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Test: Harley Benton R-446 Flip Flop Blue, E-Gitarre

Harley Benton goes Progressive

24. September 2023
Harley Benton R-446 Flip Flop Blue

Harley Benton R-446 Flip Flop Blue

Ist sie wirklich blau oder doch eher violett oder grün? Kann man nicht so genau sagen und kommt auch immer darauf an, aus welchem Winkel und bei welchen Lichtverhältnissen man sie betrachtet. Zugegeben, der Flip-Flop-Metalliclack der Harley Benton R-446 Flip Flop Blue ist schon eine ganz witzige Sache und macht vor allem Live mit entsprechender Bühnenbeleuchtung ganz sicher was her. Die Thomann Hausmarke ergänzt ihr kaum noch zu überschauendes Angebot an elektrischen Gitarren um ein weiteres Modell, dieses mal aus der „Progressive Serie“, die dem modernen Einsteiger-Metal-Gitarristen von heute das nötige Werkzeug zu einem erneut unfassbar günstigen Preis in die Hand reicht. Was die schneidige Double-Cut unter ihrer glitzernden Hülle zu bieten hat, werden wir jetzt mal rausfinden.

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Harley Benton R-446 Flip Flop Blue – Aufbau

Ich bin ja nun schon ein ganzes Weilchen dabei und wir von AMAZONA.de haben uns von Anfang an immer mal wieder Gitarren und Bässe von Harley Benton für Tests zukommen lassen. Wurden die Instrumente damals noch zu Recht müde belächelt, so hat sich das Bild im Laufe der Jahre deutlich geändert. Mittlerweile kann man Harley Benton ohne Zweifel als einen der Marktführer im Low-Budget-Bereich bezeichnen – und das ebenfalls zu Recht. Meine Eindrücke aus den Tests der vergangenen Jahre zeigen eine ziemlich steile Kurve nach oben und auch bei der Harley Benton R-446 Flip Flop Blue fallen die ersten Eindrücke durchaus positiv aus. Highlight ist zweifellos die Lackierung mit ihren farblichen Facetten, die sich dem Auge beim ersten Blickkontakt bieten.

Der Metalliclack wurde makellos auf einen Korpus aus Pappel aufgetragen, der mit zahlreichen Shapings an Vorder- und Rückseite versehen wurde. Neben der oft zitierten „Bierbauchfräsung“ auf der Rückseite wurden auch die Ränder der Decke und die Innenseite des unteren Cutaways (beidseitig) bearbeitet. Ideale Voraussetzungen also, um alle 24 Jumbo-Bünde des eingeschraubten Ahornhalses bequem erreichen zu können. Die Qualität der Bundierung kann man als befriedigend bezeichnen. Nicht alle der eingesetzten Bundstäbchen wurden sauber abgerichtet, hier und da ragen ihre Kanten etwas heraus und auch an der Politur der Bundoberflächen wurde wohl gespart. Die ersten Stunden mit der neuen Gitarre werden folglich für ihren Besitzer mit Schaben und Kratzgeräuschen vor allem beim Ziehen der Saiten beginnen, das Problem erledigt sich dann aber bald von selbst.

Mit einem Radius von 400 mm, das entspricht knapp 16″, zeigt sich das Griffbrett für moderne Spieltechniken gut vorbereitet, beim Flitzen durch die Lagen helfen weiße Offset-Dot-Griffbretteinlagen bei der Orientierung. Ein weiteres Merkmal einer modernen Metal-Gitarre ist ein möglichst schlankes Halsprofil und auch damit kann die Harley Benton R-446 Flip Flop Blue dienen. Darüber hinaus blieb die Halsrückseite glücklicherweise von der Lackpistole verschont, lediglich eine dünne Satinlackschicht schützt den Hals an dieser Stelle und sorgt zugleich für ein weitestgehend „klebefreies“ Spielgefühl. 

Hier mal in Purple …

Harley Benton R-446 – Hardware & Pickups

Wenden wir uns der Hardware zu, die stilgerecht in Schwarz erscheint. Um den bestmöglichen Grundsound aus der Konstruktion zu pressen, wurde ein Hardtail-Steg mit Saitenführung durch den Korpus auf der Decke montiert. Die Saiten werden also an der Rückseite des Korpus eingefädelt und dann zu den sechs No-Name-Tunern an der Kopfplatte geführt, die ebenfalls vom Flip-Flop-Lack überzogen wird. Allzu viel sollte man von den Mechaniken nicht erwarten, sie besitzen deutliches Spiel auf ihren Achsen, was das Stimmen nicht immer ganz einfach macht. Ist die Arbeit aber erst einmal erledigt, zeigt sich die R-446 Flip Flop Blue im Großen und Ganzen als recht stimmstabil. Die ausgeprägten Kanten an den Seiten des Stegs bieten der rechten Hand eine bequeme Auflagefläche für präzises Picking oder Dämpfen mit dem Handballen beim Hämmern von Riffs.

Artec Ceramic Humbucker

In aller Regel werden bei Gitarren von Harley Benton Tonabnehmer von Roswell verbaut. Ab und an jedoch steuern auch mal andere Hersteller ihren Teil zum Sound bei, in diesem Fall ist es der koreanische Hersteller Artec, der vermutlich den wenigsten von uns bekannt sein dürfte. Zwei identische Humbucker von Artec wurden direkt in die Decke eingesetzt, ihre Steuerung erfolgt über ein Volume- und Tone-Poti sowie einen „erweiterten Fünfwegeschalter“. Erweitert deshalb, da der Schalter in Position 4 nicht wie sonst allgemein üblich bei dieser Konfiguration den Steg-Humbucker allein in den Singlecoil-Modus versetzt, sondern zusätzlich den Humbucker am Hals als Singlecoil hinzufügt. Den Sparstift bemerkt man auch an dieser Stelle, so lassen sich die beiden Regler nur sehr schwer drehen und auch der Schalter erweckt nicht den besten Eindruck. Aber angesichts des unfassbar niedrigen Preises der R-446 Flip Flop Blue kann man an dieser Stelle schon mal ein Auge zudrücken und sich bei Bedarf nach höherwertigen Parts auf den Zubehörmarkt umschauen.

Harley Benton R-446 Flip Flop Blue Artec Pickups

Harley Benton R-446 Flip Flop Blue – Artec Pickups

Die R-446 Flip Flop Blue in der Praxis

Akustischer Grund-Sound & Handling

Beginnen wir mit einer positiven Sache, die gleich beim Anheben der Gitarre auffällt. Die Harley Benton R-446 Flip Flop Blue ist recht leicht, was zusammen mit dem ergonomisch geformten Korpus und dem schlanken Hals eigentlich gute Voraussetzungen für eine gelungene Performance schafft. Die Ernüchterung vom schönen Äußeren tritt recht früh ein, denn bereits trocken angespielt zeigt sich ein müder und zäher Klang mit nur schwachem Sustain und einer ziemlich platten Dynamik. Störend wirken zudem die rauen Oberflächen der Bundstäbchen unseres Testinstruments, die nahezu jedes Bending und jeden Slide auf dem Griffbrett mit Kratzgeräuschen flankieren und dabei natürlich den Spielfluss unnötig bremsen. Das wird, wie bereits weiter oben erwähnt, bald verschwinden. Der dürftige Grund-Sound jedoch nicht. Schade, denn mit dem Hardtail-Steg und seiner String-through-Saitenführung hätte ich hier eine deutlichere Ansage erwartet!

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Elektrischer Sound

Retten, was zu retten ist! So oder so ähnlich zumindest könnte das Motto der beiden Artec-Humbucker lauten, die sich redlich Mühe geben, den müden Grundklang der Konstruktion irgendwie auf die Sprünge zu helfen. Doch auch sie haben ihre Schwächen, die sich vor allem bei verzerrten Voicings und mehrstimmigen Riffs/Akkorden zeigen. Eigentlich sollte das ja die Stärke einer Metal-Gitarre sein: Präzise und differenzierte Sounds mit viel Gain vom Amp produzieren und dabei in Sachen Nebengeräuschen einen kühlen Kopf bewahren. Das mit den Nebengeräuschen klappt so weit ja ganz gut, nur mit der Präzision hapert es deutlich, was sich durch ein matschiges Klangbild speziell bei hoher Verzerrung zeigt. Recht gut dagegen werden einzeln gespielte Töne von den Pickups abgebildet, aber wer möchte schon ausschließlich Soli spielen?

Ähnlich verhält es sich mit den Clean-Sounds, auch dort herrscht eher ein „bedecktes“ und stumpfes Klangbild. Zudem sind die Unterschiede in der Lautstärke der verschiedenen Pickup-Kombinationen auffällig. Hier muss man vor allem bei den unverzerrten Klängen mit dem Volume-Regler nachhelfen, auch wenn sich der nur zäh bewegen lässt und das Klangbild sowie die Dynamik bei Zurückregeln des Potis deutlich an Fahrt verlieren.

Harley Benton R-446 – Klangbeispiele

Für die folgenden Klangbeispiele habe ich die Harley Benton R-446 Flip Flop Blue zusammen mit einem Orange Micro Dark Röhren-Top und einer daran angeschlossenen 1×12″ Celestion Vintage 30 Box betrieben. Vor der Box wurde ein AKG C3000 Mikrofon platziert.

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Fazit

Auch wenn es einige Kritik an der Harley Benton R-446 Flip Flop Blue gibt, so sollte man stets den extrem niedrigen Preis der Gitarre im Auge behalten. Aus diesem Winkel betrachtet erscheinen die dargestellten Mängel zwar als ärgerlich, für Einsteiger aber bietet das Instrument dennoch eine vernünftige Grundausstattung bei den ersten Schritten in das neue Hobby.

Plus

  • akzeptabel verarbeitet
  • komfortabel geformter Korpus
  • splitbare Tonabnehmer
  • gute Bespielbarkeit

Minus

  • müder Klang/zähe Dynamik
  • Pickups matschen bei High-Gain-Sounds
  • schwergängige Potis

Preis

  • 179,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Diese Gitarre ist ja im Stil der Anfang 1990er Sebring sb-200 und Konsorten, Samik Gitarren Oldschool, nur eben nicht schon so runter genudelt sondern neu erhältlich beim Volksgitarrenhändler Harley Benton /Thomann. Es gibt inzwischen viele tolle regelrechte Erlolgs-Modelle von Harley Benton. Lässige Beginner Gitarre.

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Dieser Metallic Lack sieht einfach herrlich oldschool aus. Diesen Lack gibt es in ganz vielen grob Stufen, um so göber umso mehr Glitzer im Rampenlicht! Herrlich. Meine alte Sebring Gurke hat diesen Lack in Purple. 😉👍

    Dazu die schönen Sound Beispiele, danke dass du einen echten Amp und ein Mikrofon benutzt hast, diese Modeller zeigen einfach nicht die wahren Eigenschaften einer Gitarre. Ich sag immer, ist es denn so schwer ein Mikrofon vor den Lautsprecher zu hängen ?

    • Profilbild
      harrymudd AHU

      ähm…einen Amp mit einer unterversorgten ECC83 als ‚richtigen Amp‘ zu bezeichnen ist äh…gewagt:)
      @Stefan Güte Und sich dann über einen matschigen Sound beklagen und es der armen Einsteigergitarre anlasten. ts ts ts🙄😂

        • Profilbild
          harrymudd AHU

          @Stephan Güte Ach Stefan… warum dann immer dieser MatschePatsche Orange?
          Das ist eine 180,- Gitarre. Da muss man schon ein paar Abstriche machen.
          Aber einmal neue Saite und richtig einstellen und die Gitte spielt sicher in einer höheren Liga.
          Und merke: Pickups können nicht matschen – Amps schon.
          Ihr schreibt hier doch alle Nase lang in euren Wörkschops, wie man eine Gitarre einstellt.
          Außerdem ist die Einstellung auch Einstellungssache🙂

  3. Profilbild
    OscSync AHU

    Klingt wirklich sehr muffig. Also insgesamt eher Blendwerk. Da würde ich Anfängern doch sehr dazu raten, irgendwie noch ca 50€ mehr zu sparen und zu Bewährtem wie einer Yamaha Pacifica oder wenn´s härter aussehen soll einer günstigen Ibanez (möglichst mit Hardtail) zu greifen….

  4. Profilbild
    chardt

    „für Einsteiger aber bietet das Instrument dennoch eine vernünftige Grundausstattung“
    Einspruch: Wenn es an der Basis (Tonholz) fehlt, dann lässt sich da eben später nichts mehr ändern und der Anfänger hat weniger davon: Müder Klang kann einem echt das Üben verleiden.
    Lieber gleich eine Gitarre mit gutem Korpus (Esche, Erle, …) und dann später die Tonabnehmer und ggf. sonstige Hardware aufrüsten.

  5. Profilbild
    harrymudd AHU

    Ich denke bei einer 180,- Gitarre kann man nicht mehr erwarten.
    Wenn ich an meine erste Gitarre denke… Salvarez Les Paul Kopie mit geschraubtem Hals, Hohlraum unter der gewölbten Decke und dermaßen mikrofonischen Pickups, das lautes verzerrtes Spielen nicht möglich war.
    Von daher ist das Fazit hier schon ok.
    In der Regel sollten erst einmal vernünftige Saiten aufgezogen und ein Setup gemacht werden, dann ergibt sich gleich ein anderes Bild.

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