Workshop: Die besten Kompressoreinstellungen

30. Juli 2018

Tipps & Tricks fürs Komprimieren

die besten kompressor einstellungen

Im Vergleich zum Equalizer, der intuitiv relativ schnell zu begreifen ist, ist der Kompressor für viele Laien zuerst einmal ein großes Rätsel. Auch für viele, die schon erste Erfahrungen gesammelt haben, können manche Begriffe noch etwas schwammig sein. Deshalb möchte ich zum Einstieg des Workshops „Die besten Kompressoreinstellungen“ mit folgender Frage anfangen:

Was ist ein Kompressor?

Genauso wie Gates sind Kompressoren Dynamikprozessoren, d.h. sie manipulieren die Lautstärke eines Signals über die Zeit. Im Falle von Kompressoren wird das Signal automatisch leiser gemacht, wenn es einen vom Benutzer eingestellten Pegel (Threshold) erreicht.

Wenn es den Threshold wieder unterschreitet, wird das Signal fließend über eine bestimmte Zeitspanne (Release) wieder zur Originallautstärke angehoben. Dadurch werden Pegelspitzen abgeschnitten und das Signal ist leiser als vorher. Deshalb kann oft mittels eines Reglers (Gain) die Gesamtlautstärke wieder angehoben werden.

fmr audio rnc 1773

Der FMR Audio RNC 1773 ist ein günstiger und kompakter Kompressor

Der Parameter Ratio eines Kompressors bestimmt die Stärke der Lautstärkereduktion, wenn der Kompressor durch Threshold-Überschreitung des Signals aktiv wird. 1:1 heißt keine Reduktion. Bei 2:1 wird ein Signal, das 2 dB lauter ist als der gesetzte Thresholdlevel um 1 dB abgesenkt, ein 4 dB lauteres Signal um 2 dB, 8 um 4 usw. Bei einer Ratio von ꝏ:1 wird das Signal um die komplette Threshold-Überschreitung reduziert, quasi am Threshold-Level abgeschnitten. In diesem Fall spricht man von einem Limiter.

Attack ist die einstellbare Zeit, die ein Kompressor braucht, um nach der Threshold-Überschreitung die maximale Kompression zu erreichen. Bei der kürzesten Attack-Zeit wird je nach Kompressor mehr oder weniger direkt eingegriffen, bei einem längeren Attack wird der Pegel über den Ablauf der eingestellten Zeit kontinuierlich reduziert, bis die durch den Ratioregler definierte Maximalreduktion erreicht ist.

Manche Kompressoren verfügen über eine Sidechain-Funktion. Diese ermöglicht das Einspeisen eines anderen Signals, um den Kompressor für die Manipulation des zu bearbeitenden Signals zu steuern. Diesen Effekt kennt man aus dem Radio, wenn ein Radiomoderator spricht und gleichzeitig die Musik im Hintergrund leiser wird. In diesem Fall wurde das Stimmsignal per Sidechain in einen Kompressor gespeist, der den Musikkanal beeinflusst. Man spricht hier von einem „ducking effect“ oder „Ducker“.

Auch fürs Eurorack gibt es Kompressoren, hier der Waldorf CMP1

Warum benutzt man Kompressoren?

In erster Linie, um die dynamische Reichweite zu reduzieren, d.h. die leisesten Parts der Musik lauter und die lautesten Parts leiser zu machen. Dadurch wird die Durchschnittslautstärke angehoben und man erreicht ein homogeneres Musikerlebnis, das auch in einem Umfeld mit Hintergrundgeräuschen noch gut gehört werden kann.

Lautere Tracks werden gegenüber leiseren Musikstücken von den meisten Menschen bevorzugt, zudem werden gut komprimierte Tracks als deutlich druckvoller und ironischerweise auch „dynamischer“ als ihre unkomprimierten Counterparts wahrgenommen. Komplett unkomprimierte Tracks wirken auf aktuelle Hörer leblos und fade, ein gewisses Maß an Kompression wird also heutzutage vorausgesetzt. Man muss natürlich aufpassen, dass man es nicht übertreibt. Übermäßige Kompression wirkt unnatürlich und unangenehm und ist daher nicht empfehlenswert.

UAD API 2500

Der API 2500, hier in der Universal Audio Version als Plug-in

Nach diesem kurzen Auffrischungskurs kommen wir endlich zu den Kompressor-Settings. Ich gebe zu, dass der Titel dieses Artikels ein wenig reißerisch und irreführend ist, denn die „definitiv besten“ Kompressor-Settings gibt es natürlich nicht. Wie der Kompressor genau eingestellt werden muss, hängt immer vom Charakter der zu manipulierenden Signale sowie dem Tempo des Musikstücks ab. Man kann die folgenden Tipps und Settings aber als beispielhafte Anhaltspunkte verwenden, um dann mit etwas Experimentierfreude selbst zum gewünschten Ergebnis zu kommen.

Kompression für mehr Punch

Durch einen mittleren bis längeren Attack wird der Attack-Transient des Originalsignals durchgelassen, bevor der hintere Teil des Signals komprimiert wird. Dadurch wird das Signal knackiger und bekommt mehr Punch. Die Release-Zeit sollte hier je nach Signal und Gehör unterschiedlich eingestellt werden. Einfach mal experimentieren und wenn die Spur zu stark anfängt zu „pumpen“ oder zu „schnaufen“, den Release zurückdrehen, bis der unerwünschte Effekt beseitigt ist.

Snare

Kompression für mehr Sustain

Kürzere Release-Zeiten mit mittlerem bis längerem Attack erlauben es uns, das Sustain zu kontrollieren und anzuheben. Dadurch klingt das Signal länger und mit einer konsistenteren Lautstärke aus.

Transientenkontrolle durch Kompression

Oft hat man Signale, deren initialer Attack im Vergleich zum Body einzelner Klänge unverhältnismäßig laut ist. Durch kurze Attack- und mittlere Release-Zeiten kann man diesen Attack zähmen und das Signal insgesamt softer machen. Typische Kandidaten hierfür sind Overhead-Spuren und Snare-Teppiche.

Konsistenz durch Kompression

Kurzer Attack und Release kann benutzt werden, um inkonsistente, unabsichtlich in der Lautstärke schwankende Performances stabiler und konsistenter zu machen. Dadurch geht dann allerdings auch etwas der Punch verloren.

Klangbeispiele
Forum
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    Hectorpascal  

    Ist das jetzt ein feststehendes Regelwerk oder „darf“ ich auch andere Einstellungen nehmen. :)
    Ups, fast hätte ich den Link auf Thomann gedrückt. War doch nur Werbung als ernst gemeinter Beitrag. ;)

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    MidiDino  AHU

    Allein schon der Titel ist großer quatsch. ‚Die besten‘ gibt es auf dem Markt, von der Dame mit den Äpfeln. Und das demonstrierte musikalische Material ist vollig überkomprimiert … Aber falls es wer mag …

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    costello  RED

    Ich finde diesen Überblick über Standard-Kompressoreinstellungen sehr nützlich, vielen Dank dafür! Ich habe mir den RLNA von FMR Audio (der „mit“ Färbung) gekauft und bin gerade ziemlich am Experimentieren. Sind ja nur 4 Regler (ohne Gain-Korrektur), aber mit denen kann man schon viel „anrichten“. Klar, bei einigen Klang-Beispielen hier wurde ziemlich dick aufgetragen. Aber wenn es zu subtil wird, weiß man am Ende nicht, was eigentlich demonstriert werden sollte ;-)

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    Coin  AHU

    Um den Effekt deutlich zu machen ist ein hoher Thresholdwert,
    bzw. viel Reduktion ok.
    So hört man den Comp auch ab.
    Im Einsatz nimmt man dann einen geringeren Schwellenwert.

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    Michael Krusch  

    So lustig Kompressorpresets auf den ersten Blick scheinen mögen, hat doch jeder seine Einstellungen mit denen er bei bestimmten Kompressoren und bestimmten Material startet. Niemand stellt alle Regler auf Null und fängt immer wieder von vorne an. Mit der Zeit weiß man dann schon.
    Und mit viel Erfahrung kann man dann auch an Tagen, an denen man wegen Erkältung nichts hört, trotzdem brauchbar arbeiten, weil man an der Nadel sieht, wie es klingt.

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    Coin  AHU

    Das ist aber, wenn man die Beispiele zusammenrechnet,
    schon sehr hart komprimiert.
    Selbst für Parallel Kompression, die man nur zumischt.
    Würde nicht mehr als ca. 12 dB Gain Reduction machen.

  7. Profilbild
    rio  

    Ich find den Workshop zur Orientierung nicht schlecht… es gibt ungefähr die Richtung für den jeweiligen Anwendungsfall vor. Den Titel hätte ich aber auch anders genannt ;) Kompressionen sollte man sowieso nur mit Bedacht verwenden…

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