Test: Native Instruments Alicia´s Keys Piano

12. Mai 2010

Alicia Keys Piano

Wenn ich nicht schon letzten Herbst auf der Webseite von „Scarbee“ alias Thomas Hansen gelesen hätte, das er mit Alicia Keys plant ihren eigenen Yamaha C3 Neo Flügel zu samplen, hätte mich diese Veröffentlichung des recht neuen Produktes von Native Instruments eher kalt gelassen. Da Thomas Hansen nur Hochwertiges anbietet, und seine eigenen Bass und Rhodes, Wurliizer und Clavinet Produkte alle bei Native Instruments veröffentlichte, weckte der nun startende Verkauf des Alicia Keys Piano doch mein Interesse. Schauen wir mal, ob meine Erwartungen erfüllt werden.

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Installation:

Das mittlerweile etablierte Verfahren des Ni Servicecenter funktioniert problemlos. Die 7,47 GB Daten sind für ein Piano nicht so viel, wie man es gewohnt ist, aber beim spielen vermisst man nichts. Dieses Instrument lässt sich nur mit dem Kontakt 4 Player öffnen, der mitgeliefert wird, oder mit der Vollversion des Kontakt 4 .

Erster Eindruck und Funktionen:

Das General User Interface sieht hipp und etwas Girlihaft aus. Man beachte die rosa leuchtende Limonadenflasche auf der rechten Seite, welches die leicht popartige Wohnzimmeratmosphäre verstärkt. Mittlerweile liegt der Standard der produzierten Pianoprodukte recht weit oben. Alicia Keys äußerte selbst, dass sie ihre eigene Library mit auf die Bühne nehmen möchte. Es soll das gleiche Piano sein, welches sie auf ihrem neuesten Album „The Element of Freedom“ benutzt hat. Daher finden sich 14 vorgefertigte Presets, die unterschiedliche Klangcharakteristiken anbieten. Sechs weitere User Presets können in der Kontakt Player Version aus den Parametern, „Room“, „Keys“, „Pedal“, „Resonance“ und „Noise“ selbst erstellt werden. Es stehen „Digital Ambience“ und „Convolution Reverb“ zur Verfügung. Hall-pedalgeräusche sowie mitresonierende Klaviersaiten können in ihrer Lautstärke dazu gemischt werden. Die Stärke der Parameter-Änderungen fällt nie so aus, dass dieses Instrument im Kontakt Player 4 so verfremdet werden kann, dass man den Ursprungsklang nicht mehr wieder erkennt. Damit will ich nur sagen, dass die Klangveränderungen stärker ausfallen könnten.

Alicias Keys

Alicias Keys

Klang:

Der Klang ist sehr gut. Das „Forte“ auf diesem Flügel ist sehr klangvoll aber nie brachial. Die Stärke dieses Instrumentes liegt im „Pianissimo“ bis“Mezzoforte“-Bereich. Daher sind Balladen und das Produzieren von intimen Klängen sehr gut möglich. Wie bei allen anderen Produkten von Scarbee (Thomas Hansen) braucht es ein bißchen, bevor man erkennt, dass seine Libraries mit zu den besten gehören, weil er seine Produkte nicht so stark bearbeitet, dass sie innerhalb einer Produktion auf einmal unbrauchbar werden. Daher erscheinen sie nicht von Beginn in schillernden Farben, sondern klingen eher unspektakulär. Beim Mixen entsteht erst der Zauber seiner Libraries. So auch in diesem Fall.

Stabilität:

Der Kontakt 4 Player lief auf meinem Macbook mit 2 GB Arbeitspeicher stabil. Der Reverb verbraucht CPU. Den sollte man live von woanders hinzu mischen, um beim Spielen vollgriffiger Klänge keinen Stress mit dem Laptop zu bekommen.  Ein Glissando vom untersten bis zum höchsten Ton bei gehaltenem Sustainpedal lastet die CPU mit Hall mit höchstens 40-60 % aus, was ganz gut ist. Das Disk-Streaming könnte noch verbessert werden.Die Stimmenzahl des Players kann bis auf 200 Stimmen erhöht werden, aber die Grundeinstellung von 80 Stimmen reicht völlig aus.

Fazit

Wer ein Poppiano von sehr guter Qualität für 99 € erwerben will, macht auf jeden Fall keinen Fehler bei dieser Library. Es ist ein künstlerbezogenes Produkt und spiegelt den Charakter von Alicia Keys Musik wieder. Wäre es ein „No Name“ Produkt würde ich sagen, für Soul und Balladen geradezu perfekt. Man kann genauso Klassische Musik darauf spielen, was überzeugend klingt. Was etwas störend wirkt, ist dass manche Töne im Nachklang zu lange ausklingen, was wie ein Delay wirkt. Das dürfte aber durch ein Update schnell behoben sein. Das tiefe „Es“ und „Fis“ und kleine A sind leicht verstimmt, was aber irgendwie den Soulpop Charakter verstärkt und im Zusammenklang überhaupt nicht auffällt.

Plus

  • sehr guter Klang
  • stabiler Kontakt Player
  • Einfach zu bedienen
  • sehr guter Hall

Minus

  • manche Töne klingen im Release zu lange nach

Preis

  • 99€
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    das heißt, das ist eine sammlung von althergebrachten sounds, die jeder schonmal verwendet hat gebündelt und nennt sich alica keys? ich glaub nicht, dass sie oder der programmierer je einen sound neu erfunden hat..

    • Profilbild
      joehensson

      Althergebrachte Sounds? Wie kommst Du darauf, die gesamten Samples wurden nur für diese Library aufgenommen. Pianolibraries gibt es zu Hauf, aber die perfekte Library gibt es ja eh (noch) nicht, deswegen freue ich mich über jeden kleinen Schritt den neu erscheinende Libraries nach vorn gehen (die meisten tun es nicht).
      Abgesehen davon finde ich die Assoziation zu Alicia Keys ziemlich albern. Martha Argerich oder Chick Corea hätten sich für’s Branding sicher besser geeignet. Das Pinke Interface… pfui.
      Nun denn, ich spiele aber schon seit einer Weile damit und bin sehr begeistert, der sound ist warm und voll. Darüber hinaus ist die Obertonsimulation z.B. Sympathetic String Resonance ziemlich gut. Besonders gefällt mir, dass man den Sound der Hämmerchen einzeln aussteuern kann. Ich hebe den Pegel dieser Sounds an, so hab ich beim Spielen das Gefühl dass der Flügel direkt vor mir steht.

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