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Test: Mad Professor Super Black Boost/Overdrive Pedal

Blackface Sound fürs Pedalboard

28. Dezember 2021

Das Mad Professor Super Black Boost/Overdrive Pedal will den legendären Sound der Fender Blackface Amps einfangen und aufs Pedalboard bannen. Ein hehres Ziel. Und auch ein sehr motiviertes, denn hier muss ich mal fragen, was denn „der Blackface Sound“ eigentlich ist. Gemeinhin bezeichnet man die Fender Amps, die in den 60er Jahren einen Facelift bekamen, indem das Tolex, also der Überzug, nun in schwarz statt in klassischem Tweed daherkamen und deren Regler nun Zahlen statt einem Zeiger aufwiesen, als „Blackface Amps“. Der Kollege Johannes Krayer hat sich hier ausführlich mit einem dieser Amps beschäftigt, ein sehr lesenswerter Artikel! „Viele Gitarristen oder auch Sammler glauben, dass die ersten Blackface-Verstärker eine spezielle Magie hatten und am besten klangen„. Soweit Kollege Krayer in ebendiesem Artikel. Und das Mad Professor Super Black Boost/Overdrive Pedal will nun nichts weniger, als den kompletten Signalweg eines Blackface Amps nachbilden um dem „most recorded amp in history“ (Mad Professor) auf die Schliche zu kommen. Ein so kleines Gerät und dann soll da der Sound einer Ära drin sein? Ich bin gespannt. Zusätzlich beinhaltet das Pedal noch den Schaltkreis des „Sweet Honey“ Pedals, das dem Super Black noch mehr Flexibilität ermöglichen soll.

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Mad Professor Super Black – Facts & Features

Das schwarze Kistchen misst gerade mal 94 x 120 x 53 mm und will ein kompletter Amp sein? Nein, das natürlich nicht! Um das mal klarzustellen: Hier handelt es sich nicht um einen kompletten Amp im Pedalformat, wie er von einigen anderen Herstellern mittlerweile angeboten wird. Es ist ein reines Boost- und Overdrive-Pedal, das lediglich den Klang eines Blackface Amps nachstellt, indem es den Schaltkreis dieses Amps nachbildet. Acht Regler und zwei Minischalter stehen auf der Oberfläche des stabilen Gehäuses zur Verfügung, Ein- und Ausgang befinden sich an den Seiten des Gehäuses, ebenfalls an der (rechten) Seite befindet sich die 9V DC Netzadapterbuchse. Ein Netzteil ist nicht im Lieferumfang enthalten, ein Batteriebetrieb ist nicht vorgesehen.

Sechs der acht Regler beeinflussen den Blackface-Schaltkreis, hier finden wir die üblichen Verdächtigen. Von Gain über eine 3-Band Klangregelung, einem Presence- und einem Volume-Regler ist alles da, was man von einem Amp so kennt. Der zusätzliche Overdrive Schaltkreis des Sweet Honey Pedals kommt mit zwei weiteren Reglern ins Spiel, hier laden ein Drive- und ein Volume-Regler zum Experimentieren ein. Zur besseren Übersicht wurde der Sweet Honey Schaltkreis im typischen Orange des originalen Pedals beschriftet. Zwei Minischalter aktivieren jeweils eine zusätzliche Kompressionsschaltung, sowie einen Bass Cut. Zwei Fußschalter mit angenehmem Tretwiederstand aktivieren einen der beiden Schaltkreise sowie bei Bedarf natürlich auch beide gleichzeitig. Eine helle, rote (Blackface) und eine grüne (Sweet Honey) LED geben Auskunft über den Schaltstatus. Das war’s, sehr übersichtlich. Die acht Regler liegen leider aus Platzgründen recht eng nebeneinander, so dass das Einstellen des Sounds schon ein bisschen Fingerspitzengefühl verlangt. Das ist aber völlig im Rahmen und wird von anderen Pedalen bei weitem an Fummeligkeit übertroffen. Was aber wirklich Anlass zur Kritik gibt, ist die Positionierung der beiden Minischalter. Denen hätte ein kleines Bisschen mehr Abstand gut getan, hier wird es schon recht eng beim Schalten. Über die seitlichen Buchsen kann und darf man in der Praxis streiten, ich bevorzuge Pedale mit Anschlüssen an der Frontseite, weil die auf dem Board platzsparender montiert werden können.

Mad Professor Super Black Top View

Zwei in eins: Das Mad Professor Super Black Boost/Overdrive Pedal in der Übersicht

So klingt das Mad Professor Super Black Pedal

Obwohl der Hersteller ausdrücklich darum bittet, das Pedal auch direkt am Return eines Amps zu betreiben, um die Klangfärbung der Vorstufe zu umgehen, habe ich mich für die Soundbeispiele für den klassischen Weg entschieden, das Pedal vor dem Amp zu positionieren. Dies dürfte die gängigste Art der Verwendung sein. Ihr hört zunächst den cleanen Referenzsound, eingespielt mit meiner Ibanez AZ226, die sowohl über Singlecoils als auch einen Humbucker in Stegposition verfügt. Ausser einem leichten Hall sind keine weiteren Effekte am Start. Beim Umschalten auf den Humbucker hört man schon ein leichtes, harmonisches Zerren des Amps. Im zweiten Beispiel folgt der Blackface-Schaltkreis, alle Regler stehen in Mittelstellung, Bass Cut und Compression sind aus. Beim dritten Beispiel kommt dann noch der Sweet Honey Overdrive ins Spiel, ebenfalls mit den Reglern in Mittelstellung.

Diese Sounds können schon gefallen, überzeugen mich jedoch noch nicht vollends, klingen sie doch alle etwas kratzig und leblos. Also schrauben wir etwas an den Reglern. Speziell bei Einsatz des EQs und etwas mehr Gain beginnt das Pedal zu leben. Grundsätzlich scheint es sich mit Singlecoils etwas wohler zu fühlen, als mit dem fett komprimierenden Humbucker. In diesem Beispiel hört ihr den Blackface Schaltkreis mit etwas Bass- und Mittenboost, ein wenig reduzierten Höhen und einem Gainregler in 3-Uhr-Stellung.

Schalte ich den Sweet Honey dazu und gönne diesem etwas mehr Gain, bekomme ich mit dem Singlecoil einen schmatzenden, geschmackvollen Overdrivesound. Hier ergibt dann auch der Humbucker Sinn, das wird ein schöner, druckvoller Rhythmussound.

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Noch eine kleine Schippe Gain drauf? Ein Highgainwunder ist dieses Pedal natürlich nicht, will es auch gar nicht sein. Compression aus und alle Gainregler auf Maximum. So langsam wird ein Noisegate mein Freund… Aber der Sound macht Spaß, lebt und drückt, dass es eine wahre Freude ist.

Zum Schluß noch mal ein Sound aus der weniger verzerrten Ecke, dafür mit etwas moduliertem Delay aufgepeppt. Ihr hört den Blackface Schaltkreis ohne Sweet Honey. Dieses Beispiel demonstriert die Dynamik des Pedals ganz gut, die Distortion-Intensität lässt sich mit den Fingern wundervoll beeinflussen.

 

 

 

 

 

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Fazit

Das Mad Professor Super Black Boost/Overdrive Pedal ist definitiv kein Pedal für die härtere Gangart, obwohl es auch sehr drückende Rhythmussounds zu produzieren in der Lage ist. Dieses Pedal wendet sich an die Freunde des angezerrten Sounds, des „Breakups“, wenn der Amp gerade so in die Zerre rutscht. Wunderbar dynamisch und durch den integrierten „Sweet Honey“ Schaltkreis extrem vielseitig. Definitiv eine Bereicherung für jedes Pedalboard, allerdings bei Freunden der Singlecoil-Gitarren wohl besser aufgehoben, als bei den Kollegen der Humbucker-Fraktion. Ausprobieren!

Plus

  • Sound
  • Dynamik
  • Konzept

Minus

  • Position der Minischalter
  • Sound bei Verwendung mit Humbuckern (m.E.)

Preis

  • 249 €
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Linus AHU

    Was für ein schöner, druckvoller und warmer Sound. Bin total begeistert 👍🏻👍🏻

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Ein interessantes Pedal.
    Schöne aussagefähige Soundbeispiele.

    Mein persönliches Fazit:
    Sehr empfehlenswert wenn man auf diese leicht angeschmutzten Sound steht.
    Zieht man allerdings die Soundfiles aus dem Artikel von Johannes Krayer zum Vergleich heran dann reagiert der echte Blackface eben doch anders.
    Will heißen, das hörbare „Kratzen“ riecht vielleicht ein klein wenig nach Marshall eber eben – für meinen perönlichen Geschmack – nicht nach Fender.

    Es ist immer gefährlich zu behaupten, man könne einen Röhrengetriebenen Amp in ein kleines Pedal mit Transistoren, Operationsverstärkern und Dioden zwängen.
    …. Marketing halt.

    ABER für mich immer noch ein gutes Pedal.

    By the Way, ich hatte mal das Plexi-Pedal von dieser Firma … aber schon dort war das Kratzen zu viel für mich …. obwohl das zu Marshall viel besser passt.

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