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Test: ZOOM UAC-232, 32 Bit Audiointerface

USB-Interface mit 32 Bit

24. April 2023
Zoom uac 232 test

ZOOM UAC-232, 32 Bit Audiointerface

Wie viele Audiointerfaces benötigt der Musiker? In der Regel nur eines, wenn es das richtige Interface am richtigen Ort und für den richtigen Zweck ist. Der Audiointerface-Markt ist nicht ohne Grund so riesig und unübersichtlich. Jeder Hersteller hat ein Interface im Programm, oftmals sogar mehrere, die sich nicht nur hinsichtlich ihrer Kanalzahl unterscheiden. Und auch Zoom machte da bislang keine Ausnahme. Nun legt der Hersteller mit dem Zoom UAC-232 nach und hat einen guten Grund dafür.

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Zoom

Seit 40 Jahren existiert der Hersteller aus Japan, der im Jahr 1983 gegründet wurde. Musiker kennen Zoom vor allem für Field-Recorder, handliche Videokameras für das Event-Recording und ältere Semester wie ich auch für eine Reihe von außergewöhnlichen Effektgeräten wie den Zoom 9002 Guitar-Processor, den man am Gitarrengurt tragen konnte, um damit einen Gitarrenverstärker zu ersetzen, den Zoom 9200 Advanced Reverberation Processor oder das Zoom 9120 Multieffektgerät, beide mit einem herausragenden Hall, der in der Preisklasse damals einzigartig war. Mittlerweile gehören neben mehreren Field-Recordern, Digital-Recordern, Kameras, Multieffektgeräten, Digitalpulten, Instrumenten und Mikrofonen auch Audiointerfaces mit zum Portfolio. Viele davon sind für ihre sehr gute Kompatibilität zu Apple iOS/iPadOS Devices bekannt.

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Technik-Talk: 32 Bit Gleitkomma Verarbeitung

Zunächst einmal müssen wir uns etwas über die digitale Datenverarbeitung unterhalten, um zu verstehen, was das Zoom UAC-232 so besonders macht.

Um eine analoge Spannungsänderung in eine digitale Zahlenfolge zu verwandeln, muss das analoge Signal getaktet werden. Es wird von einem zeitkontinuierlichen und wertkontinuierlichen Signal in ein zeitdiskretes und wertdiskretes Signal überführt. Diese Taktung ist vielen Musikern ein Begriff: 44,1 kHz bedeutet, dass 44.100 Proben (Samples) pro Sekunde genommen werden. Weniger bekannt ist hingegen, was der Unterschied zwischen 16 Bit und 24 Bit bedeutet:

16 Bit bedeutet, dass die größte darzustellende Zahl 215-1= 0111 1111 1111 1111 = 32.767 entspricht. Moment, müssten es nicht 16 Einsen sein? Nein, denn ein analoges Audiosignal ist eine periodische Schwingung und die hat eine positive Halbwelle und eine negative Halbwelle. Zum Darstellen der negativen Halbwelle muss ein Bit reserviert werden. Addiert man zur größten positiven Zahl 1 hinzu, erhält man die größte mit 16 Bit darzustellende negative Zahl 1000 0000 0000 0000 = -215 = -32.768. Unser maximaler Wertebereich mit 16 Bit beträgt also dezimal -32.768 bis 32.767. Das macht insgesamt 65.536 Zustände.

Was geschieht mit Werten, die größer sind? Die landen in einem Überlauf, der sich als Verzerrung äußert. Die 16 Bit stellen also die maximale Dynamik unseres Wandlers dar und entspricht in der Theorie ungefähr 96 dB. Da sich mit jedem weiteren Bit die maximale positive und maximale negative Zahl deutlich erhöht, steigern 24 Bit Wandler die Dynamik immens. Jedes Bit mehr erhöht die theoretische Dynamik um 6 dB. 8 Bit mehr entsprechen einer Erhöhung um das 256-Fache auf 224 = 16.777.216 Zustände, was einer theoretischen Gesamtdynamik von 144 dB entspricht.

Das Problem mit Festkommazahlen

Ist also die Aufnahme mit 24 Bit die Lösung für all unsere Probleme? Ja und nein. Natürlich ermöglichen uns Aufnahmen mit 24 Bit eine wesentlich einfachere Aussteuerung, weil der gesamte Dynamikbereich größer ist. Der Balanceakt, zwischen leisen Signalen und lauten Signalen einen guten Mittelweg finden zu müssen, ist etwas leichter zu meistern als mit 16 Bit. Dennoch bereitet gerade das Mischen später Probleme, denn beim Zusammenmischen mehrerer hoch ausgesteuerter Signale kommt man selbst mit 24 Bit schnell an die Übersteuerungsgrenze bei 0 dB FS. Addiert man zwei hoch ausgesteuerte Signale, reichen 24 Bit nicht mehr, um das Ergebnis ohne Überlauf darzustellen. Addiert man zwei Signale, die gering ausgesteuert sind oder deren Lautstärke nachträglich in der DAW angehoben wird, erhöht sich der Rauschanteil. In beiden Fällen führt jedes weitere Signal, das hinzugemischt wird, zu einer Verschärfung der Problematik.

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Vorteile von 32 Bit Fließkomma-Arithmetik anschaulich erklärt

Die Lösung

Intern arbeiten DAWs deshalb schon länger mit 32 Bit Gleitkomma anstelle von 24 Bit Festkomma, wie wir sie meistens bei Aufnahmen verwenden. Die dadurch erreichbare Dynamik ist durch kein noch so lautes Signal dieser Welt überhaupt auszuschöpfen: satte 1.528 dB. Doch wie funktioniert das?

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Sehr große Zahlen mit vielen Stellen oder vielen Nachkommastellen benötigen viel Platz. Sie werden deshalb auch in einer exponentiellen Schreibweise notiert, die einfacher zu lesen ist und weniger Platz benötigt. Ein Beispiel: 15.000.000.000 kann geschrieben werden als 15*109. 15*10-9 entspricht hingegen 0,000000015. Auf diese Weise lassen sich mit 32 Bit sehr große Zahlenräume beschreiben. Dazu nutzt man die ersten 23 Bit für die Mantisse, also die Zahl vor der Potenz. Die nächsten 8 Bit sind reserviert für den Exponenten und das letzte Bit für das Vorzeichen. Auf diese Weise lassen sich folgende Zahlen darstellen: 1,2 x 10-38 als kleinste Zahl und 3,4 x 1038 als größte Zahl. Errechnet man daraus die theoretische Dynamik ergibt sich:

dBnoise = 20 x log (1,2 x 10-38) = -758 dB

dBmax = 20 x log (3,4 x 1038) = 770 dB

Die theoretische Gesamtdynamik beträgt also 1.528 dB. Dass man sich bei solche einem Dynamikumfang weder um Rauschen noch um Verzerrungen Gedanken machen muss, versteht sich von selbst. Die resultierende Gesamtdatei ist allerdings 33 Prozent größer als eine Aufnahme mit 24 Bit.

Aufnahmen im 32 Bit Fließkomma-Format

Relativ neu im Vergleich zum digitalen Mischen im 32 Bit Fließkomma-Format ist die Aufnahme damit. Recorder, die dieses Format für die Aufzeichnung nutzen können, besitzen oftmals überhaupt keinen Gain-Regler für die Aussteuerung mehr. Dieser hat so gut wie keine Relevanz, da die eigentliche Aussteuerung bequem später in der Nachbearbeitung stattfinden kann. Besonders praktisch ist das für das Location-Recording, bei dem man nicht genau vorhersagen kann, wie sich die Dynamik entwickeln wird. So muss man beim Film leise Dialoge genau so einfangen können wie leiseste Geräusche und laute Explosionen. Bei einer 16 Bit oder 24 Bit Festkomma Aufnahme müsste der Tontechniker mehrere Probeaufnahmen machen, um die optimale Aussteuerung zu finden. Bei der Aufnahme mit 32 Bit Fließkomma Darstellung ist das unnötig. Übersteuern könnte hier höchstens der Mikrofonvorverstärker oder das Mikrofon selbst. Der optimale Dynamikbereich wird später in der Post-Production festgelegt und durch einfaches Anheben oder Absenken des aufgezeichneten Signals festgelegt.

Beim Import von 32 Bit Fließkomma Dateien kann es vorkommen, dass das Signal in der DAW als stark übersteuert dargestellt wird. Das hat damit zu tun, dass die DAW zunächst einmal von einer 16 oder 24 Bit Darstellung ausgeht und die 0 dB FS-Grenze danach ausrichtet. Anders als bei 16 oder 24 Bit Signalen ist es aber kein Problem, den Gain-Bereich einfach in der DAW nach unten unter die 0 dB FS zu schieben. Sofort ist das Signal frei von Verzerrungen und die Aufnahme glasklar. Hier ein Beispiel in Audacity:

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Schon ohne hohe Zoomstufe lässt sich erahnen, dass das hier grausam verzerrt klingt

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Schön erkennt man die abgeschnittenen Spitzen

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Das sieht schon deutlich besser aus

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Keine Verzerrungen mehr sichtbar

Im musikalischen Bereich sind es vor allem Live-Übertragungen und Live-Recordings, bei denen die Aufnahme mit 32 Bit Fließkomma Darstellung von Vorteil ist. Da in diesen Bereichen eine Wiederholung der Aufnahme unmöglich ist, wäre mit 24 Bit eine sehr sorgfältige Aussteuerung und perfektes Gain-Staging notwendig, damit das Gesamtergebnis nicht verrauscht ist oder verzerrt. Bei 32 Bit Fließkomma Aufnahmen kann man diesbezüglich unbesorgt sein.

Das Zoom UAC-232 Audiointerface

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Von außen betrachtet unauffällig: das Zoom UAC-232 Audio Interface

Zoom hat die 32 Bit Fließkomma Aufnahme, die schon länger bei Field-Recordern und Location-Recordern des Herstellers üblich ist, nun in das Zoom UAC-232 Audiointerface integriert.

Dabei ist das Zoom UAC-232 nicht alleine am Markt, wenn es um 32 Bit Fließkomma-Verarbeitung geht: Auch Sound Devices bewerben ihre MicPre-Serie mit 32 Bit Fließkomma-Verarbeitung. Allerdings sind diese Interfaces deutlich teurer als das Zoom UAC-232.

Das Ausstattung selbst sieht zunächst recht gewöhnlich aus: Zwei Combo-Buchsen (XLR/TRS-Klinke) für Mikrofone und Instrumentensignale, Hi-Z Schalter für Kanal 1, +48V Phantomspeisung getrennt schaltbar für die Kanäle 1 und 2, regelbarer Kopfhörerausgang, schaltbares Direct-Monitoring, Regler für die Ausgangslautstärke. Auf der Rückseite notiere ich zwei TRS-Klinkenausgänge, zwei MIDI-Buchsen für MIDI In und MIDI Out sowie zwei USB-C-Anschlüsse. Der erste Anschluss dient der Spannungsversorgung mit 5 V DC und der zweite der Verbindung mit einem Computer oder Smart-Device. Die Spannungsversorgung über ein externes Netzteil wird nur benötigt, soll das Zoom UAC-232 Audio Interface zum Beispiel an einem iPhone oder iPad betrieben werden. Das ist praktisch, denn viele andere Interfaces benötigen ansonsten einen zwischengeschalteten aktiven Hub, da die meisten Smart-Devices nicht genug Strom zur Verfügung stellen. Zuletzt entdecke ich noch einen Port für das Kensington-Schloss.

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Auch MIDI wurde nicht vergessen

Das Interface hat ein recht auffälliges Kunststoff-Design mit vier Stangen an den kurzen Seiten. An diesen lassen sich zum Beispiel Kabel zu einem Strang gebündelt befestigen. Zwei Klettbänder dafür sind dem Interface beigelegt.

Außerdem kann auch eine Halterung für ein Mikrofonstativ an diesen Stangen befestigt werden, was sehr praktisch ist, und das Interface auch hochkant aufgestellt werden. Sehr schön.

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Fällt auch hochkant nicht um: das Zoom UAC-232 Audio Interface

Was mir sonst noch auffällt: keine Gain-Regler! Das Interface kommt komplett ohne Gain-Regler auf der Front aus (siehe Anmerkungen oben). Stattdessen nimmt die Gain-Einstellung je nach Anwendungsfall automatisch wie folgt vor:

  • Dynamisches Mikrofon (Phantomspeisung inaktiv): +45 dB
  • Kondensatormikrofon (Phantomspeisung aktiv): +27 dB
  • Line (GUITAR/BASS inaktiv): +24 dB
  • Gitarre/Bass (GUITAR/BASS aktiv): +18 dB

Welcher Gain-Bereich gewählt wird, ist also abhängig von den Schaltern für Phantomspeisung und Hi-Z. Wer möchte, kann die Gain-Einstellungen aber auch in der App manuell vornehmen.

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Zoom UAC-232 Mix Control App

Es empfiehlt sich, für den Computer oder das Smart Device die App Zoom UAC-232 Mix Control zu installieren, die entweder aus den jeweiligen App-Stores oder von der Zoom Internetseite heruntergeladen werden kann. Mit der Software lassen sich die Funktionen des Zoom UAC-232 Audiointerfaces fernsteuern. Außerdem lässt sich über die Software das Direct-Monitoring einstellen (z. B. für den Kopfhörermix), die Loopback-Funktion aktivieren und das Interface vom Music-Modus in den Streaming-Modus versetzen. Der Loopback-Modus wird benötigt, wenn Audiosignale aus dem Computer, zum Beispiel Musik, mit den Eingangssignalen kombiniert und dann in einer anderen Software aufgenommen werden sollen. Das ist zum Beispiel eine häufig für das Streaming auf YouTube benötigte Funktion.

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Perfekt für iOS und iPadOS: das Zoom UAC-232 Audiointerface

Wie bereits erwähnt, besitzt die App für beide Kanäle einen Gain-Fader, der das manuelle Einstellen des Gains erlaubt. Wirklich notwendig ist das allerdings nicht, mit den voreingestellten Bereichen kommt man im 32 Bit Fließkomma-Modus prima klar. Nutzt man das Interface allerdings mit 16 oder 24 Bit, könnte hier schon manuelles Justieren notwendig sein. Bei sehr leisen Signalen ist es allerdings auch im 32 Bit Fließkomma-Modus hilfreich, den Pegel weiter anzuheben – und sei es nur für das Monitoring.

Praxiseinsatz des 32 Bit Audiointerfaces Zoom UAC-232

Das Audiointerface wurde von mir an einem Apple Mac Mini mit M1 Prozessor getestet. Als DAWs kamen Logic Pro und Ableton Live zum Einsatz sowie das kostenlose Audacity. Zunächst habe ich die Software heruntergeladen und installiert. Dann wie in der Betriebsanleitung beschrieben das Interface im Audio-MIDI-Setup von MacOS auf die 32 Bit Fließkomma-Verarbeitung gestellt. Windows-User laden den Treiber herunter und müssen ebenfalls zunächst unter Windows eine entsprechende Einstellung vornehmen. Dieser Schritt ist notwendig. Umgeht man diesen, arbeitet das Interface wie gehabt mit 16 oder 24 Bit Festkomma-Verarbeitung. Kontrollieren kann man die richtige Einstellung vorne am Interface, denn unter dem Direct Monitor-Schalter leuchtet dann das Label „32-Bit Float“ blau auf.

In Ableton Live hat alles wie von Zoom beschrieben auf Anhieb funktioniert. Achtung: Nicht vergessen, das Aufnahmeformat in Ableton Live auf 32 Bit zu ändern!

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Aufnahme in Ableton Live vor der Normalisierung: Alles klingt brutal verzerrt und die Wellenform ist oben und unten abgeschnitten

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Aufnahme in Ableton Live nach der Pegelreduktion: Alles klingt sauber und die Wellenform sieht normal aus

Auch Audacity spielt mit und absichtlich übersteuerte Aufnahmen lassen sich nach einer Reduzierung des Pegels über die Normalisierungsfunktion ohne Verzerrungen abspielen und weiterverarbeiten. So weit so gut.

Probleme gab es in Logic Pro, das zwar das Interface erkannt hat und auch Signale aufnehmen konnte, die Ausgabe zurück auf das Zoom UAC-232 funktionierte jedoch nicht. Auch das Studieren der diversen Anleitungen half nicht weiter. Logic Pro wird dort allerdings als kompatibel angegeben. Hatte ich zurück auf mein X32 Rack geschaltet, lief alles auf Anhieb einwandfrei und auch die erstellte Aufnahme lässt sich abspielen. Auch Neustarts von Logic oder dem Rechner führten nicht zum Erfolg. Auch die Aufnahme im 32 Bit Fließkomma-Format funktioniert nicht ordnungsgemäß. Die Wellenform bleibt abgeschnitten. Lediglich bei importierten 32 Bit Float-Dateien ist die Wellenform nach der Pegelreduktion in Ordnung. Die automatische Umrechnung von 32 Bit Floating Point-Daten in 24 Bit sollte mit dem jüngsten Logic Update behoben worden sein. Ich vermute hier also ein Problem von Logic Pro, denn Ableton Live funktionierte wie gesagt ohne Probleme.

Natürlich habe ich ausprobiert, ob sich das Zoom UAC-232 im 32 Bit Fließkomma-Modus so übersteuerungsfest zeigt wie behauptet. In der Tat zeigten einige Vergleichsaufnahmen mit 24 Bit Festkomma- und 32 Bit Fließkomma-Verarbeitung deutliche Unterschiede. Die 24 Bit-Aufnahmen verzerrten auch nach dem Reduzieren des Pegels noch sehr stark und man konnte deutlich die abgeschnittene Wellenform sehen. Die 32 Bit Fließkomma-Aufnahme verzerrten nur dann, wenn in der Kette vor dem Wandler eine Übersteuerung stattfindet. Nun musste ich aber auch schon sehr laut ins Mikrofon schreien, um diese überhaupt zu provozieren. Diese Verzerrungen gehen aber dann nicht auf die 32 Bit Fließkomma-Verarbeitung zurück, denn egal wie laut ich auch schreie, über 1500 dB erreicht selbst der härteste Heavy-Shouter nicht und auch kein Presslufthammer oder Düsenjet.

Messungen

Die Eingangslatenz beträgt bei einem Buffer von 32 Samples 3,92 ms und die Ausgangslatenz 4,35 ms. Das ergibt eine Roundtrip-Latenz von 8,27 ms. Bei 128 Samples zeigt Ableton Live eine Roundtrip-Latenz von 11,6 ms und bei 256 Samples von 16,9 ms. Das Zoom UAC-232 ist also kein Interface für empfindliche Musiker, die sich bei Werten über 10 ms gestört fühlen. Die zu erreichenden Latenzen liegen bei anderen Interfaces deutlich unter diesen Werten.

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Frequenzgang & Phase

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THD + Noise

Die Messergebnisse sind durchweg in Ordnung, das gilt für den Frequenzgang und auch für THD + Noise.

Sinn und Unsinn von 32 Bit Float

Nun stellt sich natürlich die Frage: Benötige ich das? Die Antwort lässt sich nicht klar geben. Fast jeder Musiker wird mittlerweile seine Aufnahmen mit 24 Bit anfertigen. Im professionellen Tonstudios gehört das ohnehin zum Standard und Interfaces, die ausschließlich mit 16 Bit arbeiten, gibt es nur noch im Low-Cost-Bereich. Da die DAW ohnehin mit mindestens 32 Bit Fließkomma-Arithmetik arbeitet, wenn nicht sogar mit 64 Bit, spielen die oben geschilderten Probleme im Mix ohnehin keine Rolle mehr.

In einer kontrollierten Umgebung wie einem Heimestudio oder professionellen Tonstudio spricht absolut nichts gegen 24 Bit und sogar mit 16 Bit sind wir sehr viele Jahre lang in der Pop- und Rockmusik prima klargekommen. Als die Umstellung von analoger Bandaufzeichnung auf 16 Bit Digitalwandler erfolgte, war es ohnehin noch üblich, alle Signale vor der Aufzeichnung zu komprimieren. Erst die Verlagerung der kompletten Tonbearbeitung in die DAW hat dazu geführt, dass heutzutage auch schon mal ohne Kompression aufgezeichnet wird. Bei 16 Bit Wandlern wäre das in der Tat problematischer, bei 24 Bit Wandlern jedoch nicht. Der Dynamikumfang der meisten Wandler ist groß genug, um selbst sehr laute Signale verzerrungsfrei wandeln zu können. Eine gute Aussteuerung vorausgesetzt spricht also überhaupt nichts gegen die Arbeit mit 24 Bit.

32 Bit Float-Aufnahmen ergeben überall dort Sinn, wo eine exakte Aussteuerung schwierig ist: beim Filmton, bei Live-Übertragungen, Live-Recordings und auch zum Beispiel bei Orchester-Aufnahmen. Und Verzerrungen treten trotz 32 Bit Fließkomma-Arithmetik auf, nämlich dann, wenn der Mikrofonvorverstärker übersteuert wird oder der maximal zulässige Schalldruck des Mikrofons überschritten wird. „Set and forget“ ist also keine Philosophie, der man mit 32 Bit Fließkomma-Interfaces folgen sollte. Ganz im Gegenteil: Sie verführt geradezu, nicht mehr auf den Beginn der Signalkette zu schauen und das Gain-Setting hier komplett zu vernachlässigen. Verzerrungen, die vor dem 32 Bit Fließkomma-Wandler stattfinden, lassen sich später aber nicht mehr entfernen.

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Fazit

32 Bit Fließkomma-Berechnungen sind bei vielen Field-Recordern und Location-Recordern längst der Standard. Zoom bringt diese Technologie nun in ein kompaktes Audiointerface. Gerade für Live-Übertragungen und Live-Recordings ist die Fließkomma-Technik von Vorteil. Die automatische Aussteuerung und das nachträgliche Anpassen des Pegels macht es gerade für technisch weniger versierte Anwender leichter, sehr gute klangliche Ergebnisse zu erhalten. Gerade für das Streaming ist das Zoom UAC-232 Audiointerface deshalb sehr gut geeignet, denn man möchte sich hier mehr auf die Inhalte konzentrieren und weniger auch die technischen Belange der Übertragung. Auch zweikanalige Live-Mitschnitte bieten sich an.

Für viele Musiker, die gerne mit virtuellen Instrumenten oder Amps arbeiten, wird die Latenz etwas zu hoch sein, wobei sie sich immer noch im Rahmen bewegt. Empfindliche Menschen hingegen werden das Zoom UAC-232 aufgrund der mittelmäßigen Latenz eher ablehnen. Audiotechnisch hingegen ist alles im grünen Bereich und für 229,- Euro erhält man ein gutes, wenn auch nicht ganz günstiges Interface. In dieser Preisklasse ist es dank der 32 Bit Fließkomma-Verarbeitung allerdings konkurrenzlos.

Plus

  • Sound
  • 32 Bit Fließkomma-Verarbeitung
  • MIDI I/O
  • kompatibel zu Mac/Windows/iOS/iPadOS
  • Verarbeitung

Preis

  • 229,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    dr noetigenfallz

    Interessantes Thema. Für Mikrofon- bzw. Preampmodelling (wie z.B. die Slate Mikros) wäre das doch ideal, oder?
    Ich habe z. B. Preamps als Software von Arturia. Ich frage mich immer, ob die Sinn machen, weil ja vorher schon ein Preamp in der Signalkette ist. Aber hier, ganz ohne Hardware – Vorverstärkung machen die ja total Sinn.
    Und auch für Klassikaufnahmen, die so natürlich wie möglich sein sollen, ist 32 bit floating doch perfekt, oder?

    • Profilbild
      MichBeck

      @dr noetigenfallz Hallo dr noetigenfallz,

      ich glaube, niemand nutzt ernsthaft Software-Preamps von Arturia oder Slate, um ein zu niedrig gepegeltes Signal auf Arbeitshöhe zu bringen. Das kann jede DAW auch so.

      Die sind eher dazu da, den Mojo der analogen Vorbilder zu simulieren, der zum Beispiel entsteht, wenn man diese heiß anfährt und der Pegel dort schon längst im roten Bereich ist.

      Ist also für die Leute gut, deren Verstärker, welcher für die Aufnahme genutzt wurde, zu sauber arbeitet oder sich gerne alle Optionen der Klangfarbengestaltung offen halten.

      • Profilbild
        dr noetigenfallz

        @MichBeck Das meinte ich ja. Hier ist gar kein Vorverstärker im Spiel, also kann ich per Software beliebig färben. Das Problem, dass ich bisher habe, ist ja, dass ich erst einen Hardware Preamp nutze, der ja immer wenigstens ein bisschen, „Eigen-Sound“ hat. Das heisst, die (z.B.) Neve-Preamp Software-Simulation fängt nicht mit einem neutralen Sound an, kann also gar nicht zu 100% den Neve-Sound simulieren, weil die Software ja nicht weiß, welchen Charakter mein Hardware-Vorverstärker hat. Dieses Zoom Interface hier hat gar keine Preamps, also ist es ideal, um eben z.B. einen Neve-Preamp zu simulieren – weil wir Null Soundfärbung vor der A/D-Wandlung haben – nur den reinen Mikrofon-Sound.

        Dasselbe gilt genauso für Mikrofonsimulation. Sonst hat man immer das Modelling-Mikrofon, dann einen Preamp und dann erst die Software, die den originalen Mikrofonsound in den simulierten Mikrofonsound ändert. Aber der originale Mikrofonklang (z.B. vom Slate VMS) wurde schon wieder von einem Preamp zumindest leicht verändert.

        • Profilbild
          Markus Galla RED

          @dr noetigenfallz Nur weil das Interface in Abhängigkeit vom Eingangssignal mit festem Gain arbeitet, heißt das aber nicht, dass es keinen Vorverstärker besitzt. Es gibt nur keinen Gain-Regler. Per Software lässt sich das Gain aber steuern.

            • Profilbild
              Markus Galla RED

              @dr noetigenfallz Dann möchte ich dir meinen kommenden Testbericht zum Audient iD24 empfehlen, der demnächst veröffentlicht wird. Hier besteht nämlich wirklich die Möglichkeit, den Vorverstärker zu umgehen.

  2. Profilbild
    cher

    Zoom ist für mich durch ihre Preispolitik eine sehr unsymphatische Firma: Seit cca.2013 haben die einen sehr guten Recorder, den H6 für etwa 250€ verkauft. Mit sehr viel Zubehör. HC-Koffer, MS-Mikrofon, USB-Minikabel, SD-Card, Windschutz, Cubase LE.. Nur ein Paar Jahre später, und es gibt eine tolle Verbesserung: es den selben Recorder für 360€, jedoch ganz nackt. Nicht einmal die 4xAA Batterien lagen bei. Kein USB-Kabel, kein Koffer, kein 2. Mikro, Software, nix, einfach gar nix.. Sprich, um einige Hundert Prozent teurer… Werde die künftig meiden… :(

    • Profilbild
      horstenberg

      @cher Einerseits verständlich. Andererseits kommst Du dann aus dem „Meiden“ von vielen Anbietern kaum mehr raus. Die Preissteigerungen etwa bei RME (für das UFX III) und Nord (für das Nord Stage 4) sind wirklich frech und kaum durch anziehende Materialpreise zu rechtfertigen. Man hat eher das Gefühl, dass sich viele Hersteller auf den fahrenden Zug der Preiserhöhungen draufsetzen und kräftig zulangen.

      Meiden können wir dann auch alle die von mir eigentlich durchaus geliebten, uns allen bekannten Online-Kaufhäuser. Die bleiben etwa, was Lieferzeiten angeht, so wenig bei der Wahrheit, das ist schon krass.

      Seit 2020 ist leider einiges aus den Fugen geraten.

  3. Profilbild
    Franz Walsch AHU

    Die Sound Devices MicPre-Serie sind alle Recorder, die sich auch wie ZOOM Recorder als Interface nutzen lassen.
    Es gibt von Sound Devices ein 2-Kanal Interface mit 16 & 24bit »USBPre 2«.

  4. Profilbild
    Aldesacht

    Wirklich „konkurrenzlos“? Steinberg UR-C Serie wirbt ja ebenfalls mit der 32 ab diesem Preisbereich. SSL 12 ist teurer, aber auch 32bit. Und wenn man bei Thomann bei den Suchoptionen 32bit auswählt, kommen immerhin 14 Angebote unterschiedlicher Preisklassen…

    • Profilbild
      Markus Galla RED

      @Aldesacht Aber ist es auch 32 Bit Fließkomma? Da ist der entscheidende Unterschied. 32 Bit können viele. Aber nicht jeder nutzt Fließkomma-Berechnung.

  5. Profilbild
    j.keys

    Als Techniker muss ich leider sagen, dass dich mir der Sinn eines 32 bit interfacesganz und gar nicht erschließt. Schon mit 24 bit ist ein Dynamikumfang von 144dB abbildbar – und damit rund 30dB (!) mehr als die absoluten Top Marken für ihre Interfaces als nominalwert angeben. Warum ist das so? Weil verschiedene Rausch-Quellen den effektiven Dynamikumfang einschränken – und da würde ich jetzt gerne Messwerte von Zoom sehen. Nur gibt’s dazu nirgendwo Zahlen. Meine Vermutung: die würden den 32 bit Marketing gag sofort entlarven.

  6. Profilbild
    beni

    Das ist kein Mareting-Gag. In der praktischen Anwendung ist es halt damit fast nicht möglich eine geclipptes Aufnahme zu erstellen. Man muss sich also viel weniger Gedanken über korrekte Aussteuerung machen. Der Dynamikumfang nach unten ist da für mich auch das zweitranige.

  7. Profilbild
    Fredi

    Hallo Markus,

    so ganz schlau werde ich aus dem Ansatz nicht.

    Wenn man die Produktbeschreibung ansieht, dann handelt es sich um ein Dual-ADC-Produkt, das heißt offenbar mit zwei Wandlern pro Kanal. Dann würde man – laut Beschreibung beim Konkurrenten TASCAM – das Signal an den einen mit einer Vorverstärkung von n1 durchreichen (als „High-Gain-ADC“) und und an den anderen mit Verstärkung n2 (mit n2 < n1, als "Low-Gain-ADC"). Wenn der erste ADC übersteuert, nimmt man das Ergebnis des zweiten. Damit bekomme ich aber niemals die Auflösung hin, die das 32-Bit-Float-Format suggeriert. Das hat ja immer die gleiche Zahl von Stellen (hier 24bit), egal in welchem Zahlenbereich ich mich bewege. Nehmen wir einfach mal an, jeder ADC hätte 10.000 Stufen und einen Messbereich von 1V. Und ich will Spannungen ≤10mV "genau" messen und insgesamt Spannungen bis 100V. Dann wäre n1 = 100 und n2 = 0,01. Ein Signal von 10mV würde dann im ersten ADC mit 10.000 Stufen abgetastet werden, eines von 10,1mV im zweiten ADC mit 1 Stufe (100V / 10.000 = 10mV). Und alle bis 20mV bekommen den gleichen Ausgabewert, während die Signale unterhalb von 10mV mit einer Genauigkeit von 1µV (= 10mV / 10.000) aufgelöst werden?! Das klingt nicht so toll oder mache ich einen Denkfehler? Warum nimmt man nicht einen Vorverstärker mit einstellbarer Verstärkung und skaliert den dynamisch nach dem Eingangssignal und multipliziert den Messwert des ADC dann entsprechend?😕 Viele Grüße Fredi

    • Profilbild
      uchris

      @Fredi Das ist eine korrekte Beobachtung. In der Realität werden es aber nicht 10.000 Stufen pro A/D-Wandler sein, sondern eher 24 Bit, also ca. 16 Millionen.
      Es wird vermutlich auch nicht so sein, dass der eine ein 16-millionenfach schwächeres Signal bekommt, sondern es wird sicherlich einen großen Überlapp geben.
      Ein bisschen wurde hier ja im Artikel schon gemessen. Es wäre schön gewesen das auch nochmal auszutesten, also: Ab wann clippt die Low-Gain A/D-Wandler, also welche Reserven hat man wirklich und ab wann wird zwischen den A/D-Wandlern umgeschaltet. Wenn ich von denen mal eins in die Finger bekomme, werde ich sowas auf jeden Fall mal nachmessen.

      Mal angenommen der eine Gain ist um Faktor 256 (8Bit) niedriger. Dann hätte man knapp über dem Übernahmebereich eine Auflösung wie mit einen gut ausgesteuerten 16-Bit Wandler (weniger würde ich nicht vermuten). Das würde aber bedeuten, dass man mit dem A/D-Paar etwa 32 Bit (nicht Float) abdecken könnte an Dynamikumfang, also etwa 193 dB – rein auf der digitalen Ebene – Rauschen etc. mal außen vor gelassen. Das wäre schon okay. Das Float Format ist halt praktisch, weil die meisten DAWs inzwischen eh intern damit rechnen.

  8. Profilbild
    Tomtom AHU 1

    Vielen Dank für die interessante Vorstellung dieses Interfaces. Bitte mach doch beizeiten mal ein Update, wenn sich die Probleme mit Logic Pro geklärt haben. 🤔

  9. Profilbild
    Tai AHU 3

    „Auch Audacity spielt mit und absichtlich übersteuerte Aufnahmen lassen sich nach einer Reduzierung des Pegels über die Normalisierungsfunktion ohne Verzerrungen abspielen und weiterverarbeiten. So weit so gut.“

    Normalizing geht auch abwärts. Gut zu wissen, wäre ich nicht drauf gekommen.

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