Workshop: Effektiv Gesang Komprimieren

15. Februar 2018

Gesang richtig bearbeitet

Komprimieren 2

Willkommen zurück zum zweiten Teil unseres Kompressor Workshops. Während wir uns in Teil 1 vorwiegend um die Arbeitsweise, Parametrisierung und die verschiedenen Möglichkeiten der technischen Umsetzung eines Kompressors gekümmert haben, kommen wir nun zu einem sehr wichtigen Einsatzgebiet des Kompressors, dem Gesang.

Dazu benutzen wir weiterhin unsere vier klassischen Geräte Fairchild 660, Teletronix LA-2A, Universal Audio 1176 und dbx 160 und wie auch im ersten Teil greifen wir hierbei auf die hervorragenden Software-Emulationen von Universal Audio zurück.

Vocals umfassen meist einen recht großen Dynamikbereich, hier ist der Einsatz eines Begrenzers beinahe unabdingbar. Gleichzeitig soll der Gesang in den meisten Fällen in den Vordergrund gerückt werden. Hören wir mal, wie unsere Testgeräte sich so schlagen.

Als Gesangspassagen nutze ich zwei Files aus unseren Gesangsmikrofon-Vergleichstests. Die weibliche Stimme schenkt uns Akina Ingold. Hier wechseln sich laute und leise, hohe und tiefere Passagen sehr schön ab. Den männlichen, deutlich rockigeren, Part übernimmt Patrick Heck.

Akinas Stimme, original

Patricks Stimme, original

Fairchild 660

Starten wir mit dem Fairchild 660. wie wir aus Teil 1 des Workshops ja noch wissen, ein Variable Mu-Kompressor. Die Ratio stellt hier keinen fixen Wert dar, sondern wird variabel aus dem Input berechnet. Ich stelle Input auf einen mittleren Wert und erzeuge mit Threshold eine Gain-Reduktion von ca. 6-7 dB im Spitzenwert.

Der Fairchild 660 in der Gesangseinstellung

Der Fairchild 660 in der Gesangseinstellung

Zuerst bearbeite ich so Akinas Stimme. Das Ergebnis kann sich hören lassen, die Stimme rückt deutlich nach vorn, klingt intimer und erhält durch die Röhrenfärbung noch einen guten Schuss zusätzliche Direktheit.

Female, Fairchild 660

Diese Audiospur wird sich in einem Arrangement sehr viel besser durchsetzen können. Schön ist, dass der Pegel nun zwar viel gleichmäßiger ausfällt, trotzdem keinerlei störende Artefakte hörbar sind, eine Aufnahme wie aus einem Guss. Das ist auch optisch gut bei der Gegenüberstellung der unbearbeiteten und der bearbeiteten Spur zu sehen.

oben: Originalspur, unten: komprimiert

Oben: Originalspur, unten: komprimiert

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    MidiDino  AHU

    Lieber Armin, wie ich finde, hast Du den Kompressionsvorgang sehr gut erläutert.

    In der Praxis es jedoch komplexer, wie die Plop-Geräusche erahnen lassen. Zudem findet eine Kompression zumeist relation zu weiteren Spuren statt. Aber eine grundlegende Einführung in die Arbeit mit Kompressoren zu geben, ist Dir gelungen – auch wenn ich persönlich eine andere Musik und auch andere PlugIns bevorzuge.

    • Profilbild
      Armin Bauer  RED

      Hi Helge,

      erstmal danke für das Lob.

      Die Plopp-Geräusche sind vorhanden, da ich, wie beschrieben, auf Material aus unserem Gesangsmikro-Vergleichstest zurück gegriffen habe. Die Aufnahmen sind also nicht unter Studiobedingungen mit Poppschutz entstanden. Benutzt wurden dabei die Aufnahmen mit den AKG C535.
      Auf die musikalische Ausrichtung habe ich weniger Wert gelegt, mir ging es darum aufzuzeigen, dass derselbe Kompressor und dieselbe Einstellung bei verschiedenen Stimmen zu ganz anderen Ergebnissen führen kann.
      Natürlich gibt es unzählige Kompressoren, zur besseren Illustration habe ich für diese Workshop-Reihe die Emulationen von vier klassischen Hardware-Geräten ausgewählt.
      Wenn du für unsere Leser gute Tipps hast, lass hören.
      Ich gehe da mal mit gutem Beispiel voran: Wer hochwertige PlugIns mit unglaublichem Preis/Leistungsverhältnis haben möchte, sollte sich mal die Sachen von Jeroen Breebart auf Toneboosters.com anschauen.

  2. Profilbild
    MidiDino  AHU

    Ich persönlich suchte über Jahre nach einem akzeptablen Allrounder, der in der Summe einsetzbar ist. Nur relativ selten nutze ich einen Kompressor auf Einzelspuren. Ich betreibe freilich kein Studio für andere, lediglich für mich ;-) Der Allrounder ist das Modell 670 (Smooth!) von IK-Multimedia, das ich mal als Single erwarb, nun im Custom-Shop separat erhältlich ist, auf die eine oder andere Einzelspur kommt manchmal der Bombardier RMS Bus mit 2:1 von Stillwell-Audio. Ich hatte sehr große Probleme Geeignetes für mein Material zu finden. – Nach dem Modell 670 folgt in der Summe noch ein soft betreibbarer Limiter, ebenfalls von Stillwell-Audio: Event Horizon.

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