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Test: Black Lion Audio Bluey-500, API500 FET-Kompressor

Kompressorlegende im API500 Format

30. Oktober 2023
black lion audio bluey 500

Black Lion Audio Bluey-500, API500 FET-Kompressor

Der Black Lion Audio Bluey-500 ist die API500 Version des Bluey 1176 FET Kompressors des Unternehmens aus Chicago. Wie schon bei der Rack-Version, ist der Bluey – benannt nach dem blauen Streifen auf der Frontplatte – ein von und für den Mixing Master Chris Lord Alge modifizierter UREI 1176LN Kompressor, der den Sound der 80er und 90er maßgeblich beeinflusste. Ich nehme Sie gerne mit auf eine Zeit- und Soundreise der Ära von „Unchain my Heart“ und „Born in the U.S.A.“ mit dem legendären Kompressor – diesmal im API 500 Format.

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History Time

1966/1967 hat ein gewisser Milton Tasker „Bill“ Putnam den weltweit ersten frei verkäuflichen Transistorkompressor konstruiert. Der Clou: Man nahm einen Teletronix LA-2A Opto-Kompressor und ersetzte den Optokoppler durch einen Feldeffekttransistor und erreichte damit bisher unmöglich schnelle Attack- und Release-Zeiten. Somit war es erstmals möglich, in einem Studio die Transienten und die „Thickness“ des Basses auf den Punkt einzustellen. Bisherige Kompressoren konnten zwar das Gesamtergebnis verdichten und dadurch lauter machen, aber dieses spezielle Sounddesign war für das „normale“ Studio bisher kaum möglich beziehungsweise unerschwinglich. Bis zu diesem Zeitpunkt haben Röhrenkompressoren und die ebenfalls auf Röhren basierenden Vari-Mu Varianten den Sound der 50er und 60er dominiert.

Teletronix LA-2A

So kam es, dass praktisch alle kommerziell erfolgreichen Alben seit den 70ern inklusive Led Zeppelin und der Rolling Stones mit mindestens einem 1176er aufgenommen und abgemischt wurden. Nach vielen Detailverbesserungen und Modifikationen (letzter Stand: 13 Varianten!) bekam ein gewisser Chris Lord Alge, seines Zeichens Producer/Engineer/Mixer/Musician den 1176LN (LN steht für Low Noise) in die Hände und kreierte die „Blue Stripe“-Varianten, die vom Mastermind himself nach seinen Klangvorstellungen modifiziert wurden. Die Maßnahmen waren unter anderem die UTC Input- und Reichenbach Output-Transformer.

BLA_Bluey500_top

Das Ziel ist der bis heute legendäre, geliebte oder gehasste Chris Lord Alge Sound: Mit drei Worten gut als „In your Face“ zu beschreiben, wobei dieser Ausdruck das Können des Herrn Alge nicht hinreichend beschreibt. Das bedeutet nicht nur einfach, die Bässe nach vorne zu schieben, sondern den Sound von den unteren Mitten bis in den Hochtonbereich transparent und nicht „mumpfig“ zu gestalten. Dass dies nicht mit einem langsamen Feld-Wald-und-Wiesen Kompressor möglich ist, liegt auf der Hand und so ließ er in den 1176LN nur die bestklingenden Bauteile einsetzen und seinem Klangideal gerecht zu werden.

Einen original „Bluey“ heutzutage in die Hände zu bekommen, ist nur mit Geduld und viel Geld zu machen. Und machen wir ein lautes Shout-Out an das Chicagoer Unternehmen Black Lion Audio, das zusammen mit dem Meister ein Reverse-Design des Bluey durchführte und so den legendären Klang der Basslines von Joe Cockers „Unchain my heart“ oder Bruce Springsteens „Born in the U.S.A.“ zurückzuholen versucht.

BLA_Bluey500_front

In diesem Test habe ich die API500 Serie in meinem Studio und wir schauen uns an, ob BLA dieses Alge-Mojo auch in diesem Format hinbekommen haben.

Die Ausstattung des Black Lion Audio Bluey-500

Beim Auspacken musste ich ein wenig grinsen: Der US-amerikanische Hersteller hat es geschafft, die Optik und Haptik des eigentlich 2 HE hohen 19“ Rack-Gerätes in das kompakte API Format zu packen. Das charakteristische VU-Meter mit der zentralen „Bluey 500“-Aufschrift wirken ebenso vertraut, wie die Ratio- und Meter-Schalter links und rechts neben dem Anzeigeinstrument und die fünf Regler für Input, Output, Attack; Release und dem Mixregler, der eine Parallelkompression ermöglicht.

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BLA_Bluey500_vu

Letzterer ist auf den originalen Frontplatten nicht zu finden aber trotzdem eine sehr schöne Erweiterung des Konzepts.

Auch in der Bedienung hält man sich an das Vorbild: „Verkehrte“ Drehrichtungen bei Attack und Release, bei denen die kürzeren Zeiten am Rechtsanschlag liegen. Ebenso fehlt im Vergleich zu einem klassischen Kompressor-Layout die Möglichkeit, den Threshold einzustellen: Das Input-Poti sorgt beim Bluey für den Schub und somit für das Überschreiten des Schwellwerts des Kompressors. Eigentlich eine sehr intuitive Herangehensweise, denn klassische Threshold-Regler lassen beim Aufdrehen weniger in den Kompressorschaltkreis herein und reduzieren so die Wirkung des Gerätes.

BLA_Bluey500_encoder

BLA_Bluey500_encoder

In Sachen Ratio geht es auch schon deftig zur Sache: Unter 4:1 geht gar nichts und dann kann man noch 8:1, 12:1 und 20:1 auswählen, wobei Letzteres praktisch die Funktion eines Peak-Limiters bedeutet, was eigentlich auch die offizielle Bezeichnung des 1176LN ist.

Natürlich ermöglicht der Black Lion Audio Bluey-500 auch den All-Button-Mode: Hier liegt die Ratio zwischen 12:1 und 20:1 und die Bias-Punkte ändern sich in der gesamten Schaltung. Infolgedessen ändern sich die Attack- und Release-Zeiten. Diese Änderung der Attack- und Release-Zeiten erzeugt eine Kompressionskurve, die zu einem „übersteuerten“ Ton führt. Die Attack- und Release-Zeiten in All-Buttons ähneln eher einem starken Plateau als einem sanften Anstieg.

BLA_Bluey500_rack2

Rechts neben dem VU-Meter kann man den Meter-Modus einstellen: Der Wahlschalter GR zeigt die Stärke der Gain-Reduction (Verstärkungsreduzierung) an (+4 zeigt den Ausgangspegel bei 0 mit +4 dB Output; +8 zeigt den Ausgangspegel bei 0 mit +8 dB Output).

Und eine Sache hat nur die API 500er Version des Bluey-500 im Gegensatz zum 19“ Gerät: Eine echte Bypass-Funktion!

Hier die Attack- und Releasezeiten:

  • Attack: stufenlos variabel von 800 µS bis 20 µS
  • Release: stufenlos variabel von 1.200 mS bis 50 mS

Technisch wurde die Eingangs- und Ausgangspufferung direkt von den Konsolen Insert von Chris Lord-Alge übernommen. Die Option, zwei Blueys als Stereopärchen zu verlinken, fehlt auch nicht. Weiterführende Funktionen, wie ein Sidechaining wird nicht angeboten, ebenso wenig, wie weiterführende Funktionen.

BLA_Bluey500_Platine

Die Verarbeitung des Black Lion Audio Bluey-500 Moduls ist sehr gut: Der Kompressor ist im Boxed-Design und benötigt zwei Steckplätze in der API 500 Lunchbox. Alle Schalter und Regler sind robust und gut zu bedienen. Einzig die Tatsache, dass man die Schalterposition für die Ratiowerte und das VU-Meter nicht gut ablesen kann, stört ein wenig. Laut Hersteller wurde jeder Bluey 500 in den USA kalibriert und getestet. Und abschließend: Das Modul wiegt knapp 1,5 kg und benötigt systembedingt eine Versorgungsspannung von ±16 Volt.

BLA_Bluey500_lindell

Eingebaut neben einem Lindell RE-51 Preamp

Wie klingt der Black Lion Audio Bluey-500 Kompressor?

Zum Vergleich habe ich in meinem Studio zunächst den Drawmer 1978 FET-Kompressor herangezogen, der als FET-Kompressor ähnlich schnelle Reaktionszeiten hat. Allerdings stellt sich sehr schnell heraus, dass die Entwicklungsziele offensichtlich völlig unterschiedlich sind: Während der Drawmer mit deaktivierter Klangregelung sehr neutral, transparent und feinnervig auftritt, ist der Bluey ein echter Lord Alge: Untenherum schiebt der Kompressor mächtig an und die unteren Mitten werden ebenfalls leicht betont – allerdings ohne den Klang aufzuweichen.

Drawmer 1978

Das Spiel mit Attack und Release läuft sehr intuitiv ab: Betonen wir die Transienten? Lassen wir die Bassdrum kurz und knackig oder voluminös klingen? Jeder Dreh an den Reglern ermöglicht ein klares akustisches Feedback. Auch heiß angefahren mit hohem Input gefällt der Bluey-500: Das Gerät schiebt und drückt, dass es eine Freude ist. Wenn man dazu noch den All-Buttons-In-Modus aktiviert, dann wird es zum überbordenden Fest der Sinne. Hier wird allerdings die Tendenz deutlich, dass die hohen Frequenzen reduziert werden – ein Effekt, der bei vielen Vintage-Kompressoren vorkommt. So wird beispielsweise einer lauten Frauenstimme die Schärfe genommen und eine gewisse Weichheit hinzugefügt. Meine Klangbeispiele mit einem Track aus dem Roland MC707 belegen klar, wo es beim Bluey hingeht.

Black Lion Audio Bluey-500
Black Lion Audio Bluey-500 Bisher keine Kundenbewertung verfügbar

Zuerst das Signal im Bypass, dann den Bluey zugeschaltet mit Attack auf Stufe 4 und dem Release auf Stufe 7. Ratio auf 8:1:

Danach derselbe Track, zuerst mit Attack auf Minimum und diesen dann bis zum Maximum erhöht:

Und dasselbe Spiel mit dem Release: Von 1 bis Stufe 11:

Und zum Schluß die Ratio von 4:1 , 8:1, 12:1 und 20:1 erhöht:

Wie immer bei Klangbeispielen ist es wichtig, mit einem guten Kopfhörer oder anständigen Monitoren zu lauschen. Beim Attack kommt es insbesondere auf die hohen Töne und den Anschlag der Bassdrum an. Der Release wird deutlich, wenn die tiefen Töne dicker werden und länger Druck haben. Mit steigendem Ratio wird die Kompression „härter“ und es kann ein leichtes Pumpen vernommen werden, was für einen LA-2A basiertem Kompressor aber völlig normal ist.

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Fazit

Der Black Lion Audio Bluey-500 Kompressor erfindet die Produktkategorie nicht neu – wer aber auf der Suche nach einem exzellent klingenden Kompressor/Limited im API 500 Format ist, dem kann ich das sympathische Gerät ans Herz legen. Die Optik trifft die nostalgischen Gemüter auf den Punkt, die Bedienung ist ans UREI 1176LN Original angelehnt und ein paar neue Features machen den Kompressor zu einer zeitgemäßen Erweiterung im Studio. Der Klang ist nicht zu feingeistig oder zurückhaltend: Die Handschrift des nach Producer-Legende Chris Lord Alge modifizierten Moduls ist in jedem Ton zu hören. Nicht billig, aber jeden Cent wert: Sehr gut!

Plus

  • sehr guter Klang
  • gute Ausstattung mit modernen Funktionen
  • sehr gute Verarbeitung

Minus

  • Reglerstellung nicht optimal ablesbar

Preis

  • 810,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Es gibt dazu ja auch CLA Videos, in dem er sein immer gleich bleibendes Vocal Compressor setting zeigt: 30 in, 18 out, attack 3, release 7, 4:1, mix 100 wet.

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