnliche Installation, nur online via Internet möglich
  • Kein justierbarer Eingangspegel bei den Modulationszielen
  • Größe des Fensters
  • Nur über NRPN MIDI lassen sich alle Parameter erreichen

Preis

  • 199,- USD
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    nox70

    Leider ist dieses Plugin nicht mehr erhältlich, der Entwickler hat auch relativ frühzeitig den Support eingestellt. Das angekündigte Handbuch ist nicht erschienen, Anfragen von Kunden wurden nicht beantwortet. Leider ist das ein Verhalten, was man immer häufiger in der Plugin-Welt sehen kann.

    In Bezug auf GENERAL VIBE VECTORSECTOR ist das extrem schade, denn dieser Softsynth ist wirklich ein klasse Instrument, welches ein enormes Potential beinhaltet und mit knapp einem halben MB Größe auf qualitätsmäßiger Höhe der Arturia Emulation liegt.

    Hier hat man eine große Möglichkeit vertan.

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