Test: Sadowsky SBP-1 und SBP-2, Vorverstärker für Bass

12. April 2020

Sadowsky-Sound fürs Pedalboard?

Die US-Firma Sadowsky ist derzeit vor allem für Fender-ähnliche Bässe im Hochpreissegment bekannt, die sich einiger Beliebtheit erfreuen, zumal Edelkopien der klassischen Modelle immer noch im Trend liegen. Das ergibt auch völlig Sinn, ähnlich wie die für noch exquisitere Edelbässe bekannten Alembic fing Sadowsky als auf Nachrüst-Aktivelektroniken spezialisierte Lötwerkstatt an. Eben diese Sadowsky Aktivelektroniken baut und verkauft die Company seit den 1980ern im Wesentlichen unverändert und verbaut sie auch in die hauseigenen Bassmodelle. Ebenfalls seit den 1980ern gibt es auch Bodentreter-Versionen der Elektroniken zu kaufen und deren aktuelle Modelle sind die Sadowsky SBP-1 und Sadowsky SBP-2, die heute zum Test vorliegen.

Auch wenn die Geräte im deutschsprachigen Internet aus unerfindlichen Gründen relativ konsequent als „SPB“ bezeichnet werden – SBP steht für Sadowsky Bass Preamp und ist richtig, und auch bei den in diversen Musikhäusern angebotenen „SPB-1“ und „SPB-2“ handelt es sich um die hier vorliegenden Modelle. Vertrieben werden die in Taiwan hergestellten Geräte seit neuestem von Warwick in Marktneukirchen und sind zum Kurs von 259,- Euro für den SBP-1 und 179,- Euro für den SBP-2 zu haben. Bei beiden Geräten handelt es sich um die gleiche Sadowsky 2-Band-Aktivelektronik, in den SBP-1 ist zusätzlich eine DI-Box eingebaut, diese Option fehlt dem SBP-2, der als reiner Bodentreter daher kommt. Klanglich unterscheiden sich die beiden Pedale nicht, entsprechend reicht auch ein Testbericht für beide.

Im Test: Sadowsky SBP

… und der kleine Bruder, Sadowsky SBP-2

Ein Wort zu Aktivelektroniken in Bodentreterform: Sadowsky gibt auf der eigenen Website als Zielgruppe Bassisten an, die ihren Bass „aktivieren,“ aber dabei nicht verbasteln wollen und genau das trifft es im Prinzip. Warum herumlöten und ggf. sogar ein Batteriefach in ein Instrument fräsen, wenn man sich die Option aufs Pedalboard schnallen kann? Ich habe vor Jahren bei einem meiner Bässe, in dem wirklich kaum Platz war, eine solche Operation durchgeführt und hätte ich die Bodentreter-Option damals auf dem Schirm gehabt, ich hätte sie bevorzugt. Der Preis der beiden Geräte liegt im ähnlichen Rahmen wie die ebenfalls erhältliche Einbau-Elektronik von Sadowsky oder vergleichbare Produkte von zum Beispiel Glockenklang oder Bartolini, geht also völlig in Ordnung.

Facts & Features

Beide Versionen des Sadowsky SBP kommen im mattschwarzen Metallgehäuse, das solide und unverwüstlich wirkt. Vor allem das Gehäuse macht sie aber auch relativ schwer, die Elektronik kann an sich nicht so viel wiegen – 446 g beim SBP-2 und 785 g beim SBP-1 sind schon stolze Gewichte für Bodentreter. An sich ist das erst mal egal, bis man sich irgendwann am Pedalboard einen Bruch hebt, weil man mehrere Effekte der Gewichtsklasse da drauf hat.

Beide Pedale haben drei Drehregler: Volume, Bass und Treble. Die Sadowsky Elektronik ist traditionell etwas anders aufgebaut als die meisten Konkurrenzprodukte, sie ist eine Boost-only-Elektronik. Bässe bei 40 Hz und Höhen bei 4 kHz können um bis zu 13 dB geboostet werden, eine Absenkung der Frequenzbänder ist nicht möglich. Man sagt den alten Music Man Elektroniken nach, dass sie ebenfalls so aufgebaut seien, meines Wissens ist das allerdings falsch. Wer aktive Bässe spielt, wird aber auch eher selten Bässe an der Elektronik absenken – und bei der Bodentreter-Variante hat man am Instrument ja noch die Möglichkeit, Höhen herauszudrehen, was ja deutlich öfter benötigt wird. Sadowsky-Bässe sind zusätzlich zur aktiven Elektronik auch meist noch mit einer passiven Höhenblende ausgestattet.

Im Test: Sadowsky SBP

Simpel: Volume, Höhen, Bass – fertig

Befeuert werden beide Sadowsky SBP entweder von einer 9 Volt Batterie, die über ein Schnappfach ohne Werkzeug wechselbar ist, oder über eine 9 Volt DC-Buchse, wie die meisten Effekte. Ein Netzteil wird nicht mitgeliefert, was aber nicht tragisch ist, da man ja in der Regel bereits eine Stromversorgung auf dem Pedalboard liegen hat. Die Batterie soll bei beiden Versionen über 800 Stunden halten, ein ähnlicher Wert wie bei den meisten im Instrument selbstverbauten Aktiv-EQs. Bei beiden Pedalen leuchtet eine zusätzliche LED auf, wenn sich der Batterieladestand dem Ende zuneigt, ein sehr sinnvolles Feature.

Für den Sadowsky SBP-2 war es das auch schon mit den Features, es gibt noch einen Fußschalter, um das Pedal zu aktivieren/deaktivieren – und das war es. Das Sadowsky SBP-1 hat dazu noch eine eingebaute DI-Box mit Ground-Lift-Schalter und XLR-Ausgang sowie einen Tuner-Ausgang und einen Mute-Schalter. Der wirkt natürlich nur auf Klinken- und XLR-Ausgang, nicht aber auf den Tuner-Out. Da die meisten Tuner selber muten, ist das ziemlich redundant, aber warum nicht. Allerdings bekommt man eine halbwegs ordentliche DI-Box für um die 40,- Euro, während der SBP-1 schlappe 80,- Euro mehr kostet als der SBP-2. An einer externen DI hat man dann mindestens auch noch einen Pad-Schalter, den der Sadowsky SBP-1 nicht hat. Der Sinn des Geräts sei also mal dahingestellt.

Im Test: Sadowsky SBP

Key Features beim SBP-1: DI-Ausgang und Tuner Out

Zwischenfazit

Über 2-Band-Aktivelektroniken im Bodentreterformat lassen sich kaum viele Worte verlieren. Bemerkenswert ist einmal die Boost-only-Auslegung, die sicherlich nicht nur Freunde finden wird und die Tatsache, dass Sadowsky für den SBP-1 80,- Euro mehr nimmt als für den SBP-2, wo doch der Hauptunterschied nur die verbaute DI-Box ist. Und eine DI-Box bekommt man deutlich günstiger. Abgesehen davon müssen die beiden Sadowsky SBP sich im Praxistest bewähren, um weitere Aussagen treffen zu können.

Im Test: Sadowsky SBP

Angesichts des Preis-Leistungs-Verhältnisses ist der SBP-2 zu bevorzugen

Praxis

Da ich dank Corona-Shutdown derzeit nicht in den Proberaum komme, fällt der übliche Praxistest in der Bandprobe erstmal flach. Das ist aber an sich auch weniger schlimm, denn auch über Übungsamp, Kopfhörerverstärker und ins Interface gespielte Signale lassen sich valide Aussagen über die Sadowsky SBP-Preamps treffen. Im Prinzip machen die das, was sie sollen: Sie lassen das Signal weitestgehend in Ruhe und färben nur leicht, so lange man jedenfalls beide EQ-Regler ungewohnterweise auf Null statt auf 12 Uhr belässt. Ganz so neutral wie die Glockenklang-Elektronik in dem einen meiner Bässe sind sie dabei allerdings nicht, der Klang wird schon etwas kompakter und durch die Impedanzentkopplung mit einem Quäntchen mehr Höhen angereichert. Schlecht klingt das aber nicht und gerade bei einem Bodentreter, der einfach per Fußschalter ausgeschaltet werden kann, ist Neutralität definitiv weniger wichtig als bei einem fest verbauten Preamp.

Die EQ-Bänder sind mit 40 Hz und 4 kHz beide vergleichsweise tief angesetzt, was aber dem sinnigen Einsatz sehr entgegenkommt. Mit dem Bassregler kann man sauber die Bässen anfetten, während der Höhenregler eher den Anschlag-Knack und die musikalische Brillanz der Saiten erfasst als ganz hohes Gezischel, das niemand braucht. Rauschen ist auch keines zu vernehmen, es sei denn, man dreht den Höhenregler komplett auf – und das sollte man sowieso sein lassen. Zwar produzieren die Sadowsky SBP auch bei Vollausschlag keinen vollkommenen Soundmüll, aber die verträglichsten Sounds kommen im Bereich zwischen 0 und 6 von 10 heraus, wie bei den meisten aktiven EQs. Die Lautstärke lässt sich mit dem Volume-Regler der Preamps anpassen, was praktisch ist – noch praktischer wäre es aber, wenn der Sadowsky SBP-1 einen Pad-Schalter in der DI hätte, denn gerade bei stark geboosteten Sounds muss man hier am Interface schon sehr weit runter gainen, trotz eines moderaten Volume-Settings.

Wenn man mal Foren durchforstet, wird man des Öfteren die These finden, dass Sadowsky Preamps vor allem mit Fender Bässen harmonieren. Das ergibt natürlich völlig Sinn, da die Firma ursprünglich auf die Aufrüstung eben solcher Instrumente spezialisiert war und die eigenen Instrumente auch stark in eine ähnliche Kerbe schlagen. Der PJ-Bass, den ich hier stehen habe, ist zwar nicht von Fender, aber an sich eine erzklassische Kopie mit Ahorngriffbrett und fettem Ahornhals, lediglich der J-Stegtonabnehmer ist „extra“. Probieren wir es doch zuerst mal mit dem – einmal als Vergleich komplett passiv in die DI gespielt und dann mit dem Sadowsky SBP etwas Höhen und/oder Bässe aufgeblasen.

Das funktioniert schon mal, der Bass bekommt etwas mehr Transparenz und Fett, dafür rückt der tiefmittige Preci-Knorz etwas in den Hintergrund. Solche Sounds lassen sich auch gut mir von Werk ab aktiven Precis entweder von Fender oder den Sadowskys, De Giers und Maruszczyks dieser Welt erzielen. Ich bevorzuge zwar inzwischen das passive Original, aber wer das so sieht, für den sind die Sadowsky SBP sowieso nichts. Die Zielgruppe dürfte zufrieden sein.

Einen Jazzbass habe ich gerade nicht zur Hand, aber dank des Steg-Pickups kann ich auch mit meinem PJ etwas in Jazz-Gefilden wildern. Mit beiden Pickups zusammen muss man etwas aufpassen mit den EQs, da die 2-Band-Elektronik bei entsprechendem Boost das durch die Tonabnehmerkombination bereits inhärente Mittenloch noch weiter heraushebt – bei übertriebenen Einstellungen klingt es hier schnell leer. Wenn man die Kirche im Dorf lässt, kann man sich aber Slapsounds in Richtung Marcus Miller basteln, der ja lange Zeit mit einem „aktivierten“ Jazz Bass unterwegs war und inzwischen auch ähnliche Instrumente der Firma Sire unter seinem eigenen Namen verkauft.

Der Stegtonabnehmer solo profitiert deutlich vom Sadowsky SBP – Jazzbass-Steg-PUs bratzen ja bekanntlich sehr dominante höhere Mitten heraus, mit denen man entweder wie Jaco Pastorius oder aber komplett furchtbar klingt. Die Charakteristik wird natürlich durch das Anheben von Bässen und Höhen abgemildert und so lassen sich hier plötzlich deutlich verträglichere Klänge entlocken.

Der Witz an einer Aktivelektronik im Bodentreterformat ist aber, dass man damit jeden beliebigen Bass „aktivieren“ kann, ohne dass man bohren, schleifen und löten müsste. Auch solche, bei denen man sonst nie auf die Idee gekommen wäre. Hier liegt beispielsweise noch eine Preci-Kopie der Marke Biscayne aus Korea herum, ein Billigstinstrument aus den 90ern, das ich zum Üben auf Dienstreisen nutze, bei denen man damit rechnen muss, dass das Instrument verschüttgeht oder beschädigt wird. Der ist derzeit mit Flatwounds bestückt und klingt nicht besonders gut. Tatsächlich gelingt es aber mit dem Sadowsky SBP, den Sound gut „aufzuklaren“ und das Ding sogar ein wenig nach Steve Harris klingen zu lassen. Wenn man mal ignoriert, dass der Preis der Pedale hier den Wert des Instruments übersteigt, der Einbau einer Aktivelektronik ist ja ein gerne gewähltes erstes Mittel, um ein suboptimales Instrument zu tunen. Das funktioniert mal besser, mal schlechter, je nach Substanz, in diesem Fall ist das Resultat aber tatsächlich gut.

Und als Letztes – wer den einen oder anderen meiner Artikel gelesen hat oder mich in den letzten 10 Jahren live gesehen hat, dürfte wissen, dass ich lange mit einem billigen Epiphone Flying V mit Delano-Tonabnehmer und Glockenklang-Elektronik unterwegs war, also der ganz klassischen Bastelbude. Den kann man auf passiv schalten und in den Sadowsky jagen und siehe da – die etwas simpleren, aber weniger aggressiv ausgelegten Sadowsky SBP harmonieren mit dem Instrument deutlich besser als die Glock. Wenn ich das damals gewusst hätte …

Fazit

Mit dem Sadowsky SBP-1 bzw. SBP-2 bekommt man eine Outboard-Aktivelelektronik für den Bass, die genau ihren Zweck erfüllt. Ein solches Gerät verfügt natürlich nicht über die Einstellmöglichkeiten größerer Preamps, bietet aber die üblichen Features einer Onboard-Elektronik im Bodentreterformat. Und man kann das Gerät mit seinem eigenen Instrument im Laden ausprobieren, anstatt einfach eine Elektronik einzulöten und sich überraschen zu lassen. Ob man einem alten, gut zu bespielenden Instrument einen etwas moderneren Anstrich verpassen oder einen günstigen, vielleicht etwas muffig klingenden Bass klanglich aufklaren möchte, man ist vor allem mit dem Sadowsky SBP-2 gut bedient. Die zusätzlichen Features des SBP-1 rechtfertigen meiner Meinung nach allerdings den Aufpreis von 80,- Euro nicht.

Plus

  • Sound
  • Konzept
  • Verarbeitung

Minus

  • hoher Preisaufschlag für wenige zusätzliche Features beim SBP-1

Preis

  • Sadowsky SBP-1: 259,- Euro
  • Sadowsky SBP-2: 179,- Euro
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