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Test: Focusrite Scarlett 2i2 4th Generation, USB-2.0-Audiointerface

Neuauflage des Einsteigermodells

15. September 2023
focusrite scarlett 2i2 4th generation test

Focusrite Scarlett 2i2 4th Generation, USB-2.0-Audiointerface

Vor 12 Jahren hatte Focusrite erstmals seine Scarlett-Reihe präsentiert: USB-Audiointerfaces mit gutem Klang zu einem relativ günstigen Preis. 2017 folgte die zweite, 2019 die dritte Generation, die sich – jedes Mal technisch und klanglich etwas verbessert – in kleinen Tippelschritten in Richtung der wesentlich teureren Clarett-Serie bewegten (natürlich, ohne diese auch nur annähernd zu erreichen, aber immerhin). Nun also hat Focusrite wieder einmal nachgelegt und Ende August die Modelle Solo, 2i2 und 4i4 auf die vierte Stufe gehievt. Ich habe hier den mittleren Vertreter, das Focusrite Scarlett 2i2 4th Generation (hier gibt es weitere Informationen zur gesamten Scarlett Audiointerface-Familie), zum Test bekommen. Was ist neu gegenüber dem Vorgänger, was ist besser?

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Focusrite Scarlett 2i2 4th Generation

Die Scarlett Familie: Generationenkonflikt

Die Scarlett-Reihe ist aktuell zweigeteilt. Während die Modelle Solo (139,- Euro), 2i2 (209,- Euro) und 4i4 (279,- Euro) bereits in der vierten Generation erhältlich sind, haben die größeren Ausführungen 8i6 (269,- Euro), 18i8 (399,- Euro) und 18i20 (499,- Euro) zum Zeitpunkt dieses Tests (Anfang September) den nächsten Schritt noch nicht getan und befinden aktuell noch in der dritten Generation. Allerdings sind derzeit auch noch die Modelle der dritten Generation von Solo, 2i2 und 4i4 im Handel erhältlich – vermutlich, um letzte Lagerstände loszuwerden. Daher dann auch die aktuell recht günstigen Preise von derzeit 86,- Euro (Solo), 124,- Euro (2i2) und 178,- Euro (4i4). Wer sich also auch mit dem Vormodell zufrieden gibt, könnte da ein Schnäppchen machen. Das allerdings nicht lange Bestand haben wird – wie gesagt: Das ist der Stand Anfang September 2023. Und für alle, die die Scarlett-Serie nicht kennen: Die Zahl vor dem „i“ bezeichnet die Zahl der Eingänge, die Zahl nach dem „i“ die Zahl der Ausgänge. Aber darauf seid ihr vermutlich auch schon selber gekommen.

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Mehr Informationen

Technische Daten zum Scarlett 4th Generation

Das Focusrite Scarlett 2i2 4the Generation ist ein 2-Kanal USB 2.0 Audiointerface mit 24 Bit Auflösung (fest) und maximal 192 kHz. Ein Vergleich mit dem Vorgängermodell der dritten Generation zeigt, dass das 2i2 4th Generation bei den Leistungsdaten gut zugelegt hat. Ein paar Beispiele (in Klammern jeweils die Werte des Vorgängers): Gain-Range Mikrofoneingänge 69 dB (56 dB), Gain-Range Line-Inputs 68 dB (56 dB) und Gain Range Instrument Inputs 61 dB (56 dB). Der Dynamikbereich der Mikrofoneingänge liegt nun bei 116 dB (111 dB), der der Line-Eingänge bei 115,5 dB (110,5 dB) und bei den Instrumenteneingängen bei 113 dB (110 dB). Die Line-Ausgänge kletterten da sogar von 108,5 auf satte 120 dB. Um mal Heimwerkerkönig Tim Taylor zu zitieren: „Mehr Power“ bzw. mehr Headroom und das kann ja nie schaden.

Weitere „Tech-Specs“: Maximaler Eingangs-Level der Mikrofon-Eingänge 16 dBu (9 dBu) und Rauschen EIN -127 dBu (-128 dBu). Laut Focusrite sind im Scarlett dieselben Wandler verbaut wie in der wesentlich teureren Rednet-Serie.

Das Focusrite Scarlett 2i2 4th Generation ausgepackt

Die Verpackung kommt mit viel Schwarz und ein klein wenig Focusrite-Rot, mit einer Großaufnahme der Input-Regler. Rundherum (und innen) ist der Karton mit markigen Sprüchen versehen: „Welcome to studio sound“ heißt es da, und „For the Artist“ und „Who never stops creating“. Enthalten ist – neben dem Audiointerface selber – ein Zettel mit den üblichen Sicherheitswarnungen, der mich in gefühlt 30 Sprachen ermahnt, doch bitte keine Vase auf dem Gehäuse abzustellen, sowie ein USB-Kabel (A auf C, das mit gerade einmal 1 m Länge schon arg kurz ausfällt). Mittlerweile geübt im Auffinden wirklich wichtiger Informationen entdecke ich auf der vorderen Falz des Kartons eine etwas kryptische Illustration, bestehend aus den schemenhaften Zeichnungen des Interfaces, eines Monitors und eines Datei-Browsers (oder soll das ein Dokument sein?) und einen Link zum 2i2 Easy Start. Dem ich dann gleich mal folge.

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Focusrite Scarlett 2i2 4th Generation

Installation und Inbetriebnahme des Scarlett Interfaces

„Let’s start by registering your Scarlett to your account”, empfängt mich der Easy Start. Denn nur so bekomme ich “all the great bundled Software included with your Scarlett!” Nun, da ich bis jetzt ja noch gar nicht weiß, welche großartige Software mich da erwartet, folge ich der Anweisung. Account habe ich schon, also Seriennummer eingegeben (die steht auch auf dem Karton), ein paar Fragen beantwortet, dann endlich komme ich an die „Essential Software“, die „Focusrite Control 2 (Windows)“.

Das Scarlett Interface braucht zwar nicht zwingend einen speziellen Treiber, sondern funktioniert grundsätzlich auch ohne (class-compliant). Will man allerdings Samplerates nutzen, die über 48 kHz hinausgehen, ist Focusrite Control 2 Pflicht.

Beim Anschluss an den PC kann ich – via Control 2 – auch direkt und einfach die neue Firmware aufspielen, das ist schon extrem einsteigerfreundlich. Wie auch der Rest der „Easy Tour“: Ein Video (leider nur auf Englisch) lässt mich checken, ob das jüngste Scarlett auch richtig angeschlossen ist, gefolgt von einigen Tutorials, die sich auf Wunsch absolvieren lassen. Als Pro kann man die sicher auch auslassen, aber gerade Newbies sind ja dankbar, wenn ihnen die Grundlagen erklärt werden. Zum Schluss gibt es dann die mitgelieferten Software-Pakete, die ich aber auch jederzeit über meinen Focusrite-Account herunterladen kann. Dazu gehören unter anderem Ableton Live Lite, ein Drei-Monats-Abo von Pro Tools Artist, die Hitmaker Expansion (mit Antares AutoTune, Relab LX480 Essentials, Sonnox Vox Doubler, Softube Marshall’s Silver Jubilee 2555, XLN Addictive Keys, Native Instrument Massive, XLN Addictive Drums 2 und Studio Rock ADPack, Brainworx Masterdesk / Oberhausen / Console Focusrite, Red Plug-In Suite) und noch einiges mehr. Das muss man sich zwar einzeln herunterladen – meist bei den jeweiligen Herstellern – und hier und da auch Accounts anlegen, aber für dieses doch sehr umfangreiche Paket lohnt die Mühe in jedem Fall.

Focusrite Scarlett 2i2 4th Generation

Die Hitmaker Expansion

Eine äußerst ausführliche und gut illustrierte deutsche Bedienungsanleitung befindet sich auf der Produktseite des 2i2 4th Gen. Die übrigens mit 43 Seiten deutlich mehr als doppelt so umfangreich ausgefallen ist wie die der Vorgängerversion (19 Seiten). Da hat sich Focusrite wirklich Mühe gegeben.

Focusrite Scarlett 2i2 4th Generation: Vergleich zum Vorgänger

Wie gewohnt bei den Scarletts steckt auch das neue 2i2 in einem karminroten, stabilen Metallgehäuse (Front- und Backplate sind aus Kunststoff). Es bringt knapp 600 g auf die Waage und ist mit 47,5 x 180 x 117 mm recht kompakt ausgefallen, die Verarbeitungsqualität ist eigentlich gut: Sämtliche Schalter und Regler sitzen fest und wackeln nicht. Was allerdings auffällt: Wenn ich z. B. etwas am Kopfhörer- oder einem Line-Stecker herumwackele, bewegt sich die komplette Frontplatte ein ganz klein wenig nach oben/unten mit. Zwar nur geschätzt einen Millimeter und so oft wackelt man da ja nun auch nicht rum, aber trotzdem muss ich da an den alten Mechanikerspruch denken: „Nach lose kommt ab.“ Daher: Bitte bei der 5th Generation die Frontplatte dann besser am Gehäuse verschrauben, danke.

Focusrite hat die Frontpartie des neuen 2i2 komplett umgestaltet und sämtliche Anschlüsse und Bedienelemente umsortiert. Durch die Verlegung der XLR-Anschlüsse auf die Rückseite – also die Auftrennung der ehemaligen XLR/TRS-Kombobuchsen in XLR und Klinken-Line-In – hat man Platz gewonnen, so dass die Front jetzt aufgeräumter und übersichtlicher wirkt. Zudem muss man jetzt auch nicht mehr so häufig Stecker wechseln, falls man mal das Mikrofon statt des Synthies anschließen will. Weggefallen ist auch die Dopplung der Taster „INST“ und „AIR“, die bei der Dreier-Version noch für jeweils beide Eingangskanäle vorhanden waren, jetzt aber nur noch einmal da sind.

Focusrite Scarlett 2i2 4th Generation

Ganz links befinden sich zwei große Klinkenbuchsen für die beiden Line-Eingänge (mono), direkt darüber die Gain-Regler – wie gehabt mit dem farbigen LED-Ring (aka Halo), der bei Betätigung des Reglers in Weiß dessen Stellung anzeigt, ansonsten dann in unterschiedlichen Farbabstufungen von grün bis rot und steigenden Längen den anliegenden Pegel des eingehenden Signals. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig und auch nicht so exakt wie eine normale, mehrgliedrige Pegelanzeige (wie etwa beim MOTU M4), aber als ungefährer Anhaltspunkt ist das ok.

Neben diesem Eingangsblock sind sechs Taster (2x 3) untergebracht. Dazu gehören die beiden schon erwähnten INST und AIR (die es wie gesagt nur noch einmal gibt). Mit INST schalte ich die Line-Eingänge auf Hi-Z-tauglich um, während die überarbeitete AIR-Schaltung (jetzt zweistufig) den Klang des Vorverstärkers ändert. „AIR Presence“ sorgt durch Verstärkung der Höhen für einen Extraschub an Präsenz (gut zum Beispiel für Vocals), „AIR Presence und Harmonic Drive“ fügt zusätzlich zur analogen Schaltung noch Obertöne hinzu. Wie sich das klanglich auswirkt, checke ich später natürlich mal.

Mit dem neuen SELECT-Taster kann ich zwischen den beiden Line-Eingängen wechseln und dort dann jeweils INST und AIR aufschalten. Die Kennzahl des gerade gewählten Eingangs leuchtet grün, ebenso die aktivierten Zusatztaster. So weiß ich immer, wo ich gerade bin und was auf welchem Kanal aktiv ist – ziemlich clever gemacht. Ich kann auch beide Kanäle (bzw. die beiden Vorverstärker) miteinander verbinden, indem ich einfach die SELECT-Taste lange drücke; dann leuchten sowohl die 1 und die 2 und alle Schalterbewegungen (auch das Volume) gelten für beide Line-Eingänge. Das ist recht nützlich, wenn ich mit dem 2i2 4th Gen Stereoaufnahmen machen möchte.

Focusrite Scarlett 2i2 4th Generation

Zwei weitere neue Taster (und Funktionen) sind AUTO und SAFE. Hinter AUTO verbirgt sich eine Auto-Gain-Funktion: Nach Betätigen der Taste checkt Scarlett zehn Sekunden lang das eingehenden Signal und stellt dann automatisch den passenden Pegel ein. Der sich dann aber noch von Hand nachjustieren lässt. Über die Mehrkanal-Auto-Gain-Funktion kann ich auch beide Kanäle (auch die Mikrofoneingänge) gleichzeitig, aber unabhängig voneinander einpegeln lassen. Das ist zum Beispiel ganz praktisch für Musiker, die Gitarre spielen und gleichzeitig singen. SAFE steht für die Clip-Safe-Funktion: Besteht die Gefahr einer Übersteuerung, wird der Gain des Vorverstärkers automatisch angepasst. Wie gut AUTO und SAFE funktionieren, probiere ich gleich aus. Der +48 V Taster – der für beide Mikrofoneingänge gleichzeitig gilt – komplettiert das Sechserfeld.

Auf der rechten Seite der Frontplatte schließlich befindet sich der große Output-Regler (der hieß in Version 3 noch Monitor), der Direct-Monitortaster (der jetzt nur noch DIRECT heißt und weiter nach rechts oben gewandert ist), sowie der Kopfhörerausgang (große Klinke) samt Volume-Regler. Heißt: Leider gibt es noch immer keinen Mixregler für das Direct Monitoring, schade – den hätte ich gern gesehen.

Auf der Rückseite gibt es ebenfalls Neuerungen: Zum einen wurden die XLR-Buchsen aus den XLR-Kombo-Buchsen der 3er-Version separiert und nach hinten verlegt. Heißt: Mikrofone mit XLR-Stecker können im Scarlett2i2 4th Generation ausschließlich auf der Rückseite angeschlossen werden. Was je nach Standort des Audiointerfaces ein Vor- oder ein Nachteil sein kann. Zum anderen gibt es jetzt eine zusätzliche USB-C-Buchse. Während die eine zum Anschluss an den PC bereit steht, ist die neue ein 5 V Gleichstromanschluss für den Fall, dass die USB-Anschlüsse des Computers nicht die erforderlichen 900 mA liefern können oder dass ich das Audiointerface im Standalone-Modus betreiben möchte (dazu gleich noch mehr). In dem Fall müsste man sich das passende USB-Netzteil besorgen, mitgeliefert wird das nicht.

Alte Bekannte dagegen sind die beiden Lautsprecherausgänge (6,35 mm, TS oder TRS) zum Anschluss des Scarlett an Lautsprecher, Verstärker oder Mixer. Schön wäre auch ein Netzschalter gewesen, um das Scarlett 2i2 4th ausschalten zu können. So bleibt das halt illuminiert, auch wenn der PC ausgeschaltet ist, USB wird ja auch dann mit Strom versorgt. Ein MIDI I/O fehlt ebenfalls – und der ist inzwischen bei recht vielen Modellen dieser Preisklasse zu finden. Ausreichend Platz auf der Rückseite wäre in jedem Fall vorhanden.

Focusrite Scarlett 2i2 4th Generation

Loopback- und Standalone-Modus des Focusrite Scarlett

Mit der vorhin schon einmal erwähnten Software „Focusrite Control 2“ lassen sich zum einen viele der eben erwähnten Funktionen (Safe, Inst, Air, Auto Gain, +48 V) alternativ auch per Maus aufschalten. Zum anderen bietet die Kontrolle auch eine zusätzliche, optisch vertrautere Pegelanzeige und vor allem auch eine bessere Übersicht über die aktuelle Stellung der Kanalregler. Während der LED-Ring an der Hardware nur bei Betätigung leuchtet und anschließend sofort wieder erlischt, ist die betreffende Anzeige in der Software dauerhaft – und damit wesentlich hilfreicher und anschaulicher. Und schließlich kann ich über Control 2 auch – falls erforderlich – schnell und unkompliziert die Samplerate wechseln (44,1 / 48 / 88,2 / 96 / 176,4 / 192).

Das Scarlett 2i2 4th Generation kann auch standalone betrieben werden, also ohne mit einem Computer verbunden zu sein. Etwa um die Zahl der Vorverstärker an einem anderen Gerät zu erhöhen oder um eine Gitarre direkt mit einem Lautsprecher verbinden zu können. Dazu muss dann natürlich – über den neuen zweiten USB-Anschluss – ein Netzteil angeschlossen werden.

Darüber hinaus besitzt das neue Scarlett auch eine Loopback-Funktion, so dass ich meine produzierten Klänge (oder das, was gerade beispielsweise an Musik in meinem Browser läuft) ohne Umwege rechnerintern wieder aufzeichnen kann. Oder wie es das Handbuch erklärt: „Mit Loopback können Sie Computeraudio aufnehmen und es in Ihrer Aufnahmesoftware auf separaten Kanälen zusammen mit Ihren angeschlossenen Mikrofonen oder Instrumenten aufzeichnen.“ Dazu muss ich dann in meiner DAW (oder meiner Recording-Software wie Sound Forge) lediglich beim Recording Device Routing „Loopback 1“ (Kanäle 1 und 3) oder „Loopback 2“ (Kanäle 3+4) angeben. Was tadellos funktioniert.

Focusrite Scarlett 2i2 4th Generation

Das Focusrite Scarlett 2i2 4th Generation im Praxistest

Dann hören wir mal rein, wie das neue Scarlett klingt und was Air, Safe und Auto-Gain mit dem Sound machen. Ich starte mit ein paar Sprachaufnahmen. Dafür schließe ich erst einmal ein Rode Broadcaster an den XLR1-Eingang auf der Rückseite an, aktiviere die +48 V und lese wie immer eine unserer News ein. Praktischerweise werden die XLR-Eingänge abgeschaltet, wenn ich auf der Vorderseite die Line-Eingänge nutze. So muss ich dann nicht jedes Mal das Mikrofon abziehen, wenn ich es nicht benötige.

Der Klang ist – besonders für diese Preisklasse – wirklich überzeugend: Ausgewogen, klar, mit einer schönen Tiefe, rauschfrei und nicht zu übertrieben in den Höhen. Mit dem Rode NT2a klingt das eine Spur weicher, aber ebenso gut:

Die erste Stufe der AIR-Schaltung (benannt nach den AIR-Studios von George Martin) bringt etwas mehr Schärfe in den Sound und holt besonders Stimmen im Mix etwas nach vorn. Dabei werden die Frequenzen unterhalb von 1 kHz etwas abgesenkt, oberhalb davon mehr und mehr angehoben – nicht dramatisch, aber schon hörbar. Hier zuerst das Rode Broadcaster, …

… gefolgt vom Rode NT2a, wo der Effekt dann etwas weniger deutlich ist. Während manche Mikrofone also recht deutlich auf die Zusatzluft reagieren, schlägt die bei anderen anscheinend weniger an.

Der zweite AIR-Modus – den ich durch nochmaliges Drücken der AIR-Taste erreiche, worauf der AIR-Schriftzug von Grün (AIR1) auf Amber (AIR2) springt – fügt der Presence außerdem noch eine Prise „Harmonic Drive“ hinzu, was für mehr Obertöne sorgen soll. Hören wir mal rein.

Das klingt ein bisschen dünner und mittiger, macht Stimmen damit aber auch etwas durchsetzungsfähiger. So auch beim Rode NT2a, dem diese Schaltung hörbar gut tut, da es der etwas indifferenten Weichheit des Klangs Paroli bietet:

Die zweite Stufe der AIR-Schaltung ist allerdings nur bis 96 kHz verfügbar.

Neugierig bin auf die neue Funktion Auto-Gain, die gerade Einsteigern dabei helfen soll, das Signal vernünftig einzupegeln und Clippings zu verhindern. Dazu lese ich die Meldung erst einmal zur Probe ein, während ein 10 Sekunden Timer herunterläuft. Hat Scarlett alle benötigten Daten zusammen, stellt das Interface den seiner Meinung nach besten Pegel ein. Wobei  im Test aber viel zu vorsichtig zu Werke ging. Bei der nachfolgenden Aufnahme komme ich auf einen maximalen Headroom von -14,5 dB, da ist also noch viel Luft nach oben bis zur Clipping-Schmerzgrenze:

Fehlt noch die CLIP-SAFE-Funktion. Ist die aktiviert, wird der Gain des Vorverstärkers automatisch angepasst, wenn die Gefahr einer Übersteuerung besteht. Um das zu testen, drehe ich den Gain-Regler absichtlich mal zu weit auf, was ohne CLIP-SAFE den Pegel dann auch sofort in den roten Bereich katapultiert. Mit CLIP Safe dagegen bremst das Signal tatsächlich spätestens bei einem Headroom von etwa -1 dB vor der klanglichen Todeszone ab. Das wäre für eine ordentliche Weiterbearbeitung vielleicht schon etwas knapp (-6 dB wären da noch schöner), ist aber trotzdem eine gute Hilfe.

Genug der Worte, testen wir mal den Instrumenteneingang. Die beiden Line-Eingänge auf der Vorderseite besitzen eine – getrennt aktivierbare – Hi-Z-Schaltung, so dass ich meine E-Gitarre an Line 1 direkt anschließen kann.

Schön luftig und gut aufgelöst, der Klang ist absolut brauchbar. Auch praktisch, wenn man mal Gitarre üben möchte, ohne Familie und Nachbarschaft zu belästigen und das 2i2 4th Gen im Standalone-Modus betreibt. Dazu muss man dann nur das Direct-Monitoring aktivieren, damit die Eingangssignale direkt an die Ausgänge (Kopfhörer und Line) geschickt werden. Das Direct-Monitoring kann übrigens sowohl auf Mono als auch auf Stereo geschaltet werden.

Die AIR-Schaltung (hier: AIR 2 mit dem Harmonic Drive) macht den Gitarrensound noch etwas „crisper“ und damit im Mix durchsetzungsfähiger.

Zum Schluss teste ich auch hier noch mal die Auto-Gain-Funktion, dieses Mal mit Gitarre. Zuerst spiele ich ein kleines Riff (sorry, ich bin kein Gitarrist), das ich von Hand einpegel. Ergebnis: Headroom bei etwa -4,0 dB.

Das spiele ich in genau dieser Einstellung dann noch einmal, um es von der Autogain-Funktion erfassen zu lassen – und dann noch einmal mit dem von Autogain ermittelten Pegel. Hier ist der Headroom um -10 dB größer und liegt bei etwa -14 dB, ist also auch hier ein ganzes Stück zu groß ausgefallen.

Ein Wort noch zu den Ausgängen: Die haben ja in der neuen Version deutlich zugelegt (Dynamikbereich der Line-Outs von 108,5 auf 120 dB, Dynamikbereich Kopfhörer von 104 auf 116 dB (bei 300 Ohm) und maximaler Ausgangspegel von 7 auf 10 dBu) – da kommt also reichlich (rauschfreier) Klang an. Auch mein relativ hochohmiger AKG Kopfhörer wird gut versorgt, ohne dass ich den Regler da allzu hoch drehen müsste. Beim Hören von Musik über das neue Scarlett schließlich gefallen mir die gut abgebildete, recht natürliche Räumlichkeit und der klare, differenzierte Klang.

Die Konkurrenz im 2/2-USB-Bereich ist groß

Preislich ist das Focusrite Scarlett 2i2 4th Generation mit einem Einstiegspreis von 209,- Euro nicht unbedingt ein Schnäppchen und in der Liga der 2/2-USB-Interfaces eher am oberen Rand angesiedelt. Die bekommt man ja schon für 55,- Euro aufwärts (wie das M-Audio M-Track DUO oder das Swissonic Audio 2 ), wobei man da aber natürlich auch deutlich weniger (Klang)qualität bekommt.

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Focusrite Scarlett 2i2 4th Generation
Focusrite Scarlett 2i2 4th Generation
Kundenbewertung:
(56)

Qualitativ recht ansprechend dagegen und eine denkbare Alternative wären zum Beispiel das Arturia Minifuse 2 (ebenfalls ein 24/192er mit Loopback, gutem Klang und auch einem Direct-Mix-Regler sowie MIDI, allerdings mit etwas weniger „Wumms“ im Dynamikbereich und natürlich ohne Air /Safe /Autogain, für 139,- Euro), das Steinberg UR22C (mit DSP-Effekten, MIDI, Loopback und USB 3.1 für 149,- Euro) oder das Universal Audio Volt 2 (mit MIDI, Vintage Mode und gutem Klang, für 165,- Euro ). Rein klanglich würde ich bis hierhin das 2i2 4th Gen da vorne sehen.

Preislich auf Augenhöhe ist das Audient ID14 MK2 (mit optischem Eingang und klanglich ausgezeichnet, für 210,- Euro ), etwas darüber das Zoom UAC-232 (mit 32 Bit Float AD-Wandler, gutem Klang und MIDI, 229,- Euro ) oder das MOTU M2 (mit gutem Sound, MIDI, Loopback, 239,- Euro ). Klanglich alle ungefähr auf Augenhöhe – bei der Ausstattung muss man halt wissen, wie wichtig einem die zusätzlichen Features der Scarlett sind (Air, Auto, Safe) oder wie stark eben die fehlenden Features (MIDI, Direct-Mix-Regler) zu bewerten sind.

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Fazit

Mit dem Scarlett 2i2 4th Generation hat Focusrite sein Einsteigermodell weiter und vor allem auch sinnvoll verbessert. Der vergrößerte Dynamikbereich und die größere Gain-Range bei den Ein- und Ausgängen sorgt für mehr Druck und Luft nach oben, die neuen Funktionen CLIP SAFE und AUTO Gain für mehr Sicherheit bei der Aufnahme – wobei Letztere schon übertrieben vorsichtig zu Werke geht. Die AIR-Funktion bringt vor allem Sprachaufnahmen im Mix nach vorn und trägt zum ausgewogenen, luftigen Klang bei. Hinzu kommen eine – bis auf die dezent bewegliche Frontplatte – stabile Verarbeitung und ein recht üppiges Software-Paket. Das passende Audiointerface für Einsteiger, dank des guten Klangs aber auch für Musiker geeignet, die nicht mehr als zwei Ein- und Ausgänge benötigen. Für die 5er-Version wünsche ich mir dann aber noch einen Netzschalter, einen Direct-Mix-Regler und vielleicht auch einen MIDI I/O.

Plus

  • guter, rauscharmer Klang
  • sinnvolle, überarbeitete AIR-Funktion
  • Loopback
  • Direct-Monitoring
  • Standalone-Modus
  • XLR und Klinke jetzt getrennt
  • Clip-Safe funktioniert recht gut
  • solide Bauweise (bis auf die ganz leicht wackelnde Frontplatte)
  • übersichtliche Bedienung
  • jetzt mit optionalem Netzteilanschluss
  • umfangreiches Software-Paket
  • Mikrofoneingänge jetzt mit 69 dB (statt zuvor 56 dB)
  • größerer Dynamikbereich bei Line Outs und Kopfhörer
  • Fernsteuerung per Software

Minus

  • kein Direct-Mix-Regler
  • Auto-Gain zu vorsichtig
  • kein Netzschalter
  • kein MIDI I/O

Preis

  • 209,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Filterpad AHU 1

    Ok, was die bedeutung der Zahlen angeht ist mir dies tatsächlich noch nicht aufgefallen. 🤭 Jedenfalls interessant! Ansonsten bin ich auch zufrieden (4i4 4Gen). Ist dir nicht aufgefallen das der Hauptregler beim betätigen eine Art „LFO-Klang“ erzeugt? Ist aber nur wie erwähnt beim betätigen. Der Klang ist gut und scheint mir noch transparenter/offener geworden zu sein. Software ist jetzt besser und lässt sich jetzt ohne Verzögerung öffnen und schließen. Sehr gut! Die Kabel sind allesamt zu kurz! Da wurde wirklich an der falschen Stelle gespart. Schade! Dafür hält das neuere Mini-USB sicher fest und fällt eher nicht aus der Buchse! Die hinteren Eingänge sind nach wie vor sehr leise. Das Highlight meiner Ansicht nach: Der Lichtkranz um den Outputregler – Sehr schön! By the way gibt’s jetzt Updates, für was auch immer diese sein sollen. Mal sehen! Falls es nach dem Update nicht funktioniert, einfach die gesamte Musikanlage neu starten. 👍

  2. Profilbild
    bluebell AHU

    Da der Hersteller die Linuxer im Regen stehen lässt, muss es die Linux-Community selbst erledigen. Für die vierte Generation hat sich wieder jemand gefunden, der muss sich aber die Interfaces kaufen, vor allem, weil er sie dauerhaft benötigt, um die Software zu pflegen.

    Wen es interessiert und wer die Entwicklung unterstützen will:

    https://linuxmusicians.com/viewtopic.php?t=26173

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