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Test: IK Multimedia AXE I/O ONE, Audiointerface

Gitarre rein, glücklich sein?

12. Juni 2023
AXE I:O ONE Audio Interface test

IK Multimedia AXE I/O ONE, Audiointerface

IK Multimedia ist einer der Hersteller, bei denen ich mich oft erwische, wie ich zwischen Anerkennung und einem gepflegten „Was soll das denn?“ schwanke. Amplitube ist in der letzten Generation an die Großen der Branche herangewachsen, Tonex ist ein Tool, um den Platzhirschen Kemper und Neural DSP Quad Cortex die Stirn zu bieten. Was die Konnektivität zwischen Instrument/Mikrofon und Smartphone angeht, hat der italienische Hersteller schon immer  ein paar mehr oder weniger heiße Eisen im Feuer gehabt. Die erste Version des iRig Interfaces machte das Smartphone für mich zum kongenialen Übungspartner, das Multimedia-Bundle für angehende YouTuber mit seinem wackelnden LED-Ring machte mich eher wahnsinnig. Nun geht man daran, leistungsfähige Audiointerfaces für Mac oder PC zu entwickeln. IK Multimedia wäre aber nicht IK Multimedia, wenn nicht für uns Gitarristen ein kleines Leckerchen entwickelt hätte. Das AXE I/O ONE wurde speziell für Gitarristen designed, die einfach und schnell ihre Gitarre an den Rechner stöpseln und loslegen möchten. Gut, dann mach ich das mal!

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IK Multimedia AXE I/O ONE Audiointerface – Facts & Features

Klein und leicht ist es, das AXE I/O ONE Audiointerface. An Letzterem hat das Kunststoffgehäuse sicherlich einen gewissen Anteil, an Ersterem die recht überschaubare Anzahl an Anschlüssen und Bedienelementen. Schauen wir uns das Gerät mal etwas genauer an. Die Frontseite verfügt über lediglich drei Anschlüsse, ganz links befindet sich der Instrumenteneingang in Form einer Kombibuchse für Klinke oder XLR. Auf der rechten Seite erwarten uns ein Kopfhöreranschluss und ein „Amp Out“. Klingt spannend? Ist es auch. Klären wir später, bleibt dran!

ik multimedia axe io one test

Die gegenüberliegende Seite des Gehäuses beherbergt den USB-2-Anschluss, mit dem das AXE I/O ONE an den Rechner gestöpselt wird, sowie ein Kensigton Lock. Super, so klaut das Ding keiner von meinem Schreibtisch. Zwei althergebrachte MIDI-Buchsen ermöglichen die systementsprechende Kommunikation. Ganz rechts (sofern man das Ding dreht und nicht von hinten über die Reling geiert) finden wir vier Klinkenbuchsen. Zwei davon sind als Main-Outs vorgesehen, die beiden anderen sind mit SW/Pedal beschriftet und ermöglichen den Anschluss von externen Schaltern oder Pedalen. Und da sind wir jetzt schon mittendrin, im Gitarrenspezifikum. Aber bitte noch etwas Geduld.

ik multimedia axe io one test

Die Oberseite des AXE I/O ONE verfügt über fünf Drehregler, zwei Mini-Schalter und eine Taste für Phantomspeisung. Moment, ich dachte das Teil ist für Gitarristen? Aber jo! Auch Gitarristen singen gelegentlich. Und noch gelegentlicher nehmen sie akustische Gitarren über Mikrofon auf. Und schon ergibt so eine Phantomspeisung Sinn! Für die Abnahme akustischer Gitarren wird gern mal ein Kondensator-Mikro verwendet, das nun mal ein bisschen leistungshungrig ist. Kein Problem für das AXE I/O ONE.

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Gut und schön, aber was genau macht das USB-Audiointerface denn nun so speziell? Nun, der genaue Blick auf die Oberfläche beantwortet uns die Frage recht schnell. Neben den üblichen Reglern für Input Gain, Master, Headphone und Monitor, finden wir zwei Schiebeschalter. Einer davon optimiert das Audiointerface für die Nutzung mit aktiven oder passiven Pickups, der andere lässt das Gitarrensignal entweder unbeeinflusst an den Rechner durch oder er färbt das Eingangssignal mit Hilfe der sogenannten JFET-Schaltung. Die Class-A JFET-Schaltung soll dem Signal mehr Wärme und harmonische Obertöne hinzufügen. Neben der schlichten Ein- und Ausschaltung verfügt diese Schaltung noch über einen Regler mit der Bezeichnung Z-Tone, dieser regelt die Eingangsfärbung stufenlos von einem klareren zu einem fetteren Ton. Inwiefern es sinnvoll erscheint, das Eingangssignal bei einer rein digitalen Lösung zu färben, wäre eine extra Diskussion wert und diese wird wohl auch in den Kommentaren geführt werden.

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Zum Lieferumfang des Gerätes gehören noch ein paar Software-Leckerchen, ToneX SE, AmpliTube 5 SE und Ableton Live Lite stehen nach der Registration zum Download bereit.

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Software des IK Multimedia AXE I/O ONE

Zum physischen AXE I/O ONE Audiointerface gibt’s auch eine Software, die sich nach dem Scannen des mitgelieferten QR-Codes installieren lässt. Nach der Installation führt das System direkt ein Firmware Update aus. Neben der Einstellung der ja schon recht wichtigen Sample-Rate von 44,1 kHz bis 192 kHz ist eine gegenüber der auf der Hardware verbauten LED-Kette deutlich feiner aufgelöste Input- und Output-Regelung möglich. Auch kann hier der Amp-Out geregelt und galvanisch getrennt werden. Dies sollte meines Erachtens auf jeden Fall auch direkt am Gerät möglich sein, das würde den mobilen Einsatz deutlich erleichtern. Im zweiten Fenster der Software können etwaige externe Controller konfiguriert werden. Zwei davon sind gleichzeitig möglich, zur Auswahl stehen jeweils Pedal, Single Switch und Double Switch, die Minimal- und Maximalwerte sowie MIDI-Kanal und CC# sind frei einstellbar. Standardmäßig ist das Pedal auf CC# 11 (Expression-Pedal) und die beiden Schalter auf CC# 65 und 67 gestellt, die beiden letzteren entsprechen den Funktionen Portamento & Soft Pedal eines Keyboards. ein Wechsel zwischen Momentary und Latch ist ebenfalls selbstverständlich.

AXE I/O ONE Audio Interface Software

Die zum Download bereitgestellte Software bietet deutlich feinere Regelmöglichkeiten als das Interface

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Der Anschluss des IK Multimedia AXE I/O ONE

Nachdem die Bedienung alles in allem nahezu selbsterklärend ist, kann ich auch bezüglich des Anschlusses Entwarnung geben. Da erklärt sich alles von selbst, weiterführendes Know-how ist nicht nötig. Nach Verbindung des AXE I/O ONE mit dem Rechner der Wahl per USB, erkennt das System das Interface automatisch und lässt sich so problemlos ins persönliche Setup integrieren. Für den Anschluss eines Pedals oder eines Schalters benötigt man ein TRS-Kabel, also ein gemeinhin als Stereoklinkenkabel bezeichnetes, schlangenförmiges Etwas. Das ist nichts Ungewöhnliches, sollte man aber beim Kauf berücksichtigen und ggf. direkt mit dazu bestellen. Nachteil aller Desktop-Interfaces, wie es auch das AXE I/O ONE darstellt, ist der Kabelsalat auf dem Schreibtisch. Ich kann mir noch so viel Mühe geben, hier Ordnung zu halten, nach 30 Minuten Test habe ich die ersten Knoten produziert, das Spiralkabel des Kopfhörers will partout mit dem Instrumentenkabel kleine Patch-Kabel machen und eins der beiden Output-Kabel muss unbedingt dabei zugucken … Wer so etwas vermeiden will, sollte auf festinstallierte Rack-Interfaces zurückgreifen.

AXE I/O ONE Interface

Kabelalat included – das Schicksal aller Desktop-Interfaces

AXE I/O ONE Audiointerface in der Tonstudiopraxis

Hat man sich mit den Grundlagen des Interfaces und mit der Verkabelung auseinandergesetzt und alles aufs Ordentlichste verbunden, kann es ja direkt losgehen. Ich für meinen Teil habe Interface und iMac per USB-C verbunden, die Gitarre angeschlossen, die Ausgänge mit meinen Studio-Monitoren verbunden und schon mal ein Kabel vom Amp-Out zum Input des Amps gelegt. Beim Anschluss der Gitarre, meiner mit aktiven EMGs ausgestatteten Charvel Marco Sfogli Signature, bekommen ich beim Einpegeln direkt leichte Probleme. Für das Einpegeln der Gitarre reicht das erste Viertel des Regelweges des Potis völlig aus, was eine exakte Regelung erschwert. Alle Einstellungen über 9 Uhr führen mit dem Humbucker sofort zu Clippings, was den effektiven Regelweg des Potis auf ein Viertel reduziert. Nutze ich eine Gitarre mit passiven Pickups und schalte den Input auf Passive, offenbart sich das gleiche Problem. Schalte ich jedoch bei Nutzung passiver Pickups auf den Input-Modus Active, habe ich auf einmal einen wunderbar smoothen Regelweg bis etwa 3 Uhr, der sich mittels der Software wunderbar einpegeln lässt. Die LED-Kette am Gerät selbst ist deutlich ungeeigneter, aber auf jeden Fall in der Praxis noch brauchbar. Das scheint mir jetzt alles in allem aber eher etwas unglücklich.

Ich spiele nun mit einer Telecaster mit Humbucker am Hals im Splitmode direkt ins Interface und rufe das Neural DSP Boogie MK II+ Plug-in auf. Meine Wahl fällt auf ein cleanes Setup mit etwas Delay und Reverb. Die erste Hälfte des Files ist in der Input-Einstellung Pure aufgenommen, die zweite Hälfte nutzt den JFET-Modus. Der Z-Tone Regler steht in Mittelstellung. Außer einer minimalen Lautstärkeverminderung kann ich da keinen Unterschied feststellen. Der Z-Tone-Regler dagegen greift schon mehr ins Geschehen ein, allerdings erst im letzten Viertel des Regelweges von Sharp nach Bold. Das zweite File demonstriert die Klangveränderung in sechs Schritten im Uhrzeigersinn des Potis. Nun ja, für mich ist das kein Grund, das Audiointerface einem anderen vorzuziehen, die Unterschiede sind marginal, sowohl im Klang, als auch was das Spielgefühl betrifft. Im letzten Teil des Regelweges höre ich eine deutliche Verminderung des Bass- und unteren Mittenbereichs, die Höhen klingen etwas matter. Durch einen vorgeschalteten Booster oder Kompressor kann man da meines Erachtens bessere Ergebnisse erzielen, irgendwie scheint mir das nur eine Art Loudness-Funktion zu sein, die in Richtung Sharp hinzugeblendet wird.

Kommen wir zur wirklich interessanten Reamping-Möglichkeit. Was ist Reamping? Recht einfach erklärt geht es darum, einen einmal aufgenommenen Gitarrenpart über einen externen Verstärker erneut aufzunehmen. Das kann sinnvoll sein, wenn einem der Sound, den man in einem Plug-in erzeugt hat, nicht so gut gefällt wie der aufgerissene Marshall in Ommas Garage. Voraussetzung dafür ist, dass das Gitarrensignal nichtdestruktiv aufgenommen wurde, was eigentlich die Plug-in-Lösungen immer automatisch machen, die Gitarrenspur wird über ein Audiointerface unabhängig von irgendwelchen Soundverbiegern aufgezeichnet. Somit ist die Gitarrenspur quasi der digitalisierte Gitarrist und der kann nun in alle zur Verfügungen stehenden Software-Schweinereien hineinspielen. Er kann aber auch, und jetzt nähern wir uns dem Kern des Pudels, den Rechner noch mal verlassen und über Ommas Garagen-Marshall gespielt und wieder aufgenommen werden. Und da setzt jetzt der Amp Out des AXE I/O ONE ein.

AXE I/O ONE Audio Interface Amp Out

Wenn man will, schleift der Amp-Out das Gitarrensignal unbearbeitet direkt an einen Amp weiter, so dass sowohl das unbearbeitete, als auch das vom Amp verstärkte Signal aufgenommen werden können. Hierzu wird dann aber ein zusätzlicher Eingang benötigt, den das Testgerät nicht bietet. Die andere Variante wäre, die trocken aufgenommen Spur auf den Amp-Out zu schicken und dann das Mikrofon des Amps mittels des Inputs des Audiointerfaces der DAW erneut zuzuführen und auf einer neuen Spur aufzunehmen. Das setzt aber voraus, dass man ziemlich genau weiß, wie das Routing des Signals in einer DAW vonstatten geht. Ich als Nicht-Tontechniker habe mich extrem schwergetan, in Logic den Amp-Out des Interfaces zu lokalisieren. Nun gut, denkt sich der praxisnahe Hobbyrecorder, öffne ich mal GarageBand, das ist für Anfänger besser geeignet. Doch Pustekuchen, hier habe ich überhaupt keine Möglichkeit gefunden, eine trockene Gitarrenspur auf den Amp-Out zu routen, weil ich nur das IK Multimedia AXE I/O ONE als generelles Ausgabegerät wählen kann. Also kurz den besten Ossy der Welt angerufen und um Rat gefragt. Siehste, dann klappt’s. Danke Ossy! Ihr hört jetzt ein Riff, das ich mit Plug-in (Neural DSP Boogie MK II+) aufgenommen habe und im nächsten File das reampte (sagt man das so?) Signal über einen kleinen Marshall mit SM57. Ob das jetzt besser oder schlechter klingt, spielt dabei überhaupt keine Rolle, die Funktion ist jedenfalls einwandfrei und frei von Anpassungsproblemen oder Brummschleifen.

Bleibt zu erwähnen, dass Anschluss und Funktion der Schalter problemlos funktionieren. Steuerung eines Whammy oder Wahwah ist kein Problem, genauso wie die Zuschaltung etwaiger Effekte in den Plug-ins.

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Fazit

Mein Eindruck ist zwiespältig. Einerseits punktet das IK Multimedia AXE I/O ONE Audiointerface durch den niedrigen Preis bei guter Klangqualität sowie die Möglichkeit, externe Controller zum Steuern einer Software zu integrieren, andererseits scheint mir die gitarrenspezifische Bearbeitung des Eingangssignals ausbaubar zu sein. Der Unterschied zwischen Pure und JFET ist für meinen Geschmack zu gering, der Z-Tone Regler sollte beherzter zugreifen und die Wahl der Eingangsempfindlichkeit zwischen aktiven und passiven Pickups ist nicht optimal gelöst. Reamping ist grundsätzlich mit jedem Interface möglich, wenn man die DAW im Griff hat. Der Preis für ein ordentlich klingendes Audiointerface ist allerdings mit 145,- Euro schon eine Kampfansage.

Plus

  • Preis
  • Klang
  • problemlose Einbindung von externen Controllern
  • Reamping-Ausgang

Minus

  • ausbaubare gitarrenspezifische Nutzung
  • Regelweg des Gain-Potis
  • sinnvolle Pegelung nur über Software möglich
  • Reamping nur mit Fachwissen über die verwendete DAW sinnvoll durchführbar

Preis

  • 145,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Tai AHU 3

    Der Preis gehört für mich in die – Box. Ja, ist ein Kampfpreis. Nach oben. Focusrite, Universal Audio, Tascam, Steinberg, Arturia, Audient – alle günstiger. Da sind 145 ziemlich sportlich für einen Anfänger in dem Business.

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