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Test: Warm Audio WA-MPX, WA-2MPX, Mikrofonvorverstärker

Zwei Preamps mit Röhren-Mojo

26. Juni 2023
warm audio wapx wa2px test

Warm Audio WA-MPX, WA-2MPX, Mikrofonvorverstärker

Warm Audio WA-MPX – das ist ein Wortspiel, da einem nicht sofort auffällt. W-AMPX = Ampex! So fiel es zumindest mir wie Schuppen von den Augen, als ich mir die neuen Preamps der Amerikaner genauer angesehen habe. Einmal in der 1-Kanal-Version als WA-MPX und als 2-Kanaler (WA-2MPX) sind die Warm Audios Nachbauten der Tape-Vorverstärker, die in den Ampex 350/351 Bandmaschinen eingebaut waren. Wie das alles zusammenpasst, das schauen wir uns jetzt gemeinsam an, ok?

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Warm Audio WA-MPX: History-Time

Die Ampex Preamps sind, wie erwähnt, ursprünglich als Vorverstärker für eine Ampex Bandmaschine konzipiert worden: Diese sollten das Eingangssignal optimal für die Bandaufnahme vorbereiten.

WA-MPX_Ampex_tape

Die beiden mächtigen Mono-Einschübe im Rack-Format hatten jeweils ein großes zentrales VU-Meter, vier Bakelit-Drehregler und einen Input-Transfer-Switch. Dazu noch Schalter für Phase, PAD und Instrumenten-Level (HI-Z) und sogar ein Kopfhörerausgang.

WA-MPX_Ampex

Hier wird klar: Wir haben hier kein hochspezialisiertes Gerät, das nur explizit als Vorstufe für ein Bandgerät taugt, sondern einen ganz klassischen Preamp, der von vielen Moddern zu einem sehr charismatischen Mikrofon-Preamp umgebaut wurde.

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Warm Audio WA-MPX
Warm Audio WA-MPX
Kundenbewertung:
(3)

Insbesondere in der immer populärer werdenden Rock’n Roll Ära der 50er-Jahre wurden bei Künstlern wie Elvis Presley, Bing Crosby und Les Paul die Ampex Preamps gerne eingesetzt und haben die häufig schrillen Mikrofone mit der notwendigen Röhrenwärme versehen. Ein Gain von 90 dB und 300 V Röhrenspannung sorgten dabei für einen kraftvollen Klang.

WA-MPX_Transformer

Die US-Schmiede von Warm Audio hat sich dieses legendäre Gerät zum Vorbild gemacht und daraus zwei sehr ansehnliche Vorstufen mit tollem Design und interessanten Funktionen erschaffen – übrigens die ersten Röhrengeräte aus dem Hause Warm Audio überhaupt.

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Die Technik der Warm Audio WA-MPX Geräte orientiert sich an den Vorbildern, allerdings mit leichten Modifikationen und modernen Interpretationen des Originals. Die Amerikaner setzen auf CineMag Übertrager und je zwei 12AX7 und eine 12AU7 Röhren pro Kanal.

WA-MPX_open

Die Preamps sind handgefertigt und diskret aufgebaut und haben eine sehr schöne Frontplatte aus gebürstetem Aluminium, den erwähnten Bakelit-Reglern und Vintage-Style VU-Metern. Alle Schalterzustände werden mit einer weißen LED angezeigt.

Wenn man sich die Produktbeschreibungen ganz genau ansieht, dann wird auch klar, dass die Warm Audios in Fernost zusammengebaut werden, aber in Texas auf Herz und Nieren geprüft und getestet werden. Andernfalls sind die aufgerufenen Preise von Warm Audio so kaum zu realisieren. Außerdem gilt auch bei der Elektronik: Die Zeiten, in denen Fernostware minderwertig war, sind längst vorbei.

Welche Features bieten die Warm Audio WA-MPX Preamps?

Durch kombiniertes Einstellen des Ein- und Ausgangs kann man durch Pushen des Gains und Zurücknehmen des Output-Trims das System in die Sättigung und sogar in die Verzerrung bringen, während man durch die umgekehrte Einstellung mit geringem Gain und hohem Output einen sehr cleanen Sound erhält.

warm audio wa px wa2px test

Natürlich haben wir einen 48 V Phantom-Power-Switch für jeden Kanal und daneben den High-Gain-Schalter („Instrument“). Die Preamps bieten in Standardbetrieb 70 dB Gain an und erreichen bei Aktivierung des High-Gain-Switches sogar bis zu 90 dB. So kann man bei sorgsamer Einstellung der Input- und Output-Regler eine sehr rauscharme, hohe Verstärkung erreichen, selbst wenn man mit schwierigen Mikros arbeitet.

Daneben die Schalter für die Polarität (Phasenumkehr um 180 Grad) und der Tone-Schalter: Standardmäßig haben wir 600 Ohm Impedanz und bei Aktivierung 150 Ohm, was eine leichte Anhebung im Mittenbereich bewirkt.

Der 80 Hz Hochpass-Switch erklärt sich von allein …

WA-MPX_80Hz-HPF

… aber das 2 kHz Lowpass-Filter sorgt für Stirnrunzeln: Warum sollte man ab 2.000 Hz nach oben hin ausblenden? Da die WA-MPX Modelle nicht nur für Mikrofone geeignet sind, sondern auch Instrumenteneingänge haben, wurde hier an den Einsatz eines E-Basses gedacht, der oberhalb von 1.500Hz kaum noch relevante Töne von sich gibt.

WA-MPX_2kHz-LPF

Der Tape-Saturation-Schalter simuliert ein Band mit der Geschwindigkeit von 50 inches pro Sekunde, was eine leichte Kompression und viele harmonische Verzerrungen bewirkt. Dazu rundet es im Top- und Low-End ab und gibt dem Klang einen sehr smoothen Charakter.

Auf der Rückseite haben wir symmetrische Ein- und Ausgänge im XLR- und TRS-Format und ein 110 V/230 V umschaltbares Netzteil.

WA-MPX_2-Ch-Table

Sowohl die Monoversion WA-MPX als auch der 2-Kanal Variante WA-2MPX sind im 2 HE Rackmount-Format ausgeführt, wobei beide Geräte eine sehr geringe Bautiefe haben. Ansonsten sind beide Geräte identisch aufgebaut. Sollten Sie mit dem Gedanken spielen, sich die Ampex Preamps als Original zu holen: Für ein Pärchen der Monopreamps werden ca. 5.000,- bis 6.000,- Euro verlangt und es muss einem klar sein, dass die Geräte immer mit einem 110 V Netzteil ausgestattet sind und ein entsprechender Spannungswandler benötigt wird.

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Warm Audio WA-2MPX
Warm Audio WA-2MPX
Kundenbewertung:
(2)

Warm Audio WA-MPX: Vintage Klang oder moderner Röhren Preamp?

Der deutsche Vertrieb hat mir je ein WA-MPX und ein WA-2MPX geschickt und ich muss schon sagen, dass das sehr schmucke Geräte sind. Das gelblich leuchtende VU-Meter, die griffigen Schalter und Regler und das sehr wertige Feeling machen die Arbeit mit den Warm Audios zu einem Fest.

WA-MPX_Both

Insbesondere die sehr aufgeräumte und übersichtliche Frontplatte des Mono-Preamps lassen ein echtes Vintage-Feeling aufkommen und man muss sich als Tester schon sehr zurücknehmen, um sich vom attraktiven Äußeren nicht zu sehr blenden zu lassen.

Besteht diese Gefahr aber wirklich? Nein, denn Warm Audio hat auch bei diesen Geräten wieder gezeigt, dass sie ihr Handwerk verstehen. Die Preamps klingen in der Tat je nach gewählter Einstellung sehr klar oder wahlweise fett und druckvoll. Dabei wird der Charakter nie steril, sondern ist immer mit ausreichend harmonischen Verzerrungen angereichert. Durch die sehr gut gewählten Einstellungsbereiche sind die „WAMPEX“ Geräte sehr breitbandig einzusetzen. In meinem Tonstudio kamen sie problemlos mit dynamischen Mikrofonen, Kondenser-Mics, Singlecoil und Humbucker Gitarrentonabnehmern und auch den vielfältigen Klängen eines Roland Juno-X zurecht.

Durch die High-Gain-Schaltung erwacht sogar das Shure SM58 zum Leben und malt ein sehr stimmiges Klangbild an meinem VOX AC-15 mit angeschlossener Les Paul:

Auch direkt im Instrumenteneingang überzeugen die Warm Audios. Natürlich kann man die Preamps nicht als Pre-Head für einen Combo einsetzen – dafür ist das Gain nicht ausgelegt. Aber schöne Crunch-Töne kann man dem WA-MPX allemal entlocken:

Bei hohem Gain und aktivierter Saturation erwacht aus einem cleanen Synthie-Klang ein musikalisches Lebewesen mit Oberwellen, Schwingungen und voller Dynamik:

Conclusio

Das alles klingt nach einem perfekten Tool mit breitem Einsatzgebiet, oder? Nun, sagen wir es so: Wer auf knallhartes Techno mit brutalen Impulsen und unendlicher Bassenergie steht, der sollte in einem anderen Regal suchen. Und es ist klar: Die Producer dieser Art von Musik sind auch nicht die Warm Audio Zielgruppe. Wer auf der Suche nach einem sehr charaktervollen, flexiblen Röhren-Preamp ist und nicht unbedingt die großen (und teuren) Marken im Rack-Schrank haben möchte, der MUSS sich eigentlich die WA-MPX Geräte ansehen und anhören. 839,- Euro für das Monogerät und 1.489,- Euro für die 2-Kanal-Version sind nicht billig, aber ungemein preiswert.

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Mehr Informationen

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Fazit

Die Warm Audio Preamps WA-MPX und WA-2MPX überzeugen auf der ganzen Linie. Technisch blitzsauber, sehr gut verarbeitet und mit dem warmen und dichten Röhren-Mojo, die man von einem Ampex-System erwarten würde. Die Vorverstärker sind ordentlich ausgestattet und machen in unterschiedlichsten Studiosettings eine gute Figur und die Tape Saturation erfüllen selbst sterile Klänge zum Leben – kurzum: Ich kann die Warm Audio Geräte im wahrsten Sinne des Worten wärmstens empfehlen: Sehr gut!

Plus

  • sehr guter Klang mit Röhren-Mojo
  • umfangreiche, interessante Ausstattung
  • sehr gute Verarbeitung
  • preiswert

Preis

  • Warm Audio WA-MPX: 839,- Euro
  • Warm Audio WA-2MPX: 1.489,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    masterBlasterFX

    Sali Jörg

    Guter Test.

    Interessantes und hochwertiges Gerät, meiner bescheidener Meinung nach.

    Vielen Dank !

    Du hast geschrieben :
    „Wer auf knallhartes Techno mit brutalen Impulsen und unendlicher Bassenergie steht, der sollte in einem anderen Regal suchen“.

    Meine Frage :
    In dem ANDEREN Regal wären dann welche Geräte ?

    – Im besten Fall auch mit Tape Saturation und dem warmen, dichten Röhren-Mojo.

    Vielen Dank und Gruss

    masterBlasterFX

      • Profilbild
        frankste

        @pol/tox ich würde deinen Track nicht unbedingt als knallharten Techno bezeichnen. Ein Gerät mit Röhren, das sich besser dafür eignet denke ich, ist der culture vulture von Thermonic.

        • Profilbild
          masterBlasterFX

          @frankste Hallo frankste

          Der culture vulture von Thermonic hatte ich nicht gekannt.
          Scheint mir der Rolls Royce unter den Sättigungstools zu sein.

          Vielen Dank und Gruss

          masterBlasterFX

        • Profilbild
          pol/tox

          @frankste frankste, knallhart ist der nicht. Habe aber verschiedenste Drums usw. durch den WA-2MPX recorded, auch Härteres. Der Warm Preamp hat nix davon verschlechtert.

          Kann die Aussage, dass der Warm mit Impulstreue oder Bassenergie Probleme hat nicht nachvollziehen

          • Profilbild
            frankste

            @pol/tox wichtig ist ja, das es für dich stimmt. mit so einem Gerät versucht man ja einen bestimmten Flavour seiner Musik zu geben und wenn dieser passt ist das ja auch gut.
            Dennoch schätze ich die Meinung der Tester auf Amazona sehr hoch ein, da sie viele Geräte getestet haben ist reichlich Erfahrung vorhanden.

      • Profilbild
        masterBlasterFX

        @pol/tox Hallo pol/tox

        Schöner, stimmiger Track.

        Ich denke der WA-2MPX ist vielseitig Genre übergreifend einzusetzen.

        Vielen Dank für den Input.

        Gruss masterBlasterFX

        • Profilbild
          pol/tox

          @masterBlasterFX Hallo masterBlasterFX, danke, freu‘ mich übers „schön & stimmig“.
          Denke auch bzw. bin ich überzeugt, dass der WA-2MPX genreübergreifend eingesetzt werden kann.

  2. Profilbild
    ollo AHU

    Ich hätte jetzt mit einem wesentlich höheren Preis gerechnet, vorallem die Stereo-Variante ist interessant.

    Beim Lesen des Artikels dachte ich allerdings auch die ganze Zeit an technoide Klänge, die damit aufgewertet werden, das geht doch bestimmt. Das andere Regal würde mich aber auch interessieren.

    Bei der Stereovariante müsste man ja für besonders markante Klänge Ausgang 1 an Eingang 2 verkabeln können und hat dann gleich das doppelte Paket an Mojo.

    • Profilbild
      pol/tox

      @ollo Ausgang 1 in Eingang 2 bringt einen anderen Flavor, habe ich nur einmal probiert, da in Stereo eh schon genug Flavor zur Verfügung steht.

      Der Tape Sat z.B. ist eher auf der brachialen Seite; um damit nicht stark zu verzerren darf der Input Gain nur mäßig verstärken.

      In Summe ein tolles Teil mit gutem Klang und verschiedenen Möglichkeiten von feiner Saturation bis völliger Zerstörung.

  3. Profilbild
    harrymudd AHU

    warum keine Beispiele mit Studiomikrofonen? Gesang? Akustikgitarre?
    Oder eignen die sich nur als Highend-Zerrer?

    • Profilbild
      Jörg Hoffmann RED

      @harrymudd Glaub mir, Du willst mich nicht singen hören:-).
      Ich weiß, man könnte noch viele andere Varianten in Sachen Audiobeispiele machen, aber hier wie immer mein Tipp: hol Dir das Gerät von Thomann für 30 Tage nach Hause. Aber ich fürchte, dass Du ihn nicht zurück schickst.
      Viele Grüße Jörg

  4. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Vielen Dank für den Test, Jörg.

    Wäre die Stereovariante nicht auch eine recht günstige Alternative hinsichtlich der analogen Summierung von Gruppenbussen (insbesondere Drums)? Mit einem gewissen Feingefühl eingesetzt müsste das gute Teil doch hier gut „zusammenkleben“, oder?

    Ich frage für einen Freund… ;-)

    • Profilbild
      pol/tox

      Ich verwende die Stereoversion gern mal in parallel oder auch in Serie auf Drumbusse usw.

      Kommt richtig gut.

      Ich habe auch schon direkt in das Teil gemischt mit cleaner Einstellung. Kommt auch gut =)

    • Profilbild
      Jörg Hoffmann RED

      Ja, definitiv ist das auch eine Möglichkeit! Sag Deinem Freund bitte, das die Stereovariantw dafür gut geeignet ist!!!

  5. Profilbild
    Jörg Hoffmann RED

    Danke Euch für die vielen Kommentare. Ich (!!!j würde für knallhartes Techno generell keine Röhre verwenden. Mein Drawmer FET Kompressor ist hier viel mehr auf den Punkt, aber das heißt natürlich nicht, dass man mit einem Röhrenkompressor kein Techno machen „darf“. Hier bitte einfach meine Meinung nicht als allgemeingültig sehen. Viele Grüße Jörg

    • Profilbild
      masterBlasterFX

      @Jörg Hoffmann Hallo Jörg

      Ich will dich nicht singen hören.

      – Aber gern weitere solche Tests, inkl. „History-Time“ !

      Und …
      Deine persönliche Meinung interessiert mich wirklich.
      Weiter so.

      Vielen Dank, Jörg.

      Gruss
      masterBlasterFX

  6. Profilbild
    Teee

    „ (…) übrigens die ersten Röhrengeräte aus dem Hause Warm Audio überhaupt.“

    Dieser Satz sollte korrigiert werden, da er schlichtweg falsch ist.
    Vor dem hier getesteten Preamp hatte Warm Audio bereits zwei weitere Röhrengeräte veröffentlicht:
    Einmal einen Pultec- (EQP-WA) und einen La-2a Klon (WA-2A). Beides Gerät, die bis heute in Produktion sind und unter anderem zu Warm Audios guter Reputation im Audiomarkt sorgten. Ich bin sehr erstaunt, dass diese Geräte dem Autoren des Tests nicht bekannt sind.

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