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Workshop: Die besten Kompressoreinstellungen

19. April 2021

Tipps & Tricks fürs Komprimieren

die besten kompressor einstellungen

Im Vergleich zum Equalizer, der intuitiv relativ schnell zu begreifen ist, ist der Kompressor für viele Laien zuerst einmal ein großes Rätsel. Auch für viele, die schon erste Erfahrungen gesammelt haben, können manche Begriffe noch etwas schwammig sein. Deshalb möchte ich zum Einstieg des Workshops „Die besten Kompressoreinstellungen“ mit folgender Frage anfangen:

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Was ist ein Kompressor?

Genauso wie Gates sind Kompressoren Dynamikprozessoren, d.h. sie manipulieren die Lautstärke eines Signals über die Zeit. Im Falle von Kompressoren wird das Signal automatisch leiser gemacht, wenn es einen vom Benutzer eingestellten Pegel (Threshold) erreicht.

Wenn es den Threshold wieder unterschreitet, wird das Signal fließend über eine bestimmte Zeitspanne (Release) wieder zur Originallautstärke angehoben. Dadurch werden Pegelspitzen abgeschnitten und das Signal ist leiser als vorher. Deshalb kann oft mittels eines Reglers (Gain) die Gesamtlautstärke wieder angehoben werden.

fmr audio rnc 1773

Der FMR Audio RNC 1773 ist ein günstiger und kompakter Kompressor

Der Parameter Ratio eines Kompressors bestimmt die Stärke der Lautstärkereduktion, wenn der Kompressor durch Threshold-Überschreitung des Signals aktiv wird. 1:1 heißt keine Reduktion. Bei 2:1 wird ein Signal, das 2 dB lauter ist als der gesetzte Thresholdlevel um 1 dB abgesenkt, ein 4 dB lauteres Signal um 2 dB, 8 um 4 usw. Bei einer Ratio von ꝏ:1 wird das Signal um die komplette Threshold-Überschreitung reduziert, quasi am Threshold-Level abgeschnitten. In diesem Fall spricht man von einem Limiter.

Attack ist die einstellbare Zeit, die ein Kompressor braucht, um nach der Threshold-Überschreitung die maximale Kompression zu erreichen. Bei der kürzesten Attack-Zeit wird je nach Kompressor mehr oder weniger direkt eingegriffen, bei einem längeren Attack wird der Pegel über den Ablauf der eingestellten Zeit kontinuierlich reduziert, bis die durch den Ratioregler definierte Maximalreduktion erreicht ist.

Manche Kompressoren verfügen über eine Sidechain-Funktion. Diese ermöglicht das Einspeisen eines anderen Signals, um den Kompressor für die Manipulation des zu bearbeitenden Signals zu steuern. Diesen Effekt kennt man aus dem Radio, wenn ein Radiomoderator spricht und gleichzeitig die Musik im Hintergrund leiser wird. In diesem Fall wurde das Stimmsignal per Sidechain in einen Kompressor gespeist, der den Musikkanal beeinflusst. Man spricht hier von einem „ducking effect“ oder „Ducker“.

Auch fürs Eurorack gibt es Kompressoren, hier der Waldorf CMP1

Warum benutzt man Kompressoren?

In erster Linie, um die dynamische Reichweite zu reduzieren, d.h. die leisesten Parts der Musik lauter und die lautesten Parts leiser zu machen. Dadurch wird die Durchschnittslautstärke angehoben und man erreicht ein homogeneres Musikerlebnis, das auch in einem Umfeld mit Hintergrundgeräuschen noch gut gehört werden kann.

Lautere Tracks werden gegenüber leiseren Musikstücken von den meisten Menschen bevorzugt, zudem werden gut komprimierte Tracks als deutlich druckvoller und ironischerweise auch „dynamischer“ als ihre unkomprimierten Counterparts wahrgenommen. Komplett unkomprimierte Tracks wirken auf aktuelle Hörer leblos und fade, ein gewisses Maß an Kompression wird also heutzutage vorausgesetzt. Man muss natürlich aufpassen, dass man es nicht übertreibt. Übermäßige Kompression wirkt unnatürlich und unangenehm und ist daher nicht empfehlenswert.

UAD API 2500

Der API 2500, hier in der Universal Audio Version als Plug-in

Nach diesem kurzen Auffrischungskurs kommen wir endlich zu den Kompressor-Settings. Ich gebe zu, dass der Titel dieses Artikels ein wenig reißerisch und irreführend ist, denn die „definitiv besten“ Kompressor-Settings gibt es natürlich nicht. Wie der Kompressor genau eingestellt werden muss, hängt immer vom Charakter der zu manipulierenden Signale sowie dem Tempo des Musikstücks ab. Man kann die folgenden Tipps und Settings aber als beispielhafte Anhaltspunkte verwenden, um dann mit etwas Experimentierfreude selbst zum gewünschten Ergebnis zu kommen.

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Wie so oft gilt: Es ist und wird nichts in Stein gemeißelt, ausprobieren und experimentieren ist definitiv erwünscht!

Kompression für mehr Punch

Durch einen mittleren bis längeren Attack wird der Attack-Transient des Originalsignals durchgelassen, bevor der hintere Teil des Signals komprimiert wird. Dadurch wird das Signal knackiger und bekommt mehr Punch. Die Release-Zeit sollte hier je nach Signal und Gehör unterschiedlich eingestellt werden. Einfach mal experimentieren und wenn die Spur zu stark anfängt zu „pumpen“ oder zu „schnaufen“, den Release zurückdrehen, bis der unerwünschte Effekt beseitigt ist.

Snare

Kompression für mehr Sustain

Kürzere Release-Zeiten mit mittlerem bis längerem Attack erlauben es uns, das Sustain zu kontrollieren und anzuheben. Dadurch klingt das Signal länger und mit einer konsistenteren Lautstärke aus.

Transientenkontrolle durch Kompression

Oft hat man Signale, deren initialer Attack im Vergleich zum Body einzelner Klänge unverhältnismäßig laut ist. Durch kurze Attack- und mittlere Release-Zeiten kann man diesen Attack zähmen und das Signal insgesamt softer machen. Typische Kandidaten hierfür sind Overhead-Spuren und Snare-Teppiche.

Konsistenz durch Kompression

Kurzer Attack und Release kann benutzt werden, um inkonsistente, unabsichtlich in der Lautstärke schwankende Performances stabiler und konsistenter zu machen. Dadurch geht dann allerdings auch etwas der Punch verloren.

 

Kompression von Stems

Von einem Stem spricht man, wenn in einer Subgruppe alle Kanäle einer bestimmten Instrumentengruppe auf einem Aux-Fader gebündelt werden. Das gibt zusätzliche Kontrolle über Sound und Lautstärke und ist eine empfehlenswerte Praxis. Werden diese Einzelsignale gemeinsam komprimiert, verschmelzen sie in der Regel zu einer besseren Einheit und klingen wieder natürlicher oder cooler für das menschliche Ohr.

Wenn man einen Vintagesound für Drums haben will, sollte man mit Kompression auf den einzelnen Spuren spärlich umgehen oder diese komplett weglassen. Dafür werden die Drums dann in Gänze komprimiert. In früheren Zeiten waren Hardware-Kompressoren rar, deshalb kam man an dieser Technik gar nicht vorbei und sie ist auf vielen klassischen Rock- und Popalben zu hören.

Parallele Kompression / New York Style

Ähnlich wie beim letzten Beispiel wird hier mit kurzem Attack und Release gearbeitet, allerdings wird die Ratio hoch und der Threshold niedrig eingestellt, um das Signal so richtig zusammenzustauchen. Das klingt alleine dann recht unnatürlich. Der Clou ist hier, dass diese Manipulation nicht auf dem Originalkanal, sondern auf einem Duplikat oder Aux Send ausgeführt wird. Somit bleibt der Originalsound erhalten. Das komprimierte Signal wird dann nach Geschmack zum Urspungssignal beigemischt, bis die gewünschte Fatness erreicht ist.

Serielle Kompression

Gerade bei Vocals muss man manchmal große dynamische Schwankungen ausgleichen. Versucht man dies mit einem einzelnen, hart eingestellten Kompressor, wird das Ergebnis schnell unnatürlich. Um dem entgegenzuwirken, kann man einfach mehrere Kompressoren hintereinanderschalten. 2 Kompressoren hintereinander, die jeweils 2 dB Lautstärke reduzieren, klingen deutlich natürlicher als 1 Kompressor mit 4 dB Reduktion.

Masterbus-Kompression

Ein dezent eingestellter Kompressor auf dem Masterbus lässt den fertigen Mix oft druckvoller und/oder „zusammener“ erscheinen. Man spricht hier oft auch von „Kleber“

Masterbus-Limiter

Wenn man den fertigen Mix zum professionellen Mastern gibt, sollte man von diesem Schritt absehen. Wenn die Produktion allerdings eh nur in den eigenen Händen liegt, ist er allerdings ein Muss. Hier wird die durchschnittliche Lautheit nochmals angehoben und auf ein konkurrenzfähiges Level gebracht. Es sollte der beste vorliegende Kompressor/Limiter verwendet werden, um das natürlichste Ergebnis zu erzielen.

Sidechain-Kompression/Ducking im Mix

Manchmal kommt es selbst bei skalpellartigstem Einsetzen von Equalizern vor, dass sich zwei Signale im Mix trotzdem nicht gut genug voneinander abheben. Bassdrum und Bass sind gerade bei Heavy-Rock-Produktionen ab und zu solche Kandidaten. Abhilfe schafft hier die Sidechain-Funktion von vielen Kompressoren. Als Sidechain-Input fungiert das Bassdrum-Signal, komprimiert wird der Bass. Mit kurzem Attack und einem an die Bassdrum angepassten Release wird die Lautstärke der Bassspur immer dann kurz abgesenkt, wenn die Bassdrum geschlagen wird und sorgt so für mehr Transparenz.

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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    VMNN  

    Danke für die Tipps & Tricks zum Thema Kompression. Als „Neuling“ im Bereich elektronische Musik ist dies ein Thema, bei dem ich leider immer noch nicht ganz durchblicke bzw. mein Gehör anscheinend noch nicht so gut geschult ist, dass ich die Feinheiten hören kann. Von daher finde ich solche Beiträge immer sehr hilfreich.

    • Profilbild
      bluebell  AHU

      Mir helfen Kompressoren, die die Reduktion in Echtzeit anzeigen, ungemein. Das können aber die meisten, entweder per LED-Zeile oder mit einer Art VU-Meter.

    • Profilbild
      hauserj

      Zum Thema Kompression hören kann ich auf youtube Kush after hours empfehlen. Geeks out on drum compression war für mich der absolute Gamechanger.

      https://youtu.be/K0XGXz6SHco
      Aber schaut man eins an, dann schaut man alle an. Unglaublich praxisnahe Tipps :)

      • Profilbild
        VMNN  

        Hallo bluebell und hauserj, vielen Dank für eure Tipps. Das werde ich mir mal anschauen.

    • Profilbild
      anselm  

      Ein sehr wichtiger Hinweis: Wenn Du selbst einen Kompressor einstellst, musst Du immer immer die Ausgangslautstärke kompensieren, so daß der Kanal nicht einfach lauter ist.
      Lauter stellen kannst Du ja auch über den Volume Fader im Mixer oder Gain Plugin.
      Das gleiche gilt auch für EQ.

      Ein Kompressor, der automatisch kompensiert, macht das Leben einfacher.

  2. Profilbild
    Raport

    Ich finde solche Darstellungen vorallem wenn es ums Komprimieren geht immer schwierig,
    Auch wenn das gut gemeint ist.

    Das Problem ist das den Leuten der Eindruck vermittelt wird das sie alles Komprimieren sollten um Druck erzeugen.
    Vorallem heute arbeiten viele mit durch produzierten sounds und Samples die
    Aus librarys stammen damit man sofort loslegen kann.

    Dann wird da noch zu laut abgehört vorallem über Kopfhörer und monitore was wieder zu einer Kompression führt und man garnicht nachvollziehen kann
    was man eigentlich einstellt.

    Ich würde den Leuten empfehlen ihre Erfahrungen mit unbearbeiteten Signalen zu sammeln wenn es ums Komprimieren geht und dabei nicht laut abhören oder nicht zu laut.

    Nur so kann man lernen wie und was ein kompressor macht.

    • Profilbild
      MidiDino  AHU

      Sobald man Libraries benutzt, verringert sich das Problem: Ich nutze z.B. nach einem EQ ein Kompressor-Plugin (Fairchild 670-Emulator) in der Master-Signalkette, danach einen Soft-Limiter, um den Sound nicht gegen eine Wand fahren zu lassen, dann erst eine Raum-Emulation (Lex 960L). Etwaige zusätzliche Plugins füge ich den Instrumenten-Spuren bei. Für die Einstellung des Master-Kompressors nutze ich ein ‚Smooth-Preset‘. ich schätze mit einer Ratio von 2:1. relativ weitem Attack und Release.

  3. Profilbild
    moinho  

    Schönes Aufmacherbild…meine Erfahrung mit dem IRON (SW) ist daß der zu den Kompressoren gehört, die es einem schwermachen, schlechte Einstellungen zu finden.

  4. Profilbild
    Anthony Rother  AHU

    Man lernt nie aus.

    Vielen Dank für diese schöne Übersicht verschiedener Einstellungen
    und den Ausführungen zur Kompression im Allgemeinen.

    Komprimieren ist wie Quantenmechanik, immer wenn man denkt das man
    es verstanden hat sollte man besser wieder mal so einen Artikel lesen :-)

    • Profilbild
      anselm  

      Ich habe vor ein paar Jahren ein sehr gutes Buch zum Thema Mixing gelesen: Mixing Audio by Roey Izhaki, Focal Press.
      Das ist auch grundsätzlich empfehlenswert.

      Wichtiger aber als Theorie ist Praxis. Einfach loslegen und auf dem Weg lernen.

      Viele Menschen haben nicht genug Selbstvertrauen und die Vorstellung, daß man erst alles im Voraus lernen könne/sollte zB. in Kursen oder aus Büchern und erst anfängt zu produzieren, wenn man alles weiß. Das ist natürlich eine Sackgasse.
      Ich habe den Fehler gemacht, was mich viel Zeit gekostet hat.

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