Workshop: Effektive Kompressor-Einstellungen

4. Februar 2018

Der Klangverdichter

Komprimieren 1

In unserem heutigen Workshop „Effektiv komprimieren“ nehmen wir uns einem wichtigen und oft unterschätzten Klangbearbeiter an, dem Kompressor. Aufgeteilt in drei Workshop-Teile findet Ihr hier die wichtigsten Infos:

Vorab aber erst einmal die Frage: Was macht ein Kompressor überhaupt?

Wirkungsweise

Der Kompressor ist ein Regelverstärker, er nimmt Einfluss auf die Lautstärke des Signals und schränkt die Dynamik ein. Wozu soll das gut sein? Nun, schauen wir uns eine Musikdarbietung mit maximaler Dynamik an. Ein großes Orchester z.B. arbeitet mit einer Dynamik von ca. 60 dB, damit lassen sich im Konzertsaal mächtige Emotionen erzeugen. Bei der Wiedergabe desselben Konzerts zuhause oder gar im Auto passiert Folgendes: Die Maximallautstärke ist nicht zu erreichen, weil Soundsystem, Raum und nicht zuletzt das eigene Gehör da nicht mitspielen, die Minimallautstärke wird schlicht von Umgebungsgeräuschen überdeckt. Die Lösung ist hier eine Einschränkung der Dynamik und damit die Anpassung an die Abhörumgebung.

Dies macht ein Kompressor mit folgenden Standard-Parametern: Der „Threshold“ regelt, ab welcher Lautstärke unser Kompressor in das Signal eingreift. Die „Ratio“ steuert das Verhältnis der Bearbeitung. Bei einer Ratio von 1:1 passiert also schlicht nichts. Eine Ratio von 4:1 schwächt das Eingangssignal ab Erreichen des Thresholds um 75% ab. Eine unendliche Ratio bedeutet, dass der Pegel den eingestellten Threshold-Wert nicht überschreitet, wir haben damit eine Sonderform des Kompressors, den Limiter.

Bisher haben wir nun eine Dezimierung des Maximalpegels erreicht. Um das wieder aus- oder anzugleichen gibt es den Parameter „Gain“, der als Aufholverstärker fungiert. Wenn wir also bei unserem Orchesterbeispiel bleiben und den Threshold auf 60 dB bei einer Ratio von 4:1 einstellen und von einem Lautstärkeumfang von 40 dB bei pianissimo und 100 dB bei fortissimo ausgehen, erreichen wir eine Maximallautstärke von 70 dB. Durch eine Anhebung von 10 dB im Gain beträgt unser Dynamikumfang nun 50 bis 80 dB, ein praktikabler Wert fürs heimische Wohnzimmer.

Die Kommpressor Standard Parameter, hier beim SSL Bus Compressor

Die Kompressor Standard-Parameter, hier beim SSL Bus Compressor

Zwei weitere Standardparameter helfen uns bei der perfekten Kompression. „Attack“ bezeichnet die Einschwingzeit, d.h. wie schnell greift unser Kompressor nach Erreichen des Threshold zu. Auf der anderen Seite agiert „Release“, in welcher Zeit kehrt das Signal zum unbearbeitetem Pegel zurück.

Kompressionstypen

Hier haben wir es grundsätzlich mit zwei Verfahren zu tun. Erstens mit dem Breit- oder Singleband-Kompressor, bei dem das gesamte Frequenzspektrum gleichermaßen bearbeitet wird.

Zweitens den Multiband-Kompressor, bei dem das Frequenzband mit einem parametrischen Equalizer in mehrere Zonen aufgesplittet wird, die dann separat bearbeitet werden können.

Ein Multiband-Kompressor, hier der Logic Multipressor

Ein Multiband-Kompressor, hier der Logic Multipressor

Üblicherweise wird der Multiband-Kompressor im Mastering verwendet und wird uns da im kommenden Workshop wieder begegnen. Für Einzelsignale wird vorwiegend der Singleband-Kompressor verwendet, auf den wir uns nun hier konzentrieren wollen. Aber wie immer gilt: Erlaubt ist, was gefällt. Wer seinen Schellenkranz mit einem 5-Band Multi-Kompressor einregeln möchte, wieso nicht?

Kompressionsverfahren

Für die Steuerung der Kompression gibt es verschiedene Möglichkeiten, die sich klanglich unterscheiden. Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich als Nicht-Ingenieur und mangels tieferen Einblick in die Elektro-Wissenschaft diesen Abschnitt eher populär-wissenschaftlich abfasse. Es sei mir bitte verziehen.

Beim Röhren- oder auch Variable Mu-Kompressor ist die Röhre das Regelelement. Oft werden auch Geräte als Röhrenkompressoren bezeichnet, die zwar eine andere Steuerungsart besitzen, aber eine Röhrenschaltung zur Klangformung im Ein- oder Ausgangsbereich haben. Hier ist zu unterscheiden. Ein klassischer Vertreter mit Röhrensteuerung ist der Fairchild 660.

Beim FET-Kompressor wird die Röhrenkomponente durch einen Feldeffekt-Transistor ersetzt. Dies minimiert die Einflüsse, der die Röhre ausgesetzt ist. Seit über 50 Jahren ein Klassiker in diesem Genre: der Universal Audio 1176.

Eine weitere Steuerungsvariante ist der Opto-Kompressor. Hier wird die Pegelreduktion mit einer Leuchtdiode erzeugt. Opto-Kompressoren reagieren eher etwas träge, ein klassischer und typischer Vertreter ist der Telektronix LA-2A.

Ein häufiger Vertreter ist der VCA-Kompressor, der über einen Voltage Controlled Amp gesteuert wird. Ein seit Jahrzehnten beliebter Vertreter ist hier der dbx 160.

Arbeitsweisen

Ein Kompressor lässt sich mannigfaltig einsetzen. Bei der Aufnahme, beim Mixen, auf der Subgruppe und im Mastering. Auch eine mehrfache Verwendung kann sinnvoll sein. So lässt sich das Signal bei der Aufnahme gegen Übersteuerung schützen und im Mix wird dann die Klangformung betrieben. Erfahrene Toningenieure nehmen oft schon beim Aufnehmen eine Soundprägung vor, aber das soll wirklich nur Leuten angeraten werden, die genau wissen, was sie tun. Wenn das Ergebnis dann im Mix doch nicht passen sollte, ist es nur schwerlich rückgängig zu machen.

Eine weitere Möglichkeit ist, zwei Kompressoren hintereinander zu betreiben und jeden seine Stärken ausspielen zu lassen. In einem Gerät verwirklicht ist diese Herangehensweise z.B. in dem von mir kürzlich getesteten Channelstrip Tegeler VTRC, der einen Opto- und einen Vari Mu-Kompressor verbindet.

Der Tegeler VTCR mit zwei Kompressoren

Der Tegeler VTCR mit zwei Kompressoren

Praxis

Beginnen wir also mit einer typischen Aufnahmesituation. Eine funky Gitarre soll eingespielt werden, da sind dynamische Sprünge quasi Programm. Da ich Deutschlands ungefähr zweimillionster-beste Gitarrist bin und Funk so leider gar nicht meine Stärke ist, überlasse ich die Zuspielung einem vorgefertigten Soundfile via CD-Player (die Älteren unter uns werden sich erinnern). Die Vorstufe des Audiointerfaces wird knapp übersteuert. Mit den vier von mir ausgewählten Kompressoren, die ich in dem Zuge noch etwas näher vorstellen möchte, versuche ich, eine möglichst klangneutrale Limitation zu erreichen.

Der funky Lick unbearbeitet

Ich starte mit dem Fairchild 660, ein Gerät, das als Hardware nur noch selten anzutreffen ist. Schön, dass der stilprägende Klang im Rechner verfügbar gemacht wurde.

Der Fairchild 660

Der Fairchild 660

Ausstattungsmäßig hebt sich der Fairchild von unserem Standardkompressor mit Threshold, Ratio, Attack, Release und Gain ab. Für die Stärke der Kompression ist hier Input Gain und Threshold zuständig. Diese beiden Parameter interagieren, je mehr Input Gain, desto weniger Threshold ist für dieselbe Reduktion notwendig. Klanglich wird mit mehr Input Gain die Röhrenstufe der Eingangs höher angesteuert, die von dieser Schaltung gewünschten Verzerrungen nehmen zu.

Attack und Release werden von dem Regler „Time Constant“ abgedeckt, der hier 6 Presets bereit stellt. Mit „Output“ wird die Signalstärke wieder angepasst, Gain ist also vorhanden. Fehlt noch die Ratio, nun die steuert der Kompressor selbsttätig über das Eingangssignal, sie bleibt also variabel.

Einige zusätzlich Zugriffsmöglichkeiten bietet das Gerät. So ist mit „D.C. Threshold“ eine stufenlose Überblendung von Hard- zu Softknee möglich. Gleichzeitig wird hier auch die Stärke der Ratio beeinflusst, Linksanschlag ist dafür die Maximalposition. Mit „Sidechain Filter“ kann der tiefe Frequenzbereich von der Signalbearbeitung ausgeschlossen werden. „Mix“ ermöglicht die Überblendung von unbearbeitetem zu bearbeitetem Material.

Nun stelle ich den Fairchild so ein, wie ich es für diese Aufgabe haben möchte: Gain Reduktion bei ca. 3 dB, maximales Gain der Aufnahmespur bei -0,3 dB. Da ich ein Limiting erreichen will, wird der D.C. Threshold ganz auf Hardknee gedreht, Threshold ziehe ich ganz auf. Time Constant kommt mit Stufe 1 auf den schnellsten Wert, Attack bei 200 Mikrosekunden, Release steht bei 300 Millisekunden. Mit Input Gain steuere ich nun die erwünschte Reduktion und Output stellt meine Gesamtlautstärke ein, et voilà …

Der funky Lick, Limiting mit Fairchild 660

Für die gestellte Aufgabe erweist sich der Fairchild 660 durchaus als brauchbar, der Pegel wird zuverlässig im Zaum gehalten. Der scharfe Attack der Gitarre wird etwas gemildert und in den Höhen beschnitten. Hier macht sich die Röhrenwärme bemerkbar, für eine glasharte Funkygitarre vielleicht nicht ideal, der 660 ist also alles andere als neutral. Die Parametrisierung ist zwar etwas ungewöhnlich, aber schnell und intuitiv zu bedienen.

Nun nehme ich mir den Telektronix LA-2A vor.

Der Telektronix LA-2A

Der Telektronix LA-2A

Auch hier weichen die Regler von unserem gelernten Standard ab. Es gibt einen Regler für „Peak Reduktion“, mit dem der gewünschte Wert eingestellt wird und „Gain“ für die Ausgangslautstärke. Ein kleiner Regler für „Emphasis“ steuert den zu bearbeitenden Frequenzgang. Auf Rechtsanschlag ist er in der Neutralposition, gegen links werden die tiefen Frequenzen weniger und die Höhen dafür mehr komprimiert. Die Ratio wird über einen Kippschalter bestimmt, „Comp“ bietet 3:1, „Limit“ unendlich:1. Für unser Beispiel bietet sich hier also „Limit“ an.

Nun einfach die passende Peak Reduktion angewählt und mit Gain ausgeglichen, einfacher geht’s nun wirklich nicht.

Der funky Lick, Limiting mit Telektronix LA-2A

Im Endergebnis merkt man dem LA-2A seine Arbeitsweise an, der Optokompressor ist nicht der Schnellste. So wird aus dem „Pling“ des lautesten Anschlags eher ein „Twäg“. In den Mitten wird das Signal angedickt, hier sind deutlich die Röhren im Schaltungsdesign zu hören. Somit ist der Telektronix sicher kein Allrounder für die Aufgabe Limiting, seine eigene Klangästhetik kann aber je nach Material durchaus schon in der Aufnahme für eine schöne Färbung sorgen.

Wenden wir uns nun einem weiteren UA Klassiker zu, dem 1176 Limiting Amplifier. Wie auch beim LA-2A hat UAD hier mehrere Modelle emuliert, ich entscheide mich für die Urversion Rev. A.

Der UA 1176 in mehreren Revisionen

Der UA 1176 in mehreren Revisionen

Die Bedienung ist auch wieder sehr einfach, „Input“ steuert gleichzeitig Eingangssignal und Threshold, „Output“ steht hier wieder für die Ausgangspegelanpassung. Am 1176 finden sich nun auch endlich unsere Potis für „Attack“ und „Release“, wohingegen die Ratio mit vier Buttons bei den Werten 4, 8, 12 und 20 eingestellt wird.

Für unseren Test wird natürlich der höchste Ratiowert gedrückt, Input und Output ist auch schnell eingestellt. Etwas verwirrend sind Attack und Release, da hier bei Rechtsanschlag der schnellste Wert erreicht wird. Für Attack sind das ultraschnelle 20 Mikrosekunden bis 800 Mikrosekunden. Hier wähle ich die trägste Einstellung, sonst werden die Transienten deutlich in Mitleidenschaft gezogen. Bei Release wähle ich aus dem Einstellungsbereich von 50 Millisekunden bis zu 1,1 Sekunden einen schnellen Wert.

Nun kann es schon los gehen.

Der funky Lick, Limiting mit Universal Audio 1176

Ich finde, der 1176 macht das richtig gut, die Klangcharakteristik bleibt weitgehend erhalten. Klar, die Spitzen werden gekappt, aber das ist ja auch Sinn des Limiting. Etwas Farbe kriegt der Sound ebenfalls mit, sind hier doch auch die Tranformer und die generierten Verzerrungen simuliert. Wer das nicht möchte, kann auf die Resourcen schonenden Legacy-Plug-ins im Bundle zurückgreifen.

Nun darf sich der dbx 160 beweisen, ein Gerät, das immer noch in freier Wildbahn anzutreffen ist, war er doch als 19″ Einheit 160X zu Beginn meiner Tontechniker-Karriere der Standardkompressor in fast jedem Live-Rack.

UAD hat natürlich die hübsche Urversion mit dem VU-Meter emuliert.

Der dbx 160

Der dbx 160

Die Einstellmöglichkeiten belaufen sich auf das Nötigste. Threshold, „Compression“ für Ratio und Output Gain, das war’s schon.

Die Ratio geht bis unendlich, für Limiting ist ein sinnvoller Wert ab 20:1, dabei belasse ich es auch. Threshold und Output sind schnell erledigt, etwas fummelig ist das VU-Meter, hübsch anzusehen, aber nur schwer abzulesen. Glücklicherweise helfen die LEDs „Below“ und „Above“ beim Bewerten des Reduktionszugriffs.

Der funky Lick, Limiting mit dbx 160

Obwohl keine Einstellung von Attack und Release möglich sind, macht der dbx seine Arbeit hier prima. Von unseren Beispielen gerät der 160er am neutralsten und verändert die Charakteristik fast nicht. Wenn also keine Klangveränderung erwünscht ist, kann der dbx 160 unbedenklich verwendet werden.

Schon bei unserer ersten Aufgabe, dem Limiting, haben sich unsere vier Kandidaten wacker geschlagen. Noch interessanter wird es aber, die verschiedenen Konzepte an diversen Audiomaterial auch zur Klangformung zu hören.

Aber das heben wir uns für unseren zweiten Teil des Workshops auf.

Klangbeispiele
Forum
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    MidiDino  AHU

    Danke, Armin, für die Erläuterungen. Aber ich bin mir sehr unsicher, ob das einfache Rechenbeispiel in dB (zumal für klassische Musik) angemessen ist. Kompressoren / Limiter greifen viel stärker ins Klanggeschehen ein, als lediglich den Dynamikumfang zu begrenzen. Das Audiobeispiel einer Funky Git., das primär rhythmisch orientiert ist, durch kurze markante Anschläge aufwartet, ist in dieser Hinsicht wenig hilfreich. Meiner Erfahrung wäre eine Ratio von 4:1 besonders in der Klassik zu hoch, zumindest bestände die Gefahr, ungebetene Artefakte und Sterilität zu erzeugen, auch falls sie auf eine Autofahrt samt Umgebungsgeräusche zugeschnitten wären. Dies fiele vermutlich im Wohn- bzw. Schlafzimmer auf, es sei denn, draußen wäre eine lärmige Baustelle ;-)

    Nach meinem Ermessen ist die besondere Schwierigkeit, Musik beim Einsatz von Kompressoren / Limitern nicht kaputtzumachen, auch nicht mit PlugIns.

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      Armin Bauer  RED

      Hallo MidiDino,

      du sagst es, es ist ein Rechenbeispiel. Ich habe es benutzt, weil Klassik eben oft sehr große Dynamiksprünge bietet. In Reality versuche ich da auch mit max. 2:1 hin zu kommen.
      Bei den Soundbeispielen mit den funky Gitarre ging es rein um Limiting einer Aufnahme, die den Preamp ein klein wenig überfährt.

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        MidiDino  AHU

        Noch einmal zum Komprimieren: mit festen, einstellbaren Ratiowerten, habe ich nicht selten schlechte Erfahrungen gemacht, es sei denn, dass sie kaum eine Rolle spielen, nur wenig über 1:1 kommen, Theshold und Release wichtiger sind, um es überhaupt erstmal zu einer akzeptablen Tonentfaltung kommen zu lassen – ich habe zwei Hardware-Tonmodule, bei denen ich derart mit zwei Hardware-Kompressoren verfahre.

        Angenehmer empfand ich speziell in der Summe eine Steuerung der Kompression über den einstellbaren Input. Du hattest das Fairchild-PlugIn 660 angeführt, ich selber nutze viel lieber das Fairchild-PlugIn 670 eines anderen Anbieters, das ich erwarb, als es eine Zeit lang als Single zugänglich war (ich persönlich halte nichts von Serien eines Anbieters). Das ‚Modell 670‘ bügelt als auch dampft weniger, erhält mehr von der Naturlichkeit des stimmlichen als auch instrumentalen Klangs. Als Basis nutze ich zumeist das Preset ‚Smooth!‘ (‚M/S‘ bei Flügeln).

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    ctrotzkowski  

    Hallo, Armin,

    eine kleine Anmerkung zum Praxis-Beispiel:

    „Die Vorstufe des Audiointerfaces wird knapp übersteuert. Mit den vier von mir ausgewählten Kompressoren ]…] versuche ich, eine möglichst klangneutrale Limitation zu erreichen.“

    Ist das nicht für einen Einsteiger-Workshop ein recht ungünstig gewählter Fall?

    Auch wenn ggf. die von Dir genutzte UAD Lösung dieses Problem nicht aufwirft: Wenn Leser dieses Artikels versuchen, dies auf andere Plugin-Situationen zu übertragen, droht dann nicht die Gefahr, daß sie dabei Schiffbruch erleiden?

    Die meisten der mir bekannten AD Wandler hätten ein Problem, wenn ihre Vorstufe von einem externen Signal übersteuert wird – wenn das Limiter / Kompressor Plugin erst nach der Digitalisierung greift, kann es die häßlichen Übersteuerungs-Verzerrungen des Eingangs auch nicht mehr egalisieren / declippen.

    Demnach würde ich empfehlen, einen Tip einzuflechten, Signale im Eingang niemals zu übersteuern (und ggf. per DI Box zu dämpfen), oder eben echte Hardware Limiter / Kompressoren vorzuschalten.

    Und die teuren Hardware-Originale werden wohl nur die wenigsten EInsteiger vor ihr Audio-Interface hängen…

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      Armin Bauer  RED

      Hallo ctrotzkowski,

      da hast du natürlich durchaus recht, nur so perfekt verzahnte Systeme wie UA können das ausbügeln.
      Ich habe diesen Ansatz gewählt, um eine typische Aufnahmesituation darzustellen. Man will nicht zuviel Headroom verschenken, also wird ein Limiter eingesetzt. Ich hätte natürlich liebend gerne mit der originalen Hardware gearbeitet, aber so ein Fairchild ist nicht ganz einfach zu besorgen. Somit war ich sehr froh, dass sich diese Aufgabenstellung mit dem Apollo und den UAD PlugIns gut lösen lässt.
      Ansonsten, wie du ja schreibst, dafür einen Hardware Kompressor/Limiter vor den Preamp hängen, muss ja kein zigtausend Euro Gerät sein, gerade der dbx 160 hat das ja prima gemacht, da sind genügend Teile sehr günstig zu kriegen.

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      Armin Bauer  RED

      Ach übrigens, ich habe den Workshop eigentlich (nicht nur) für „Einsteiger“ gesehen, ich hoffe, dass auch „Fortgeschrittene“ da noch etwas mitnehmen können.

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    karsten42

    Hallo Armin,
    ich habe deinen Artikel mit Interesse gelesen. Im Rahmen einer DAW oder eines Plugin-Pakets erwirbt man ja immer mal den einen oder anderen Kompressor mit. Ich weiß auch, wie ein Kompressor funktioniert. Ich frage mich aber, ob ein Kompressor im Zusammenspiel mit Synthesizern, bei denen ich die Dynamik ja meist ziemlich gut schon vorab einstellen kann, überhaupt Sinn macht.
    Der LA-2A ist von einer Firma namens Teletronix. Dann habe ich mich noch gefragt, was ein VCA-Kompressor ist. Auch die Röhre, der FET und ein Optokoppler (eine LED alleine reicht nicht) sind letzten Endes VCAs.

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      Sudad G  

      Das Komprimieren von Synthesizern macht häufiger Sinn als man denkt. Gerade bei Basslines ist es geradezu ein Muss. Vor allem bei Workstations und Sample basierten Digital-Synths schwankt die Lautstärke, aber auch die Bassigkeit je nach Tonlage teilweise erheblich. Klar könnte man das auch über Verlocity mühsam anpassen…aber während einer Produktion im Studio geht das mit einem Kompressor wesentlich effektiver und schneller. Dann gibt es natürlich noch den Fall, wenn man mit Hilfe eines Kompressors Klangdesign am Synthesizer betreibt und als zusätzliche Komponente eines Sounds verwendet. Hier lassen sich durch Veränderung der Werte von Attack und Release besonders digitale Sounds aus Softsynths und VA Synths optimieren und bei Einsatz von Röhrenkompressoren auch anwärmen. Bei manchen Analogsynthesizern hilt ein Kompressor wiederum, um den Sound erstmal zu zähmen, um ihn in ein Playback überhaupt integrieren zu können. Dann kann man Kompressoren noch in FX Returns einsetzen, um dem Hall oder Delay mehr Präsenz zu verschaffen. Der Hall wird dadurch hörbarer und das zu verhallende Signal kommt dann mit wesentlich weniger Wet-Anteil aus etc.

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    Armin Bauer  RED

    Hallo Karsten,

    mit dem LA-2A hast du natürlich Recht, der Hersteller heisst Teletronix, da hat das Lektorat wohl geschlafen :-)
    Zu den vier grundsätzlichen Kompressionsarten hatte ich ja schon Folgendes angemerkt:
    „Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich als Nicht-Ingenieur und mangels tieferen Einblick in die Elektro-Wissenschaft diesen Abschnitt eher populär-wissenschaftlich abfasse. Es sei mir bitte verziehen.“
    Wenn du das technisch besser aufdröseln kannst, bitte gern. Ob es faktisch relevant ist…
    Ob ein Kompressor bei Synthesizern Sinn macht? Die Frage habe ich bisher nicht gestellt, aber es ist wie immer, es gibt mehrere Wege ins Ziel. Ich habe z.B. bei Synths immer vermieden die internen Effekte zu benutzen, dauerte mir einfach zu lange das zu programmieren. Deshalb lieber Geräte mit genügend Einzelausgänge und ich hänge da einfach extern was dahinter. Da bin ich schneller und flexibler.

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      TobyB  RED

      Hallo Armin und Karsten,

      ihr habt beide Recht. Ein VCA ist ein Spannungsgesteuerter Verstärker. Zumindestens wenn, der Verstärker Output grösser dem Faktor 1 ist oder dem Kompressor ein Verstärker nachgeschaltet wurde. Ich würde maximal zwischen den Übertragungskennlinien der Röhre, FET, Opto, Transistor und analog und digital unterscheiden. Da hier die grössten Unterschiede hörbar sind. Beispiel WA 76 zum Plugin oder DBX. Kompressoren machen auch bei Synthesizern Sinn und sind hier auch ab und an nötig, mir fällt hierzu der Akai TImbre Wolf ein, der viele Synths wegbrüllt.

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        karsten42

        Hallo Toby,
        es ging mir nicht darum, Recht zu haben. Ich war nur etwas verwirrt über den Begriff VCA. Ich wusste nicht, dass der eher allgemeine Begriff bei Kompressoren eine spezielle Bedeutung hat. Auf jeden Fall haben mir eure Antworten weitergeholfen. Vielen Dank.

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          TobyB  RED

          Hallo Karsten,

          das sind dann so marketingtechnische VCA Spitzfindigkeiten. Für die Anwendung ist es eher wichtig den „richtigen“ Kompressortyp zu wählen. Sprich Analog oder Digital. Und dann Röhre, FET, Opto, Transistor. Und idealerweise hat man mehr als einen. Ich hab festgestellt, das man da am meisten falsch machen kann und den Mix schön versauen kann.

  5. Profilbild
    Pflosi  

    Hüscher Bericht, danke! Zwei kleine Anmerkungen / Fragen… UAD hat natürlich nicht die Original-Version („DBX160 VU“) des DBX160 für die Emulation benutzt, weil sie mit dem VU Meter „hübsch aussieht“, sondern auch, weil sie (deutlich) anders klingt als alle folgenden Versionen. Es handelt sich auch um die mit Abstand am teuersten gehandelte Version. Ferner, hab keine Erfahrung mit den Plugins… Wie macht man denn den „All Buttons In“ Mode bei den 1176 Plugins?

    Gruss!

    • Profilbild
      Armin Bauer  RED

      Hallo pflosi,

      natürlich hast du Recht, UAD hat sich sicher nicht beim dbx 160 vom Äusseren leiten lassen, sondern hat die wertigste Version emuliert. Hatte ich aber so ja auch nicht geschrieben.

      Der All-Button-Mode beim 1176 ist, wie auch die Kombi aus 2 oder 3 Buttons, einfach mit der „Shift“-Taste zu realisieren.

      • Profilbild
        Pflosi  

        Ah, das ist einfache und intuitive Lösung für die Aktivierung mehrerer Buttons. Gut gemacht UAD und danke Armin!

  6. Profilbild
    lightman  AHU

    Ich habe zwei dbx 166a 19″-Kompressoren, die ich zu verschiedenen Zwecken einsetze, u. a. auch in eher sanfter Einstellung für die Summe und zum Bändigen bestimmter Sounds, besonders im mittleren und hohen Bereich. In der elektronischen Musik sind Kompressoren genauso sinnvoll und notwendig wie anderswo, wobei das natürlich immer auf die Art des zu bearbeitenden Soundbilds ankommt. Ambient-artige Arrangements brauchen höchstens mal ein klein wenig Limitierung oder „Hintergrundanhebung“, den Gesamtcharakter läßt man zugunsten eines weiten, dynamischen Klangs weitgehend unangetastet. In Tracks härterer Gangart kann man mit geschickter Komprimierung den Druck deutlich erhöhen, indem man Sounds in verschiedenen Frequenzen bearbeitet und dadurch Mulmen verhindert. Zuviel des Guten macht den Mix aber flach, da klingeln beim Anhören dann nach zwei Minuten die Ohren.
    .
    Überhaupt ist die Verwendung von Kompressoren oder Kompandern ein gewisses Reizthema für manche Leute. Ich sehe die Sache eher pragmatisch, aber es soll ja Zeitgenossen geben, die in der heutzutage oft allzu beherzt verwendeten Technologie (auch in anderen Ausprägungen als „Soundverbesserer“-Plugins) den Untergang der Musik sehen… so weit gehe ich dann nicht. ;)

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