Test: Ibanez AW80CE-BLG, Akustikgitarre

24. November 2019

Dreadnought mit kunstvollem Anstrich

Ibanez AW80CE-BLG Akustikgitarre

Ibanez AW80CE-BLG Akustikgitarre

Mit außergewöhnlichen Designs überraschen uns die Japaner von Ibanez mit ihrer E-Gitarren-Flotte ja regelmäßig und setzen dabei manchmal auch regelrechte Trends in Bewegung. Bisher eher in einem hausbackenen oder besser gesagt „traditionellen Design“ erscheinen die Instrumente der Akustiksparte des Herstellers. Ohne dabei die Qualität der verwendeten Hölzer bzw. die der Instrumente anzweifeln zu wollen – besonders aufregend oder außergewöhnlich für das Auge des Betrachters war das bislang doch eher nicht. Doch das ändert sich von nun an, denn die Ibanez AW80CE-BLG bringt frischen Wind in das angestaubte und biedere Image der Akustikgitarren im Vollholz-Design. Mit welchem Erfolg, werden wir im folgenden Artikel erfahren!

Ibanez AW80CE-BLG – Facts & Features

Der Korpus der Ibanez AW80CE-BLG besitzt die beliebte Dreadnought-Form und damit beste Voraussetzungen für eine gute Durchsetzungskraft und zugleich eine maximale Lautstärke. Mit der zweifarbig gebeizten Decke („Brown Ale Gradation“) aus massiver Sitkafichte ist diese Akustikgitarre der absolute Eyecatcher, mit dem man garantiert auf jeder Bühne die Blicke auf sich zieht. Wir richten unsere Blicke aber weiter zu den Details und finden praktisch an jeder Kante des Instruments ein Binding: Boden, Zargen, Halsfuß, die Ränder des Griffbretts und die der Kopfplatte werden in einem cremefarbenen Ton eingefasst, was einen schönen Kontrast besonders zu dem dunklen Teil des Korpus ergibt. Dieser „dunkle Teil“ besteht überwiegend aus dem Boden und den beiden Zargen, für die das in seiner Struktur und im Klangverhalten Mahagoni-ähnliche Okume verwendet wurde. Die Verarbeitung zeigt sich selbst in dieser doch niedrigen Preisklasse auf gewohnt hohem Ibanez-Niveau, alle Kanten sind sauber und penibel verarbeitet, was zum Beispiel auch den kritischen Bereich rund um den Halsfuß mit einschließt.

Zum Schutz der Decke vor Kratzern dient ein Tortoise-Pickguard, das im dunkel gebeizten, hinteren Teil des Korpus fast aus dem Auge verschwindet. Fast unsichtbar wirkt auch der Steg, der aus Ovangkol gefertigt wurde und der rechten Hand eine bequeme Auflagefläche bei Pickings bietet. Eine Besonderheit stellen hier die verwendeten Bridge-Pins dar, also die sechs Kunststoffnippel, mit denen die Saiten in der Brücke arretiert werden. Das folgende Bild zeigt den Unterschied der Ibanez Advantage Bridge Pins im Gegensatz zur herkömmlichen Methode:

Ibanez AW80CE-BLG Akustikgitarre Advantage Bridge Pins

Ibanez AW80CE-BLG Advantage Bridge Pins

Nyatoh-Hals mit leichten Verarbeitungsmängeln

Neben dem Holz Okume für Boden und Zargen der Ibanez AW80CE-BLG begegnet uns beim eingeleimten Hals ein weiteres eher unbekanntes bzw. bislang untypisches Holz im Instrumentenbau: Nyatoh. Ein Holz, das im südasiatischen Raum, also sozusagen vor der Haustür von Ibanez wächst und eine kräftige Maserung aufweist. Der Hals besteht aus drei Teilen: dem Halsfuß, dem eigentlichen Hals sowie der Kopfplatte, die in Höhe des dritten Bundes in guter Schwalbenschwanzmanier eingeleimt wurde. Aufgeleimt wurde ein Griffbrett aus Ovangkol und bei diesem treffen wir auf erste Verarbeitungsmängel in Form einer leicht überstehenden Kante am unteren Rand. Das betrifft nicht die volle Länge des Griffbretts, ab dem Sattel bis in Höhe des neunten Bundes ist dieser leichte Versatz von ca. 1 mm zu spüren, was jedoch in der Praxis keine große Rolle spielen dürfte. In einem Testbericht allerdings schon.

Ibanez AW80CE-BLG Steg

Neben dem Griffbrett der Ibanez AW80CE-BLG besteht auch der Steg aus Ovangkol

Lob hingegen gibt es für die Qualität der Bundierung, denn alle 20 Metallstäbchen wurden sauber eingesetzt und an ihren Kanten ebenso sauber abgerichtet. Auch bei der Politur der Bundoberflächen hat man sich Mühe gegeben, sodass hier ein „Einspielen“ nicht nötig ist. Ein ähnlich gutes Bild gibt der 43 mm breite Sattel ab, der aus Knochen hergestellt und sogar längenkompensiert wurde, um eine einwandfreie Intonation in jedem Bund zu gewährleisten. Die Halsrückseite wurde, wie das gesamte Instrument, mit einer Satinlackschicht überzogen, das sorgt für ein natürliches Spielgefühl ohne das gefürchtete „Ankleben“ der Greifhand. Die hat es dann auch nicht besonders schwer, den Bund Nummer 20 zu erreichen, denn das Cutaway bietet bietet diesbezüglich ausreichend Raum für das eine oder andere Solo, ohne dabei übergreifen zu müssen. Auch wenn die Saitenlage unseres Testinstruments dabei keinen wirklichen Spaß bereitet – aber dazu kommen wir später im Praxisteil noch. Vorher werfen wir einen Blick auf die Elektronik der Ibanez AW80CE-BLG Akustikgitarre.

Der Onboard-Preamp AEQ-TP2

Damit man sich auch Gehör verschaffen kann, wenn der Dreadnought-Body an seine Grenzen gelangt, wurde im oberen Zargen ein einfacher Preamp mit integrierter Stimmfunktion eingesetzt. Der Ibanez AEQ-TP2-Preamp verfügt über eine Zweiband-Klangregelung mit Mittenrasterung der Regler, ein etwas größer geratenes Lautstärkepoti sowie eine rudimentäre Anzeige, um die Saiten nach dem Drücken der Tuner-Taste in die korrekte Stimmung zu bringen. Die zum Betrieb der Elektronik benötigte Energie wird von einem 9-Volt-Block geliefert, der ebenfalls im Gehäuse seinen Platz gefunden hat und mittels Schnellverschluss zur Not binnen Sekunden gewechselt ist.

Mit dem Klang in Richtung Verstärker geht es am anderen Ende des Korpus – und das sogar zweifach. Denn dort sitzt nicht nur die erwartete Klinkenbuchse, sondern zusätzlich eine XLR-Buchse mit einem symmetrischen Ausgangssignal, sodass man die Gitarre direkt und mit vollem klanglichen Umfang in das Interface des Computers oder eines Mixers einklinken kann. Die drei Potis bieten einen angenehmen Drehwiderstand und die Mittenrasterung des EQs erlaubt eine Bedienung auch ohne hinzuschauen.

Die Ibanez AW80CE-BLG in der Praxis!

Angesichts eines Preises von nur knapp über 300,- Euro sollte man die Erwartungen in den Klang und die Performance der Ibanez AW80CE-BLG Akustikgitarre besser nicht zu hoch ansetzen. Die attraktive Optik eilt dem Sound leider voraus und so bietet das Instrument zwar den typisch lauten und durchsetzungsfähigen Dreadnought-Sound, kann dafür aber in Sachen Ton- und Frequenzentfaltung und vor allem in der Differenziertheit des Klangs nur wenig überzeugen. Speziell bei fixen Schlagmustern wird der Sound recht schnell verwaschen und dann sind Nuancen im Spiel bzw. innerhalb eines Akkordes nur noch schwer auszumachen. Hinzu kommt die nicht besonders gut gelungene Saitenlage ab Werk: Mit rund 4 mm Saitenabstand in Höhe der Oktavlage können zwar Barree-Akkorde noch einigermaßen gelingen, für eine Solo hingegen ist das deutlich zu viel.

Auch in puncto Sustain herrscht eher ein laues Lüftchen, angeschlagene Töne und Akkorde erhalten keine besonders gute Unterstützung und klingen daher nach dem Anschlagen schon recht bald wieder aus. Da gefällt das gute Attack dank der massiven Decke schon deutlich besser, angeschlagene Saiten werden ohne Verzögerung in den gewünschten Ton umgesetzt und durch den grundsätzlich mittengeprägten Sound auch durchsetzungsfreudig an die Ohren geliefert.

Ibanez AW80CE-BLG Akustikgitarre back

Als durchaus brauchbar erweist sich der Onboard-Preamp mit der Stimmfunktion. Sicher, auch in diesem Fall kann ein solches Piezo-System ein gutes Mikrofon für eine halbwegs professionelle Aufnahme nicht ersetzen. Aber ergänzen kann es – und als Alternative bereitstehen, wenn mal schnell eine Idee ohne großen Aufwand auf Band bzw. die Festplatte gebannt werden soll. Der Zweiband-EQ zeigt sich als recht wirkungsvoll und kann den elektrischen Sound sowohl kräftig pushen als auch durch Zurückregeln der beiden Potis deutlich ausdünnen. Für die folgenden Klangbeispiele wurde der EQ aber in seiner (einrastenden) Mittenposition belassen. Zu hören ist die Ibanez AW80CE-BLG Akustikgitarre mit jeweils einem Schlag- und einem Picking-Muster und einem AKG C3000 Mikrofon (Mic) vor dem Schallloch sowie direkt aus ihrem Ausgang über ein UAD-Interface (Line). Weitere Effekte wurden nicht benutzt, lediglich die Pegel wurden mithilfe eines Kompressors/Limiters angeglichen.

Fazit

Hinter ihrem fast schon avantgardistischen Design verbirgt die Ibanez AW80CE-BLG Akustikgitarre leider keine besonders kunstvollen Klänge, das hätte man für rund 300,- Euro auch nicht ernsthaft erwarten können. Neben den Schwächen im Klang fallen zudem Verarbeitungsmängel auf, die man bei einem Instrument von Ibanez eigentlich gar nicht gewohnt ist, sei es auch in noch so tiefen Preisregionen angesiedelt. Pluspunkte gibt es hingegen für den Onboard-Preamp zu verteilen, der dem Klang des Instruments bei einer elektrischen Abnahme noch ein Stück weit auf die Sprünge hilft.

Plus

  • attraktive Optik
  • wuchtiger, lauter Klang
  • Preamp mit Stimmgerät an Bord

Minus

  • Sound eher durchschnittlich
  • Verarbeitungsmängel am Griffbrett
  • Saitenlage des Testinstruments

Preis

  • 335,- Euro
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