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Test: Frap Audio Dynamics 2806, API500 Format Kompressor und Expander

Dynamikbearbeitung auf High End Level

31. März 2023
Frap Audio Dynamics 2806 test

Frap Audio Dynamics 2806, API500 Format Kompressor und Expander

Der Frap Audio Dynamics 2806 ist ein Dynamikprozessor im API 500 Format. Also ein Kompressor? Ja, ähm nein. Ein Expander? Ja, also auch…irgendwie. Na, was denn nun? Und wer ist eigentlich Frap Audio? Hier gibt es viele Fragen und alle notwendigen Antworten, ob man mit dem Dynamics 2806 ein 500er Modul auf Top-Level hat oder ob es eigentlich „nur“ zwei Geräte in einem sind. Der Test war wirklich spannend und am Ende werden Sie überlegen, ob der 2806 nicht etwas für Ihre 500er Lunchbox wäre – wetten?

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Wer ist Frap Audio?

Frap Audio ist ein Tochterunternehmen von Frap Tools, die man vielleicht aus dem Bereich modularer Synthesizer und Eurorack Module kennt. Noise Generatoren, Filterbänke und andere Eurorack Module gehören zum Frap Tools Portfolio.

Frap2806_Founder

Passend dazu hat man ebenfalls 2015 Frap Audio gegründet. Hier gibt es aktuell nur ein Produkt – den hier getesteten 2806 Dynamic Manager. Frap Audio ist ein italienisches Unternehmen mit Sitz in Medolla, nördlich von Bologna.

Dann schauen wir doch mal, was uns Signore Simone Fabbri, der Gründer des Unternehmens uns mit dem 2806 in die Lunchbox gelegt hat, buon appetito!

Frap Audio Dynamics 2806: Worum geht es?

Der Frap Audio Dynamics 2806 benötigt zwei Modulplätze in der API500 Lunchbox und kommt in einem sehr modernen Design mit silberner Frontplatte, schwarzen und silbernen Bedienelementen und petrolfarbenen Grafiken daher.

Das ist schon recht ungewöhnlich, denn die meisten API500 Module sehen doch eher irgendwie vintage-mäßig aus. Die Elemente im 2806 sind übersichtlich angeordnet: oben die Kompressor-Sektion und unten der Expander-Bereich. Dazwischen vier Schalter und zwei silberne Potis, die beide Bereiche bedienen. Links eine zehnteilige LED-Anzeige für den Grad der Kompression bzw. Expansion.

Das Modul kommt im geschlossenen Boxdesign, wobei die internen Bauteile durch ein Metallgehäuse geschützt sind. Auf der Rückseite befinden sich zwei (!) Kontaktleisten für die Lunchbox. Aha, wir benötigen nicht nur die Breite zweier Slots, sondern auch zwei Steckplätze – obwohl es ein Monogerät ist – interessant.

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Kompression und Expansion

Eigentlich brauchen „wir Studioprofis“ dafür keine Erklärung, oder? Doch, brauchen wir! Weil es wichtig für das Verständnis des Frap Audio Dynamics 2806 ist. Denn wussten Sie, dass es Upward- und Downward-Kompression und -Expansion gibt? Und außerdem noch Feed-Forward-Expander und Feed-Back-Kompression?

Downward Kompression ist der Klassiker: Sobald das Eingangssignal über dem eingestellten Schwellenwert (Threshold) liegt, wird das darüberliegende, lautere Signal komprimiert. Diese Reduktion sorgt für ein leiser werden, was man mit dem Makeup-Gain wieder ausgleicht. Am Ende hat man ein gestauchtes Signal, bei dem die leiseren Passagen lauter werden und die Peaks reduziert sind.

Bei der Upward Kompression ist es genau umgekehrt: Anstatt den Gain zu reduzieren, wenn das Signal über dem Schwellenwert liegt, wird das Signal lauter, wenn es unter dem Threshold liegt. Auch das ist Kompression, denn auch hier wird die Differenz zwischen leisen und lauten Schallereignissen reduziert. Das darf man nicht mit einem Noisegate verwechseln, wenn auch der Effekt sehr ähnlich ist.

Die Upward Expansion verstärkt Signale über einem eingestellten Threshold. So kann man z. B. eine hart geschlagene Snaredrum betonen, ohne den Pegel der leisen Anschläge zu beeinflussen. Das ist nicht identisch mit dem Mautermachen des Snare-Mikrofons! Andersherum kann der Upward-Expander sehr schnell unnatürlich klingen. Somit ist hier immer Vorsicht und Sensibilität geboten.

Downward Expansion bedeutet, dass Signal unter dem eingestellten Schwellenwert noch leiser gemacht werden. Damit kann man das Mikrofon-Bleeding oder beispielsweise Atemgeräusche auf den Vocals reduzieren. Im Grunde ist das einer Noisegate sehr ähnlich, nur kann man bei einem guten Expander Einfluss auf Attack und Release nehmen, währen das Noisegate „nur“ die leisen Signale bis zu einem bestimmten Level absenkt.

Hier ein (englisches) YouTube Video, das die Wirkweise der verschiedenen Kompressions- und Expansionsversionen sehr anschaulich erklärt:

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Feedforward-Expansion und Feedback-Kompression

Beim Frap Audio Dynamics 2806 überwacht die Expander-Sidechain das VCA-Eingangssignal (Feedforward), während der Kompressor-Sidechain den VCA-Ausgang (Feedback) überwacht. Man kann mit einem Schalter auswählen, ob der Feedback-Punkt vor oder nach dem Makeup liegt, um noch mehr Kontrolle über das Makeup-Gain zu erhalten.

Kompressor Sektion des Frap Audio Dynamics 2806

Der Dynamics 2806 ist ein klassischer VCA-Kompressor mit umfangreicher Ausstattung: Ein großer Threshold-Regler mit einer Bandbreite von -50 bis +10 dB. Daneben Attack und Release mit „Fast“ und „Slow“ Benennung auf der Skalierung. Eine genaue Angabe in Milli- und Mikrosekunden gibt es nicht, wobei VCA-Kompressoren als sehr schnell und flexibel gelten. Die Ratio kann bis zu 10:1 eingestellt werden. Ein Contour-Regler legt fest, wie die Kompression ab dem Threshold verläuft: von linear bis exponentiell ist dies stufenlos regelbar.

Frap2806_oben

Der Classic-Schalter sorgt für eine „gemütliche“ Abstimmung nach dem Vorbild bekannter Vintage-Kompressoren und mit Priority sorgt man dafür, dass ausschließlich die Expander-Sektion arbeitet, wenn der Kompressor keine Dynamikreduktion durchführt. Der REF-Schalter legt, wie oben erklärt, fest, ob der Signaldetektor vor oder nach dem Makeup liegt.

Frap2806_oben

Expander-Sektion des Frap Audio Dynamics 2806

Der Expander wird durch Drehen am „Expand“-Regler aktiviert. Der große Threshold-Regler definiert dabei den Schwellwert der Expansion. Attack und Release bestimmen das Verhalten der Transienten und des Sustain und dann kann man noch die Bandbreite des Expanders mit einem Hochpass- und einem Tiefpassfilter definieren.

Frap2806_unten

Die weiteren Funktionen des API500-Moduls

Zentral haben wir den Makeup-Regler, der die eingestellte Kompression bzw. Expansion im Bezug zum Ausgangssignal anpasst und einen „Parallel“-Regler, mit dem man die Mischung zwischen komprimiertem/expandiertem Signal und dem Rohsignal festlegt.

Der ON/BYP/OFF-Schalter definiert den Betriebsmodus, wobei der Frap Audio über einen echten Bypass verfügt, der das Signal auch im ausgeschalteten Zustand durchleitet.

Bleibt eigentlich nur noch die Frage, was die EXT SC/Listen-Schalter bedeuten. Und hier haben wir den Grund für den zweiten Konnektor des Moduls: Hier kann man ein externes Sigechain-Signal, wie beispielsweise eine Bassdrum, aufsummieren, damit der Detector nicht nur auf das impulsive, tieffrequente Signal reagiert. Listen macht dieses SC-Signal hörbar und zwar schaltbar für Kompressor und Expander.

Frap Audio Dynamics 2806
Frap Audio Dynamics 2806 Bisher keine Kundenbewertung verfügbar

Verarbeitung und Bedienung des Dynamics 2806

Das Dynamics 2806 ist sehr gut verarbeitet und alle Regler und Schalter sind robust und recht gut bedienbar. Die Regler sitzen sauber auf Achse und geben den Anwender das Gefühl, ein Premiumgerät zu bedienen. Dass bei einem solch komplexen API500 Modul die Bedienelemente nah beieinander liegen, ist dem Konzept geschuldet. Deswegen werde ich es nicht negativ bewerten: Es geht einfach nicht anders!

Frap2806_open2

Auch die Auswahl der eingesetzten Bauelemente ist entsprechend: Ein Lundahl LL1585 Ausgangsübertrager, hochwertige Kondensatoren zur Vermeidung von Schäden durch falsche Anschlüsse (z. B. Phantomspeisung) oder defekte Quellen und ein wartungsfreundlicher Aufbau zeigen, dass der Frap Audio eine gute Investition zu sein scheint.

Frap2806_open3vorne

Die Bedienung ist ebenfalls intuitiv, denn die Regler und Schalter sind gut gekennzeichnet und gut ablesbar. Das Verhalten der LED-Kette ist ebenfalls gut gemacht: Entweder man sieht die Gainreduction des Kompressors durch Aufleuchten der LEDs oder die Lämpchen brennen alle bei starker Expansion und gehen entsprechend aus, wie im folgenden Video gut zu sehen ist:

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Zu kritisieren habe ich nur, dass die Schaltpositionen von „Priority“ und „Classic“ nicht gut zu erkennen sind und diese auch nicht durch eine Kontroll-LED angezeigt werden. So kann es sein, dass man sich eine Zeit lang mit Attack und Release beschäftigt, um dann festzustellen, dass man den Classic-Mode aktiviert hat und so langsame Reaktionszeiten voreingestellt sind.
Ansonsten fehlt mir auch bei diesem Modul eine Power-LED, die anzeigt, ob das Gerät unter Strom steht.

Frap2806_open_Seite

Wie klingt der Frap Audio Dynamics 2806?

Zuerst stellt man bei Aktivierung des Moduls fest, dass der Frap Audio Dynamics 2806 einen sehr feinen, transparenten und außerordentlich neutralen Charakter, bzw. Nicht-Charakter hat. Durch die umfangreichen Einstellungsmöglichkeiten ist das kein Problem, denn hier geht es nicht um Effektkompression, wie bei einem Röhrenkompressor oder einem LA-2A, sondern darum, dem Track genau die Dynamik zu geben, die einem vorschwebt. Durch Kompression, Expansion und dem Mischen beider Betriebsarten stehen einem mehr, als genug Optionen zur Verfügung, um einem Drumset oder auch einer 808 den passenden Punch zu geben. Auch bei Vocals ist das Spiel mit Transienten und Volume praktisch grenzenlos. Allerdings muss man beim Frap Audio Dynamics 2806 schon wissen, was man tut.


„Trial and Error“ führt hier meist zu einem seltsamen Ergebnis, was in den seltensten Fällen in den Mix passt. Ein Beispiel: Ein Drummer spielt seinen Groove relativ gelangweilt und wenig dynamisch runter. Hier ist der 2806 das ideale Tool, um das Drumkit durch den Kompressor zusammenzuschmelzen und gleichzeitig Akzente durch die Snare oder die Becken herauszuarbeiten. Habe ich einen unerfahrenen Sänger vor dem Mikro mit viel Kopfbewegungen, lauter Atmung und ohne jegliche Sibilantenkontrolle, dann kann ich auch hier im Ergebnis eine sehr ansprechende Performance zaubern. Gleichzeitiges Komprimieren und Expandieren sorgen für eine sehr ausgeglichene Performance mit hoher Stringenz.

Bei aller Kontrolle ist es mir aber wichtig festzuhalten, dass der Frap Audio kein Spielzeug ist! Es bedarf einiges an Erfahrung und/oder eine entsprechende Lernkurve, um die Möglichkeiten aus dem italienischen API500 Modul herauszukitzeln. Auch fehlt dem Dynamics 2806 jeglicher „Vibe“, was ich in diesem Fall durchaus gut finde. Das hier ist kein gut ausgestatteter API Audio Select V12 und auch kein Rupert Neve Designs 543, obwohl auch dieser schon recht neutral abgestimmt ist. Am ehesten kann man das Modul noch mit dem Elysia mpressor 500 vergleichen, wenn auch dieses Gerät keine Expanderfunktionen hat.

Wer einen dedizierten Kompressor sucht, ist hier genauso falsch wie bei einem potenziellen Käufer eines Expanders. Erst die Kombination beider Betriebsarten inklusive des klugen Einsatzes eines Sidechain-Signals machen den Reiz und somit auch den Wert des Gerätes aus.

Ich habe in diesem Test bewusst auf Klangbeispiele verzichtet, denn so gut das Ergebnis meiner Einstellungen geklungen hat, so wenig sagt es dem Hörer, was denn genau eingestellt wurde. Und wenn ich das beschreiben wollte, dann müsste ich umfangreiche Excel-Tabellen mit den jeweiligen Werten dazulegen. Ein sehr gutes Spektrum des Machbaren zeigen die YouTube Videos von Frap Audio, bei denen die Möglichkeiten des Dynamics 2806 ausführlich und in sympathischem Italo-Englisch erklärt werden.

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Fazit

Wir haben es mit einem Dynamikmodul der oberen Preisklasse zu tun: Ein Monogerät für 1.329,- Euro ist auch für abgehärtete 500er Spezies eine Ansage. Man bekommt dafür aber eine sehr spezielle Gerätegattung: Durch die sehr durchdachte Kombination aus VCA-Kompressor und Expander inklusive komplexem Side-Chaining und diverser weiterer Optionen ist der Frap Audio Dynamics 2806 ein Gerät für Dynamikspezialisten, die genau wissen, was sie tun. Die Möglichkeiten sind schier endlos und es ist fast jedes Attack-, Release-, Kompressor- und Expander-Szenario darstellbar. Verarbeitung und Bedienung sind (fast) tadellos und so vergebe ich gerne drei Sterne mit der Einschränkung, dass es sich definitiv nicht um ein Klangspielzeug handelt, sondern ob der Möglichkeiten eine sehr lange Lernkurve mit sich bringt.

Plus

  • unendliche Dynamikmöglichkeiten
  • sehr neutraler, transparenter Klang
  • intuitive Bedienung
  • sehr hochwertig
  • Verarbeitung

Minus

  • hoher Preis

Preis

  • 1.329,- Euro
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